Anmerkung:
Wichtig zu erwähnen sei, dass die Geschichte zwischen «Hannibal Rising« und dem «Roten Drachen« stattfinden soll. (Also bitte stellt euch nicht Anthony Hopkins vor ;P Wenn schon, dann Mads Mikkelsen bitte ^.^)  Wer die Bücher nicht gelesen hat - kein Problem ! - ich Spoilere nicht und baue auch eigentlich auf nichts, außer auf Hannibal selbst, auf. 
Eat the Rude!
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Kamillenblüten
Hannibal schlenderte gemütlich durch die nächtlichen Straßen von Salzburg. Er hatte einen angenehmen Abend im Festspielhaus verbracht und sich eine Neuinszenierung einer Oper angesehen und seine Stimmung hätte nicht besser sein können. Er war zufrieden mit den Sängern und auch mit der Umsetzung des Stücks. Selbst sein feines Gehör, konnte keine kleine Disharmonie im Gesang erkennen. Auch der Wein den die Salzburger ihm serviert hatten war gut gewesen und dem Stück angemessen.

  Der Abend war ruhig, nur das sausen des Windes und das ab und an erscheinende flackern der alten eisernen Laternen war zu hören. Der Wind schoss quer über die bepflasterten Straßen und an den alten Häusern vorbei, das schnelle umschlagen des Wetters war für Salzburg nichts ungewöhnliches und auch Hannibal, welcher nicht das erste mal in der Stadt der Musik, dem Weltkulturerbe Mozarts war, wickelte sich fester in seinen Mantel.  Hannibal wollte es sich nicht nehmen lassen, durch die Altstadt zu gehen, mit ihren urigen Gebäuden und den protzigen Läden. Salzburg ist extravagant, so wie er selbst. Es gefiel ihm hier, auch wenn er nie mit dem Gedanken gespielt hatte wieder umzuziehen, würde es ihm dennoch reizen sich einmal hier nieder zu lassen. Er kam zum Domplatz an welchem auch ein Prachtvolles und durch und durch Barockes Kirchengebäude stand : der Salzburger Dom. Eigentlich hatte er von Kirchen oder Religiosität nie viel gehalten, aber diese Dekadenz und extravagante barocke Darstellung von Macht, die dieses Monument an Bauwerk ausstrahlte, zog ihn an.

  Nachdem er den Dom umgangen hatte und an den Vikaren, welche auf dem Schotterplatz vor dem Brunnen ihren Halteplatz hatten und bis spät in die nach standen, nahm er ein kleines Gässchen welche sich «die Goldgasse« nannte. Diese kleine Gasse mochte er besonders da sie besonders verwinkelt und schmal war. Das die Gebäude weder gerade, noch symmetrisch waren störte ihn nicht, denn sie haben Charakter. Auch die hohen Räume der Altbauwohnungen schätzte er sehr, da sie für die Akustik einfach mehr hergaben als diese niedrigen Neubauten. Oft stellte er sich vor in einem dieser Häuser Cembalo zu spielen, ähnlich wie es Mozart getan hatte. Doch er schlenderte noch weiter, bis er schließlich an der Salzach angelangt war. Er spazierte an der windigen Promenade entlang und sah abwechselnd die Bäume welche ihn einer Allee standen und den Fluss an. Hannibal blickte hoch zur Festung Hohen Salzburg und kehrte schließlich zu seinem Hotel zurück. Diesmal war es das Hotel Stein gewesen, welches direkt im Zentrum der Stadt war und seinen hohen Ansprüchen auch nachkam. Besonders, fand er die Dachterrasse, von welcher man einen wunderschönen Ausblick auf die Stadt hatte.
 
  Doch lange wollte er dieses Mal nicht auf der Terrasse bleiben, da er schon zuvor etwas gefroren hatte, zudem hatte er sich für morgen vorgenommen, in das Geburtshaus von Mozart zu gehen, welches damit warb, das originale Cembalo von Mozart ausgestellt zu haben und als Liebhaber wollte er sich da nicht entgehen lassen.

  Am nächste Morgen machte er sich fertig, Anzug, Krawatte, alles saß perfekt. Die maßgeschneiderten Anzüge aus den feinsten Stoffen waren ihm gerade gut genug. Kaum ein anderes Kleidungsstück als ein feiner Anzug, hätte diesen Mann besser gekleidet. Ausgestattet mit einem Regenschirm, den er in weiser Voraussicht mitnahm, machte er sich auf den nicht all zu weiten Weg in die Innenstadt, um die Ausstellung in Mozarts Geburtshaus zu besichtigen.

