Animarider (6)

Marc endete nun mit seiner Erzählung und einen Augenblick lang wurde es totenstill um die beiden. Nun war Nathalie zutiefst berührt. „Aber...warum sah ich diesen Büffel? Ich kannte diese Geschichte gar nicht und doch war es so real.“ „Das ist wirklich erstaunlich,“ bestätigte Marc. „Ich hätte da noch einige Geschichten zu erzählen,“ sprach das Mädchen „aber ich muss wieder arbeiten. „Wollen wir nicht mal zusammen einen Kaffe trinken gehen?“ fragte Marc schnell. „Ich glaube wir haben da sehr viel gemeinsam.“ Nathalie überlegte einen Moment, dann meinte sie: „Vielleicht heute Abend.“ Kennst du denn ein gutes Lokal? Ich bin eben nicht von hier. Eigentlich kam ich nur wegen der Ausstellung. Ich wohne eigentlich im Züricher Oberland, in Rüthi.“ „Ich wüsste da schon ein interessantes Lokal,“ sprach Nathalie. „Dort hat es auch gute Musik. Es ist hinter dem Kloster St. Gallen. Wir könnten uns ja dort treffen, sagen wir um halb sieben? Das Kloster kennt jeder.“ „Es würde mich sehr freuen. Ich habe ja sowieso Urlaub.“ „Ich auch schon bald. Morgen hab ich ausserdem frei, wie immer am Montag. Übrigens, was machst eigentlich du beruflich so?“ „Ich bin Schreiner bei einer Firma in Jona. Das liegt nahe bei Rüthi.“ „Darum bist du also so geschickt beim Anfertigen von indianischen Gegenständen!“ „Es hilft sicher!“ Er lachte sein besonderes Lachen und Nathalie's Herz schlug auf einmal einige Takte schneller. Dieser Mann gefiel ihr wirklich ausserordentlich.

Auch Marc war irgendwie total aufgeregt, als er das Museum verliess und den Stadtparkt durchquerte. Er freute sich schon jetzt darauf dieses besondere Mädchen wiederzusehen. Noch nie zuvor war ihm jemand wie sie begegnet. Mit ihr war alles so natürlich.

Er fühlte sich auch körperlich sehr von ihr angezogen. Sie war bildhübsch und strahlte dabei wirklich etwas aus. Da hatte er schon andere schöne Mädchen gekannt, die ihn aber eher an hübsche Puppen ohne viel Inhalt erinnert hatten. Aus solchen Bekanntschaften wurde dann nie mehr als ein „One night stand“. Doch das konnte er sich mit Nathalie nun überhaupt nicht vorstellen. Er spürte dass sie eine sehr sensible, feinfühlige Seele war und auch wenn er sie zweifellos sehr begehrenswert fand, wollte er mit ihr eine tiefere Verbindung eingehen, als mit all den andern Mädchen die er bisher getroffen hatte.

 

Nathalie bewegten ganz ähnliche Gedanken. Sie war deshalb auch sehr aufgeregt und wollte sich für den Abend etwas herausputzen. So entschloss sie sich eine dunkelrote Bluse mit beigem Floral Muster (was zur Zeit gerade so in Mode war) und einem V- Ausschnitt anzuziehen. Dazu kombinierte sie eine passende, elegante Hose mit weiten Stössen. Sie schminkte sich in den selben Tönen und legte einen dezenten Schmuck an.

Wohlgemut ging sie dann zum Kloster, wo Marc bereits auf sie wartete. Erst jetzt fiel ihr auf wie gross er eigentlich war. Er überragte sie um Haupteslänge und sie war ja schon 1,75m gross. Sein Haar war offen und glänzte in den abendlichen Lichtern seidig. Er lächelte sie charmant an und wieder begann ihr Herz heftiger zu schlagen. „Es ist kalt heute, was?“ sprach sie deshalb, um ihre Verlegenheit zu überspielen. „Ja allerdings. Ohne Zweifel bin ich in einem kalten, ungemütlichen Monat geboren.“ „Du hast im November Geburtstag?“ „Ja, am 12. November. „Ich am 12. März!“ „Also ein Frühlingskind. Das passt zu dir.“ Nathalie lächelte und meinte schlagfertig: „Frühlingskinder brauchen Wärme, deshalb sollten wir so schnell wie möglich ins Restaurant. Es ist gleich da hinten!“ Sie hakte Marc spontan unter und die beiden machten sich auf den Weg.

