Aufbruch

Bast versuchte aufgeregt und mit schnellen Bewegungen ihre Blöße zu verstecken, aber zu meinem Glück war ich schneller. »Du willst dich doch nicht etwas mit deinen Händen bedecken?«, flüsterte ich mit meiner verführerischsten Stimme, die so süß wie Honig klang.
Meine Rechte berührte ihre Haut hinter ihrem Ohr, wie bei einem elektrischen Schlag durchfuhr es sie in dem Moment, als wir uns berührten und sie hörte auf sich zu bewegen.
Ich streichelte sanft ihre Haut entlang. Von ihrem Ohr hinab zu ihrem Hals, meine Augen folgten meiner Bewegung nach unten. Basts Gesicht und Dekolleté wurde immer röter, als meine Hand langsam zwischen ihren Brüsten hinabwanderte.
»AAhhh!!!«
»Wenn du noch lauter miaust, Kätzchen, könnte uns noch wer hören.«, flüsterte ich ihr lüstern ins Ohr.
Als sich anfingen kleine Schweißperlen auf ihrer Haut zu bilden und ihr Atem immer schwerer ging, stand ich auf, warf ihr meinen Mantel hin, zuckte mit den Schultern und sagte, während ich mich umdrehte: »Es ist schon spät. Ich sollte zur Besprechung gehen.«

Auf einmal spürte ich einen heftigen Schmerz in meiner Bauchregion, der mich auf die rechte Seite des Balkons schleuderte.
Mit einer Hand sich mit meinem Mantel bedeckend, kam Bast, aus deren anderen Hand lange Krallen aus ihren Fingern wuchsen, langsam und vor Wut bebend auf mich zu.
»Duuu….«, ihr Gesicht verzog sich wie zu der Fratze eines Dämons, so geladen war sie.
»Das wirst du mir bereuen, dass du immer wieder so mit mir spielst! Ich bin doch noch eine hübsche Jungfrau. Man macht sowas nicht, man erobert.«, sagte sie voller Stolz. Dabei blickte sie in den Himmel und ballte mit der einen Hand, mit der sie den Mantel hielt, eine Faust.
Meine Chance, dachte ich mir. Rasch stand ich auf und sprang über das Geländer in Richtung Campus. »HA!!! Jungfrau.«
Am Boden angekommen rannte ich mit einem triumphierenden Lächeln im Gesicht um mein Leben.
Das fast drei Meter lange Kätzchen trennte nur noch ungefähr 30 Meter von mir. Vor mir tauchten die ersten Schüler auf. Ich versuchte ihnen, so gut es ging, auszuweichen und keinen zu gefährden.
Auf meinem Weg waren sehr viele Bäume und kleine Bänke, auf denen Leute saßen und ihren Machenschaften nachgingen, so wie etwa Lesen oder Lernen oder sich einfach nur unterhielten.
Direkt vor mir saß ein Pärchen auf einer Bank und küsste sich, auf beiden Seiten neben der Bank waren zwei Bäume.
Meine einzige Möglichkeit, um nicht gefangen genommen zu werden, war über sie zu springen.
Ich erhöhte etwas mein Tempo, sprang kurz vor der Bank ab, machte einen Salto nach vorne wobei mein Drehpunkt eher an meinem Kopf lag.
»Nehmt euch doch ein Zimmer. Aahhhh!!«, erschrak ich, als ich gerade Kopfüber im Salto war und nach hinten sah. Bast wurde immer schneller und die Distanz zwischen uns immer kleiner.
»Fick dich doch!!«, rief mir das Pärchen hinterher, als ich wieder Boden unter den Füßen hatte.
Es wollte auch nicht anders kommen, ich stolperte nach vorne und verlor mein Gleichgewicht. Ich ruderte wild mit den Armen, um mich wieder zu stabilisieren, aber es war bereits zu spät.
Vor meinen Augen tauchte plötzlich ein 1,5 Meter großer Strauch auf.
Fuck!, schoss es mir noch durch den Kopf, ehe ich mit diesem voran in den Strauch reinkrachte und voller Blätter und Äste im Haar auf der anderen Seite rauspurzelte.
Mein Atem ging immer schwerer. Ich versuchte wieder aufzustehen.
