Augen so groß wie Kullerkekse

Alexander

Als ich die Villa betrat war es still, aber damit hatte ich gerechnet denn um diese Zeit war Mary für gewöhnlich einkaufen, ich stellte die Tasche neben die Eingangstür und sah mich um. Hier hatte sich wenigstens nichts verändert außer das hier nun noch jemand wohnte, aber auch von ihr fehlte jede Spur. Die Reha war wirklich ein Albtraum gewesen, die wollten mich doch tatsächlich zu einer Therapie verdonnern. Es klingelte an der Tür, kurz dachte ich darüber nach es zu ignorieren "Komm schon Alter mach die Tür auf, ich habe dich reingehen sehen" drang Noahs Stimme durch die verschlossene Tür. "Okay mach nicht so ein Theater" rief ich und öffnete ihm die Tür Noah schob sich an mir vorbei. Er trug diese schrecklichen Bikerstiefel und eine schwarze Lederjacke die ihre besten Tage bereits hinter sich hatte, die Beanie hatte er sich tief ins Gesicht gezogen, eigentlich war von seinem ganzem Gesicht so gut wie nichts zu erkennen da er eine riesige schwarze Sonnenbrille trug. Ich nahm an das Noah eine lange Nacht hinter sich hatte, er ging ins Wohnzimmer und ließ sich auf das Sofa fallen, dann nahm er seine Brille ab und legte sie auf den Tisch. Seine Augen waren rot und geschwollen "Und wie fühlst du dich?" tja das fragte ich mich auch ständig "Alles bestens" Noah warf mir einen warnenden Blick zu er wusste das ich log, man konnte von ihm denken was man wollte aber er war mein bester Freund und wir sind schon mehr als einmal gemeinsam durch die Hölle gegangen.

"Ich habe die Reha geschmissen" gestand ich, Noah sah nicht überrascht aus "Dachte ich mir schon" ich ließ mich neben ihm auf dem Sofa nieder. "Es ist echt schön dich zu sehen Kumpel" sagte ich und ließ mich tiefer in die Polster sinken. "Und was hast du jetzt vor?" fragte Noah der mein Dilemma kannte, das oberste Gebot unserer Freundschaft war Ehrlichkeit. Das hatte man uns in einer gemeinsamen Therapie eingetrichtert. "Keine Ahnung erstmal werde ich mich um Sams Tochter kümmern" Noah lacht und ich boxe ihn gegen die Schulter "Was? Hat sich das Sam gut überlegt?" er hatte ja recht das ganze würde wahrscheinlich zwangsläufig in einer riesen Katastrophe enden. "Ich werde nur hin und wieder schauen ob sie allein zurecht kommt" sage ich, Noah sieht mich ernst an "Also ehrlich, ich würde dich nicht einmal in die Nähe meiner Schwester lassen du verkorkster Idiot" das glaubte ich sofort, Noah war etwas speziell was seine kleine Schwester betraf, sie konnte einem echt Leid tun bei jedem Kerl der sich ihr auch nur auf fünf Meter nähert läuft Gefahr von Noah in den Boden gerammt zu werden. Ein bisschen verstand ich ihn sogar sie war wirklich heiß und wenn Noah nicht wäre hätte ich es sicher mal bei ihr versucht. Noah verpasst mir einen Schups "Alter denkst du etwa gerade an meine Schwester!" ich richtete mich wieder auf "Du hast doch von ihr angefangen" wehrte ich mich. "Okay Themawechsel, wie ist denn deine Schwester so?" fragte Noah nach, vielleicht sollte ich ihm demnächst Hausverbot erteilen nur für den Fall "Keine Ahnung ich habe sie noch nicht gesehen, Sam hat mir mal ein Foto gezeigt aber da war sie höchstens zehn. Aber ich kann mir schon vorstellen das sie so ein richtiges Püppchen ist, Geld hat Papi ja genug. Außerdem ist sie nicht meine Schwester!" Noah quälte sich mühsam vom Sofa hoch, nahm seine Sonnenbrille und schob sie sich auf die Nase. "Naja irgendwie schon, sie ist deine Stiefschwester. Wenn sie heiß ist ruf mich an" sagte Noah und verließ das Wohnzimmer. Ich warf ein Kissen nach ihm, verfehlte ihn allerdings "Fick dich Noah" rief ich ihm hinterher Noah lachte und ließ die Eingangstür ins Schloss fallen.

