Apparieren

Apparieren

Ich suchte mir eine ruhige, dunkle Ecke, in der ich ungesehen war. Viele Gefühle waren in meinem Inneren. Freude darüber, dass alles so funktionierte, wie von mir ersonnen. Angst, da ich gleich den Versuch der ersten Apparition wagen würde. Na gut, ich war erst 15 und eigentlich erst mit 17 dürfte man apparieren, aber nicht mit mir, dafür machte ich dieses ganze Theater. Ich hatte jetzt einen nicht registrierten Zauberstab und den hatte ich auch vor zu benutzen. Außerdem hatte ich alle Bücher, die es zu diesem Thema gab, verschlungen und fühlte mich relativ gut vorbereitet. Wie gesagt, auch dieses Gesetz war wieder ein Willkürakt des Ministeriums!

Also dachte ich gar nicht lange nach, sondern atmete dreimal tief durch, konzentrierte mich intensiv auf den Kern meiner inneren Magie und hielt meinen neuen Stab fest umklammert in der Rechten. Sobald meine Konzentration stark genug war, fokussierte ich, wie in den Lehrbüchern beschrieben, meinen von mir gewünschten Ankunftspunkt, den Garten meiner Eltern. Sobald ich diesen visualisiert hatte, sprach ich im Geiste den Spruch Appare, schwang den Stab und hielt gespannt die Luft an.

Es fühlte sich an, als würde alles an Luft aus meinen Lungen gepresst und ich selbst, mein ganzer Körper, durch einen engen Gartenschlauch gezogen. Ich drehte mich permanent um mich selbst, wie in einem Kreisel, gleichzeitig kniff ich meine Augen zu, denn ich musste mich konzentrieren und durfte mich nicht ablenken lassen. Es wäre fatal, unter diesen Umständen die Konzentration zu verlieren, ich musste konstant an meinen Bestimmungsort denken, sonst konnte es passieren, dass ich zersplinterte. Daher kam auch die Regel des Ministeriums, weil Kinder eine so schlechte Konzentrationsfähigkeit hatten. Klar, dachte man mal an Ron oder Neville, die würden sich in ihrem jetzigen Alter wirklich dabei umbringen.

Bah, war mir schlecht! Lange würde ich diese Belastung nicht mehr durchhalten. Ich konnte spüren, wie sich mir der Schweiß auf der Stirn bildete. Der Stab in meiner Hand zitterte erbärmlich. Als ich schon dachte ich würde der Belastung nicht mehr standhalten, wurde endlich mein Körper aus der quetschenden Enge entlassen. Endlich, ich blinzelte irritiert und erkannte erleichtert unseren Garten. Puh! Ich plumpste wenig elegant, atemlos, aber mit einem erleichterten Seufzen auf die Knie, ins Gras. Konzentriert atmete ich ein und aus, um den Schwindel in meinem Kopf zu überwinden. Da drehte sich immer noch alles. Also gut, apparieren war nicht ohne!

Aber für das erste Mal, ohne Hilfe, war es schon mal nicht schlecht, wie ich fand! Vor allem, da ich gleich eine größere Strecke überwunden hatte. Erlernte man doch in Hogwarts den magischen Sprung in kleineren Etappen, von Kreis zu Kreis! Also selbst schuld!

Eigentlich lernte man die Apparition wochenlang, um den Umgang damit zu lernen und erst dann wurden größere, weitere Sprünge gelehrt, nicht anderes herum. Aber wie gesagt, während nun meine Augen hektisch über meinen Körper glitten, alles war glatt gegangen, ich war noch ganz, stellte ich erfreut fest. Ein verschmitztes Grinsen zeigte sich auf meinen Lippen, wenngleich mein Kopf schmerzte. Heute war wirklich ein guter Tag, nein, halt, eine gute Nacht! Ja, ich musste lernen die Nacht noch mehr zu lieben, zu einem Teil von ihr zu werden, wenn ich meine Pläne so umsetzten wollte, wie ich es vor hatte.

Keine Angst vor ihr zu haben, sondern mich ihr hinzugeben, wie einer guten Freundin, die mir mit ihren Schatten gute Dienste leistete, das musste mein Ziel sein.

Oh ja, es würde sich viel ändern in der nächsten Zeit!

Aber zurück ins Hier und Jetzt. Mit Schwung hievte ich mich vom Boden und streckte meinen Körper. Es war, als hätte man einen Muskelkater in den Gliedern. Meine Beine fühlten sich ganz wackelig an.
Ich nahm mal an, alles eine Frage der Übung und Gewohnheit! Aber in so was war ich schon immer gut gewesen. Also, die Nacht war jung, auf an die Arbeit. Der Garten würde jetzt meine große Halle sein, nur ohne Kreise. Ich konzentrierte mich und sprang von einem Ende zum Anderen, vor, zurück, zur Seite, hin und her, in schneller Abfolge.

Nach einer Stunde wildem hin und her verschwinden und auftauchen, sank ich an unserer großen Eiche erschöpft und verschwitzt zusammen. Meine Lunge entließ rasselnd meinen Atem. Mit einer unwirschen Geste meiner Hand strich ich mir meine unechte Haarpracht aus dem Gesicht, auf dem der Schweiß glänzte. Mein Kopf sank in meinen Nacken und ich schloss vollkommen erschöpft die Augen. Himmel, das war wirklich ein hartes Stück Arbeit gewesen… Mein Körper… Ich fühlte mich, wie einmal ausgekotzt und übel war mir auch. Aber jetzt fühlte es sich schon wesentlich besser an, denn mir wurde nicht mehr schwindelig und ich brauchte nur noch einen Bruchteil der Konzentration, im Vergleich zum ersten Mal, um dort hinzukommen wo ich wollte.

Für heute war Schluss, weil es jetzt fast drei Uhr in der Früh war und morgen hatte ich wieder Besorgungen zu tätigen und konnte damit die weiten Strecken in Angriff nehmen, um auch diese zu perfektionieren. Also schleppte ich mich, müde wie ich war, so leise wie möglich, da der Schlaftrank meiner Eltern mittlerweile nicht mehr so stark wirken würde, die Treppen zu meinem Zimmer hinauf. Ich zog mir meine Klamotten über den Kopf, schmiss den Haarfetzen in eine Ecke und sank, nur noch mit meiner Unterwäsche bekleidet, total erschöpft auf mein Bett und versank in kürzester Zeit in einen tiefen, fast schon komatösen Schlaf.

Comments

  • Author Portrait

    Ich glaube, deine Beschreibung davon, wie Hermine sich mit ihren zarten 15 Jahren selbst das Apparieren beibringt, ist bis heute für mich meine Lieblingsbeschreibung von Apparieren überhaupt. Die Übelkeit und das ganz eigenartige Gefühl, das man wohl dabei bekommt, bringst du einfach stark rüber. Musste ich mal so im Rückblick loswerden!

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