Ankunft am Grimmauld Place

Ankunft am Grimmauld Place

Meine Eltern würden Ende der Woche in ihren fast vierwöchigen Urlaub nach Südfrankreich aufbrechen und erst kurz vor Schulbeginn wiederkommen. Um dem Ganzen zu entgehen, da ein Urlaub nicht wirklich in meinen Tagesplan passte, hatte ich auf Wunsch meiner Eltern Anfang der ersten Ferienwoche Kontakt mit den Weasleys und Dumbledore aufgenommen und ihnen meine Lage dargelegt, dass meine Eltern wegfahren würden, ich aber hierbleiben würde. Professor Dumbledore sagte, dass dies überhaupt kein Problem sei, er für mich eine Unterkunft hätte, da ich in diesen Zeiten unmöglich alleine bleiben könnte. Das hatte ich mir zwar anders vorgestellt, würde mich aber nicht aufhalten meine Pläne trotzdem umzusetzen, vielleicht etwas erschweren, aber ich würde das schon schaffen. Ich war da sehr optimistisch.

Machte ja sonst auch keinen Spaß, wenn’s zu einfach wäre! Da schlug dann immer wieder mein Zynismus durch. So saß ich nun Sonntagvormittag in unserem BMW und wurde von meinen Eltern zum Grimmauld Place gefahren. In dem Brief von Professor Dumbledore hatte gestanden, dass er mich um 10 Uhr im Park vor dem Grimmauld Place erwarten würde.
Mein Vater half mir mit meinem Gepäck.

„Sollen wir noch warten, Liebes?“, ließ sich Mum aus dem Fond des Wagens vernehmen.

„Nein, Mum, lasst mal. Nicht, dass ihr noch euer Flugzeug verpasst!“, rief ich aus.

„Wirklich Schatz, wir warten gern!“, beteuerte sie.

„Das weiß ich doch, Mum. Aber ich werde hier nicht lange warten müssen und ich weiß doch wie sehr ihr euch auf den Urlaub freut. Geht ruhig“, lächelte ich sie entspannt an.

Da zog mich Dad einfach wortlos in eine Umarmung und murmelte: „Pass auf dich auf, Kleines! Wir lieben dich!“ Er küsste mich auf meine Wange.

„Ich euch auch, bis bald und schöne Ferien!“, ich beugte mich zu Mums Autofenster.

„Lasst es euch gut gehen! Bis bald!“, winkte ich ihr noch zum Abschied, als sich auch schon das Auto in Bewegung setzte und damit entschwanden meine Eltern in ihren Urlaub und hatten keine Ahnung, dass sie ihre Tochter in einem beginnenden Krieg zurückließen. Ich richtete meinen Blick auf die Umgebung. Hinter mir war der eingezäunte, typisch englische Stadtpark, mit seinen alten Bäumen und der grünen Wiese. Auf der anderen Straßenseite waren die gängigen, englischen

Einfamilienhäuser aus roten Backsteinen zu sehen, groß und solide. Ein kaum wahrnehmbares, leise ploppendes Geräusch neben mir, das ich nur wahrnahm, da ich wie eine Verrückte übte so etwas auch hinzubekommen, riss mich aus meiner Betrachtung der Umgebung.

Ok, ich geb‘s zu. Hiervon war ich noch ein klitzekleines bisschen entfernt! Ja, ist ja gut, dagegen hörte ich mich wie eine Fehlzündung eines Motors an, zufrieden! Innerlich zog ich ein wehleidiges Gesicht, als würde ich auf etwas sehr Saures beißen. Ich drehte mich zum Geräusch und lächelte treuherzig, bloß nicht zu tief in die Augen schauen und blickte auf sein graublaues wallendes Gewand, wie er sie zuhauf trug. Ich glaubte zwar nicht, dass die Mauern zur Verteidigung meines Geistes schon stark genug waren, aber das würde mich nicht abhalten sie trotzdem zu erschaffen.

„Professor!“, stieß ich gespielt überrascht hervor. „Wo kommen Sie denn her?“, spiel noch ein bisschen verblödete Hermione. Aber gerade bei Dumbledore musste meine Tarnung perfekt stehen! Seine Einmischung zum jetzigen Zeitpunkt wäre fatal und bisher hatte ich es geschafft von ihm relativ unbeobachtet zu bleiben, als Harrys Freundin, die Streberin, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

„Miss Granger, erfreut Sie zu sehen. Bin ich zu spät?“, fragte er gewohnt freundlich und strahlend lächelnd, dabei blinkten und blitzten seine hellblauen Augen hinter seiner Halbmondbrille gut gelaunt, als er sich suchend umsah.

