Bringt mehr Wein

Hermine stand in der Ecke des kleinen Salons und versuchte, sich ihre Unsicherheit und Nervosität nicht anmerken zu lassen. Vor ihr saßen Severus Snape, Antonin Dolohow, Fenrir Greyback, Walden Macnair und natürlich der Hausherr Lucius Malfoy. Die fünf Todesser schienen in ein Gespräch vertieft, doch Hermine entging nicht, dass besonders die Augen von Fenrir Greyback, dem Werwolf, immer wieder zu ihr rüber wanderten. Sie hoffte, dass der Befehl von Malfoy, dass sie sich auf keinerlei sexuelle Interaktionen einlassen sollte, auch umgekehrt bedeutete, dass er seine Kollegen zurückhalten würde.

Seufzend schaute die junge Hexe an sich herunter. Das schwarze, figurbetonte und äußerst knappe Kleid saß nicht mehr so gut wie noch vor einer Woche. Sie hatte innerhalb dieser kurzen Zeit schon so deutlich abgenommen, dass sie ihr eigenes Spiegelbild nicht mehr sehen mochte. Es mangelte ihr zwar nicht an Nahrung, aber die Angst war zu ihrem ständigen Begleiter geworden – und offensichtlich kam ihr Körper damit nicht klar.

Andererseits, so dachte sie sich, hatte dies den Vorteil, dass sie auf das männliche Geschlecht nicht mehr so attraktiv wirkte. Innerlich hätte sie beinah gelacht. Plötzlich erinnerte sie sich an ihre Schulzeit, an ihre Liebe zu Ron – und wie sie seit dem vierten Schuljahr darunter gelitten hatte, nicht als Frau wahrgenommen zu werden. Damals hätte sie sich nicht träumen lassen, dass es Momente geben würde, in denen sie sich wünschte, keine Frau – und vor allem keine attraktive Frau – zu sein.

„Schlammblut", riss sie da die Stimme des Hausherrn aus ihren Gedanken, „der Wein ist alle. Geh und hol neuen!"

Mit einem knappen Kopfnicken verabschiedete sie sich, nur zu froh, eine Gelegenheit zu bekommen, der düsteren Runde zu entfliehen. Der Weg in die Küche und zurück würde insgesamt etwa fünf Minuten kosten und sie hatte vor, jede einzelne davon zu nutzen, um sich selbst zu beruhigen und ihren Verstand wieder auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren.

Sie war noch keine sechs Schritte gegangen, da packte sie eine schwere Hand an der Schulter. Erschrocken wirbelte sie herum und blickte in das ausdruckslose Gesicht von Severus Snape.

„Kann ich etwas für Euch tun, Herr?", fragte Hermine und versuchte, ihre Stimme nicht aggressiv oder ironisch klingen zu lassen. Offensichtlich gelang ihr das nicht, denn die Antwort ihres ehemaligen Lehrers klang nicht erfreut: „Offenbar haben Sie noch nicht die richtigen Umgangsformen hier gelernt, Miss Granger!"

Ein Schauer lief ihr über den Rücken, doch sie riss sich zusammen. Sie würde Snape keine Angst zeigen, sie würde vor diesem Verräter nicht zu Boden kriechen.

„Ich soll Wein holen, wenn Ihr also keinen Wunsch habt …", erklärte sie, erneut um Höflichkeit bemüht. Aber wiederum schien sie nicht den richtigen Tonfall gefunden zu haben. Der schwarzhaarige Mann packte sie bei den Schultern und stieß sie mit Gewalt gegen die harte Wand des Flurs.

Hermine schluckte. Als sie vorsichtig aufsah, begegnete sie den dunklen Augen des Tränkelehrers, doch sie konnte seinen Blick nicht deuten. Sekundenlang starrten sie sich gegenseitig an, seine Hände ruhten fest auf ihren Schultern, sie spürte die Kraft, die in seinen Armen steckte. Erinnerungen an die Ereignisse des Morgens schossen Hermine in den Kopf. Auch Lucius Malfoy hatte schließlich mit reiner Kraft über sie gesiegt. Beschämt und verängstigt senkte sie den Blick, als könne sie damit verhindern, dass Snape ihre Gedanken lesen würde.

