Arnuk

Es war dunkel, nur kleine Lichtschimmer flimmerten durchs dichte Gestrüpp aus Blattgrün. Die Schreie von vielen kleinen, unbekannten Tieren gellten durchs Unterholz, ab und zu war auch mal ein neugieriges Paar Augen zu sehen, wie es aus einem Baumstamm leuchtete, um gleich darauf von heftigem Quieken begleitet zu verschwinden.

Ich fühlte mich unwohl, vielleicht hätte ich die anderen doch bitten sollen mitzukommen... Nein, nein, es war meine Entscheidung gewesen zu gehen. Ich wollte ohnehin von Anfang an alleine losziehen. Falum riss mich aus meinen Gedanken. Er trat unruhig auf der Stelle, er begann an seinen Zügeln zu ziehen, wollte weg von diesem Ort! Aber mir war seine Reaktion unbegreiflich, was erschreckte ihn so? Ich lauschte, lauschte lange... Zuerst konnte ich nur das Rauschen der Blätter im kalten Wind hören, leises Summen von Bienen, die fleißig ihren Honig sammelten, entferntes Getrappel hunderter kleiner und großer Pfoten, die auf der Jagd waren. Aber diese trappelnden Schritte kamen näher, immer näher, ... dann war es plötzlich mucksmäuschenstill...

Ein Gurgeln kam auf, es klang wie ein gemurmelte Sprache. Falum wurde panisch, er wieherte laut auf, vor lauter Schreck ließ ich seine Zügel los und der Kornhoffner Hengst machte sich auf und davon.

"Mist!" zischte ich durch die Zähne. Als hätten sie auf diesen Augenblick gewartet, stürzten hundert kleine Biester beißend auf mich ein, kratzten, fletschten die Fänge und Krallen. Ich schrie laut auf als einer von ihnen in die alte Wunde am Bein biss. Um mich schlagend und tretend versuchte ich vergeblich mich zu wehren, wurde von der Flut immer neuer Gegner übermannt. Plötzlich zog ein starker Windstoß über mich hinweg. Wütend kreischend ließen die Bestien von mir ab und verfolgten die Kreatur, die mich dadurch gerettet hatte. Von der Ferne aus sah ich wie sich eine mannshohe Gestalt mit Gewandtheit, Geschick und einigen starken, gut gesetzten Tritten ihrer Verfolgern entledigte. Dem Letzten, dem Anführer der Meute wie es aussah, wurde das Genick gebrochen und das Herz herausgerissen. Ein Lichtstrahl blendete mich, heller als die Sonne, minutenlang war ich blind.

 

*


(Béilo)

"Menschen, immer das gleiche! Hals über Kopf los rennen und nicht nachdenken! Los wir müssen hinterher!" schimpfte ich wütend.

"Geh du vor und halte ihn auf, Béilo, wir packen zusammen und kommen nach!", rief mir Chase zu, aber das hörte ich schon fast gar nicht mehr. Warum muss der Kerl nur so stur sein!

So schnell ich konnte rannte ich hinter Flash her.


*


(Flash)

Als ich wieder hinsah, lag keine der Leichen mehr da, nur das Herz war auf einen Stock gespießt worden und in einen kleinen Erdhügel gesteckt worden.

"Sogar dein Gaul ist klüger als du!" schnauzte mich die Stimme des unbekannten Retters von hinten an. Eine Frau, unverkennbar, wenn auch mit tieferer Stimme, als ich es gewohnt war. Ich lag auf dem Boden, zu schwach um aufzustehen.

"Wirst du mir jetzt auch das Herz ausreißen?"

"Du machst mir Spaß, an einen Menschen verschwende ich doch keine ûrkaít! Außerdem hätt ich dich den Gremlins überlassen können, die dich eben angegriffen haben, wenn ich dich loshaben wollte. Was suchst du überhaupt hier, in MEINEM Wald?"

"Deinem...? Entschuldige ich wusste nicht, dass dieser Forst jemandem gehört", stutzte ich. "Ich bin nur auf der Durchreise."

"Wie war das? Murmel doch nicht so! Und steh endlich auf, du Memme!" Mit kräftigeren Armen als ich ihr zugetraut hätte, zog sie mich hoch. Müde stemmte ich mich gegen einen der Bäume, aber sie zerrte sofort an meinem Umhang:

"Bist du lebensmüde?! Jeder Baum hier könnte dich töten! Was hast du eigentlich? Ich hab nur wenige Mensch...ähmmm... Männer gesehen, die dermaßen schwach sind!" Ich nahm ihre Stimme nicht mehr richtig wahr.

