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Nach einem kurzen Augenblick, konnte ich wieder blinzeln und sah nach und nach einige Schatten, die mit dem Licht verschmolzen. Langsam kristallisierten sich andere Farben aus dem wirren Gemisch von hell und dunkel und eine Stadt, welche mir fremd war, kam zum Vorschein. Ich befand mich in einer Stadt, welche man wohl zum Mittelalter datieren konnte. Langsam kehrten meine Sinne vollständig zurück und ich realisierte nun in welcher Lage ich mich befand.

Mein Geist war in dem Körper eines anderen der nicht aus meiner Zeit stammte.

So unglaublich wie dieser Zustand auch war, so verdreht war auch mein Verstand.

Ich sah Blut, Tote und geschändete Menschen.

Die Stadt, in der ich mich befand wurde geplündert. Ich sah Männer die einzelne Häuser erst durchsuchten und dann schließlich erzürnt niederbrannten. Sie hatten etwas gesucht und konnten es nicht finden.

Dann sah ich einen Mann, der aussah wie ein Bischof. Der Mann befehligte die anderen, welche sich als Söldner herausstellten, nach etwas zu suchen und zeigte auf, von ihm genau ausgewählte Häuser, welche sich – für mich zumindest – nicht optisch von allen anderen Häusern unterschieden. Diese wenigen Auserwählten, wurden vollständig ausgeraubt und verbrannt. Ihn schien der Rest nicht zu interessieren.

Schließlich bewegte sich mein Körper. Ich hatte nun verstanden, dass ich lediglich durch die Augen eines Söldners sehen konnte, jedoch nicht handeln konnte.

Er begab sich zu dem vermeintlichen Bischof. Dieser zeigte lediglich auf ein anderes kleineres Haus und mein Körper wusste bereits was er tun musste.

Nachdem er das Haus gründlich durchwühlte, stieß er auf einen älteren Mann, der auf einem Teppich mitten im Zimmer saß.

Es war beinahe offenkundig, dass er etwas unter dem Teppich verstecken wollte, denn er wurde genau an der Stelle, an welcher der Mann saß, konkav zum Boden hin verformt.

Plötzlich stieß der Söldner ohne Vorwarnung den alten Mann vom Teppich und stach in mit seinem Schwert durch den Hals.

Während das Blut Fontänen-artig aus ihm heraus schoss und sich im Raum verteilte, widmete der Söldner seine Aufmerksamkeit dem Teppich.

Darunter war ein in Tüchern eingewickeltes Buch. Das Al-Azif.

Als ich es sah wurde es erneut hell.

Nun war ich in einer anderen Stadt, in welcher viele Bücher auf einem Haufen von dem Mann verbrannt wurden, welcher zuvor die Söldner befehligte.

Ich verstand nun, dass es sich um den Patriarchen Michael gehandelt haben musste und dies wohl die vermeintliche Verbrennung des originalen Al-Azif war.

Jedoch wandte sich mein Körper von dieser Bücherverbrennung ab und ging in eine Hütte, welche nicht weit von der Stadt entfernt war, die ich nun als Damaskus erkannte.

Die Hütte verbarg eine Art, geheime Kammer unter dem Boden, welche der Söldner nutzte, um das Al-Azif abzuschreiben.

Er hatte bereits 2 Kopien angefertigt, von denen er eine später dem Patriarchen übergab, welcher diese wohl für das echte Al-Azif halten musste.

Die andere Kopie nahm der Söldner mit sich. Das Original vergrub er, in dem er die Kammer mithilfe einiger merkwürdiger Gesten, welche ich mit der Macht des Buches assoziierte, zum Einsturz brachte.

Und erneut sah ich nichts, außer dem Licht, welches ich nun mit Freude begrüßte.

Ich hatte gerade eine Antwort auf eine meiner Fragen erhalten – und ich wollte mehr.

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Fairy Dust

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