„Nein, Professor, wir waren zu früh, da aber der Flieger nicht auf meine Eltern wartet, habe ich sie schnell weiter geschickt, oder hätten Sie noch mit ihnen sprechen wollen?“, fragte ich betont höflich.

„Nein, nein, ist ja alles geschrieben worden. Aber nun weiter, Miss Granger. Sie wollen sicher so schnell als möglich zu Ihren Freunden, die Sie schon überaus ungeduldig erwarten“, dabei griff er in seine Robe und zückte ein Pergament, das er mir bei diesen Worten reichte. Ich nahm es entgegen und las es aufmerksam. Dort stand: „Das Hauptquartier des Orden des Phönix ist Grimmauld Place Nr. 12!“, und schon ruckelten die roten Backsteinhäuser, glitten zur Seite hin auseinander und ließen ein bisher nicht sichtbares Gebäude vor meinen erstaunten Augen entstehen, während das Papier in Flammen aufging und zu Asche zerfiel.

„Fidelius“, flüsterte ich beeindruckt.

Ein Kichern an meiner Seite ließ mich Professor Dumbledore anschauen. „Sie kennen den Zauber, Miss Granger?“, fragte er neugierig und klang dabei aber mehr als nur gut gelaunt.
Ich fing an zu rezitieren, während wir auf die Tür des Hauses zugingen.

„Mit dem alten und sehr komplexen Fidelius kann das Wissen über geheimzuhaltende Aufenthaltsorte oder Gebäude im Gedächtnis einer Person versteckt werden. Nur der sogenannte Geheimniswahrer weiß fortan wo dieser Ort ist und nur diese Person kann diesen Ort für andere auffindbar und begehbar machen. Wer die Information des Geheimniswahrers nicht hat, kann direkt vor dem Gebäude stehen, oder sogar seine Nase an die Fensterscheibe drücken und findet dennoch nicht was er sucht. Wie der Name Fidelius (lat. fidelis = sicher, treu, zuverlässig) andeutet, hat der Geheimniswahrer also eine absolute Vertrauensstellung“, beendete ich geflissentlich meine geschäftige Ausführung.

Ich hatte geklungen wie ein Schulbuch, was positiv war, denn jeder unterschätzte Streber, da sie annahmen, dass man das Wissen, welches man besaß, nur auswendig herunterleierte und es nicht anzuwenden wusste. Professor Snape war davon überzeugt und ich denke auch die anderen Professoren ließen sich von dieser vorgefassten Meinung einlullen und das sollte mir nur recht sein. Unterschätzt zu werden, war besser als überschätzt zu werden.

„Sehr beeindruckend, Miss Granger. Wie immer vollkommen korrekt, wenn wir in Hogwarts wären, wurde ich Ihnen für diese Leistung 10 Punkte verleihen!“, lobte er mich gutmütig und klang wie ein Kleinkind, das nun vergnügt vor sich hin summte.

„Professor, wem gehört dieses Haus?“, fragte ich neugierig und durchbrach seine gute Laune.

„Oh,… den Blacks, meine Liebe.“

Er öffnete nun die Türe. „Bitte, kommen Sie doch herein“, und wedelte mit seinem Zauberstab in Richtung meines Gepäcks, das sich daraufhin in die Lüfte erhob und uns schwebend ins Innere des Hauses folgte. Wow, Sirius‘ Haus, ein echtes, richtiges, schwarzmagisches Zaubererheim. Ich war total aufgeregt und nervös, nicht zu vergleichen mit dem schiefen, fröhlichen und lauten Fuchsbau. Ich verbarg meine aufkeimende Freude durch einen gespielt furchtsamen und nervösen Blick, denn meine Miene sollte meine Unsicherheit zeigen. Wir traten in einen düsteren, langen Flur. An den Wänden hingen Gemälde, welche die Portraits längst verstorbener Blacks zeigten, die uns mit bösen und missbilligenden Gesichtern kritisch beäugten und bewerteten, um uns dann leise wispernd zu beschimpfen, sie doch nicht zu stören.

Hier und dort stand widerwärtiger Nippes wie beispielsweise ein Trollbein, das als Schirmständer missbraucht wurde. Alles wirkte heruntergekommen und unbewohnt. Die Spinnweben an der Decke und der allgegenwärtige Staub, dies alles machte einen sehr unheimlichen Eindruck, aber der vergangene Glanz imposanter Zeiten war überall erkennbar. Was mir sehr gut gefiel waren die silbernen Türgriffe- und Klopfer, die filigrane, detailverliebte Schlangen darstellten. Der Professor bedeutete mir, mit einem auf den Mund gelegten Finger, leise zu sein und führte mich tiefer in das alte, schwarzmagische Haus.