"Was sagst du?" Einen Moment lang sah ich scharf und bemerkte Erschrockenheit in ihren Augen aufblitzen. "Ich hab dich nicht richtig verstanden. Mein Bein schmerzt. Einer der Gremlins hat eine alte Wunde getroffen.

"Oh, verstehe. Wie heißt dieses feige Pferd, dass davon gelaufen ist?" fragte sie schnippisch, nicht weiter an mein Leiden denkend.

"Er mag feige sein, aber auch klüger als ich, nicht wahr, immerhin wurde er nicht erwischt." Stöhnend keuchte ich auf vor Schmerz. "Falum, er heißt Falum."

"Falum!!! Ûi-chem haide!" Ich kannte diese Sprache. Doch ich sagte nichts. Stattdessen sah ich nun genauer hin, nach Hinweisen suchend, die meinen Verdacht bestätigen sollten, doch ich konnte noch immer kaum etwas erkennen... Da kam Falum angerannt. Laut wiehernd stürmte er zu uns.

"Du hast Recht, feige mag er sein. Aber sehr klug." Ohne Murren lies Falum sich von ihr Streicheln.

"Kommt. Ich führe euch zu einer Wasserstelle, da kann Falum sich stärken und du dich auch." Sie schritt voran. Falum folgte ihr bereitwillig, also schloss ich mich an.

"Haben... haben Gremlins irgendein Gift in den Zähnen?" Benommen schwankte ich voran, bemüht aufrecht zu gehen.

"Nein, wieso? Ist dir schwindelig?" fragte sie knapp.

"Ja. Ich seh nicht gut..."

"...aus. Stimmt. Steig auf dein Pferd, er soll dich tragen." Als habe er zugehört ging Falum auf die Knie und gab mir soviel Aufsteighilfe wie möglich.

"Es braucht kein Gift um jemanden zu verwirren, der das erste mal die Unheil durchtränkte Luft dieser Bäume einatmet. Hier iss das." Sie reichte mir etwas rundes, flaumiges.

"Was ist das?" fragte ich und biss im nächsten Moment hinein.

"Ein Pfirsich. Wächst hier überall. Ein bisschen Nahrung tut dir vielleicht besser als jede Medizin. Wie heißt du, oder soll ich dich Einfallspinsel nennen?" Schon kurz nach dem ich die Frucht gegessen hatte, schärften sich meine Sinne wieder. Ich konnte wieder die Stimmen der Tiere hören, das Plätschern versteckter Quellen, die durch die Wurzeln der Bäume sprudelten. Mir wurde der Zügel Falums unter meinen Fingern bewusst und ich konnte endlich wieder richtig sehen. Ich war mir sicher, dass diese Pfirsiche nicht nur gut schmeckten, sondern auch Kräfte besaßen...

"Na?"

"Hm?" Mein Blick fiel auf sie:

Ihr Körper war verdeckt von einem langen, wallenden, schwarzen Mantel, der nur von einer Brosche aus Ebenholz zusammen gehalten wurde. Die Brosche stellte etwas dar, das auf erschreckende Weise einem Augapfel glich. Ihr Gesicht war vermummt und von einem schwarzen Tuch so verdeckt, dass man nur ihre braunen Augen sehen konnte. Eine Art seidener Schleier, angenäht am Tuch, hing von dem Punkt aus wo man die Nase vermutet hätte bis kurz über der Brosche herunter und verdeckte ihren Mund. Ein Schwung golden glänzendes Rothaar wucherte unter der Vermummung hervor. Sonst trug sie unauffällige Kleidung: Braune Hosen, schwarze Handschuhe und ein gräuliches Hemd mit Knöpfen. Die tiefbraunen Stiefel gingen ihr bis zu den Kniekehlen.

Ich musterte sie mit zunehmendem Interesse, was natürlich nicht unbemerkt blieb.

"Starr mich nicht so an! Ich kann so was nicht leiden. Was ist nun, Einfallspinsel?"

"Wie nennst du mich? Ich bin Flash Raffaell, meines Zeichens Ritter. Aber wer bist du? Woher stammst du, deine Robe sieht seltsam fremdartig aus und deine Sprache-..."

