Always look on the bright side of life

Die Rückfahrt war erfüllt von meinem Schweigen, von weiteren Vorwürfen, vom Verteufeln der Hausärztin und der Pfleger in der Psychiatrie. Alles war schlecht und böse, nur die beiden hatten alles richtig gemacht... glaubten sie.

Weil ich nicht redete, glaubte meine Mutter ich fände es schade, nicht mehr dort zu sein. Nein, so schlimm war es dann doch nicht. Ich fand es dort genauso furchtbar wie unter ihrem Regime. Beides war nicht allzu erstrebenswert, die Klinik aber nur deshalb nicht, weil ich keine Kosmetiksachen, Kleidung und Essen bekam. Sonst wär ich vielleicht da geblieben. Ich glaube, das machte meinen Eltern am meisten Angst. Dass irgendwas mit mir und ihnen nicht in Ordnung war.
Es war für die beiden ein unvorstellbarer, grausamer Gedanke. Und glaubt nicht, dass es das für mich nicht war. Welches Kind gestand sich schon gerne ein, dass es unter der Fürsorglichkeit seiner Eltern litt? 

Also hörte ich dauernd Fragen wie 'Findest du es so furchtbar bei uns?' oder 'Was hast du denen denn überhaupt erzählt?', beziehungsweise 'Warum wolltest du uns denn gestern Abend nicht sehen?' Darauf schlug mir des Öfteren 'Wir waren total am Ende', 'Wir waren total traurig' oder 'Du hast uns so viel Kummer bereitet' entgegen. Glaubt ihr mir, dass ich keine besondere Lust und Kraft hatte, auf diese Dinge zu antworten? 

Ich wusste, dass ich in der Psychiatrie vom Regen in die Traufe gekommen war und jetzt von der Traufe in den Regen zurück kam. Großartig. Oder wie es bei 'Das Leben des Brian' hieß... ach ja, ihr kennt das Zitat sicherlich noch vom Anfang. 

Zum krönenden Abschluss hatte ich dann auf dem Rewe-Parkplatz (Wir hatten beim Rewe ein paar Dinge für das Frühstück eingekauft) einen Kreislaufzusammenbruch und wäre beinahe ohnmächtig geworden. Meine Eltern mussten mich mit Wasser und Gummibärchen erstmal aus der Unterzuckerung holen und aus Erschöpfung schaffte ich es nicht mal eingenständig zu duschen, weil mir im Badezimmer noch ein paar Mal der Kreislauf versagte. 

Aber wie heißt es doch so schön? Always look on the bright side of life! Worüber beklage ich mich? Ich kam aus dem Nichts und ging ins Nichts. Was hab ich verloren? Nichts.

Comments

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    Wow, deine Geschichte hat mich echt berührt. Ich muss da auch den anderen zustimmen; es war trotz allem ein Schritt in die richtige Richtung. Ich weiß selbst, wie schwer es sein kann, sich seine Probleme einzugestehen und anderen zu öffnen... Ich habe selbst eine Psychotherapie hinter mir, und finde diese Situation in der Klinik einfach nur unmenschlich. Es tut mir sehr leid, dass Du ausgerechnet so eine seltsame "Anstalt" erwischt hast. Aber dennoch ist es ein Anfang, wenn auch kein guter. Vielleicht hast Du ja ein paar Freunde, denen Du dich anvertrauen kannst? Liebste Grüße und stay strong!

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    Tut mir so leid, durch was du alles durch musstest und musst. Ich wünsche dir weiter ganz viel Kraft und gib ja nicht auf! Ich habe auch einiges hinter mir, worauf ich hier nicht eingehen werde, und kann das alles sehr gut nachvollziehen ...

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    Was zum Henker ist das für eine krasse Klinik, in der man nichts zum Essen bekommt? O___O So viel ich find der bei uns weiß, wirst du da gezwungen zu essen. Du tust mir leid Vince, aber wie Shari sagt, du hast dich getraut und die ersten Schritte gemacht. Das ist viel wert! Du bist viel weiter als vorher, also atme tief ein und aus und geh den nächsten und übernächsten Schritt. Du schaffst das, denn du hast alle Kraft dafür in dir. Du musst sie nur genauer erforschen.

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    Ich sehe es etwas anders, trotz allem, Vince. Du warst mutig. Du trautest dich. Du hast eigene Schritte gemacht. Du hast, wie du weiter vorn schriebst, zum ersten Mal etwas FÜR DICH gemacht, ganz bewußt. Ok, es mag den Anschein machen, du seist wieder gleich weit wie vorher. Nein, du hast deinen Weg unter die Füße genommen. Weitere werden folgen, vielleicht dir angepasstere.

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