Plötzlich wurde mir übel. Bittere Galle durchsetzt mit einem metallischen Geschmack kam mir hoch. Ich sank auf alle Viere und erbrach in aller Öffentlichkeit.
Ich musste meine Augen schließen, denn der Reiz war so heftig, dass es mir Tränen in die Augen trieb.
Als es einigermaßen vorbei war, öffnete ich meine Augen. Eine schwarz-gelbe Flüssigkeit breitete sich vor mir aus. Aus Ekel erbrach ich noch einmal.
Meine Sinne schienen mich zu verlassen. Meine Sicht trübte sich und meine Kraft verließ mich.
Ich versuchte mich noch hinzusetzen, als mich höllische Schmerzen durchfuhren. Schlussendlich kippte ich nach hinten weg in Richtung Erde.

Das Letzte, das ich mitbekam, war ein Brüllen und viele Schemen um mich herum, doch dann zog mich die Dunkelheit zu sich.
Aus Schreck versuchte ich, meine Augen aufzureißen, was zu meinem Erstaunen ein voller Erfolg war.
Vom Licht geblendet musste ich sie prompt zur Hälfte schließen.
Langsam erkannte ich die Umrisse einer Gestalt, die mit einem Fuß auf meiner Brust stand.
Ich konnte nicht erkennen, wer es war, aber ich konnte das bösartigste Grinsen auf dieser Welt erblicken.
Die Hände der Person waren auf der Höhe seiner Brust, als sie mit hoher Geschwindigkeit nach unten fuhren.
Verwundert richtete ich meinen Blick auf meine Brust und bemerkte, dass ein Schwert in mir steckte.
Meine Hände griffen nach der sich rot färbenden Klinge, um mich zu vergewissern, dass sie auch wirklich dort war.
Plötzlich fuhr die Klinge aus mir heraus und sauste immer wieder auf mich herab. Immer wieder raus und rein. Blut spritzte auf uns beide, jedes Mal als er das Schwert herauszog.
Ich versuchte das Schwert zufassen zu bekommen, als es gerade wieder auf mich zu stieß. Meine Hände griffen nach der stählernen Klinge, um sie aufzuhalten, aber sie rutschte langsam durch meine Hände. Blut quoll aus den durch das Schwert verursachten Wunden hervor.

Ich schaffte es gerade so, das Schwert abzulenken, so dass es in den Boden stach.
Der Unbekannte kam aus dem Gleichgewicht und torkelte nach vorne über die Waffe.
Mit beiden Händen griff ich nach seinem Kopf, um ihn zu mir nach unten zu ziehen, als sich plötzlich der Schatten um sein Gesicht verflüchtigte.
Strahlendes Licht machte sich vor meinen Augen breit und gewann immer mehr an Intensität, wobei es mir die Sicht auf sein Gesicht raubte.
Nach ein paar Momenten konnten sich meine Augen an das Licht gewöhnen.
Das Erste, das ich erblickte, war eine Lampe, die über mir an einer gläsernen Decke angebracht war und mir mitten ins Gesicht leuchtete.
Meine Nase fing gerade an zu jucken, als ich bemerkte, dass ich mit Händen und Füßen an ein Bett gefesselt war und mich daher nicht kratzen konnte. Merkwürdig erschien mir jedoch, dass ich zugedeckt war.
Leichte Panik durchfuhr mich. Mein Herz pochte wie verrückt. Wo bin ich? Was war mit mir geschehen? Ich blickte mich hektisch um, in der Hoffnung Hinweise darauf zu finden, wo ich war. Es war ein Raum aus Glas, in dessen Mitte ich mich befand. Um mich herum waren noch ca. zwei Meter auf jeder Seite Platz. Der Raum außerhalb war zu dunkel, als dass ich etwas sehen hätten können. Neben meinem Bett war ein kleiner Beistelltisch aus Metall mit Rollen und auf dem Tisch lagen, auf einem grünen Papier, ein Skalpell, ein paar leere Spritzen und eine Knochensäge. Alles war voller Blut.
Am Boden stand ein Mülleimer, in den blutige Handschuhe reingeworfen worden waren.
