Alles pendelt sich ein

"Kind, es ist total lieb von dir, mir sowas anzubieten. Aber es widerspricht allem, worauf dein Vater und ich immer hingearbeitet haben. Wir wollen dir das Haus doch vermachen."
"Das war mir schon klar, aber das Leben war gegen eure Entscheidung und wie du mir einmal sagtest; das Leben ist nicht fair! Vielleicht reicht es, das Haus zu vermieten. Ich weiß es nicht. Aber es ist an der Zeit, Papa in ein Heim zu bringen, wenn du nicht willst dass du vor ihm ins Grab kommst. Du hast die Kraft nicht mehr und ich lasse nicht zu, dass ich auch dich noch verliere, solange ich die Chance habe, das zu unseren Gunsten zu beeinflussen. Versprich mir bitte, eine Einweisung ins Auge zu fassen. Ich werde diese Woche Erkundigungen einholen, wie wir das finanziell verkraften können. Vielleicht reicht es ja wirklich, das Haus oder vielleicht die Wohnung zu vermieten. Aber dann kannst du wieder leben. Mit Tommy und mir. Und Vater geht es auch gut." - "Ich weiß nicht." - "Aber ich weiß es und noch haben wir die Wahl. Wenn wir so weitermachen, stellt sich nicht mehr die Frage auf was wir verzichten wollen... Dann wird uns gesagt, auf was wir zu verzichten haben! Möchtest du das, Mama?" 
Das wollte sie natürlich nicht! Und so kam es, dass Silvias Vater endlich in ein Heim kam, wo er professionell gepflegt wurde. Es stellte sich heraus, das es reichte, Silvias Wohnung zu vermieten. Die Miete in Verbindung mit Papas Rente und dem Pflegegeld finanzierten seinen Heimaufenthalt. Mit Mamas Rente und Silvias Geld konnten die drei in dem netten Reihenhäuschen bleiben und Silvia nach gut eineinhalb Jahren wieder arbeiten gehen, da Tommy ja jetzt bei seiner Oma bleiben konnte. Silvia arbeitete gern, aber ihr Sohn war das Wichtigste in ihrem Leben und dazwischen gab es nichts.
Ihre Mutter beobachtete das mit Sorge. "Warum gehst du nie aus, Kind? Wie sollst du jemals jemanden kennenlernen, wenn du immer nur in der Arbeit und zu Hause bist?" - "Mir fehlt doch nichts Mama. Und schon gar kein Mann! Ich könnte viele kennenlernen, wenn ich das wollte, Mama. Ich werde jeden Tag angeflirtet, öfter als mir lieb ist. Ich weiß nicht, ob es den Mann überhaupt gibt, der mir genügen würde, aber bisher schrecken mich die Verehrer eher ab! Ich bin nicht so Eine, die das braucht! Ich weiß, wie ich auf Männer wirke und vielleicht kommt mir einer mal zufällig in die Quere, bei dem ich was fühle, aber bisher war nicht Einer dabei, der mich auch nur im geringsten interessiert hätte." - "Weißt du Silvia, es ist ja nichts aus der Zeit mit achtundzwanzig, aber trotzdem  wär es gut, wenn du einen Partner finden würdest. Schon für Tommy, bevor er in die Schule kommt. Natürlich müsste es einer sein, der dir entspricht." - "Eines steht fest, Mama, wer meinen Sohn nicht liebt, wird auf meine Liebe verzichten müssen. Und der Mann der mich glauben macht, er könne das Kind eines Anderen wirklich vorbehaltlos lieben, an den glaube ich erst, wenn er vor mir steht mit meinem Sohn auf dem Arm und ich spüre, dass die beiden wie Vater und Sohn sind." Es sollten beinahe noch zwei Jahre vergehen, bis sie durch Zufall einem Mann begenete, an dessen Existenz sie nie geglaubt hatte.

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