„Werden Sie hier gut behandelt, Miss Granger?", fragte der dunkle Mann da plötzlich. Sie zuckte zusammen. Was sollte diese Frage? Wollte Severus Snape herausfinden, ob Lucius Malfoy seine Sklavin gut behandelt und das an Lord Voldemort weitertragen? Der wäre gewiss nicht erfreut darüber und würde Malfoy bestrafen – und der wiederum würde seine Wut darüber an ihr auslassen. Und warum sollte sie auch lügen, denn gut behandelt wurde sie hier ja nun wirklich nicht. Andererseits konnte sie sich vorstellen, dass es anderen Sklaven noch wesentlich schlechter ging. Immerhin lebte sie noch, hatte noch keine ernsthaften sexuellen Übergriffe erleiden müssen und wurde selten geschlagen.

Mit einem Mal spürte sie kühle Finger, die sich unter ihr Kinn legten. Severus Snape hatte ihre eine Schulter losgelassen und hob nun mit sanfter Gewalt ihren Kopf hoch, so dass er ihr in die Augen schauen konnte.

„Ist die Frage so schwierig, Miss Granger? Werden Sie hier gut behandelt, Ja oder Nein?", wiederholte er seine Frage. Noch immer schien er unberührt und ausdruckslos, doch etwas passte nicht in das Bild des bösen Todessers. Angestrengt dachte Hermine darüber nach, was falsch war – und da fiel es ihr wie Schuppen von den Augen.

„Wieso Siezen Sie mich?", kam es aus ihr heraus, ehe sie sich stoppen konnte. Überrascht über ihre eigene Courage schlug Hermine sich auf den Mund, doch der schwarzgewandte Mann schien nicht verärgert. Sein Tonfall klang eher beruhigt als erzürnt, als er antwortete: „Es ist unhöflich, auf eine Frage mit einer Gegenfrage zu antworten. Aber ich entnehme Ihrer Reaktion und Ihrem Erscheinungsbild, dass sie zumindest körperlich gesund sind!"

Hermine war sprachlos. Sollte der ältere Mann etwa nur aus Sorge gefragt haben? Doch auch das passte nicht – wenn er sich für ihr leibliches Wohl interessiert hätte, wäre sie vermutlich gar nicht erst hier. Etwas anderes musste dahinter stecken und sie schwor sich, nicht auf seine plötzlich so freundliche Art hereinzufallen. Entschlossen presste sie die Lippen zusammen und blickte stumm zu ihm hinauf.

Die Hand, die eben noch ihr Kinn gehalten hatte, stemmte sich nun gegen die Wand, und auch die andere Hand ließ von ihr ab. Für einen kurzen Moment noch schaute Severus Snape auf seine ehemalige Schülerin hinab, dann zuckte er mit den Schultern und wandte sich zum Gehen.

Hermine besann sich wieder auf ihren Auftrag – sie hatte Wein holen sollen und sicher wartete Malfoy schon längst ungeduldig auf sie. Gerade wollte sie sich ebenfalls aufmachen, da fiel ihr Blick auf das Ende des Ganges. Dort lehnte äußerlich ruhig der junge Draco Malfoy. Hermine fluchte leise – ihre Begegnungen alleine mit Malfoy jr. gingen nie gut aus.

„So, so. Wie ich es mir gedacht habe, die Schlammblut-Schlampe macht sich an jeden ran!"

Die junge Hexe schüttelte den Kopf. Sie durfte sich nicht noch weiter verspäten, doch der Weg zur Küche führte vorbei an dem Mann, der gerade äußerst bedrohliche Blicke in ihre Richtung warf.

„Weißt du, Schlammblut", fing Draco an während er sich von der Wand abstieß und auf sie zukam, „mein Vater hat mir unmissverständlich klar gemacht, dass ich dich nicht anfassen darf. Das ist wirklich schade …"

Sein Blick wurde noch kälter und Hermine zog sich das Herz zusammen. Dieser Malfoy hegte offenbar einen ungeheuer großen Hass auf sie und wollte das bei jeder sich bietenden Gelegenheit zum Ausdruck bringen. Würden die Worte des Vaters ausreichen, um sie vor ihm zu beschützen?

„Aber weißt du … wenn ich es mir recht überlege, hat er mir nur verboten, dich zu ficken. Und dich zu offensichtlich zu schlagen. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber mir kommen da trotz des Verbots noch hunderte Sachen in den Sinn, die ich mit dir machen könnte."

Sie würden nicht reichen. Wenn ihre Lage nicht so ernst gewesen wäre, hätte Hermine am liebsten gelacht – wie kam sie nur auf die Idee, von Lucius Malfoy Schutz zu erhoffen? Sie war alleine hier, die einzige junge Frau unter Männern, das einzige Schlammblut unter Todessern, als einzige ohne Zauberstab gegen mächtige Schwarzmagier.

