Kapitel 2                    Elisabeth

 

Heute ist der erste Tag nach den Sommerferien und in der Schule herrscht Unruhe. Alle wollen ihren Freunden berichten, wo sie im Urlaub waren, und was sie gemacht haben. Überall stehen kleinere Grüppchen, welche sich aufgeregt unterhalten. Ich hingegen gehe schon zu dem Klassenraum.
Als ich eintrete ist der Klassenraum halb voll und auf dem Weg zu meinem Platz fällt mir ein Junge auf, der neben dem Pult steht. Er ist anscheinend neu hier… Er zittert und zupft an seinem zu großen Pulli. Seine schwarzen langen Haare fallen ihm wie ein Vorhang ins Gesicht, und erst als er sich das Pony mit einer Handbewegung von der Stirn streicht, erkennt man seine hellblauen Augen, die unruhig durch den Raum gleiten, als hätte er etwas verloren und würde es suchen. Ohne den Blick von ihm zu wenden, setze ich mich an meinen Platz, und als unsere Blicke sich kreuzen, lächle ich ihm unsicher zu. Ich weiß genau wie er sich fühlt an einer neuen Schule in einer neuen Klasse. Doch da ist noch etwas Anderes, was ihn beunruhigt… Ich weiß nicht, was. Mein Lächeln hat er entweder nicht bemerkt, oder es schlichtweg ignoriert, denn er schaut weiter im Raum auf und ab. In diesem Moment klingelt die Schulglocke, meine restlichen Klassenkameraden setzen sich an ihren Platz und Frau Peters, unsere Stufenleiterin betritt den Raum.
„Ruhe bitte!“
Das Gemurmel in der Klasse legt sich und alle schauen nach vorne. Jedoch nicht zu Frau Peters, sondern zu dem Jungen. Plötzlich wirkt er noch zittriger als eben, obwohl ich vorhin darauf geschworen hätte, dass das gar nicht möglich wäre. Sein Pony ist wieder vor sein Gesicht gefallen.
„Wie ihr sehen könnt, habt ihr einen neuen Mitschüler. Möchtest du dich uns vorstellen?“
Was für eine Frage. Er sieht nicht wirklich erpicht darauf aus, sich uns vorzustellen. Manchmal frage ich mich wirklich, was in Frau Peters Kopf vorgeht. Trotzdem versucht der Junge sich vorzustellen.
„I-ich heiße Andrew G-grey.“, stottert der Junge und wird rot.
Langsam beginne ich mir Sorgen zu machen. Er sieht fast so aus, als würde er auf der Stelle zusammenbrechen. Irgendwas ist mit ihm los…
Gekicher ist zu hören. Verärgert schaue ich mich um. Wieso müssen sie es noch schwieriger für ihn machen, als es schon ist? Natürlich ist es Lilly, die sich jetzt kichernd mit ihren Freundinnen unterhält. Frau Peters hat es auch bemerkt. Wenigstens sagt sie etwas. Das Mindeste, was man erwarten kann.
„Lilly bist du bitte still? Und Andrew, du kannst dich hinten neben Elisabeth setzen, da ist noch ein Platz frei.“
Andrew stolpert ungeschickt zur letzten Reihe, ohne einmal den Blick vom Boden abzuwenden. Er lässt sich auf den Platz neben mich fallen.

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