Auf der anderen Seite waren Bildschirme mit verschiedenen Aufnahmen von Röntgenbildern. Ich erkannte mit zusammengekniffenen Augen meinen Namen an der unteren rechten Ecke.
Ich versuchte mich zu befreien, in dem ich mich losreißen wollte, aber die Fesseln hielten meiner stand.
»FUCK!«, schrie ich voller Wut aus mir heraus.
»IST HIER JEMAND?«, schrie ich weiter, in der Hoffnung, jemanden zu erreichen, der mir vielleicht freundlich gesinnt war.
Nach gefühlten fünf Stunden ging mit einem leisen Wusch eine gläserne Schiebetür auf.
Herein kam ein großer Mann mit kurzen grauen Haaren und einer Brille in seinem Gesicht.
Sein Gesicht war nichtssagend und wirkte gelangweilt. Er war sehr schlank für seine Größe und hatte einen Ärztekittel an. Sein Blick war auf das Klemmbrett in seinen Händen gerichtet und es wirkte so, als ob er noch nicht mitbekommen hätte, dass ich wach war.
»Hey was ist hier los? Ich lass dich auch am Leben, wenn ich mich befreist!«, fuhr ich ihn an.
Erschrocken ließ der Mann sein Klemmbrett fallen und blickte zu mir auf: »Samael? Du bist wach?!«
Es fiel mir wie Schuppen von den Augen, als mir klar wurde, wer dieser Mann war. »Doktor Thichus! Was ist hier los?«
»Ich mach dich sofort los, warte schnell.«, Dr. Thichus fing an meinen Beinen an, mich zu befreien. Wenig später war ich ganz frei und konnte mich endlich an meiner noch immer juckenden Nase kratzen. Es fühlte sich nahezu himmlisch befreiend an.
»Also Doc, was ist hier los? Ich kann mich an nichts erinnern.«
»Ich erklär dir alles.«, sagte er ruhig, »Bast hat dich im Gras liegend gefunden, umgeben von einer komischen Flüssigkeit, die du wohl erbrochen hast nach den Aussagen der Leute, die dich dabei gesehen haben. Als sie dich dann endlich hergebracht hatten, haben wir bei deiner Untersuchung dein Hemd entfernt und festgestellt, dass von deiner linken Schulter, wo du dich verletzt hattest rot-schwarz durchzogene Linien weggehen.«
In dem Augenblick, da er fertig gesprochen hatte, setzte ich mich auf, die Decke rutschte hinunter und ich konnte meinen Oberkörper sehn.
Ein Schauer durch fuhr mich, denn das war noch nicht da, als ich unter der Dusche stand. Meine Hände zitterten heftig. Ich hatte keine Ahnung, was da mit mir los war.
Wut kochte plötzlich hoch und meine Augen verfärbten sich: »Wer hat davon alles Kenntnis?«
»Nur du, Mia, Bast und ich, Sir.«, schluckte Doc.
»Ok das kann ich verkraften.«, ich beruhigte mich rasch und legte mich entspannter hin.
Der Doc war auch sichtlich erleichtert, dass es mir den Umständen entsprechend gut ging.
»Kann man schon sagen, was das ist?«
»Ich glaube ja, dass es eine Art magische Vergiftung ist.«
»Wie kann ich sie loswerden, Doc?«
»Du musst an einen bestimmten Ort, da wurde vor langer Zeit an Gerät versteckt.«
»Das hört sich ja sehr dumm an.«, seufzte ich vor mich hin.
»Samael, ich finde die anderen sollten es auch wissen.«
»OK. Hol sie.«, sagte ich nach kurzem Überlegen.
Der Doc ging in Richtung Tür, die sich mit einem Wusch öffnete und sich hinter ihm wieder schloss.
Ich stieg aus dem Bett, um mir etwas zum Anziehen zu suchen. Aus dem Augenwinkel bemerkte ich unter dem Bett eine Sporttasche. Gerade, als ich mich gerade bücken wollte, um die Tasche aufzuheben, hörte ich wie die Tür aufging.
Shit. Ich konnte mich gerade noch umdrehen und mich normal hinstellen, als zwei weinende Mädchen auf mich zu sprangen und mich zurück auf mein Bett warfen.