  Das Haus war weis-gelb gestrichen und ein Golden schimmernder Schriftzug zierte das Haus. Zuerst fiel ihm aber das alte Klingelsystem auf, welches aus vier Kolben bestand an welche man zog um das Drahtseil anzuziehen und die kleine Messingglocke vor dem Fenster zum klingen zu bringen. Hannibal war kein Fan von Hightech-Schnickschnack. Mechanik, war was ihn interessierte, zwar wollte er auf gewisse Dinge nicht verzichten, da er auch gewisse Neuerungen sehr gut und als innovativ empfand, aber an die Tägliche Benutzung eines Computers wollte nicht denken. Natürlich las er den ein oder anderen Artikel online oder informierte sich, schrieb E-Mails; aber als Arbeitsgerät wollte er ihn nicht. Auch seine Aufzeichnungen waren alle in Notizbüchern, die meist aufwändig aber gleichzeitig schlicht verarbeitet waren.

  Die erste Führung war um 10:00 Uhr und Hannibal, welcher überpünktlich gekommen war, wartete im engen Foyer auf die Menschengruppe mit der er sich abgeben musste um das zu sehen was er wollte. Zwar hatte er sich nicht Einzelführungen erkundigt, doch das Geburtshaus von Mozart so gut besucht war, mussten sie ihm den Wunsch leider abschlagen. Hannibal war deshalb nicht verärgert, aber ihm behagte es nicht mit einer Touristengruppe herumzuschlendern. Um 9:45 Uhr sammelten sich schon die ersten ‚Mitläufer‘ der Führungsgruppe und um ca. 9:50 Uhr kam eine junge Frau durch die große hölzerne Tür des Geburtshauses von Mozart. Sie war ungefähr 25 Jahre alt, so genau konnte man es aber nicht sagen, da sie deutlich jünger aussah und Hannibal nicht länger darüber nachdenken wollte. Er hielt sie für eine weitere bedeutungslose Touristin. Die junge Frau verschwand in deinem der Hinterzimmer und kam ohne Mantel dafür mit einem Namensschild und einem Klemmbrett zurück. Die junge Frau trug ein sehr hübsche Kleid welches in einem Cremé ton gehalten war und mit feinen, in Pastelltönen gehaltenen Blumen, verziert war. Das Kleid wirkte nicht zu aufdringlich, aber auch nicht zu schlicht. Es passte auch gut zu ihren fein rosigen und mit ein paar Sommersprossen bedeckten Wangen. Ein Langer Zopf aus geflochtenem Haar hing ihr über die Schultern, bis über die Brust. Sie war relativ klein und zierlich und wirkte nicht als ob sie sehr extrovertiert wäre. Hannibal beobachtete sie eine Weile und war überrascht als sich die zierliche schüchtern wirkende Frau als die Begleiterin vorstellte.

  «Herzlich Willkommen! Mein Name ist Camillé, ich werde Sie heute durch das Geburtshaus von Mozart führen und mit Ihnen eine kleine geschichtlich, sowie musikalische Zeitreise antreten. Falls Fragen auftreten, zögern sie nicht, mir diese zu stellen, denn dafür bin ich schließlich da. Sollten sie sich länger umsehen wollen, bitte ich Sie vorerst, bei der Gruppe zu bleiben und erst danach sich einzelne Musikstücke bis zum Ende anzuhören oder Ausstellungsstücke genauer anzusehen, da sie nach der offiziellen Führung noch gerne im Haus bleiben können. Sollten sie dennoch die Gruppe einmal verloren haben, fragen sie das Wachpersonal, diese geben Ihnen gerne Auskunft und werden mich kontaktieren, damit Sie wieder zu uns finden. Wenn sie mir nun bitte Folgen wollen.«

  Hannibal war verblüfft über die Wortwahl von Camille, da er nicht erwartet hatte das sie sich so gewählt ausdrückte, zumal es nicht so schien als hätte sie das gesagte je auswendig lernen müssen.

  «Das erste Ausstellungsstück das ich Ihnen zeigen möchte sind die Wohnräume unteranderem auch die Küche, legen sie besonderes Augenmerk auf den Herd und das Equipment der damaligen Zeit, vergleichen sie es mit dem was man heutzutage in einer Küche hat…« Camille erzählte noch einiges Geschichtliches und praktisches aus der Zeit Mozarts, auch biographisches. Hannibal stellte sich währenddessen neben Camille, um einerseits, dem Gesagten besser zu lauschen, andererseits um besser in die Küche sehen zu können, da sich die Masse der Touristen beinahe prügelte um einen Blick zu erhaschen. 
  «Zu schade, damals war das Kochen noch eine richtige Herausforderung, man musste damit zurechtkommen was man hatte. Was denken Sie Camille?«
Camille war überrascht und lächelte Hannibal freundlich an, sie überlegte kurz und antwortete bedacht :
  « Nun ja, viel platz für Kreation und Kreativität war bestimmt nicht gegeben. Die Gewürze waren teuer, das Essen überwürzt oder gar versalzen, wenn man vom Adelsessen ausging und experimentierfreudig war man damals glaube ich nicht. Fleisch war selten, und teuer somit wäre ein Fehlschlag wohl fatal gewesen, da man keine alternative hatte. Ich möchte nicht in der Haut der Küchenmagd stecken welche das Essen einmal anders als gewohnt zubereitet hatte. Das sich daraus die heutigen Rezepte entwickelt haben sollen, ist für mich unvorstellbar. Wenn man bedenkt welche Meisterwerke, so mancher Koch kreiert, muss man nur den Hut ziehen. Zumal auch optisch, das Auge ist ja bekanntlich mit. Heute ist selbst Kochen, zwar selbst verständlich aber, das richtige Kochen ist eine Kunst.«

