Bertl und Ines

"Du bist unmöglich, Michael, aber ich liebe dich!" - "Möchtest du mich nicht begleiten? Nach München meine ich!" - "Aber Liebling! Ich kann doch nicht ständig unterwegs sein! Ines ist sowieso traumatisiert, wegen der Sache mit deiner... mit Frau Montar!" - "Ja, aber das müssen wir schon morgen ins Reine bringen, die Vortragsreihe beginnt am Freitag, Schatz!" - "Wozu brauchst du mich, Michael? Ich konnte mich noch nie so perfekt artikulieren wie du und ich kann nicht hinter dir stehen. Ich kann nur vorne bei den Zuhörern sitzen..." - "Ach Sel, ich brauch dich einfach! Ich will dich in meiner Nähe wissen! Dann ist mir einfach wohler, wenn ich Abends ins Hotel gehe und zu dir ins Bett kriechen kann. Das weißt du doch!" - "Michael, ich lehn so oft an deiner Schulter und ich weiß, wie stark du sein kannst, aber manchmal bist du wie ein Kind!" -  "Ist doch egal, Sel! Begleite mich! Bitte!" - "Ich werd sehn, was ich tun kann, Schatz!"
Der morgige Montag versprach ja auch, nicht besonders lustig zu werden. Wie soll man einer Horde Reportern erklären, dass man eine Behandlung nur durchfüren kann, wenn man dazu schriftlich ermächtigt wurde. Das interessiert die überhaupt nicht! Das ist genau das, was die überhaupt nicht hören wollen! Die hätten am liebsten gehört, dass man zutiefst betroffen sei über das Versagen einer Vertretung, welche die Mutter des Stiftungsvorstandes rausgeworfen hat. 
Maria klopfte und kam herein. "Es ist angerichtet, Herr Montar. Sie sind doch sicher hungrig!"- "Oh ja, Maria, wir kommen!" 
Maria hatte befriedigt gelächelt, als sie Selina auf meinem Schoss sitzend erblickte. Unstimmigkeiten waren bei uns beiden sehr selten, und die feinfühlige Maria und selbst der treue Georg litten immer ein Wenig mit in solchen Situationen. Maria hatte den Tisch für uns liebevoll gedeckt und dekoriert. Sie freute sich immer, wenn wir von Auslandsreisen zurückkamen und dass wir uns offensichtlich versöhnt hatten freute sie besonders. Melina kam und setzte sich zu uns und wir aßen gemütlich zu Mittag.
"Herr Montar, Frau Berger und ihr Anwalt haben sich für Nachmittag angemeldet. Sie möchten sich noch mit ihnen absprechen wegen eventueller morgiger Presseinterviews." - "Danke, Georg! Da steht uns noch was bevor morgen." - "Schade, dass sie mit denen nicht auch so verfahren können wie mit diesem Frechdachs heute vormittag." - "Georg!" Maria war es natürlich wieder furchtbar peinlich, dass ihr Mann dieses Thema erneut anschnitt, während es Selina und mir nur ein Lächeln abrang. "Er hat ja Recht, Maria! Aber das geht leider wirklich nicht. Nun ja, Gerd wird in seinem Blatt schon dafür Sorge tragen, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Es wäre nicht das erste Mal, dass er uns mit den Medien behilflich ist." 
Bertl und Ines kamen gegen vierzehn Uhr. Die Begrüßung fiel sehr herzlich aus, so als wären wir nicht eine sondern mindestens vier Wochen fort gewesen. Danach saßen wir im Salon und besprachen die Vorgangsweise für morgen. "Michl, am G'scheidsden wär a Pressekonferenz, in der du reinen Tisch machst! I woaß, dass du net gern über dei Mutter red'st, aber des kannst dir nimma aussuacha! Nimm dir koa Blatt vorn Mund und sag einfach, dass du schon seit über zwanzig Jahren keinen Kontakt mehr mit ihr ghabt hast. Es is ja nicht deine Schuld, dass sie keine Mutter sein wollte..."  Selina und Ines sahen sich bestürzt an. Nie hatten sie jemand mit mir so über meine leibliche Mutter sprechen hören. Ich saß da und knetete mein Kinn zwischen Daumen und Zeigefinger. "Ich mag einfach nicht die Familiäre Schmutzwäsche öffentlich waschen, Bertl! Das geht doch keinen Menschen was an, was da gelaufen ist zwischen ihr und mir... oder besser nicht gelaufen ist! Und es stellt mich auch nicht gerade in ein günstiges Licht!" - "Es wird dir aber nix Anders über bleib'm! I red net gern so mit dir, Michl, aber du weiß ja um was es geht! Du darfst einfach dei Glaubwürdigkeit net verliern, sonst stehst in gar keinem Licht mehr, da stehst im Finstern. Und was dei Mutter da treibt, is ganz einfach Rufmord in höchster Vollendung! Es tut mir leid, es ist so, Michl! Wach auf und schieß zurück! Es geht net anders!" - "Vielleicht hast du recht." - "Dei Anwalt hat immer Recht, Michi, zu dem is er nämlich da! Und iatzt hopp! Jetzt leg'n wir uns z'recht, was'd  sagst!"
Georg kam in den Salon. "Herr Wintersteller besucht uns, Herr Montar." - "Danke Georg! Bitten sie ihn herein!" - "Hab i vergessen dir zum Sag'n, Michi. I hab in Gerd angrufm, wie ich die Idee mit der Pressekonferenz ghabt hab." Bertl zog, wie immer, alle Register...

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