Wir näherten uns einer Tür, hinter der Stimmen zu vernehmen waren. Dumbledore öffnete die Tür und hatte dann auch das staubige, aus tiefstem, dunkelbraunem Holz gefertigte Treppenhaus, das mit den geschmacklosen, verschrumpelten Köpfen der ehemaligen Blackhauselfen geschmückt war, hinter uns gelassen. Schön war das hier nicht, aber eine gewisse Atmosphäre konnte man dem Ganzen schon zugestehen und mir gefiel die Spannung hier. Da konnte der Fuchsbau echt nicht mithalten. Das Haus übte eine unglaubliche Ausstrahlung auf mich aus, der ich mich sofort hingegeben hätte, wenn ich nicht meine Rolle der braven Hermione hätte mimen müssen. Schon traten wir durch die Tür, die uns in eine alte, aber saubere und große, lange Küche führte, in deren Mitte ein langer Esstisch verlief, an dem mehrere Personen saßen, die meisten mit roten Haaren.

„Hermione!“, schallte es mir da auch schon laut schreiend entgegen. Ron und Ginny waren aufgesprungen und stürmten auf mich zu. Ich freute mich sie zu sehen, aber ich hasste so was, dafür war mein wahres Ich viel zu unterkühlt, um solche Zuneigungsbekundungen gutzuheißen, aber ich blieb der Rolle, die ich spielte, treu.

Ich setzte ein falsches Lächeln auf und erwiderte die Umarmungen.

„Ron, Ginny, schön euch zu sehen!“, rief auch ich aus. Sie setzten sich und begann die neuesten Quidditchergebnisse zu diskutieren, während ich die anderen Anwesenden begrüßte.

„Mrs. Weasley“, begrüßte ich die Mutter der beiden und nickte ihr zu. Sie lächelte mich freundlich
an. „Hermione, Liebes, wie geht es dir?“, und schon wieder eine Umarmung. Bähhhhh, so was brauchte ich nicht, aber nun gut.

„Danke, sehr gut und… Sirius!“, ging ich selbstsicher auf ihn zu, der leger auf seinem Stuhl am Kopfende des Tisches fläzte, um ihn zu begrüßen. Dabei erinnerte ich mich an ihn, wie er am Ende meines dritten Jahres, von mir und Harry auf Seidenschnabels Rücken, mit einem Bombarda aus seinem Gefängnis, in einem der Türme von Hogwarts, befreit wurde. „Ein Black im Hause Black. Was für eine Überraschung!“, sagte ich ironisch und reichte ihm meine Hand, dabei zierte ein verwegenes Lächeln meine Miene.

Er sah mich mit blitzenden, grauen Augen und einem fetten Grinsen im Gesicht an. Das letzte Jahr hatte ihm sichtlich gut getan. Er sah nicht mehr so verhungert, ausgezehrt und verlottert aus, auch fielen seine lockigen, schulterlangen, dunkelbraunen Haare nun gesund, sauber und weich schimmernd um seine Schultern. Seine Augen waren auch nicht mehr so trüb, sondern blickten interessiert umher. Es schien ihm sehr viel besser zu gehen. Gut sah er aus. Dabei zierte sein Gesicht auch noch ein Bart, den er sich feinsäuberlich gestutzt hatte. Man konnte sich gut vorstellen, wie er früher den Mädchen reihenweise den Kopf verdrehte.

„Meine Retterin. Die schlaueste, kleine Hexe, die ich kenne, Hermione! Schön, dass du da bist!“, meinte Sirius aufrichtig aber auch schmeichelnd und führte meine Hand an seinen Mund, was für ein Charmeur. Er wollte wohl ein bisschen flirten und in mir sah er offenbar eine ebenbürtige Gegnerin, anders als in Ginny. Seine Augen blitzen übermütig auf, als ich nicht zurückwich sondern ihm ein nüchternes Lächeln schenkte.

„Schlauer als du allemal, Sirius, du Casanova! Wie ich sehe geht es dir besser. Wie fühlst du dich im Hause der Blacks?“, brachte ich es auf den Punkt, dabei fasste ich ihn fest ins Visier. Grummelnd ließ er meine Hand los, auch das freche Grinsen verflog und machte einer schlechtgelaunten Miene platz und so setzte ich mich rasch neben ihn auf einen Stuhl und tätschelte begütigend seine Schulter, während Professor Dumbledore sich mit Mrs. Weasley leise unterhielt. Ron und Ginny blickten immer wieder zu uns, schienen unsere Unterhaltung über das Blackhaus jetzt nicht übermäßig spannend zu finden.