  Camille lächelte zufrieden und auch Hannibal schmunzelte und entgegnete :
« Da haben Sie recht, ich pflichte Ihnen bei, es gibt nichts schlimmeres als überwürztes oder versalzenes. Ich ziehe es vor wenn das was ich Esse auch danach schmeckt oder es zumindest einen Charakter oder eine gewisse Note enthält. Das macht das Essen erst genussvoll. Kochen Sie selbst? Ich höre da eine gewisse Leidenschaft heraus, deshalb frage ich.«
  Camille lächelte verlegen : «Ich esse liebend gerne, aber ich bin eine durchschnittlich schlechte Köchin. Entgegen dem gesetzten Klischee das Frauen gut kochen können, kann ich zumindest passabel Backen, aber um ehrlich zu sein, sind meine geladenen Gäste bedauernswert, wenn ich selbst Koche. Zumindest lasse ich mich gerne bekochen und da viele meiner Freunde wissen, dass ich so mies koche, aber gerne gut esse, werde ich oft eingeladen. Ich helfe auch immer mit und das ist dann ein heiden spaß. «

  Hannibal wollte gerade antworten, doch eine dicke Dame mit schottischem Akzent drängte sich mit ihrer Frage dazwischen. Hannibal bedauerte ein wenig, das der Gesprächsfaden so früh durchtrennt war, denn er hatte gefallen daran gefunden wie sie sich ausdrückte und er war neugierig auf das wie sie sich gab. War es schein? Eine Art Laientheater um Gäste zu beeindrucken? Sein Interesse galt dem intellektuellen, sie sah aus als sei sie jemand mit dem man sich gut unterhalten könnte, ohne im laufe des Gesprächs an Niveau zu verlieren.

  Die Gruppe zog weiter durch die Räumlichkeiten und schließlich auch in den Raum mit dem berühmten Cembalo. Hannibal löste sich von der Gruppe mehr als ein und einhalb stunden hatte er darauf gewartet dieses Instrument zu sehen. Selbst wenn er Chopin, Mozart vorzog, war dieses Instrument magisch für ihn. Wie ein Magnet zog es ihn an und auch Camille entging es nicht, dass der selten höfliche Mann, mit den streng zurückgekämmten Haaren und dem kalten Blick sich im Bann dieses Instruments befand. Eigentlich wäre es ihre Aufgabe gewesen ihn zurück zur Gruppe zu ordern, doch sie unterließ es und erzählte den Touristen was sie hören wollten.
 
  Die Führung endete mit der Besichtigung des Instruments.
«Leider bin ich nicht im Stande ausreichend gut Klavier zu spielen oder gar Cembalo, ich würde einer/ einem von Ihnen gerne die Möglichkeit bieten auf diesem Instrument zu spielen.« Sie machte eine kleine Pause und sah Hannibal direkt an und wartete darauf das er sich meldete. Die rufe der anderen wurden lauter verzweifelt versuchten sie Camille auf sich aufmerksam zu machen und als Hannibal seine dunkle Stimme hob wurde es still.
  «Wenn ich bitten darf, würde ich gerne etwas vorspielen. « Camille hob die Absperrung für Hannibal, sodass er hindurch konnte. Der schlanke große Mann setzte sich an das Instrument und richtete es ein, doch bevor er die Taten durchdrückte fragte er Camille : «Authentische oder künstliche Seiten«
  «Authentisch mit echtem Darm« Viele der Touristen rümpften nach dieser Antwort die Nase, doch Hannibal wusste dies zu schätzen und begann zu spielen. Keine Note des Ausschnitts von Chopins Nocturne war falsch, es war perfekt. Er spielte mit Leidenschaft ohne seinen Körper übermäßig zu bewegen. Die Leidenschaft konnte man hören und fühlen. Camille war begeistert und auch die Touristen fanden Hannibals Vortrag beeindruckend.

