Beltane

300 n. Chr.
Die vielen Stimmen vermischten sich zu einem grossen Ganzen. Ähnlich die unzähligen Gerüche, von Blumen über Erde, bis hin zu dem gebratenen Fleisch und dem Rauch des Feuers. Und dennoch, alles zusammen ergab eine stimmige Harmonie.

Taluran konnte sich noch an Zeiten erinnern, da hatten hunderte Leute dem Beltane-Fest beigewohnt. Es war ein fester Bestandteil der Kultur gewesen, jeder, ob Jung oder Alt war dabei gewesen. Egal, ob es sich um Druiden, Menschen und hin und wieder auch einer verirrten Fee gehandelt hatte. Doch das war schon lange her. So lange, dass er sich manchmal fragte, ob es wirklich einmal so viele gewesen waren, oder ob sein Gedächtnis ihm nicht doch einen Streich spielte.

Trotz diesem Gedanken genoss er das Fest und die ausgelassene Stimmung. Die Meisten der hier Anwesenden gehörten den Druiden und Magiern selbst an, einige wenige Dorfbewohner hatten sich aber auch unter sie gemischt. Diejenigen, die noch an den alten Werten festhielten.

Neben dem gleichmässigen Summen der Geräusche mischte sich nun auch Kejas Stimme, die ein altes Lied sang. Ein Lied, so alt, dass es nirgendwo niedergeschrieben worden war und dessen Sprache kaum noch einer verstand. Doch alleine mit ihrer Stimme schaffte die junge Frau es, dass dennoch jeder wusste, wovon das Lied handelte. Es sprach von Liebe, von Leben, vom Frühling. Nichts wäre passender für ein Beltane-Fest.

Trotz der allgemein ausgelassenen Stimmung gab es wie immer auch einige Ausnahmen. Eine dieser Ausnahmen hatte es sich am Fusse einer Buche bequem gemacht, eine Flasche Met als Gesellschaft.
Nicht mehr ganz so elegant wie früher setzte der alte Druide sich neben den Griesgram und nahm einen grossen Schluck aus der Flasche. Wirklich gute Qualität.
"Was willst du, Taluran?" Tezin gehörte nicht zu der Sorte Mensch, der um etwas herumredete. Oder der überhaupt viel redete. Seine schulterlangen, aschblonden Haare verdeckten einen Teil seines zweifellos grimmigen Blicks. Nur wenige wussten, dass er auch durchaus eine andere Seite besass.
"Ich habe dich seit der letzten Wintersonnenwende nicht mehr gesehen und wollte mich vergewissern, wie es dir geht." Tezins Schnauben machte mehr als deutlich, was er von seiner Geschichte hielt. Es war keine Lüge, aber auch nur die halbe Wahrheit. Ja, Taluran wollte wissen, wie es ihm ging, aber es war nicht der einzige Grund, weshalb er das Gespräch mit ihm suchte. Nachdenklich strich er sich durch den längst ergrauten Bart.

"Ich denke, du solltest bald wieder losziehen." Tezin hob eine Augenbraue. "Wieso? Laéna und Bajat machen das doch ganz gut." Noch vor wenigen Jahren hätte Tezin niemals einen Auftrag ausgelassen. Manchmal hatte er sogar versucht andere zu bestechen, um deren Aufträge zu erhalten. Doch die Ereignisse der letzten Jahre hatten sie alle gezeichnet und verändert, manche stärker als andere. Taluran wählte seine Worte mit Bedacht.
"Weil du nunmal ein Talent dafür hast." Tezin war eigenwillig, stur und brachte selbst den ruhigsten Druiden an den Rand der Verzweiflung, aber er war auch loyal, talentiert und ob er es nun zugab oder nicht- er war ein guter Mensch. Nur musste man ihn hin und wieder auch zu etwas zwingen. Offenbar erkannte er bereits, worauf das Gespräch hier hinauslief.
"Du hattest wieder eine deiner Visionen, nicht wahr?" Während viele Menschen ehrfürchtig oder gar leicht ängstlich klangen, wenn sie von so etwas sprachen, wirkte Tezin herablassend. Er musste noch so viel lernen.
"Wie oft soll ich es dir noch sagen, es sind keine Visionen. Eher Vorahnungen." Taluran ging nicht weiter darauf ein. Wenn Tezin erst in dieser Stimmung war, war nicht mit ihm zu reden. Er hätte es von Anfang an wissen müssen. Ein Kribbeln in seinem Nacken verriet ihm, dass sie beobachtet wurden und ein Blick über die Schulter offenbarte auch von wem.

