Ankunft im Palais

Obwohl Ines und Bertl ihre Sache wirklich gut gemacht hatten, war es mit der Urlaubsstimmung einfach vorbei. Ines rief mich nocheinmal an und erzählte mir, sie hätte Frau Montar gegenüber bemerkt, dass ich in Urlaub sei und deshalb erst Montag wieder in der Klinik. Falls ich mit dem Flieger heim käme, bestand also die Gefahr, von Reportern empfangen zu werden. Sie würde Max Bescheid sagen, wenn ich wollte. Ich erklärte, dass wir mit dem Range Rover angereist waren und und am Sonntag in den frühen Morgenstunden starten würden, um dem Verkehr an Karawanken- und Katschberg-Tauerntunnels voraus zu eilen. Wir würden direkt heim ins Palais fahren und es war nicht anzunehmen, dass sich Sonntag Vormittag schon die Presse dort rumtrieb. Ein Fehlglaube, wie sich später zeigen sollte. Allerdings hatte Max schon damit gerechnet und war bereits mit zwei  Sicherheitsleuten vor Ort. Es gibt nichts Lästigeres, als mit seiner dreijährigen Tochter nach sechshundert  Kilometern aus dem Auto zu steigen und von einem Reporter gefragt zu werden, was denn das Gewissen dazu sage, wenn man wochenlang urlaubt, während die Krebskranke Mutter aus der eigenen Klinik geworfen wurde. Selina war sofort um das Auto herumgekommen und hielt mich am Oberarm fest. "Lass dich nicht provozieren, Liebling! Das ist genau das was die wollen!" Ich sagte gar nichts. Selina nahm Melina an die Hand und wollte mit mir ins Haus gehen. Max und ein zweiter Sicherheitsmann standen bei mir, als sich ein Reporter vor die beiden stellte. "Was sagst du dazu, dass dein Papa Oma einfach sterben lässt?"
Man kann sich vorstellen, dass meine Reaktion darauf nicht unbedingt für mich sprach. Ich versetzte dem Reporter mit den Worten "Weg von meiner Tochter, du Arschloch!" einen Faustschlag ins Gesicht, noch bevor Max oder irgend jemand reagieren konnte. Ich wies Max an, den Kameramann und den Reporter sofort festzusetzen und die Kamera samt Speichermedium zu kassieren, was dieser sofort tat. "Max, lass das Material sofort kopieren und die beiden wegen Hausfriedensbruchs von der Polizei abholen. Das Speichermedium wird erst herausgegeben, wenn es kopiert ist. Dann können die herausschneiden was sie wollen, dann muss ich eben für den Schlag gerade stehn, aber dann weiß auch jeder, warum ich diesem Idioten eine gescheuert habe!"
"Das wird sie teuer zu stehen kommen!" maulte der Reporter mit der aufgeplatzten Lippe. "Ich werde sie anzeigen!" Josef, der ihm die Hand auf den Rücken gedreht hatte und ihn festhiehlt, zog diese nochmal kräftig nach oben, worauf der Reporter aufschrie. Selina die mich bereits wieder am Oberarm festhielt platzte nun der Kragen. Nachdem sie Mel bei Maria abgeliefert hatte, war sie wieder heraus gekommen, um mich zu beruhigen. Allerdings verstand sie meinen heiligen Zorn und versetzte dem Reporter noch eine schallende Ohrfeige. "Selina!" rief ich erstaunt. "Paß gut auf, du blöder Hund! Wenn du es wagen solltest, meiner Tochter oder meinem Mann noch einmal zu nahe zu kommen, frag ich meinen Sicheheitsmann, wieviel so eine Hand eigentlich aushält! Und die hält mehr aus als du glaubst! Ich weiß das, ich bin Ärztin. Josef, sie sind viel zu lieb zu dieser Lusche!" Josef drückte die Hand ein wenig weiter nach oben, der Reporter schrie ein weiteres Mal auf. "Mein Mann und ich sind für jeden da, der unsere Hilfe braucht und wir haben Hunderte gerettet! Auch Leute, deren Behandlung niemand bezahlt hat. Und wir sind bereit, vernünftige Fragen jederzeit zu beantworten, aber was sie sich eben geleistet haben ist der Gipfel der Frechheit. Sie können das gerne anzeigen. Wenn sie sich diese Blöße geben wollen. Aber ich glaube nicht, dass sie noch irgend ein Blatt in Deutschland auch nur ein Kochrezept schreiben lässt, wenn wir mit ihnen fertig sind! Denken sie darüber nach! Wenn sie ein Bisschen auf Draht wären, hätten sie heute exklusiv die Wahrheit berichten können. Jetzt müssen sie froh sein, wenn sie jemals noch Irgendwas publizieren können."