Nach dem Hannibal sein spielen beendete verabschiedete sie sich und entließ die Touristen, um sich an Hannibal zu wenden welcher immer noch verblüfft vor dem Instrument saß.

  «Sagen Sie, wo haben Sie so spielen gelernt? Ich selbst höre gerne Chopin und Nocturne finde ich mit abstand am schönsten, doch bei all den Konzerten habe ich noch keinen Musiker gehört, welcher es mit einer derartigen Perfektion und Leidenschaft gespielt hat. Das war wirklich sehr beeindruckend. «
  « Ich hab langjährigen Klavierunterricht als Kind genossen, doch meine liebe zum Cembalo flammte erst später auf. Mein Klavierlehrer war sehr streng, was mir offensichtlich gut getan hat. Zudem wollte ich immer das Gefühl und die Perfektion der Künstler einfangen und diese wiedergeben. Zwar finde ich Eigeninterpretationen auch schön, aber ich selbst sehe mich eher in der Perfektion als im neu komponieren. Sie spielen auch? Würden Sie mich ein Stück begleiten?«
  «Sehr gerne, aber ich spiele erst seit einem Jahr. Zuvor hatte ich Gitarre und Geige gelernt. Geige eher flüchtig. Gitarre war meine Leidenschaft, da sie so vielseitig ist. Man kann dazu singen oder auch nicht, Solostücke, Begleitungen. Das mochte ich an diesem Instrument sehr gerne aber irgendwann überkam mich die Frustration. Ich wollte anspruchsvolleres spielen ich wollte in ein Orchester, doch diese belächelten mich als ich mich als Gitarristin beworben hatte. Zwar war ich talentiert genug, doch der bedarf war eher gering. Als ich als Sängerin eingesetzt und entdeckt wurde, drehte sich alles nur noch um den Gesang. Die zahlreichen langweiligen Stimmübungen ermüdeten mich und ich trat aus. Nun wage ich den wiedereinstig mit Klavier. Rein als Hobby. Denn mit dem Studium bin ich soweit ausgelastet.«
  «Ich nehme an Sie haben ein absolutes Gehör, da sie die Feinheiten und die Genauigkeit gelobt hatten. Gehe ich recht in der Annahme? Ich möchte nicht zu aufdringlich sein, aber was Studieren Sie?«
  «Ich muss Sie dahingehend leider enttäuschen, zwar bin ich in der Lage, Melodien rasch zu erlernen und mir diese auch anzueignen, aber benennen kann ich diese nicht. Somit reicht es nur für ein relatives. Ich studiere Kunst und habe eine Ausbildung in einer Buchbinderei genossen, um einmal Restaurateurin zu werden. «
  «Ich interessiere mich sehr für Kunst und Musik, sowie für Literatur. Es würde mich sehr freuen mich weiter mit Ihnen zu unterhalten, aber der Rahmen erscheint mir immer mehr unpassend. Ich würde Sie gerne, entschuldigen sie wenn es zu direkt ist, gerne zu dem Konzert heute Abend einladen und anschließend zum Essen, da sie erwähnten, dass sie gerne extravagant Essen. Ich hatte für zwei reserviert, doch meine Begleitung hat spontan abgesagt. Ich würde mich sehr über Ihre Gesellschaft freuen, da ich den Eindruck habe, dass sie daran ähnlich viel Freude hätten wie ich. «

  Hannibal sah sie mit seinem undurchdringlichen Blick an und Camille wollte zuerst höflich absagen, da sie noch nicht einmal seinen Namen kannte. Doch er sah vertrauenswürdig aus, sie hatte noch nie einen Mann erlebt welcher so gebildet und höflich war wie Hannibal.
  «Sehr gerne, das ist wirklich sehr nett von Ihnen. Wie war noch gleich Ihr Name?«

  Fragte sie vorsichtig um ihn darauf aufmerksam zu machen, dass er ihn noch nicht genannt hatte.
  «Verzeihen Sie Camille, mein Name ist Dr. Hannibal Lecter. « Er stellte sich vor sie und reichte ihr die Hand sein Händedruck war sanft aber gleichzeitig bestimmend.
  «Sehr erfreut Dr. Lecter, mein Name ist Camille Marguerite, aber meine Freunde nennen mich Cámie.«
  «Sie haben einen sehr hübschen Namen Mademoiselle Cámie. Sind Sie in Frankreich aufgewachsen?«
«Als ich sieben Jahre alt war sind meine Mutter und ich nach Salzburg gezogen. Sie hatte als Schauspielerin versucht, ihr Glück hier zu finden. Mein Vater hat immer schon als Bühnenbildner in Salzburg mitgewirkt und war lange Zeit ein fixer Bestandteil des Ensembles. - Allerdings muss ich zugeben dass ich besser Deutsch als Französisch spreche.« sagte Cámie lächelnd.
  «Ich würde sie um sieben Uhr vor dem Landestheater erwarten, ich denke es wäre nett wenn man sich vorher noch unterhalten kann. Außerdem gehe ich gerne spazieren und genieße die abendliche Stimmung. Wäre das ebenfalls in Ihrem sinne?«
  «Natürlich, ich werde pünktlich sein. Noch Mals vielen Dank Dr. Lecter für die Einladung. Ich freue mich schon! - Es tut mir sehr leid, mich jetzt so harsch zu verabschieden, aber ich muss jetzt gleich los um die nächste Gruppe zu empfangen.«
  « Natürlich. Ich wünsche Ihnen noch angenehme Gruppen.«