Sobald Nin gewahr wurde, dass man ihren Blick entdeckt hatte, wandte sie ihn gleich wieder ab. Ebenso Tezin. Wenngleich sein Gesichtsausdruck nun nicht mehr ganz so grimmig war, wie noch kurz zuvor. Kein Wunder, wer Nin sah, konnte nicht lange trübsinnig bleinen. Mit ihrem flammenden Haar, den Sommersprossen und durch ihre geringe Grösse wirkte sie oft kindlich, was ihre Kampfgegner häufig dazu verleitete, sie zu unterschätzen. In diesem Moment hatte ihr Blick jedoch gar nichts Kindliches.
Taluran grinste. "Ich sehe, meine Anwesenheit ist hier nicht mehr gewünscht." Er erhob sich und zog wieder von dannen, nicht ohne Tezins Flasche mitzunehmen. Der Junge hatte heute Abend noch anderes zu tun, als sich zu betrinken. Ausserdem schmeckte der Met wirklich hervorragend.

Gedankenversunken ging Taluran zwischen den Feiernden hindurch und liess sich seine Vorahnung nochmal durch den Kopf gehen. Ja, einzelnen Bilder waren auch dabei gewesen. Ein Dorf, eine Mühle, ein Platz voller Menschen. Nicht anders als an unzähligen anderen Orten auch. Doch mit den Bildern hatte er ein Gefühl der Dringlichkeit verspürt, sodass er am liebsten gleich selbst aufgebrochen wäre um zu ergründen, was es damit auf sich hatte. Es war nicht das erste Mal, dass er so etwas sah. Ihre Gemeinschaft schrumpfte immer weiter und in den letzten Jahrhunderten hatte er so etwas wie einen sechsten Sinn dafür entwickelt, wenn jemand in der Nähe magische Fähigkeiten entwickelte. Jeder Mensch besass einen Funken Magie, doch nur die wenigsten wussten aus dem Funken ein ganzes Feuer zu entfachen. Feuer... Genau das war es, was ihn hier so unruhig machte. Für einen kurzen Moment hatte er Flammen erblickt, die hoch aufschlugen. Nicht so hoch wie ihr heutiges Feuer, aber dafür umso gefährlicher.

Er schüttelte den Kopf. Noch eben hatte er Tezin für seine schlechte Laune gerügt und nun lief er Gefahr, sich ebenfalls in Trübsinnigem zu verlieren. Um dem entgegenzuwirken, trat er zu Lisej. Sie war an diesem Abend eine der wenigen unter ihnen, die keine nennenswerten Fähigkeiten in magischer Hinsicht besass. Dennoch war sie von unschätzbarem Wert, denn gerade weil sie alles aus einer anderen Sicht betrachtete, hatte sie ihnen schon so manchen Ratschlag geben können, der nicht mal Taluran eingefallen wäre.
"Sag mal, hast du Keja gesehen?" Der Druide lächelte verschmitzt. "Nun. Ich kann es nicht beschwören, doch einige Zeit nachdem sie mit ihrem Lied geendet hat, sah ich zwei Gestalten zwischen den Bäumen verschwinden." Lisej schüttelte nur den Kopf und seufzte theatralisch. "Die Jugend von heute. Sie soll bloss dafür sorgen, dass sie mich nicht zur Grossmutter macht, bevor ich die ersten grauen Haare habe. Dann ziehe ich Faik eigenhändig die Ohren lang." Wie um ihre vorherigen Worte zu bestätigen fuhr sie sich durch ihre schwarzen Haare, die in der Tat noch keine Strähne grau enthielten. Wenngleich ihr Gesicht bereits von leichten Falten gezeichnet war.
Während ihre Worte harsch klangen, machten ihre Stimme und der Ausdruck in ihren Augen klar, dass sie sich jederzeit um einen Enkel kümmern und ihre Tochter lieben würde. Aber ihre Sorge war nicht ganz unbegründet, Beltane war nunmal ein Fest, dass das Leben und die Fruchtbarkeit ehrte.

Comments

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    Ich kann mich nur Ryevs Meinung anschließen!

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    Ein schöner Anfang, der jede Menge Rätsel und Fragen aufwirft, auf die ich gerne eine Antwort hätte ^.^

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    ich mag die idee. allerdings werden einige charaktere vorgestellt, zu denen mir irgendwie sämtliche eindrücke fehlen. du schreibst nicht, wie sie klingen oder aussehen (falls doch, sollte ich nach dem dritten bier keine texte mehr lesen xD ) und bei wörtern wie "wermutstropfen" muss dir klar sein, dass der ein oder andere leser davon ausgehen wird, dass es in deiner welt "wermut" gibt :) ich bin jedenfalls gespannt, wohin die geschichte mit den druiden führen wird :) und ich wünsche mir ein paar charakterbeschreibungen, denn keiner kann erahnen, wie du sie dir vorstellst.

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