Ash Karat

 Broll Bärenpelz roch seinen Gast noch bevor er ihn sah. Träge hob er den Kopf und fixierte den Eingang seiner kleinen Baumhütte. Er fragte sich, was sein Gast bei ihm zu suchen hatte, denn das letzte Treffen des Zirkels war schon eine Weile her. Malfurion Sturmgrimm trat ohne zu klopfen ein. Er entdeckte den großen, grauen Bären mitten in seinem Heim. Er stand auf, reckte seine Glieder und schüttelte sich das Fell. Dann kam er auf Malfurion zu und brummte leise. ”Broll, ich muss mit dir reden. Dazu solltest du aber in elfischer Gestalt sein, auch wenn ich weiß, dass du deine Bärengestalt sehr schätzt.” Malfurion wartete geduldig. Er wusste, Broll verbrachte die Zeit am liebsten als Bär, aber so war die Besprechung eben zu einseitig.
Unschlüssig wiegte Broll den Kopf hin und her. Er wollte sich nicht verwandeln, allerdings musste Malfurion etwas wichtiges zu besprechen haben, sonst wäre er nicht hier. Schließlich verwandelte sich Broll und rümpfte die Nase, denn sofort war sein Geruchssinn so viel schlechter, dass es ihn schüttelte. ”Malfurion, was gibt es? Wieso suchst du mich auf?”.
”Du kommst ohne Umschweife zum Punkt, wie immer”, lachte sein Meister, ”aber na gut. Ich möchte mit einigen Druiden aus dem Zirkel etwas besprechen. Hamuul wird da sein, auch mit Naralex habe ich schon gesprochen.” ”Und mit mir auch?”, riet Broll und seine Laune verschlechterte sich. Obwohl er Mitglied im Zirkel des Cenarius war, hielt er sich immer noch am Liebsten in der Nähe von Lo’Gosh auf. ”Richtig. Ich bitte dich, mit mir zu kommen, denn die Versammlung wird gleich beginnen. Ich weiß, dass es kurzfristig ist, aber jüngste Aktivitäten zwingen uns leider dazu, schnell zu handeln.” Malfurion wusste, dass er damit Brolls nerven stark strapazierte. Wenn Broll etwas neben den Treffen des Zirkels wenig leiden konnte, dann war es Spontanität. Abweisend brummend, aber dennoch ohne Widerworte bewegte sich Broll zum Eingang. ”Na gut, dann lass uns gehen, Malfurion. Ich bin gespannt, was so wichtig ist.” Da Dringlichkeit geboten war, wechselte Malfurion in die Sturmkrähenform, sobald er das Zuhause von Broll verlassen hatte, und dieser tat es ihm gleich. Broll folgte Malfurion zu dessen Gemächern im Norden von Teldrassil, etwas abseits des Portals. Naralex und, ein ungewöhnlicher Gast in der Allianzhauptstadt, der Tauren Hamuul Runentotem warteten bereits im Inneren und blickten zur Tür, als sich Broll und Malfurion wiederum verwandelten. Die beiden Nachtelfen setzten sich ebenfalls auf den Boden, die Gesichter den Gästen zugewandt. ”Schön, dass ihr so schnell kommen konntet”, eröffnete Malfurion das Gespräch und lenkte damit alle Aufmerksamkeit auf sich. ”Mir wurden Nachrichten aus dem Brachland zugetragen. Seit wir den Smaragdgrünen Traum besiegt haben, wuchern dort verderbte Pflanzen an der Oberfläche...”. Hamuul schnaubte beunruhigt und lenkte damit die Aufmerksamkeit auf sich, Malfurion schwieg.
