Böses Erwachen

Ich öffnete die Augen. Über mir befand sich eine steinerne Decke. Ich setzte mich auf und blickte mich um. Tatsächlich befand ich mich in einer Höhle. Am anderen Ende, mir genau gegenüber, sah ich ein Leuchten. Ich versuchte aufzustehen, wurde jedoch von einer massiven Eisenkette um meiner Hüfte daran gehindert.

Normalerweise wurde ich eigentlich nicht sehr schnell panisch, doch jetzt spürte ich wie Panik langsam in mir aufstieg.
Ich konnte mich an nichts mehr erinnern, außer dass ich gerade dabei war meine Schwerter zu schleifen als mich etwas von hinten hart am Kopf traf. Meine Finger berührten meinen Hinterkopf und trafen auf eine pflaumengroße Platzwunde. Verkrustetes, getrocknetes Blut verklebte meine Haare und ich versuchte sie mit den Fingern einigermaßen zu entwirren. Mein Hinterkopf pochte schmerzhaft, doch mit Schmerzen zu leben, hatte ich gelernt. Im dämmrigen Licht der Höhle tastete ich nach meinen Zwillingsschwertern Cortana und Siriltana, doch ich fand sie nicht...wäre ja auch zu schön gewesen. Meine Wurfmesser an meinem Gürtel waren auch verschwunden und die kleine Pistole an meinem Bein ebenfalls. Ich war also komplett entwaffnet und meine Armschützer und mein Brustpanzer wurden mir ebenfalls ausgezogen. Einige Meter von mir entfernt in einer noch dunkleren Ecke hörte ich ein Murmeln. Ich robbte ein Stück, kam jedoch nicht mal einen Meter, da die Eisenkette mich daran hinderte. Irgendwie musste ich das Scheißding abkriegen. Langsam gewöhnten sich meine Augen an das fehlende Licht und ich konnte schemenhaft eine andere Person in der Ecke ausmachen, die sich fast nicht bewegte.
"Hey", rief ich, "du da, wie heißt du? Hast du irgendwas damit ich diese dämliche Eisenkette auf bekomme?"
Die Person, keine Ahnung ob männlich oder weiblich, stöhnte nur kurz auf und antwortete dann langsam:
"Versuch es gar nicht erst, die bekommst du eh nicht ab, wenn sie dich gehen lassen wollen, lassen sie dich gehen, aber bis dahin, spar dir lieber deine Kräfte."
Die Person war definitiv männlich. "Nur weil du es nicht geschafft hast heißt es nicht dass ich es nicht schaffe", rief ich fast beleidigt zurück. Meine Hände versuchten die Glieder der Kette aufzubiegen, jedoch ohne Erfolg.
Er antwortete eine lange Zeit nicht und ich versuchte unterdessen die Höhlenwände irgendwie dazu zu benutzen, meine Fesseln zu zerstören. "Ich weiß es, weil schon andere, stärkere und muskulösere Kämpfer es versucht haben und kläglich gescheitert sind. Ich weiß ja nicht was sie von dir wollen, aber wenn es dir geht wie dem Rest vor dir, rate ich dir dringend dazu, deine Kräfte zu sparen und dich einfach auszuruhen und zu warten."
"Einfach warten", sagte ich mehr zu mir selbst, als zu dem Mann.
Warten gehörte nicht zu meinen Stärken, ich hatte einfach keine Geduld, aber da mir nichts anderes übrig blieb ließ ich mich wieder auf den Höhlenboden sinken.
Jetzt, da ich so ruhig saß bemerkte ich das volle Ausmaß meiner Platzwunde und Müdigkeit machte sich in mir breit. Da meine Kette in den Boden eingelassen war konnte ich mich mehr oder weniger bequem hinlegen. Das Knurren meines Magens ignorierte ich so gut es ging und versuchte ein wenig zu schlafen.

Als ich aufwachte waren wir nicht mehr alleine, ein weiterer Gefangener lag bewusstlos etwa 10 Meter entfernt von mir. Genau wie ich war er an der Hüfte mit einer Eisenkette gefesselt.
Noch zusätzlich waren auch seine Arme mit Ketten am Boden festgehalten.
Auch er trug keine Waffen, obwohl er definitiv aussah wie ein Krieger.
Ich beobachtete ihn eine ganze Weile, doch er regte sich kaum, sodass ich bald mein Interesse verlor und stattdessen versuchte den anderen Gefangenen zum Reden zu bringen und meinen Hunger zu ignorieren. "Wie lange bist du schon hier?" fragte ich nun schon zum gefühlt tausendsten Mal. "Sagst du mir wenigstens deinen Namen?"
"Wen interessieren schon Namen?" sagte er desinteressiert.
"Weißt du was? Ich geb's auf!" schrie ich halb, total genervt davon keine oder nur sehr unbefriedigende Antworten zu bekommen.
Dadurch schien der zweite Gefangene zu erwachen.
"Wo bin ich?" fragte er desorientiert. Seine Stimme klang müde und relativ jung. Der Stimme nach konnte er höchstens 20 sein.
"In einer Höhle. Deine Waffen sind weg und du bist angekettet. Vermutlich kannst du dich an nichts mehr erinnern und hast keine Ahnung was du hier sollst und was man von dir will", antwortete ich müde und von der ganzen Situation genervt.
"Woher...?" fragte er erstaunt und ängstlich zugleich.
"Weil es mir genauso geht. Ich bin übrigens Sav und sehr erfreut Gesellschaft zu haben die reden kann", antwortete ich ihm, mit einem Seitenblick auf den schemenhaften Mann in der Ecke.
"Freut mich dich kennenzulernen. Ich bin Yaro."

Comments

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    Ein interessanter Anfang, bin auf die Fortsetzung sehr gespannt! Ich hätte nur eine Anmerkung: Achte mal darauf wie oft du das Wort -ich- verwendest, sowohl innerhalb eines Satzes als auch am Satzandang mehrmals hintereinander. ;-) Freue mich auf weitere Kapitel, LG Polla *****

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