Belle- Land (10)

9. Kapitel

Ektoplasma- Extractor und Megan's Core

Also diesen Ektoplasma Extractor musste ich wirklich mal sehen! Mein Neugier wurde einmal mehr, bis zur Unerträglichkeit angestachelt. Schon unglaublich, was es in Belle- Land alles gab! "Das wäre sicher sehr spannend,» sprach ich an Meg gewandt. Diese lächelte ihr geheimnisvolles Lächeln und nickte. «In der Tat, ist der Ektoplasma Extractor eine ganz besondere Schöpfung von mir. Ich kann ihn dir schon zeigen, wenn du willst. Aber, du hast sicher keine Zeit mehr.» Doch, doch, ich habe schon noch etwas Zeit!» sprach ich schnell. «Musst du denn nicht deinen eigenen Verpflichtungen nachkommen?» «Aber nein! Ich bin frei wie ein Vogel. Die Verpflichtungen können warten. Ich habe meinen Märchenwald gerade um einige frische Werke bereichert und auch sonst, bleib ich gern noch etwas." 

«Dann brechen wir doch gleich in mein Heimatreich auf!» Meg streckte mir ihre, mit silbernen, massiven Ringen bestückte Hand entgegen und ich legte meine ehrfurchtsvoll hinein. Meg sprach eine Zauberformel in fremder Sprache und verdrehte dabei ihre Augen so, dass nur noch das Weiss darin sichtbar war (wie es die grossen, spiritistischen Meister, Hellseher, oder Magier jeweils zu tun pflegten) und gleich darauf, standen wir in einem finsteren, düsteren Wald dessen skelettgleiche Äste, sich gen Himmel reckten. Nebel waberte zwischen den abgestorbenen Bäumen hin und her. Es gab einige Irrlichter, die unruhig um uns herum zischten und sogar einige kleine Dunkelelfen mit hellen Körpern und schwarzen Gewändern, die jedoch einen violetten Schimmer besassen. Auch die Licht- Auren um die Elfen herum, waren leicht lila eingefärbt. Ihre Haare waren meist dunkel und lang und ihre Flügel schwarz befiedert. Es waren wundersame Wesen, die sehr gut in diese Umgebung passten.  Doch es gab hier auch einige unheimliche Dinge.

Da und dort, blickte ein glühendes Augenpaar uns entgegen. Vermutlich von irgendwelchen anderen, dunklen Kreaturen, die Megs Reich bewohnten. Ein wenig fürchtete ich mich schon. Doch Meg beruhigte mich. «Nur keine Angst, die Wesen hier, erkennen mich unumstösslich als ihre dunkle Herrscherin an, darum würden sie es nie wagen, dir etwas zu tun. Ausserdem hättest du im Notfall ja noch deine hohepriesterlichen Kräfte, um dich zu wehren.» Ich schaute Meg etwas erschrocken an, doch diese grinste verschmitzt. «Nein im Ernst, du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Bleib einfach nahe bei mir, ok?» «Ok,» sprach ich und würgte wohl etwas zu sehr Megs linken Arm, denn sie sprach nochmals «gaaanz ruhig!» und tätschelte beruhigend meine Hand. 

Die roten Augenpaare kamen immer näher und ab und zu vernahm ich auch ein Knurren oder Grollen. Doch die Kreaturen blieben in der Dunkelheit verborgen und wenn Meg an ihnen vorbei kam, wichen sie sogar etwas zurück. «Etwas blutrünstig scheinen sie dennoch zu sein,» gab ich zu bedenken. «Naja, meine Geschichten sind ja auch manchmal etwas blutrünstiger, du hast ja sicher auch das eine oder andere gefährliche Wesen in deiner Welt, denn deine Geschichten sind ja auch nicht immer so harmlos.» «Ja, das stimmt natürlich schon, dennoch… das hier sind nicht meine Mönsterchen und darum fürchte ich sie wohl auch mehr.» Meg nickte verständnisvoll und sprach: «Wir sind eh bald da!»