”Hamuul, wisst Ihr etwas?”. ”Nein, Malfurion, nicht mehr als ihr. Es beunruhigt mich nun eben nicht nur als Druide, sondern auch als Tauren...”. Malfurion hob beschwichtigend die Hände. ”Dafür habe ich Verständnis, mein Freund, glaubt mir das. Deshalb möchte ich mir von euch die Zustimmung holen, einen größeren Expeditionstrupp dorthin zu schicken, bestehend aus Mitgliedern unseres Zirkels, so schnell wie möglich.” ”Wen können wir entbehren?”, warf Broll ein und riskierte einen Seitenblick auf Naralex. Seit er aus dem Smaragdgrünen Traum aufgewacht war, hatte Broll ihm nicht viel Vertrauen entgegen gebracht. Er hatte den Eindruck, dass Naralex noch nicht zu seiner alten Stärke zurückgefunden hatte und Broll wusste, dass seine Meinung von einigen Brüdern und Schwestern geteilt wurde. ”Nun, wenn meine bescheidene Meinung zählen sollte, finde ich, dass Naralex als Erzdruide mit ein paar Novizen dorthin reisen sollte. Er kennt sich aus und die Schüler lernen einmal an der Praxis.” Broll musste sich zurückhalten, sich nicht aus Wut in einen Bären zu verwandeln oder aufzuspringen.
”Verzeiht, Shan’do, aber Naralex ist verderbt worden...”. Mit grimmiger Mine schnitt Malfurion Broll das Wort ab. ”Naralex ist aus seinem Albtraum erwacht und er kennt die Verderbtheit dort wie kaum ein anderer. Was sagst du, Ramuul?”. Die Ansprache kam für den Tauren ein wenig überraschend, er war noch in Gedanken versunken und musste seine Worte erst ordnen. ”Ich denke, dass eine Expedition Naralex nicht gefährdet, wieder der Verderbnis zu verfallen. Deshalb stimme ich deinem Vorschlag zu, Malfurion. Nur, wen von den Novizen sollen wir schicken?”. Naralex, der die ganze Zeit unruhig beobachtet hatte, wie sich alle um seine Teilnahme stritten, ergriff das Wort.
”Bevor wir darüber sprechen, wer sagt denn, dass ich zurück möchte in das Land, in dem ich solche Albträume litt?”. Malfurions Gesichtszüge wurden weicher, als er sich Naralex zuwandte.
”Ich weiß, Naralex, dass das ein großes Opfer ist für dich. Dennoch bin ich der Meinung, dass es keinen besseren Anführer gibt für die Expedition. Ich versichere dir, dass ich nur wünsche, einen kurzen Bericht zu hören, wie es um die Verderbtheit dort steht. Ihr sollt euch nicht lange dort aufhalten. Meinst du, du kannst dieses Opfer für uns bringen?”. Naralex knetete seine Hände. Das Brachland war für ihn wortwörtlich sein persönlicher Albtraum geworden, er hatte sich geschworen, nie wieder dort hin zu gehen. Gleichzeitig verstand er die Argumente, die Malfurion vorbrachte, selbstverständlich. ”Du weißt, ich schätze dich sehr, und nur deshalb werde ich diese Expedition anführen. Ich kann nur hoffen, dass es ein leichtes sein wird, die Natur wieder zu heilen.” Die angespannte Haltung der Gesprächsteilnehmer veränderte sich. Während Malfurion erleichtert war, dass es nicht viel Überredungskunst gebraucht hatte, wusste Broll nicht so richtig, was er davon halten sollte. Allerdings wollte er seinem Shan’do nicht weiter widersprechen. ”Wen hast du für ausgewählt um mich zu begleiten?”, fragte Naralex interessiert nach. ”Nun, um ehrlich zu sein, wollte ich auch deshalb mit euch reden. Die meisten neuen Rekruten des Zirkels sind mir unbekannt. Deshalb hoffe ich, dass ihr mir bei der Frage helfen könnt. Wen möchtet ihr mitnehmen?”