Ich nutzte die Ruhe im Haus und streckte mich auf dem Sofa aus.  Meine Mutter steht im Haus, sie spricht mit mir aber ich kann nicht verstehen was sie sagt. Sie ist wütend, wir streiten. Eine Reihe von Bäumen zieht an mir vorbei und plötzlich ist da nichts, alles schwarz. Ich bin nicht mehr da. Schweißgebadet fahre ich vom Sofa hoch, ich hatte geträumt, wieder einmal. Ich hasste es wie ich mich nach diesen Träumen fühlte, ich fühlte mich verloren und vor allem allein. Diese Träume verfolgten mich immer wenn mir die Augen zufielen, ich war wirklich ein Wrack. Vielleicht hatte meine Mutter recht, wer sonst würde schon jemanden wie mich wollen. Ich rappelte mich auf und ging nach oben, eine Dusche würde sicher helfen einen klaren Kopf zu bekommen.

Mary hatte sicher schon bemerkt das ich zurück war, denn mein Gepäck stand bereits in meinem Zimmer. Ich betrat den Flur es roch herrlich nach Essen, ich warf einen Blick auf die Uhr bis zum Essen waren es noch zwanzig Minuten, Mary funktionierte wie ein Uhrwerk.  Ich zog meine Handy aus der Tasche und las meine Nachrichten als ich die Treppe herunter ging. Ich bremste etwas unsanft instinktiv griff ich nach vorn und versuchte die Blondine die blindlinks in mich hinein gestolpert war, davon abzuhalten einen Purzelbaum rückwärts zu machen, vor Schreck ließ sie ihre Tüten fallen. Sämtlicher Inhalt verteilte sich auf den einzelnen Stufen, sie fluchte leise. Meine Hände lagen noch auf ihren Hüften als sie zu mir aufsah. Augen so groß wie Kullerkekse starrten mich an, sie sah aus als hätte sie einen Geist gesehen und wich einen Schritt zurück damit trat sie ins Leere, mit einer raschen Bewegung zog ich sie fest an mich. Sie war zierlich und locker einen Kopf kleiner als ich, ich konnte spüren das ihr Herz raste. "Du solltest mal Luft holen" sagte ich weil sie tatsächlich aufgehört hatte zu Atmen. Das letzte was ich wollte war das sie hier kollabierte, denn ich wüsste nicht wie ich das Sam erklären sollte. Sie hat mich gesehen und ist einfach umgefallen, klang ganz schön plump. Ich betrachtete ihr zartes Gesicht, welches gerade die Farbe einer Tomate annahm. Ich entschuldigte mich für unseren unsanften Zusammenstoß und im nächsten Moment war sie auch schon verschwunden. Ich sah ihr nach, von einem Modepüppchen hatte sie so rein gar nichts, im Gegenteil sie war eher von der Sorte mega langweilig. Eigentlich hätte ich wissen müssen das Sam keine verwöhnte Göre zur Tochter hatte, er war gar nicht der Typ dazu jemanden alles in den Rachen zu werfen. Ich sammelte die einzelnen Kleidungsstücke von der Treppe auf, offensichtlich war sie Shoppen gewesen und wenn ich die Teile so betrachtete hatte sie Unterstützung von jemanden mit Geschmack. Die Tüten stellte ich neben der Treppe ab, bevor ich in Sams Arbeitszimmer verschwand um ihm noch kurz ein paar Unterlagen zu mailen.

Als die Küche betrat entdeckte ich Mary die mich anlächelte und Ella die mir den Rücken zugewandt hatte. "Das war ich" klärte ich die Situation mit den Tüten auf, der Kopf des Blondschopfes schoss herum, der Barhocker geriet gefährlich ins schwanken. Sie starrte mich an, als ihr Gesicht erneut rot an lief drehte sie sich weg. Sie hatte echt etwas süßes an sich, so schüchtern und unschuldig. Ich begrüßte Mary und rutschte dann auf den Barhocker neben Ella, sie starrte auf ihren Teller. Sie machte nicht den Eindruck als wäre sie scharf auf ein Gespräch mit mir, aber ich hatte es Sam versprochen, ich würde mir Mühe geben nett zu sein. "Also du bist Ella, richtig?" begann ich, sie nickte bloß. Das lief ja super, entweder fand sie mich nicht sympathisch oder sie war einfach verklemmt. Ich betrachtete ihr Profil, ihre Nase war klein ihre Lippen hingegen wirkten voll, die Augen waren vielleicht ein wenig zu groß für so eine zierliche Person. Ich suchte nach Ähnlichkeiten mit Sam, aber sie kam wohl eher nach ihrer Mutter. Sie nickte lediglich, während sie weiter auf den Teller starrte der vor ihr stand. Sie machte es einem wirklich nicht leicht.

Anscheinend machte ich sie nervös, denn sie kaute auf ihrer Unterlippe. Ich versuchte es erneut nach dem sie sich für das aufsammeln ihrer Sachen bedankte, dafür hatte sie zwei Anläufe gebraucht. Sie wirkte ein klein wenig gestresst, ich fragte mich ob es an mir persönlich lag oder an der bloßen Tatsache das ich ein Mann war. Bevor ich auch nur weiter darüber nachdenken konnte, hatte sie sich bereits aus dem Staub gemacht. Schon wieder!


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