„Ich kann die Angst in deinen Augen sehen, Granger. Das gefällt mir", flüsterte Draco Malfoy ihr ins Ohr. Wie erfroren stand Hermine da. Weder der alte Malfoy noch Severus Snape konnten sie so ängstigen wie ihr ehemaliger Schulkamerad – und dabei hatte er doch bisher nichts getan als leise, fiese Worte gemurmelt. Doch genau da lag das Problem: Er spielte mit ihrer Angst, er kannte sie besser, als die beiden anderen Männer. Er trieb ein Psychospielchen mit ihr.

„Lass mich in Ruhe! Dein Vater will, dass ich Wein hole und wenn er erfährt, dass du mich aufgehalten hast …", fauchte Hermine ihn an, doch sie merkte selbst, dass sie dabei eher wie eine verängstigte Katze klang und weniger wie die mutige Löwin, die sie noch zu Schulzeiten gewesen war.

„Du wagst es, mich so anzureden?", fuhr Draco sie an, „Ich bin vielleicht nicht mein Vater, aber du hast mir ebenso Respekt zu zollen wie ihm! Glaub ja nicht, dass du mich bei ihm anschwärzen kannst, du wertloses kleines Schlammblut!"

Mit diesen Worten verpasste er Hermine eine Ohrfeige, die sie zurück gegen die Wand taumeln ließ. Zum zweiten Mal innerhalb von Minuten fand sie sich gegen den harten Stein gedrückt, doch diesmal erschien ihr ihre Lage wesentlich bedrohlicher.

„Du bist mutig, mir drohen zu wollen. Aber vielleicht bist du auch einfach nur dumm. Wenn ich du wäre, würde ich in Zukunft nachts nicht mehr einfach die Augen schließen und ins Traumland wandern …", hauchte Draco Malfoy ihr ins Ohr. Seine Stimme war kaum hörbar, doch seine Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Hermines Knie wurden weich und sie spürte, wie sich in ihrem Magen ein eiskalter Knoten bildete.

„Und wo wir grad dabei sind … es gibt da eine Sache, die mich interessiert!", fügte Malfoy jr. noch scheinbar gedankenverloren an. Grob schob er Hermine Arme über ihrem Kopf zusammen und packte beide Handgelenke mit seiner linken Hand. Ehe sie fassen konnte, was er vorhatte, war seine rechte Hand bereits zwischen ihren Schenkeln verschwunden. Zwei Finger drangen gewaltsam und rücksichtslos in sie ein. Ein gequältes Keuchen entwich Hermine, während sie hilflos zulassen musste, dass ihr erneut auf diese furchtbare Weise Gewalt angetan wurde.

„Tatsache", meinte Draco schließlich, „du bist wirklich noch Jungfrau. Erstaunlich. Das Wiesel und der selige Potter sind größere Schlappschwänze, als ich gedacht hätte!"

Ein dritter Finger gesellte sich zu den beiden anderen und trieb Hermine Tränen in die Augen. Obwohl er nicht so tief eindrang, dass ihre empfindliche Barriere zerriss, fühlte sie sich doch wie in zwei Teile gerissen.

„Bitte…", schluchzte sie, doch der Schmerz vernebelte ihre Gedanken und sie konnte ihren Satz nicht zu Ende formulieren.

„Was denn, Schlammblut – gefällt es dir etwa? Willst du mehr?", höhnte Draco. Langsam ließ er seine Finger im Eingangsbereich kreisen, zog sie immer wieder ein Stück zurück, um dann erneut hart reinzustoßen. Er lachte: „Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie viel Spaß mir das hier macht. Aber ich will ein braver Sohn sein und auf meinen Vater hören…"

Mit diesen Worten zog er seine Hand zwischen ihren Schenkel zurück, betrachtete sie kurz und ließ dann auch Hermines Handgelenke los. Schluchzend fiel sie auf ihre Knie und vergrub ihr Gesicht in den Händen. Sie wollte keine Schwäche zeigen. Sie wollte vor diesem Kerl nicht hilflos wirken, ihm keinen Angriffspunkt bieten. Und doch konnte er sie so leicht in Panik versetzen, ihr so leicht Gewalt an tun. Für einen Moment wusste Hermine nicht, wen sie mehr hasste – Draco Malfoy oder sich selbst. Seine Stimme nahm ihr die Entscheidung ab: „Vergiss nicht, meinem Vater den Wein zu bringen, Schlammblut. Beweg deinen faulen Arsch!"

Sie hasste ihn. Sie hasste eindeutig diesen blonden Schönling, der mit ihrem Selbstbewusstsein spielte.

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