. Naralex hob die Schultern. Er kannte nur die wenigsten Mitglieder des Zirkels überhaupt, von den Neulingen ganz zu schweigen. ”Ich kenne jemanden”, wandte Broll ein und witterte damit die Chance, wenigstens Einfluss auf Naralex zu nehmen. Alle wandten sich ihm zu. ”Raelynn Waldruf ist eine meiner persönlichen Schülerinnen. Sie hat Talent und Mut, außerdem hat sie ein starkes Band mit den Geistern der Natur.” Die Beschreibung klang so passend, dass Malfurion seinen Vorschlag unmöglich ablehnen konnte. Dass davon nicht annährend die Hälfte wahr sein sollte, brauchte niemand wissen. Tatsächlich nickte Malfurion zufrieden. ”Das klingt wie eine Kandidatin, die sich der Aufgabe als würdig erweisen könnte. Wenn niemand Einspruch erhebt und Naralex ebenfalls einverstanden ist, bin ich es auch.” Malfurion blickte nacheinander in die Gesichter, aber keiner widersprach, Naralex nickte sogar. ”Gut, dann soll es so sein. Raelynn Waldruf wird Naralex begleiten.” ”Auch ich habe jemanden, den ich für die Aufgabe geeignet halte”, wandte Ramuul nun und alle Blicke wanderten zu ihm. ”Allerdings werdet ihr vielleicht nicht glücklich damit sein. Meine Wahl fällt auf Gal’Alani, einen Trolldruiden, der seit ein paar Monaten bei uns ist.” ”Jetzt auch noch ein Troll!”, rutschte es Broll heraus und er fing sich einen mahnenden Blick von Malfurion ein. ”Bruder, ich muss gestehen, dass auch ich Vorbehalte gegen Trolle hege. Ich denke, ich sehe, wieso du ihn auswählst, aber du verstehst hoffentlich auch, dass ich nicht glücklich damit bin.” Ramuul ertrug den Protest ohne Reaktion. Lediglich sein Schwanz peitschte hin und her, das sah jedoch niemand. Mit versteinerter Mine sah er in Malfurions goldene Augen. ”Und du solltest mich verstehen, Malfurion. Nicht nur, dass dies eine Aufgabe ist auf dem Gebiet der Horde, es ist auch eine Aufgabe, die alle angeht. Deshalb ist es nur recht und billig, auch Druiden zu berufen, die unter dem Banner der Horde stehen.” Hamuul behielt den ruhigen, aber bestimmten Ton seiner Stimme bei, nur sein Schwanz peitschte immer heftiger. Malfurion wägte die Argumente ab und kam schließlich zu dem Schluss, dass Ramuul recht hatte. ”Entschuldige. Ich habe mich blenden lassen von den Feindseligkeiten der letzten Zeit. Nun sag, wer ist dieser Troll?”. ”Gal’Alani kam erst vor wenigen Monaten zu uns, ich halte ihn allerdings für talentiert. Er ist zielstrebig und naturverbunden wie kaum jemand anderes, ich denke, dass er eine Bereicherung für die Expedition ist.” ”So sei es”, quittierte Malfurion die Aussage und würgte Brolls aufkommenden Protest im Keim ab. ”Gebt den Schülern bescheid, dass wir uns übermorgen bei Tagesanbruch wiederum hier treffen. Mögen Naralex, Raelynn Waldruf und Gal’Alani auf ihrer Expedition erfolgreich sein.” Malfurion erhob sich und signalisierte damit, dass er das Treffen für beendet hielt. Während Naralex und Ramuul damit recht zufrieden wirkten, war es Broll nicht. Seine einzige Hoffnung bestand darin, Raelynn gut genug auszunutzen, um die Expedition zu beeinflussen. ”Elune adore, Brüder”, verabschiedete sich Malfurion und sah, wie sich drei Sturmkrähen in den Himmel erhoben. Brolls Unmut war ihm durchaus nicht entgangen und Malfurion nahm sich vor, Brolls Kandidatin genau zu überprüfen. Er misstraute Broll nicht, aber er kannte seinen Dickkopf. Malfurion verwandelte sich ebenfalls in eine Sturmkrähe und nahm Kurs auf den Tempel der Elune. Ein paar Schildwachen zum Schutze der Mission abzustellen wäre vielleicht nicht in Ramuuls Sinn, aber Schlagkraft war nie verkehrt, das hatte er mittlerweile gelernt.

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    WoW Fanfiction! Die lese ich immer gerne! Gut geschrieben bin gespannt auf mehr! :-)

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