Die Polizei traf ein. Max übergab die beiden der Polizei und erledigte alles für die Anzeige. Ich ging mit Selina ins Haus. "Selina..." - "WAS?" fragte sie unwirsch. "Oh! Entschuldigung! Dann sag ich halt nichts mehr!" So etwas kam fast nie vor, zwischen uns beiden, wobei ich der Ansicht bin, dass es keine intakte Beziehung gibt, in der man sich nie kabbelt. Ich sah es Selina sofort an, dass es ihr schon leid tat, mich so angefahren zu haben. Schweigend ging ich mit ihr ins Haus und begrüßte dann Maria und Georg. Sie waren ursprünglich die Bediensteten Martin Bückers gewesen, während Selina Medizin studierte. Mittlerweile waren sie unsere guten Hausgeister, kompetent absolut vertrauenswürdig und kurz gesagt: Sehr lieb! Ich hatte die beiden ins Herz geschlossen wie Familienmitglieder.
Traurig ging ich in mein Arbeitszimmer. Ich wusste, dass ich einen Fehler gemacht hatte, aber Niemand, NIEMAND hatte das Recht sich meiner Frau und meiner Tochter in den Weg zu stellen und meine Tochter in dieser Weise zu befragen! Ja! Ich weiß, dass zuschlagen keine Lösung ist und ich war und bin auch nicht der Typ für sowas, aber für mich war das eine Bedrohung meiner über alles geliebten Familie. Mag sein, dass ich aus Gründen, die in meiner Vergangenheit lagen, etwas überreagiert hatte, aber um es ehrlich auszudrücken: Am Liebsten hätte ich ihm noch eine in die Fresse gehauen!
Selina hatte mir zugesehen, wie ich im Arbeitszimmer verschwand. Es tat ihr längst leid, weil sie wusste, dass ich in meinem Übereifer, sie und Mel zu beschützen, die Kontrolle verloren hatte. Sie, ja eben sie, wusste genau, woher meine Angst um meine Familie kam und sie verstand es auch.
In ihrem Zorn hatte sie die Flucht nach vorn ergriffen und versucht, diesen Idioten einzuschüchtern, um den Schaden für uns und die Klinik möglichst klein zu halten. Es klopfte. Georg kam ins Arbeitszimmer mit einem Tableau. Darauf stand eine leicht angelaufene kalte Flasche Bier ohne Glas. "Nach sechshundert Kilometern halte ich ein kaltes Bier aus der Flasche auch schon vor elf für angemessen, Herr Montar." Sagte er steif, weil er genau wusste, dass mich das ein Wenig aufrichten würde. Er war damals dabei gewesen, als ich jenen Mörder erschlug, der Selina töten wollte. Uns beide verband so etwas, wie eine von gegenseitigem Respekt getragene Freundschaft. Resigniert atmete ich hörbar aus. "Danke alter Freund!" sagte ich. "Es ehrt mich, ihr Freund zu sein, Herr Montar! Lassen sie mich wissen, wenn ich etwas für sie tun kann." - "Ich weiß es zu schätzen, dass sie für mich da sind Georg." Selina sah Georg aus dem Arbeitszimmer kommen. "Georg?" - "Selina, was kann ich für sie tun?" - "Wie geht es ihm?" - "Er ist ein guter König ,Selina, wie sie es einst prophezeiten. Aber er braucht seine Königin!" - "Danke, Georg!..."

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