„Ach, weißt du Hermione, ich hasse dieses Haus, viel zu viele Erinnerungen, aber wenig Gute! … ah, aber was soll man machen?“, ich unterbrach ihn in seinem Selbstmitleid. „Sirius, ich bitte dich, immer noch besser als Askaban!“, zeigte ich kein wirkliches Feingefühl und dies ließ er mich spüren, indem er mir einen leicht empörten Blick schenkte.

„Jaja, ich will mich auch gar nicht beschweren, aber auch noch Kreacher... es ist nur nicht leicht und dann diese Langeweile!“, jammerte er weiter und wischte sich eine kesse Strähne aus der Stirn.
„Kreacher? Ich verspreche dir, ich werde versuchen dich zu unterhalten, bis Hogwarts wieder beginnt!“, flirtete ich nun mit einem eindeutigen Blick zu ihm. Was mich ritt? Keine Ahnung!

Aber wie er so vor mir saß, gefiel mir was ich sah und eine schwer arbeitende Frau wie ich, sollte auch ihren Spaß haben, nicht wahr?

Sirus verschluckte sich an der Luft und hustete kurz vollkommen überrumpelt und verlor einiges von seiner lässigen Haltung. „Her… Hermi… Hermione, danke… ach und Kreacher, das ist der bescheuerte Hauself meiner Mutter!“, stotterte er zuerst keuchend aber dann fing er sich erstaunlich galant und lenkte schnell ab, indem er zuletzt auf den Hauselfen giftete.

„Hier ist ein Hauself? Davon sieht man nichts, aber nicht so garstig Sirius, die armen Hauselfen. Und ich muss dir sagen, ich finde dein Heim spannend, aber nun, was möchtest du tun, um dich nicht zu langweilen?“, kokettierte ich absichtlich, um ihn zu reizen und lehnte mich ein wenig mehr zu ihm. Dabei fielen mir meine langen Haare aufmerksamkeitheischend über die Schulter. Warum ich flirten wollte, weiß der Teufel, aber ich hatte ihn schon immer gemocht und man konnte immer noch den gutaussehenden, lebensfrohen, lustigen, jungen Mann von früher in ihm erkennen, der zwar schwere Jahre hinter sich hatte, was ihn aber umso interessanter machte, wie ich fand und seine grauen Augen zogen mich unweigerlich in seinen Bann.

Ich glaube, er tat mir leid und durch ein bisschen flirten machte das Leben gleich doppelt so viel Spaß. Wir durften uns nur nicht erwischen lassen, wieder mal eine gute Übung für mich im Verborgenen zu agieren. Was wäre, wenn die anderen es rausfinden würden, Zeter und Mordio, man würde an unserem Alter herummäkeln und alle wären empört über meine Moral. Ron wäre sprachlos und Harry, tja Harry, ich wusste es nicht, denn er war in solchen Sachen echt schwer einzuschätzen und zusätzlich war Sirius noch sein Patenonkel.

Ich lächelte in die Runde und fragte in den Raum: „Wie lange sind die anderen schon hier?“

„Die Weasleys sind mit Sack und Pack seit Beginn der Ferien hier. Sie wollen helfen das Haus wohnlicher zu machen“, informierte mich Sirius durchweg ironisch, als sei dies ein unmögliches Unterfangen. „Warum bist du eigentlich schon da?“, lenkte er nun ab und warf mir einen durchdringenden Blick zu.

„Oh, meine Eltern fahren heute nach Südfrankreich und darauf hatte ich keine Lust. Und unter diesen Umständen freu ich mich sehr über diese Entscheidung, denn auch ich habe mich gelangweilt“, sah ich verschmitzt lächelnd Sirius in die grauen Augen. Er riss sie weit auf und blickte mich überrascht an, dabei verdunkelten sie sich ob der verdeckten Botschaft dahinter. „… ähm tja,… das ist... schön“, stotterte er sichtlich unsicher, wie er auf meine Avancen reagieren sollte. Ok, ich würde jetzt einen Gang rausnehmen, nicht dass er noch die Flucht vor mir ergriff, entschied ich, als es auch schon laut knallte und es unnötig machte etwas zu unternehmen, da alle zu dem Lärm schauten. Und schon standen in der Küche zwei frech grinsende und gleichaussehende Twins, mit roten Haaren und einem teuflischen Ausdruck im sommersprossigen Gesicht, der nur Unsinn bedeuten konnte.

