Aus dem Projekt: "Tara und der Lichtkristall" 3/3

DAS ZWEITE KAPITEL - ...ODER DOCH NICHT?

Ich stehe um 16 Uhr pünktlich vor Starbucks, da wo wir uns immer treffen. Eine Minute später steigt Simon aus dem Auto seiner Mutter aus und sie wünscht uns viel Spaß, ehe sie wieder fährt.

"Hey Simon. Weißt du was von Gabi?" Normalerweise ist sie immer diejenige die überpünltlich war. Nicht ich.

Simon sieht mich verwundert an.

"Hat sie dir nichts gesagt? Sie ist bei Finn. Er hat sich nochmal gemeldet und wollte irgendwie wieder alles gut machen oder so", erklärte er mir verwirrt. Das war auch ich. Warum hatte sie mir nichts gesagt? Wir waren Freundinnen seit der Grundschule! Da erzählt man sich doch alles oder nicht? Vor allem, wenn man sich sonst alles anvertrauen konnte.

Ich will ihr sofort schreiben, fragen warum sie mir nichts gesagt hat, aber Simon hält mich davon ab.

"Lass ihr jetzt die Zeit mit ihm. Danach kannst du sie alles fragen, was du willst. Aber jetzt solltest du sie nicht stören, wer weiß, wo sie grade bei sind..." Dabei grinste er so anzüglich, dass ich wider Willen lachen musste.

"Simon! Mensch, das will ich doch gar nicht wissen!" Ich sah ihn grinsend an.

"Aber es hat geklappt", meinte er lachend. "Lass uns jetzt losgehen, sie wird jetzt nicht doch noch plötzlich kommen." Damit ging er in Richtung der Läden los.

Als wir in dem gefühlt hundertsten Laden angekommen sind, sah ich ein Kleid, dass mich in seinen Bann zog. Es war perfekt. Weinrot, nicht bodenlang sondern nur bis zu den Knien, mit Ärmeln aus durchsichtiger Spitze bis zum Ellenbogen. Ab der Taille wurde es locker, so dass es nicht zu eng war. Die Spitze von den Ärmeln zog sich bis zum herzförmigen Ausschnitt, wo sie in den normalen Stoff überging. Obwohl ich normalerweise kein Typ der Eleganz war, so gefiel mir das Kleid so gut, dass ich es entschlossen kaufte. Auch wenn ich nicht wirklich wusste, wann ich das Kleid anziehn sollte, so musste ich es kaufen.

Simon mustert mich erstaunt, auch er wusste dass ich elegante Kleidung eigentlich nie freiwillig anzog. Entschuldigend sah ich ihn an.

"Sorry, aber dieses Kleid ist ein Traum! Ich muss es kaufen!" Ich weiß nicht, warum ich mich entschuldigte, aber ich tat es.

"Tara? Hast du das überhaupt anprobiert?", fragt er mich grinsend. Ich schlage mir mit der Hand auf die Stirn. Das wichtigste vergesse ich immer. Ich lächele schief und während ich mich schon umdrehe, trällere ich noch ein "Schon unterwehegs!". Ich bin gut gelaunt, endlich habe ich etwas gefunden. Und als ich das Kleid anhabe und ich mich im Spiegel der Umkleide begutachte, bin ich wirklich erstaunt. Dieses Kleid passt perfekt, als sei es maßgeschneidert worden - extra für mich.

"TARA! Beweg deinen Arsch da raus!", brüllt Simon. So kommt es mir jedenfalls vor, denn er steht direkt vor meiner Umkleide und hat tatsächlich nicht sehr leise gesprochen.

"Man Simon! Du kann mich doch nicht so erschrecken!", zische ich, während mein Herz versucht wieder normal zu schlagen. Ich ziehe den Vorhang auf und als ich sein sprachloses Gesicht sehe, muss ich kichern.

"WOW!", ist alles, was er sagt.

Seine Augen wandern über meinen ganzen Körper, so lange bis ich mich schon etwas unbehaglich fühle.