Hannibal verlies das weis-gelbe Haus mit leichter Vorfreude. Auf dem Weg zu Hotel dachte er noch ein wenig über Cámie nach. Er dachte auch darüber nach welches Interesse er an ihr hegte. Sie war interessant, daran bestand kein Zweifel, doch noch nie hatte Hannibal einen Menschen getroffen, dessen inneres Muster, dessen Wesen er nicht sofort erkennen konnte. Diese Frau stellte ihn vor ein Rätsel. Wer war Sie? Was machte Sie so interessant?
Er stellte sich vor wie er Sie leiten würde, sie formen, zu dem was er war. Wie er sie beschützte vor den Abschaum der auf dieser Welt lebte. Wie er ihre Reinheit und ihre Jugend konservierte und er ihr beibrachte auf dem Cembalo zu spielen. Sie hatte potential. Das erkannte er. Doch viel wichtiger war, dass sie ihn inspirierte. Hannibal dachte daran sie wie eine Muse bei sich zu haben. In seinem Kopf fertigte er unzählige Skizzen an, er Kochte mit ihr und sie würde während er seine Patienten therapierte, ebenfalls den Künsten nachgehen und in einem eigens eingerichteten Atelier arbeiten, damit die angesetzte Vernissage bald stattfinden kann.
Das alles sah man diesem Mann, mit dem kühlen Blick und dem geradem Gang, nicht an. Ernst ging er die Promenade entlang und verweilte auf einer Bank. Seine Gedanken kamen ihm Lächerlich vor. Er kannte sie kaum, was wäre wenn sei eine Enttäuschung sei? Was wenn er sich irrt? 
Das würde er bald genug herausfinden, denn er hatte noch Zeit Mademoiselle Cámie kennen zu lernen. Vielleicht war es für ihn an der Zeit seine Erwartungen an die junge Frau, die blumig, nach Kamille, Lavendel und grünem Tee roch, nicht zu hoch zu stellen. Als ihm ihr Duft noch einmal in die Nase stieg, weil er sich erinnerte, begann er zu hoffen sie möge ihn nicht enttäuschen und er vertröstete sich auf den heutigen Abend wo er Cámie wieder sehen würde.

Mozart und Margeriten
«Maman, que dois-je porter?«
  «Oh, Cámie heute auf französisch? Ich weiß doch nicht was du anziehen sollst? Zu welchem Anlass? Gehst du aus?«
  «Ich wurde eingeladen. «
  «Von wem?!? Hast du einen Freund?« rief Cámies Mutter außer sich vor Freude, denn Ihre Tochter hatte noch nie ein Date gehabt. Doch das war auch nicht was sie darin sah. Doch ihre Mutter dachte darüber Anders.
  «Maman, ich bin keine 12 mehr, ich habe dich nur gefragt was ich anziehen soll, aber du musst mir ja nicht helfen.«
  «Na,na, nur nicht so schnippisch. Ich helfe dir schon! Aber sag wie heißt er?«
  «Dr. Hannibal Lecter.«
  «Doktor??? Wie alt ist er denn? Der ist doch viel älter als du! Cámie, Liebling, wenn du Probleme hast kommst du doch als erstes zu deiner Mama, ja? Du weißt dass ich immer für dich da bin und…«
  «Mama! Jetzt reicht es aber! Ich habe ihn heute kennen gelernt er, ist sehr gebildet und außerdem ist das kein Date, er hatte Konzertkarten reserviert und seine Begleitung ist ausgefallen, da er gemerkt hatte dass ich mich auch für Musik interessiere hat er mich eingeladen. «
  «Hach, Cámie, lass aber bitte dein Handy an und lege mich auf die Kurzwahltaste. Wenn etwas ist, Klingel mich an und ich ruf die Polizei.«