"SCHLUSS JETZT!!! Das alles geht dich nichts an. Wenn du mich beim Namen nennen willst, nenne mich Arnuk!"

"Was heißt das?"

"Gremlintod."

"Na gut, Arnuk. Ich wär dir sehr verbunden, wenn du mich durch den Wald bringen könntest- möglichst unverletzt." Falum schnaubte.

"Durch den Wald bringen? Für wen hältst du dich, dass du mir Befehle erteilen willst, Ritter!?" Ihre plötzliche Überheblichkeit zerrte an meinen Nerven wie das Gift des Waldes, aber um Cenishentas Willen blieb ich höflich.

"Ich habe nicht befohlen, ich habe gebeten. Aber wie du wünschst. Wenn du mich nicht führen willst, muss ich den Weg eben alleine finden. Komm, Falum, Zeit die nette Arnuk zurückzulassen..." Mit stolz erhobenem Haupt ritt ich geradeaus von dannen, darauf bedacht mich nicht mehr umzudrehen.

"Das schaffst du nie, Mensch!" murmelte die Kämpferin hinter mir her und verschwand geräuschvoll in den Ästen eines Baumes. Das sanfte Gefühl der Erleichterung tröpfelte wohltuend durch meinen ganzen Körper. Diese letzte Bemerkung reichte aus, um meinen Verdacht zu bestätigen: sie würde uns folgen. Ob aus Sorge oder Neugier, mir konnte es egal sein, zumindest war meine Aufgabe noch nicht zum Scheitern verurteilt.


*


(Chase)

"Seit drei verdammten Tagen suchen wir nun schon einen Weg da hinein!" wütend deutete ich in Richtung Wald. "Diese Bäume müssen verzaubert sein, da kommt nicht mal ne Maus rein, solange die das nicht wollen!" Schon drei Tage, DREI!, seit Flash uns in seinem Ausbruch unvorstellbarer Dummheit verlassen hatte. Unsere Vorräte gingen zur Neige, die Pferde waren von der Reiterei ebenso erschöpft wie wir selbst. Und nun hielt uns dieser dämliche Wald auf!

"Uns bleibt keine Wahl, er hat uns keine gelassen..."

"Was meinst du damit, Béilo?" Funny kam zu uns herüber, nachdem sie die Pferde versorgt hatte. Währenddessen hatten ich und der Snift überlegt wie dem Baumgestrüpp beizukommen wäre.

"Wir werden den Wald umgehen müssen, um dort am Ende auf ihn zu warten. Wir warten dort genau 2 Tage, für mehr reichen unsere Vorräte nicht. Danach reiten wir nach Olim weiter, mit oder ohne Flash." Es klang wie ein Plan, den er sich schon zurechtgelegt haben musste, bevor klar war, dass der Wald unbegehbar war. Aber das war einfach völlig...

"... Absurd! Das ist doch absurd! Wir können nicht ohne ihn weiter! Das ist seine Reise, seine Aufgabe! Er muss doch...-!"

"Was muss er!? Wenn er tot ist, muss er gar nichts mehr!" Wütend sprang der Snift von dem Stein auf dem er saß auf. "Eure sture Dummheit macht mich noch wahnsinnig! Wenn, wenn, wenn... wir können Cenishenta nicht retten, solange wir alles auf Bedingungen aufbauen."

Funny wagte einen weiteren Versuch: "Ja, aber...-!"

"Nichts aber." Diesmal blieb Béilo ganz ruhig. "In diesem Punkt gebe ich Flash vollkommen Recht. Wir haben uns zu lange aufgehalten wegen Kleinigkeiten. Ich jedenfalls denke nicht, dass es in seinem Sinne wäre, wenn wir hier alle nur herumsitzen und nichts tun, anstatt uns Cenishentas anzunehmen und sie in seinem Namen zu retten, falls er dazu nicht mehr selbst in der Lage sein sollte. ... Schaut mich nicht so an wie Eichhörnchen wenn’s blitzt," fügte er nach einer Pause hinzu. "Er ist auch mein Freund und ich wär nicht weniger traurig als ihr, wenn der Dickschädel nicht mehr zurückkäme. Also kommt. Um den Wald zu umrunden brauchen wir mindestens einen ganzen Tag. Wer weiß, vielleicht wartet er ja dort schon auf uns."

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