Vorbei an einem der zahlreichen Friedhöfe (wo Meg vermutlich die meisten ihrer Diener her hatte), verliessen wir den düsteren Wald schliesslich. Vor uns tauchte nun ein Hügel auf und auf diesem Hügel, stand ein eindrucksvolles Schloss! Ein Schloss aus schwarzem Gestein mit Türmen und Erkern, welches etwas an die düstere Kunst von H.R. Giger gemahnte. Wenn auch nicht ganz, denn die mechanischen Elemente fehlten. Alles bestand eher aus organischen, fliessenden Formen. Es hatte kaum scharfe Kanten und Ecken. Nur die Eingangspforte, war von zwei mächtigen, hornförmigen Türmen gekrönt. Der Stein war blankpoliert und glänzte leicht im seltsamen Zwielicht dieser Welt. Es wirkte fast so, als sei das Schloss einst aus diesem geheimnisvolle Reich, wie eine riesige Pflanze emporgewachsen. Die Fenster waren teilweise matt beleuchtet und der Weg zum mächtigen Holztor mit den Schmiedeeisen- Beschlägen und einem mehrfach gesicherten, altertümlichen Riegel, war mit Petroleumlaternen erhellt.

Da und dort begegneten uns Zombies, Ghule und auch weissliche, transparente Geister. Zwei relativ gut erhaltene Untote, bewachten das Tor. Meg machte eine gebieterische Handbewegung und sie liessen uns, mit einer leichten Verbeugung, passieren. Wir kamen in einen mächtigen, mit trutzigen Mauern umsäumten, Innenhof. Hier tummelten sich unzählige Geister. Ihre durchschimmernden, weisslichen Körper hoben sich klar von der eher dunklen Umgebung ab. Sie strömten alle in dieselbe Richtung. Wir folgten ihnen und passierten einen weiteren Torbogen der in einen Art Park führte und dort befand sich eine eindrückliche Maschine, welche jedoch erstaunlich wenig Geräusche verursachte. Alles wirkte hier unheimlich und majestätisch zugleich. 

Die Geister strömten, angewiesen von einigen intelligenteren Untoten, durch ein kleines Türchen in der Maschine hinein und dann begann diese leise zu schnarren und zu schmatzen. Es hörte sich fast wie Ess- und Verdauungsgeräusche an. Aus mehreren Abzugskaminen, strömte Dampf und Rauch und aus einem ca. armdicken Rohr, floss nun eine seltsame silbrig-weiss schillernde Flüssigkeit in ein grosses, schwarzes Fass darunter. «Frisch gewonnenen Ektoplasma!» rief Meg stolz, tunkte einen Finger hinein und liess mich die zähe, fast perlmuttrige Flüssigkeit näher anschauen. «Das sieht irgendwie noch ganz schön aus,» meinte ich beeindruckt. «Und das kommt jetzt von den Geistern?» «Genau!» «Tut ihnen das denn nicht weh?» «Nein, Geister empfinden keinen Schmerz.» «Bist du da sicher?» «Klar! Wie du weisst, bin ich die Spezialistin auf diesem Gebiet. Wie Felix sich mit der Flora und Fauna in Belle- Land bestens auskennt, kenne ich mich mit diesen Dingen aus. So jetzt hast du also auch meinen Ektoplasma- Extractor gesehen. Bestimmt hast du langsam Hunger.» Erst jetzt spürte ich, wie mein Magen eigentlich leer wahr und ich nickte zustimmend. «Dann lass uns doch reingehen!» Meg machte eine einladende Handbewegung und sprach: «Herzlich willkommen in Megan's Core

Wie vermutet, war auch das Innere des Schlosses sehr eindrücklich. Überall hingen mächtige Kronleuchter, die ein warmes, eher schummriges Licht verbreiteten. Die Möbel waren meist aus schwarzem Ebenholz, oder anderen dunklen Hölzern. Manchmal waren sie rar bemalt, mit silbrigen, oder goldenen Verzierungen. Der Speisesaal war riesig und in der Mitte stand ein massiver Eichentisch, auf dem herrlich dampfende Speisen aller Art standen. Rubinroter Wein, schimmerte in gläsernen Karaffen und auch mehrere Flaschen Rum und andere, teils exotisch anmutende Getränke, fehlten nicht. Die Wand war mit schweren Wandbehängen, ebenfalls vorwiegend in dunklen Tönen, behängt und das schwarz-silberne Megan Banner, mit dem gehörnten Untoten- Haupt darauf, flatterte über den Ein- und Ausgängen. Die Grösse des Speisesaals und die Vielfalt der Speisen, erinnerten mich an den Chat Room des Atriums, wo oft und gern Partys gefeiert wurden. Auch hier konnte man bestimmt rauschende Feste feiern. Die meisten Angestellten waren Untote, Banshees, oder Ghule, doch der Mann, der die Speisen auftrug, schien ein Mensch zu sein.

