Bei Kerzenlicht saß Maria ihm gegenüber. Vor zwei Tagen hatten sie sich beim Einkaufen getroffen. Sie waren mit den Einkaufswagen zusammengeprallt, hatten erschrocken aufgesehen - und dann hatte der Blitz eingeschlagen. Und jetzt saßen sie sich an einem Tisch in der Pizzeria gegenüber und lächelten sich verliebt zu.
Gleich in der allerersten Sekunde waren Maria seine Augen aufgefallen. Blau und tief wie das Meer. Zum Drinversinken. Niemals zuvor hatte sie so schöne Augen gesehen.
Auch jetzt konnte Maria kaum den Blick von ihnen abwenden. Seine tiefe und doch weiche Stimme, seine feingliedrigen Hände und seine ebenmäßigen Gesichtszüge, all das nahm Maria kaum war. Nur seine Augen waren wichtig. Von ihnen war sie so hingerissen, daß sie kaum auf seine Worte achtete, sie nickte und lächelte mechanisch.
Wenn er lächelt, funkeln seine Augen wie Sterne, dachte Maria.
Die Kellnerin kam an den Tisch. Maria sah, wie er aufblickte und die Kellnerin anlächelte, geschäftsmäßig, - aber seine Augen funkelten dabei. Marias Magen zog sich krampfhaft zusammen.

Er bezahlte und sagte dann leise:
"Komm, lass uns gehen."
Maria nickte. Sie stand auf und ging vor ihm aus der Pizzeria. Sie spürte den Blick seiner unglaublichen Augen und lächelte leicht. So war es richtig.
Hand in Hand gingen sie die Straße entlang. Mehrmals sah er sie verliebt von der Seite her an. Maria fühlte, daß sie bereit war, für  diese Blicke zu töten. Diese Augen!
Vor ihrer Haustür blieben sie stehen. Er nahm Maria zärtlich in die Arme und küßte sie. Wußte er, was in ihr vorging? Er hielt die Augen während des Kusses offen, sah in die ihren.
Die Haustür öffnete sich von innen und ein junges hübsches Mädchen trat heraus. Er löste sich von Maria, trat einen Schritt zur Seite, um das Mädchen vorbei zu lassen, lächelte dabei entschuldigend und - sah sie mit seinen wunderbaren Augen an.
Marias Magen verkrampfte sich erneut, ihr wurde eiskalt, aber plötzlich war das vorbei und eine ihr nie gekannte Ruhe überkam sie.
Er wandte sich wieder Maria zu, lächelnd, seine Augen glitzerten und blitzen mit den Sternen um die Wette. Dann verblasste sein Lächeln plötzlich und seine Augen weiteten sich...

Maria betrat ihr Schlafzimmer. Sie legte sich auf`s Bett, lächelte verträumt. Liebevoll dachte sie an ihn. Was für ein Mann! Langsam hob sie ihre rechte, geschlossene Faust ganz nah an ihr Gesicht. Langsam, ganz langsam, öffnete sie sie. Sie betrachtete das, was in ihrer Hand verborgen war und ihr Gesicht strahlte glückselig auf.
Er war wirklich ein netter Typ. Aber das allerschönste an ihm waren seine Augen. Und die würden von nun an bis in alle Ewigkeit, nur noch einzig und allein Maria ansehen...

Comments

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    Richtig gut geschrieben!

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    O.o. ein kleines Horrorjuwel vom Feinsten. Echt gruselig! Wie Sharimaya sagt: Gänsehaut Effekt! :-)

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    Ich mag Horrorgeschichten wirklich gerne und musste sogar ein wenig schmunzeln als diese Wendung dann ganz plötzlich eintart. Klasse geschrieben!

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    Brr! Da kriege ich gerade Gänsehaut... ! Mit dieser Wendung hätte ich nicht gerechnet... Toll geschrieben!

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