  Cámies Mutter war übervorsichtig. Einerseits verständlich, aber andererseits, wusste sie das Cámie ein sehr hübsches und gutgläubiges Mädchen war. Die Junge gebildete Frau wollte sie in ihrem Kind noch nicht sehen. Cámie wohnte in der Einzimmerwohnung direkt neben den Eltern. Nicht weil Cámie das so wollte sondern weil die Wohnung zentral und durch die Verbindung der Eltern zum Vermieter, die Wohnung etwas billiger war als sonst. Bei dem engen Buhet das Cámie momentan als Studentin hatte, war die günstige Wohnung optimal. Zwar hatten Cámies Eltern viel Geld, dennoch wollten sie ihre Tochter zur selbständigen jungen Frau erziehen, die sie war. Wenn jedoch einmal not am Mann war, zögerten ihre Eltern natürlich nicht Cámie auch finanziell zu unterstützen. Doch das kam selten vor. Cámie hatte auch noch eine kleine Schwester namens Margret. Margreth war ein Spätzünder da Cámie um 18 Jahre älter war als ihre kleine Schwester. Margreth ist gerade 5 geworden und ist die Nervensäge der Familie. Doch sie erfüllt Cámies Mutter mit leben. Was sie natürlich sehr angenehm findet, da sich ihre Mutter dann nicht zu sehr um sie sorgt.

  Margreth war oft bei ihr zu besuch und sie liebte die Schwesternzeit mit ihr. Auch Cámies Vater tat es nervlich gut wenn er nach der Arbeit ein bisschen Ruhe von der kleinen hatte. Margreth war sehr aufgeweckt, doch sie war auch sehr klug und hatte selbst als 5 jährige einen breiten Wortschatz. Ähnlich wie Cámie in dem Alter.

  Plötzlich ertönte es an der Türschwelle während Cámies Mutter versuchte Cámie in ein Kleid zu zwängen: «Wo gehts du hin Cámie?«
  «Ich gehe in ein Konzert.« quetschte Cámie angestrengt heraus da das anprobierte Kleid viel zu eng war.
  «Na haben wir zugelegt meine Liebe?« Neckte sie die Mutter.
  «Cámie? Sag für wen machst du dich denn so hübsch? « fragte Margreth listig.
  «Oh non, encore un fois! Margreth. Jetzt fängt der Dreikäsehoch auch noch damit an!«
  «Ne soyez pas si méchant, Cámie! Du bist immer so gemein! Ich hab doch nur gefragt! Ich wette du bist in den verliebt!« rief sie erbost und verließ das Zimmer.
  «Herrje, da kann ich mir nun wieder was anhören. Es ist ein Fluch, dass meine Töchter beide so klug sind. Die sind Klüger als gut für die ist. Warum kann nicht eine von euch strohdumme sein? Hm? Kannst du mir das sagen? « sagte die Mutter Zynisch während sie Cámie versuchte aus dem Kleid zu befreien. Sie war es ein bisschen leid. Denn so gern sich Cámie und Margrith auch hatten, so erbittert stritten sie auch.

  «Maman, hab ich denn kein anderes Kleid?«
  «Seh ich aus wie Hudini?«
  «Maman!«
  «Sag nicht ich hätte nicht alles versucht wenn ich es dir bringe!« Cámie hatte schon eine Ahnung welches Kleid ihre Mutter da wohl meinte. Es war eines dieser Kleider, dass man im Schrank hat aber nicht anzieht weil es immer unpassend ist. Denn das Muster gefällt, aber der schnitt ist zu gewagt. Doch vielleicht war es gerade für diesen Anlass passend?
  «So da wäre es meine liebe Cámie. Und was sagst du?«
  «Geben wir dem etwas mal eine Chance …« In der Hoffnung das Kleid würde sich während dem Anprobieren, wie in den Märchen, in ein Wunderschönes Märchenkleid verwandeln probierte Cámie es an . Doch leider ist die Realität härter als jedes Märchen und das Kleid sah scheußlich an ihr aus. Doch was nun? Sie konnte nie und nimmer das selbe Kleid von heute anziehen, was würde Dr. Lecter nur von ihr halten? Nein. Das war keine Option für sie!
  « Cámie gefällt dir der Stroff?«
  «Oui«
  «Gib mir das Kleid, mal sehen was daraus wird. Wenn es nichts wird musst du eben in Unterwäsche gehen ich wette dein Doctor wäre angetan.« sagte die Mutter scherzend, im inneren wissend, dass sie ihrer Tochter etwas schönes daraus zaubern würde.

  Cámie machte sich fertig, sie ging Duschen und legte ein bisschen Make-up auf, aber nicht zu viel, um nicht aufgesetzt und künstlich zu wirken. Ihre haare Flocht sie Locher und steckte sie zusammen sodass es nicht zu streng aber auch nicht zu locker aussah. Nachdem sie mit ihren Haaren fertig war kam ihre Mutter lächelnd in das Badezimmer und präsentierte ihr die Arbeit des heutigen Tages.

