Animalrider (40)

Diese durchschritt er und… kurz darauf befand es sich auf einem mächtigen Schiff! Es war gerade ein Unwetter im Gang und das Schiff schaukelte stark hin und her. Er blickte durch ein Bullauge nach draussen. Dort fiel dichter Regen, alles war dunkel und kalt. Es schauderte ihn, als er sich umblickte. Er befand sich im Bauch des Schiffes, stellte er fest und alles war voller unheimlicher Schatten. Auf einmal vernahm er ein Zischen in seiner unmittelbaren Nähe. Marc gefror das Blut in den Adern. Eine Schlange! Er sah kaum etwas, doch gerade schaukelte das Schiff wieder und das Licht der an der Decke aufgehängten Laterne, fiel auf einmal auf den mächtigen, dunklen Körper einer Schlange. Sie lag auf dem toten Leib eines Jungen, dieser war gekleidet in ein Kobragewand. Als sich das Reptil ertappt fühlte, zischte es noch bedrohlicher und richtete sich zur Angriffsstellung auf. In diesem Moment wurde Marc irgendwie in eine andere Realität hineinkatapultiert! Er betrachtete sich nun selbst von aussen. Er sah jedoch ganz anders aus. Aber er wusste dass es sich um ein altes Ich von ihm handelte, wahrscheinlich als er noch Kangi gewesen war. Diese Annahme wurde nun bestätigt, als die Schlange zu seinem Pendant sprach: „Ach Kangi… schade musstest du das mit ansehen, nun werde ich dich wohl auch töten müssen.“ Marc hörte sich selbst sagen: „Aber… warum hast du das getan, warum hast du den Jungen getötet?“ „Das kannst du dir doch denken. Goldenes Auge hatte ja nur noch Augen für diesen Jungen, mich nahm sie gar nicht mehr wahr. Dabei war ich einst auch ihr Schüler. Vielleicht wäre ich sogar ihr Nachfolger geworden. Sie jedoch hat mir dieses Sternkind vorgezogen. Wir Tiere werden immer mehr von euresgleichen verdrängt und da fragst du noch warum? Wenn es nach mir ginge, würde ich eine klare Trennung von euresgleichen und unsresgleichen verlangen.“ „Aber wir sitzen nun mal im selben Boot“, sprach Kai. „Die grosse Flut unterscheidet nicht zwischen Menschen und Tieren und wir sollten das auch nicht tun. Wir sind doch Brüdern und Schwestern von Anbeginn.“ „Das würdest du wohl gerne so sehen!“ spottete die Schlange „dabei war es nie so! Wir sind nicht vom selben Blut, wir sollten nicht zusammenleben, wir… können nicht zusammenleben, denn ihr werdet uns immer Leid zufügen und uns alles nehmen, was uns lieb und teuer ist.“ „Ich glaube du verrennst dich da in etwas Bruder „Schwarzer Zahn“. Wir brauchen einander doch alle, jetzt da wir unserer Heimat beraubt wurden sowieso.“ „Nein!“ zischte die Schlange „Mein Volk braucht euch nicht. Wir hassen euch, ich hasse euch!“ „Aber nicht alle Schlangen denken so.“ „Alles Verräter. Verräter an ihrer eigenen Art! Sie alle verdienen den Tod, ja auch du…!“ die Schlange schnellte auf einmal vor, doch Kai wich geschickt aus und hob seinen Tomahawk, die weissen Adlerfedern am Griff, raschelten leise dabei. Die beiden belauerten und umkreisten einander eine Weile. „Du hättest den Jungen niemals umbringen dürfen!“ sprach Marcs altes Ich mit kalter Stimme. „Ich werde ihn rächen.“ „Natürlich…“ zischte die Schlange verächtlich „Rache ist genau das, was man von einem Allessehenden erwarten würde, nicht wahr? Ihr seid kein Bisschen besser als wir, ihr bildet euch ein die Krone der Schöpfung zu sein, doch das seid ihr nicht. Ihr seid jämmerliche Kreaturen, die niemals überlebt hätten, wenn die Tiere sich nicht um euch gekümmert hätten. Aber nun erhebt ihr euch über uns.“ „Es war nie meine Absicht, mich über euch zu erheben, ich habe euch immer den grössten Respekt entgegengebracht. Für dich jedoch Schwarzer Zahn, habe ich keinen Respekt mehr. Du bist ein Mörder und jemand der Zwietracht sät. Deinetwegen ist die Stimmung unter Tieren und Menschen so angespannt geworden, du hast alle aufgehetzt, nur weil du es nicht ertragen kannst, dass jemand dich übertrumpfen könnte.“ „Ich muss keine Angst haben vor den… Zweibeinern!“ stiess die Schlange zornig hervor und schoss erneut auf Kangi zu. Marc der alles von aussen betrachtete, begann sich nun immer mehr an alles zu erinnern, was sich damals zugetragen hatte und mehr und mehr begriff er seine Abneigung gegenüber von Schlangen. Sein altes Ich, der den Angriff des Reptils erneut geschickt abgewehrt hatte, sprach nun: „Du hast dich ganz verloren in der Finsternis Schwarzer Zahn, dein Gemüt ist umnachtet. Du entwürdigst die wunderbaren Taten deiner grossen Vorfahren auf schändliche Weise. Schliesslich war es damals die gütige Schlangenmutter, welche in einer Dürre den Menschen half und die Welt zu neuem Leben erweckte, dadurch dass sie das Wasser zurückbrachte. Soviel Weisheit läge in der Schlangenmedizin, doch du handelst allem zuwider was wertvoll und teuer ist. Du hast dich versündigt und du wird dafür die Konsequenzen tragen müssen…“ Während Kai das sagte, machte er eine plötzliche Bewegung auf die Schlange zu und schlug mit der geschärften Seite seines Tomahawks blitzschnell zu, als sie sich ihrerseits zu einem weiteren Angriff rüstete. Er traf sie gleich hinter dem dreieckigen Kopf und trennte ihn mit einem Hieb ab. Dieser rollte zu Boden, die elliptischen, katzenartigen Pupillen, welche vorhin noch böse und verschlagen gefunkelt hatten, erloschen von einem Moment auf den andren! Sie waren nach oben gerichtet, als hätte die Schlange noch vor ihrem Tod die grosse Regenbogenschlange erblickt, welche die ganze Welt umspannte. Es war die Regenbogenschlange, von welcher man sich erzählte, dass sie einst die Welt gerettet hatte… und Marc erblickte auf einmal einen wundervollen Regenbogen über sich und auf diesem Regenbogen wurde er hinfort getragen, an einen anderen Ort.

 

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