"Simon", sage ich leise.

"Das wird gekauft!", sagt er entschlossen und von seinem Grinsen ist nichts mehr zu sehen. Es ist wie weg gewischt.

Als ich wieder mit normalen Klamotten aus der Umkleide komme, nimmt er mir das Kleid sofort aus der Hand und läuft zur Kasse. Zu spät realisiere ich, was er vorhat. "Simon!", rufe ich noch, aber da hat er es schon bezahlt. Kopfschüttelnd folge ich ihm aus dem Laden.

Draußen drückt er mir die Tüte in die Hand und als ich ihn für den Kauf rügen will, legte er mir seinen Zeigefinger auf die Lippen und verdeutlicht mir, leise zu sein.

"Akzeptier es einfach und gut!", sagt er ernst und sieht mich intensiv an. Viel zu intensiv, denn ich fühle mich erneut unwohl. Da es schon kurz vor sieben wist, laufen wir noch schnell zu Starbucks, denn da würde seine Mum uns abholen. Sie hatte laut Simon darauf bestanden, mich nach Hause zu fahren. Sie ist sehr fürsorglich, denn ich wohnte nicht weit weg, es war auch noch nicht sehr dunkel und verteidigen konnte ich mich auch. Aber lieber solche Eltern, als welche, die sich nicht für dich interessierten.

Als ich Zuhause ankomme, sitzt mein Vater im Wohnzimmer und schaut irgendwelche Sendung.

"Hey Paps, bin wieder da!", teile ich ihm kurz mit.

"Na meine Süße, was hast du dir denn so schönes geholt?", fragt er lächelnd. Ich zeige ihm das Kleid.

"Das ist schön, aber wer hat dir das geholt?", grinst er. Ich freue mich, dass er wieder spaßen konnte auch wenn es mich verletzt, dass er denkt, dass ich mir sowas nicht kaufen würde.

"Also Simon hat es bezahlt, aber ich habe es mir ausgesucht."

"Du? Das ist doch wunderbar!", freut sich mein Dad.

"Komm setzen wir uns in die Küche, das Essen ist schon fertig", schlägt er vor.

Das Abendessen verläuft soweit ereignislos, das einzige was anders ist, dass mein Vater etwas gesprächiger als die letzte Zeit ist. Natürlich nicht so wie vor dem Tod meiner Mutter aber auf jeden Fall mehr als sonst.

"Wann wird das mit Simon und dir eigentlich was?", fragt er nebenbei nach, als wäre das etwas vollkommen normales.

Ich verschlucke mich vor Schock und huste wie eine Irre rum. Mein Vater guckt nur amüsiert zu und lacht schließlich noch anstatt mit zu helfen.

Im ersten Moment wollte ich ihm richtig anschnauzen aber als ich sein Lachen höre und sehe, dass es von Herzen kommt verpufft meine Wut.

Trotzdem sehe ich ihn weiterhin geschockt an. Noch außer Atem frage ich ihn, wie er auf diese Schwachsinnsidee kommt.

Er grinst vieldeutig, wackelt mit den Augenbrauen und sieht mich lange an bevor er antwortet.

"Tara. Simon und du. Ihr seid doch das perfekte Paar. Und du solltest dir doch langsam darüber im klaren sein, was Simon für dich empfindet."

Bei dieser kurzen Rede wechselt sein Gesichtsausdruck von schelmisch zu ernst.

"Papa! Simon empfindet nichts für mich. Sieh mich an! Ich bin nicht grad die attraktivste Person und tollpatschig auch. Auch wenn die letzten Tage relativ ereignislos waren. Bis auf vor drei Tagen...", überlege ich.

"Da bin ich in der Schule ein bisschen zu spät nach Physik gekommen. Ich schwöre, es lag nicht an mir! Die Toiletten waren überfüllt!", beteuere ich grinsend.

Mein Paps grinst ebenfalls - mit dem Unterschied, dass seines wissend ist.


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