„Huhuhuhuh, schönstes Hermiiiiincccchhhhen, du hier? Was sehen unsere trüben, müden Augen? Da erstrahlt dieses düstere, muffige Haus gleich in neuem Glanz!“, kam es gleichzeitig aus ihren identischen Mündern und sie grinsten mich sardonisch an.

„Oh Fred, George, hört auf hier im Haus immer zu apparieren, nur weil ihr es jetzt dürft!“, keifte Mrs. Weasley sofort los, aber die Twins übergingen sie mit einer entschuldigenden Verbeugung und sie wandte sich wieder an unseren Direktor, der mildtätig zu den Twins lächelte.

„Ist ja gut Mum!“, grummelten beide Jungs genervt aber nicht wirklich einsichtig.

Wir hatten uns schon immer gut verstanden, sehr gut sogar. Auch mochte ich diese Chaoten sehr, die gar nicht so chaotisch waren, wie viele dachten, eher waren sie brillant und genial, wenngleich auch teuflisch gefährlich. Zudem waren ihre Taten oder eher Untaten meist gar nicht so unsinnig. Ich würde mal so sagen, wer die Twins unterschätzte, konnte sich böse die Flossen verbrennen und das wusste ich seit meinem ersten Jahr. Sie versuchten auch, ihre vorhanden Brillanz unter ihrem spleenigen Verhalten zu verbergen und zu kaschieren, das hatte ich längst durchschaut, aber da wir uns in diesem Verhalten wohl ähnlich waren, hatten sie auch schon vor langer Zeit erkannt, dass ich auch nicht immer das war, was ich nach außen zeigte. Sie waren aufmerksamer als man denken mochte und immer für eine Überraschung gut. Seit Harrys drittem Jahr wusste ich auch, warum sie mir manchmal so komische Fragen gestellt hatten, in denen sie mir zu verstehen gegeben hatten, dass sie mich ein paar Mal zu nachtschlafenden Zeiten dort gesehen hatten, wo ich nicht hätte sein sollen. Ihr Geheimnis war die Karte der Rumtreiber.

Seit dieser Zeit halfen wir uns hier und dort, denn ihr glaubt doch selbst nicht, dass ihre ganzen Ideen und die Umsetzung ihrer sogenannten Scherze und Scherzartikel mit lieben, unschuldigen, weißen Sprüchen zu schaffen waren. Eins waren diese zwei Unholde ganz sicher nicht, unschuldig.
Neugierig war ich, was sie mit dem Turniergeld, das Harry ihnen gegeben hatte, vorhatten. Da war bald ein Gespräch fällig.

„Haha und bei so viel Rot werde ich gleich blind!“, gab ich bissig zurück. „Ich freu mich euch Chaoten zu sehen. Was für Unsinn habt ihr euch wieder ausgedacht?“, fragte ich die beiden anlächelnd, als sie sich an den Tisch plumpsen ließen.

„Gut schaust du aus und unsere Köpfe sind voll!“, gurrte einer übermütig und strahlte mich an, als ich Sirius beobachtende Augen bemerkte und wie er sich das Zusammensein von uns interessiert besah.

„So voll, die platzen gleich...“

„Und was wir Vorhaben...“

„Das können wir doch… nicht sagen, geheim!“

„Geheim!“ sagten Fred und George in ihrer nicht ernstzunehmenden Art, abwechselnd und verwirrend. Sie wollten wohl ihre Mutter in den Wahnsinn treiben, deshalb nickte ich nur milde, beugte mich vor und flüsterte schnell:

„Verarscht die anderen, aber mich bitte nicht. Heute nach dem Essen will ich hören, was ihr euch schon wieder Neues ausgedacht habt, verstanden!“, wisperte ich energisch und verengte meine Augen zu Schlitzen.

„Geht klar, Schönste!“, wurde mir verschwörerisch zugeflüstert und schon steckten sie die Köpfe zusammen und tuschelten über Gott und die Welt. Sirius hatte uns genau beobachtet und nun fragend eine Braue erhoben. Ich schaute ihn mit Schalk in den Augen an. Nun wollte ich aber erst einmal meine Umgebung in Augenschein nehmen.

„Wo werde ich schlafen?“, fragte ich niemand bestimmten, aber dies schien jetzt Ginny mitbekommen zu haben, denn sie hüpfte auf und rief: „Bei mir, komm ich zeig‘s dir!“

„Mum, ich zeig Hermione alles!“, sagte sie ihrer Mutter, welche die ganze Zeit mit dem Professor geredet hatte und lief los.

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beta
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