  Nun war das Kleid passend. Cámies Mutter hatte wirklich ein Händchen für so etwas und hatte es Geschäft es dezent aber lebhaft zu gestalten. Grundsätzlich hatte sie ein altes, ab der Hüfte ausgestelltes cremefarbenes  tüll Kleid genommen, und eine art Unterrock aus dem mit Margeriten gemusterten Kleid gemacht und eine Art Storstoff darüber genäht damit das Muster durchscheint. Der Brustteil des Kleides ist der des Cremefarbenen welches mit einem tiefen Ausschnitt am Rücken und den Dreiviertel langen Ärmeln eine schöne Ergänzung ist.
  Das Kleid war wunderschön und es passte Cámie wie angegossen. Nun schnappte sie sich eine ebenfalls cremefarbene Clutch, welche mit weisen Perlen bestickt war und rannte zum Bus. Sie war gut in der Zeit und freute sich auf Dr. Lecter.

  Auch Hannibal machte sich zurecht. Er beschloss sich einen braunen Anzug mit einem weißen Stecktuch und einem weißen Hemd anzuziehen, da er davon ausging das Cámie helle Farben trug und er farblich zu ihr passen wollte. Auch die Krawatte wählte er farblich abgestimmt und sogar seine Schuhe passte perfekt.
  Er war sehr pünktlich und war bereits 20 Minuten vor der vereinbarten Zeit am vereinbarten Ort, um sie nicht zu verpassen.
  «Dr.Lecter !« rief jemand aus der ferne. Es war Cámie welche geradewegs durch die Theatergasse eilte und lächelnd auf ihn zukam. Zur Begrüßung reichten sie sich steif die Hand. Und Hannibal belächelte die Situation, da er sich selbst dabei ertappte nicht zu wissen wie er mit ihr umgehen sollte.
  «Sie sind sehr Pünktlich 10 Minuten zuvor. «
  «Ich hoffe Sie warten nicht schon all zu lange«
  «Nein, selbst wenn, wäre es meine Verantwortung gewesen, da ich mich selbst dazu entschloss, eher da zu sein. - Wir haben noch etwas Zeit, wollen wir uns ein wenig die Beine vertreten?« Hannibal hielt ihr höflich den Arm hin und ein wenig geschmeichelt nahm sich Cámie die Geste an. Sie gingen in Richtung eines Wunderschön angelegten Barocken Gartens in Salzburg. An welchem sich auch Hannibal gerne erfreute.
  «Entschuldigen sie die Anmerkung, aber das Kleid steht Ihnen sehr gut. Sie haben einen guten Geschmack. Was man bei der Mode von heute nicht immer behaupten kann. Aber ich wusste, dass die etwas Helles tragen würden. Sie wissen was Ihnen steht. « Hannibal sah sie an und sie lächelte.
  «Vielen Dank, das freut mich zu hören. Ich wusste gar nicht, dass sie sich Farblich auf mich abgestimmt hatten?«
  «Wissen Sie Mademoiselle Cámie…“ Hannibal machte eine Pause und löste sich kurzzeitig von Cámie um ein Paar Margeriten aus dem Mirabellgarten zu pflücken. Hannibal ging auf sie zu sah sie an und nach einem kurzen «Verzeihen sie Cámie, dürfte ich« begann er vorsichtig ihr die Margeriten in die hochgesteckt Frisur zu stecken, dabei fuhr er fort: «Wissen Sie, Ich arbeite als Psychiater und hatte mir einfach gedacht, dass Sie ebenso wie ich, wissen was Sie mögen, was Ihnen steht und was Ihnen wichtig ist. Ich freue mich, dass meine Einschätzungen, die ich Ihnen gegenüber habe sie bislang bewahrheitet hat. « Hannibal macht wieder eine Pause und sah kurz zu Boden bevor er die Letzte Margerite in Cámies Haar steckte.
  «Ich strebe einfach nach Perfektion und die Perfektion liegt in der Liebe zum Detail. « er sah sie mit seinen braunen Augen an lächelte kurz bis er ihr wieder seinen Arm anbot und sie ihren Weg fortsetzten.