Er trug einen schwarzen, samtenen Anzug, mit weissem Hemd darunter und ein Tuch über dem Arm. Als Megan und ich uns an den Tisch setzten, kam er herein und verneigte sich tief. «Herzlich willkommen meine Damen!» Er war ein recht junger, eher bleicher Mann, mit schwarzem Haar. «Das ist Adam. Er kümmert sich um den Service und ist ausserdem der Chefkoch. Adam? Irgendwie kam mir dieser Name bekannt vor. «Codex Voluptas,» (lest dazu Codex Voluptas von unserer Meg!) half mir Meg auf die Sprünge, «da kam er vor.» «Tatsächlich? Ich dachte er sei eher ein Macho gewesen?» «Ja genau, darum lernt er hier jetzt ein wenig das Dienen.» «Achso,» wunderte ich mich. «War er es nicht, der dieses Zauberbuch bekam und dann etwas mit einer… was war das noch… Succabae hatte?» 

«Ja genau. Doch nicht nur das…» meinte Meg verschwörerisch. «Was denn noch?» «Das… habe ich noch nicht aufgeschrieben, aber Adam war wahrlich kein Kind von Traurigkeit.» «Warum hast du es noch nicht aufgeschrieben?» «Das braucht eben seine Zeit, ich warte… noch auf eine Eingebung. Schau die Kästchen dort drüben auf dem Gestell! Das sind Kästchen mit Teufelspakten darin. Du weisst, so ein Pakt hat mir schon mal auf die Sprünge geholfen, als ich nichts mehr zu schaffen im Stande war (lest dazu unbedingt Megs tolles Gedicht: Teufelspakt!). Das Kästchen dort drüben ist der Pakt für Codex Voluptas Teil 3. Aber das muss unter uns bleiben!»

Adam stand etwas hilflos neben uns, während wir so über ihn verhandelten. Meg schaute ihn leicht mahnend an und sprach: «Willst du uns nicht etwas zu trinken bringen, Adam?» «Äh ja… natürlich!» stammelte selbiger «Was wollen die Damen denn gern trinken?» «Ist doch klar, für mich Rum, wie immer! Xandra?» «Ich hätte gerne für den Anfang etwas Rotwein.» «Sehr wohl,» sprach Adam und eilte davon. Ich blickte ihm erstaunt hinterher. «Ich hätte ihn mir wirklich ganz anders vorgestellt.» «Ich musste bei ihm die Zügel etwas mehr anziehen, du verstehst…» «Ja, ich denke schon.» «Er hat sich etwas zu oft in Gefahr gebracht und manchmal entwickeln gewisse Dinge so eine Eigendynamik, da musste ich eingreifen. 

Er lebt nun hier im Schloss und kümmert sich sehr gut um seine Aufgaben. So macht er sich nützlich, anstatt irgendwelche Beschwörungsformeln aufzusagen und seltsame Schattenwesen herbeizurufen, die ihm die Lebenskraft absaugen. Das ist wenn, dann eh meine Aufgabe.» «Ja, das finde ich auch. Du bist in diesen Sachen die unbestrittene Königin! Ich hoffe jetzt natürlich, dieser Teufelspakt im Kästchen, erfüllt seine Funktion.» «Wird er bestimmt. Wie du selbst weisst, ist Geduld für Geschichtengebärer, eine der wichtigsten Tugenden.» ich nickte zustimmend und machte mich dann hungrig über die leckeren Speisen her. Der Abend wurde noch sehr schön. Sogar einige Bauchtänzerinnen, in schwarzen Glitzergewändern, unterhielten uns noch mit ihrem anmutigen Tanz.

Schliesslich legte ich mich glücklich, zufrieden und vollgefressen in das, mit einem schwarzen Baldachin überdachte Himmelbett, mit den weichen, lilafarbenen, in Goldbrokat eingefassten Kissen und schlief sogleich ein. 

Ich träumte von Geistern, Ektoplasma, Ghulen, Seelenfresserchen und sogar kurz von Adam, der mir nochmals ein Glas Wein einschenkte…    

 

 

 

     


Comments

beta
Fairy Dust

Navigation

Languages

Social Media