Dabei sahen sie nicht, wie unsichtbare Augen sie beobachteten...

 

Während der Rat über das weitere Vorgehen beriet, galt meine Sorge vor allem Kai. Seit dem was der Adler prophezeit hatte, wirkte er in sich gekehrt. Ein Schatten hatte sich über sein Gesicht gebreitet. Auch die andern „Allessehenden“ wirkten niedergeschlagen.

Ich wusste nicht wie ich ihnen Mut machen sollte. Was Weiser Adler und der Rabe gesagt hatten stimmte natürlich. Doch solche Dinge sind nicht so einfach. Auch mir zerreisst es oft beinahe das Herz, wenn ich all das Leid sehe, dass mein Volk heimsucht. Ich weiss nicht ob ich nicht auch Krieg führen würde, wenn andere mir alles zerstören und wegnehmen wollten. Wir Tiere hatten auch schon unsere Kriege. Doch die Zeit machte uns weiser. Ich bin alt und das Alter bringt innere Ruhe mit sich. Doch Kangi, Sunkmanitutanka und die andern Sternkinder sind noch jung. Sie wissen nichts von Krieg und Leid, weil wir schon sehr lange in Frieden leben. Doch auch das kann sich wandeln...eines Tages.

Wie die Schlange sagte: Es gibt schon Zwietracht zwischen unseren Brüdern und Schwestern. Was wird uns noch erwarten? Werden wir diese Konflikte einfach beilegen können? Ich weiss es nicht. Suna und Kai...sie sind so ein schönes Paar und meinem Herzen so nahe. Ich möchte sie am liebsten immer beschützen ihnen immer beistehen. Das Schlimmste wäre für mich, wenn sie vom guten Wege abkämen, weil das Leid, die Anfechtungen zu gross werden.

Möge Wakan Tanka (Der Grosse Geist) das vehindern...

Der Abend den Nathalie und Marc verbrachten war sehr schön und erst spätabends trennten sie sich wieder. Sie hatten über sehr Vieles gesprochen und fühlten sich einander nun noch verbunden. Sie beschlossen deshalb ihren Kontakt aufrecht zu erhalten. Allerdings erstmal als gute Freunde, denn beide wollten sich nicht zu schnell in eine neue Beziehung stürzen. Die Gründe dafür waren aber bei den beiden etwas anders. Nathalie wollte Marc noch näher kennenlernen. Sie wusste dass er noch andere Seiten, neben seinem Charme und seiner Tiefgründigkeit hatte. Irgendwie waren ihr diese Seiten etwas unheimlich. Sie merkte, dass er einen grossen Freiheitsdrang und ein Faible für Konfrontationen besass. Sie wusste nicht ob sie das wollte, denn sie mochte es eher ruhig und beständig. Für sie bedeutete Liebe sich ganz und gar hinzugeben. Ohne sich aber ganz aufzugeben. Wenn sie sich mit einem Partner zusammentat, wollte sie sich geborgen und ganz und gar angenommen fühlen. Die Hingabe die sie bereit war zu investieren, verlangte sie auch vom andern. Sie war sich noch nicht ganz im Klaren ob Marc ihr das auf Dauer geben konnte.

Marc hatte durch sein Einfühlungsvermögen schnell erkannt, dass man mit Nathalie nicht leichtfertig umgehen konnte. Sie forderte viel von einem Partner und stand auch dafür ein. Er wusste nicht ob er dem gerecht werden konnte, oder es überhaupt wollte, denn seine eigene Freiheit lag ihm schon sehr am Herzen und er war noch nicht bereit diese aufzugeben. Denn, so wusste er, sobald er sich tiefer mit diesem besonderen Mädchen einliess, war es für immer. Das fürchtete er ein wenig.

 

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