Der erblühende Brunnen
Camillé verbrachte einen wundervollen Abend mit Dr. Lecter. Sie schwärmte zu Hause, wie Traumhaft die Inszenierung gewesen sei und sie zitierte Ständig Leckres Worte da, was er sagte sie faszinierte. In ihr wuchs wahre Bewunderung. Hannibal war mit ihr so verblieben, dass er sie die nächsten Tage, noch einmal Kontaktiere. Doch der nächste Morgen sorgte für Aufruhr, denn als Camié zur Arbeit wollte ging sie durch den Miraell garten. Dieser war jedoch abgesperrt. Ein Bekannter, welchen sie aus der ferne erspähte, - jener Bekannte war Polizist-, winkte sie heran uns sie tagte weshalb sie nicht hindurch käme. Sie dachte es sein wieder Jugendliche gewesen die irgendetwas mit der Pegasusstatue angestellt hatten, doch sie irrte. «Irgend so ein Irrer hat eine schottische Touristin, auf das Pferd gesetzt, an dem Rückrad entlang aufgeschnitten, ausgeweidet und sie Ausbluten lassen - direkt in den Brunnen - und dann den blutroten Brunnen mit weißen Blumen gelegt - keine Ahnung welche das waren so überdimensionale Gänseblümchen eben -  sodass sie drauf schwammen.« sagte Lars, der bekannte Polizist. «Das ist schrecklich! « warf Camille ein. «Gibt es eine Nachricht . Oder weis man schon etwas über den Mörder?«  wurde Camille unruhig. «Nein nichts. Dieser kranke Bastard hat nicht hinterlassen. Ein verdammtes Genie, ist das. Das sag ich dir.« Lars kratzte sich dabei bedruckt am Kopf.  «Komm gut nach hause Lars. Grüß Ella von mir!« winkte sie ihm zu doch Plötzlich hörte sie eine bekannte Stimme, welche ihren Namen rief.

Die Stimme war ruhig und schien von dem Treiben nicht beeindruckt gewesen zu sein. Es war Dr. Lecter welcher hinter Camillé von dem von Rosenüberwachsenen Hügel herunterstieg. «Faszinierend nichtwahr?« sagte der hoch gewachsene Man Ruhig. « Was meinen Sie?« fragte Camillé die dem Gedankengang Lectres nicht folgen konnte. «Wenn sie dieses Foto sehen, was sehen sie « Hannibal zog ein Polaroid aus seiner Tasche. Es war die schottische Dame darauf zu sehen. Alles war darauf zu sehen. «Wo haben sie das her?« fragte Camille harsch. «Ich habe die Gute gefunden. Ich bin ein freund Morgendlicher Spaziergänge, hatte vor Sie zum Brunch abzuholen. Zudem wies ich dass durch schlechte Polizeidokumentation vieles verloren geht. Ich arbeite schließlich auch auf diesem Gebiet. « Camillé war erleichtert das zu hören, zwar hätte ein verrückter Täter ihr das selbe erzählen können, doch nicht Lecter. Es erschien ihr plausibel und sie zweifelte keinen Moment an, dass er unschuldig sei. Nachdem sich Camillé etwas beruhigt hatte und Lecter mit ihr eine ruhige Parkbank gefunden hatte, lenkte er nochmals das Gespräch auf das Foto. Er wollte wissen ob die direkte Konfrontation mit seiner eigentlichen Natur, in ihr Angst, Ekel oder Ähnliches hervorrufen würde. « Ich denke, er sieht darin eine art Passion,... eine Kunst...« Stammelte Camillé, welche Probleme hatte das Bild mit der Gräueltat anzusehen. Lecter ging aufs Ganze und deutete an, sie solle es wie ein Kunstwerk analysieren, da das die Bedeutung und die Kernaussage klarer machen und ihren Blick, weg vom reinen Grauen, auf die zentrale Aussage des Täters lenken würde. Camillé tat ihr bestes und beschrieb den Täter als gebildet, sein «Werk« sei eine Hommage an die Göttlichkeit, die Unbesiegbarkeit, welche durch den Tot der Person gebrochen wurde und das Blutbad im Brunnen erinnert an die Sage der Nibelungen, wo im Blutbad des Feindes das die eigene Stärke optimiert wird. Eine Überlegenheit. Doch was es mit den Margeriten auf sich hat, konnte sich Camillé nicht erklären. «Vielleicht eine Ehrung? Oder eine Botschaft?« grübelte Camillé. Lecter welcher die Gedankengänge des Mädchens beobachtete und selbst verwundert war, dass sie eine solch große Faszination mitbrachte, lächelte selbstgefällig. «Sie haben sehr gute Ansätze. Ich wollte überprüfen ob Sie weiter denken, als der Durchschnitt. Doch schon als ich Sie zum ersten Mal sah, Mademoiselle Camié, wusste ich, dass Sie Mehr sind als Sie glauben zu sein. Würden Sie mir die Ehre erweisen, mit mir diesen Mord aufzuklären?« 
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(...) FORTSETZUNG FOLGT ^.^

P.s.: Es sind noch MASSIG RF´s drinnen die werde ich nach und nach immer wieder Updaten und rauslöschen, das mach ich dann gleichzeitig mit jedem neuen Kapitel ^.^ 

Comments

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    sehr interessant! würde gerne mehr in die Richtung lesen !

beta
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