»Wie konntest du mir nur so einen Schrecken einjagen? Ich war krank vor Sorge, als du auf einmal da vor mir lagst.«, weinte Bast in meine Brust hinein.
Mia schluchzte einfach vor sich hin und klopfte mit ihren Fäusten auf meine Brust.
Ich konnte einfach nicht anders als die zwei mit einem Lächeln fest zu umarmen.
»Ihr wisst aber, dass ich nackt bin, oder?«, lachte ich laut.
»Was bist du?«, sagten beide gleichzeitig und hörten prompt auf zu schluchzen.
»Nackt.«, sagte ich mit einem Grinsen und umarmte die zwei noch fester, woraufhin sie anfingen wild um sich zu schlagen, sofern es für sie im Bereich des Möglichen lag.
»Jetzt ist aber Schluss ihr drei! Wo glaubt ihr, wo ihr hier seid?!«, schrie Thichus in den Raum hinein, um uns zu übertönen.
Ich ließ die beiden los, die sich auch rasch von mir entfernten, als wäre ich durch Hautkontakt immens ansteckend und ich legte mich zurück ins Bett und bedeckte mich zu ihrer Beruhigung.
»Also dann erzähl ich euch mal, wohin Samael muss, um die Vergiftung loszuwerden.«, räusperte sich der Doc und stellte sich vor mein Bett, »Ihr müsst von hier aus nach Westen über das Sarulan Gebirge reisen, auf der anderen Seite liegt das Land des ewigen Winters, Negua. In dem Land soll es einen Dungeon geben, der Das Verlies von Uda genannt wird. Dort befindet sich ein Portal und in dieses müsst ihr hinein.«
Hört sich nach einem langen und gefährlichen Weg an. Ich muss das mit dem Rat besprechen, überlegte ich im Stillen, Vielleicht sollte ich allein im Schutz der Dunkelheit aufbrechen und ihnen nichts davon sagen. Aber mal sehen...
Ich konnte sehen, wie Mia immer nachdenklicher wurde, so, als ob sie etwas aushecken würde.
»Danke für alles, Doc, aber ich glaube, ich sollte jetzt gehen. Gibst du mir bitte die Tasche, Bast?« bat ich und zeigte nach unten.
Nach einiger Zeit war ich angezogen und wir verließen das Gebäude. Draußen war es kurz davor Dunkel zu werden, denn der Himmel war in ein schönes Rotorange getaucht. Unsere Wege trennten sich dann schließlich auch, Mia ging mit Bast in Richtung Schule und ich ging in mein Zimmer.
Dort angekommen, warf ich die Tasche auf den Boden, ging zu meinem Bett und holte von darunter einige Beutel und einen großen braunen Umhang mit Kapuze hervor.
Ich füllte die Beutel mit Proviant und einen Trinkbeutel mit Wasser. Aus meinen Schrank holte ich ein Schwert in Form eines Katanas raus und legte es aufs Bett. Der Griff war mit vielen kleinen Ketten an die Scheide befestigt. Daneben waren noch einige normale Dolche, die ich ebenfalls aufs Bett legte.
Als ich alles fertig vorbereitet hatte, ging ich schnell duschen, um mir dann frische Sachen anzuziehen. Aus meinem Kleiderschrank holte ich mir eine schwarze Hose mit vielen Taschen die locker anlag, ein schlichtes schwarzes T-Shirt und darüber einen schwarzen Pullover. Ich zog mir schwere dunkelblaue Stiefel an und befestigte die Beutel an meiner Hose und schließlich das Schwert an meinem Gürtel.
Zu guter Letzt warf ich mir den Mantel um und verstaute die Dolche darin. Die Kapuze zog ich mir über den Kopf und schaltete das Licht aus, damit mich keiner beim Aufbruch bemerken konnte, sondern man denken würde, dass ich mich schlafen gelegt hätte.
Die Balkontür quietschte beim Öffnen, ich schritt hinaus in die bereits dunkel gewordene Welt. Als ich kurz innehielt, um mich umzusehen, sah ich wie sich mehrere Gestalten am Boden bewegten.
»Ich wusste es doch, dass er kommt, Leute.«, vernahm ich eine mir vertraute Stimme.

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beta
Fairy Dust

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