CO2, Die Waffe

Selina und ich hatten uns umgeschaut. Nicht ein Schloss oder Fenster war beschädigt. Vermutlich hatten Viktor und Dimitri mit einem Dechiffriergerät das Garagentor geöffnet, als sie eingebrochen waren. Ihr Pech, dass die letzten beiden Stellen nicht zum Öffnen, sondern zum Schützen des Labors angelegt waren. Sie mussten das Gerät entfernt haben sobald das Tor anfing sich zu bewegen. So war der Elektroschocker für den Laborzugang aktiv geblieben.  Obwohl das eine Schwachstelle war, hatte mein Plan funktioniert. Glück für mich, Pech für Dimitri. Wir waren nun in meinem Labor oder meiner Werkstatt, Wie auch immer. Selina gab ihm einen neuen Namen: Das Atelier. Sie war der Ansicht, ich sei ein Künstler, was mir natürlich schmeichelte...

 Ich hatte vor einiger Zeit für eine Anlage Stahlkugeln gebraucht. Sie hatten einen Durchmesser von 11,5 Millimeter. Sie passten nur knapp in ein Nirosta-Stahlrohr das ich auch auf Lager hatte. Dazu ein Schnellentlüfterventil aus der Pneumatik und eine CO2-Patrone, Damit ließ sich schon was machen.  Es würde zu weit führen, hier die einzelnen Bauteile und die daraus entstandene "Waffe" näher zu beschreiben. Soviel sei gesagt Das Ergbenis  sah aus wie ein Ypsilon. Einer der kurzen Schenkel enthielt eine CO2-Patrone und stellte den Griff dar. Der zweite Schenkel beinhaltete 6 Stahlkugeln und der lange Schenkel bildete den Lauf. Diese "Neuzeitsteinschleuder" würde nicht tödlich sein, aber sie konnte erhebliche Verletzungen verursachen, ohne mit dem Gegner auf Tuchfühlung gehen zu müssen. Allerdings war es fast nicht dosierbar ob zwei oder fünf Kugeln auf einmal den Lauf verließen und Tragweite und Zielgenauigkeit der Waffe waren eher gering. Wir gingen wieder ins Wohnzimmer und beratschlagten unsere weitere Vorgangsweise, als ein blauer Mercedes, die Auffahrt herauffuhr...


Viktor alias Eduard war nicht mehr wirklich Mensch. Seit seiner Kindheit, in der er erstmals getötet hatte, und zwar seinen eigenen Vater, passten seine gesamten Gefühle unter einen Fingernagel. Er war nicht mehr fähig etwas zu empfinden, außer Lust. Wenn er in Augen sehen konnte, in denen sich Angst mit Pein mischte, wenn er eine Hure nahm und sie tötete: Das letzte was in ihren Augen aufblitzte, wenn er ihr ihr armseliges Leben nahm, das bereitete ihm Freude... Er war der perfekte Killer.  Er brannte darauf uns zu töten. Er würde die rote Schlampe nehmen, sie zum Höhepunkt abstechen und spüren wie sie in ein paar letzten Zuckungen verendete... Allein der Gedanke daran machte ihm Freude. Noch mehr Freude, hätte er, wenn er den Erfinder an dem Schauspiel teihaben lassen könnte! Der Schmerz des Anderen war die Freude dieses kranken Mistkerls. Während er sich sein Vergewaltigungs- und Tötungs-Ritual immer und immer wieder vorstellte und ausmalte, kam ihm ein Gedanke: Was, wenn die Schlampe Montar zurück in sein Haus gebracht hatte? Dann würden sie dort noch sein. Und wenn nicht, er wusste den Code noch. Er konnte dort ein Weilchen auf sie warten. Er brauchte sowieso einen Unterschlupf. Er brauchte ja nicht ins Labor zu gehn...


Ich spürte den Wagen kommen, noch bevor er zu sehen war, so, wie ich Selinas Taxi wahrgenommen hatte. "Selina, er kommt!" Sie wusste, das ich recht hatte. "Hilf mir in die Garage. Wir müssen zuschlagen, bevor er mit uns rechnet! Versuch ihn ins Gesicht zu treffen!" Ich humpelte mit einer Krücke in die Garage. Jeder Schritt schmerzte wie Feuer! Ich musste diesen Saukerl erwischen, bevor er Selina was tun konnte. Ich legte mich auf die Motorhaube des Rover und bedeutete Selina hinter mir in Deckung zu geh'n. Er durfte unsere Beine nicht seh'n! Selina lugte neben der Heckklappe hervor. Da! Das Tor hob sich langsam... Wir sahen seine Beine...Das Tor kam in Hüfthöhe, er bückte sich um hereinzuseh'n. Das Gesicht erschien, er glotzte auf den Rover. Ich zielte auf sein Gesicht, das vielleicht zwei Meter vor mir  unter dem Torrand erschien und drückte ab: "Pfrrrt!" Er brüllte auf vor Schmerz, Blut spritzte aus seinem Auge, Selina stürtzte hervor und verpasste ihm die zweite Salve. Brüllend lief  er zu seinem Wagen, Selina hinterher. "Selina! Um Gottes Willen komm sofort zurück! Bist du verrückt geworden! Selina!" Quietschende Reifen, Pistolenschüsse, splitterndes Glas... Das Tor hob sich... Meine zitternde Selina stand da mit der Pistole in der Hand, die Viktor im Schmerz fallen hatte lassen. Ihr Brustkorb hob und senkte sich.  Tränen der Erleichterung liefen ihre Wangen hinab. Sie hatte ihm zumindest die Heckscheibe zerschossen. Die Waffe noch in der Hand taumelte sie auf mich zu und fiel mir um den Hals. "Ich hab dir geschworen, ich lasse mein Gewissen stecken, wenn ich das Schwein erwische!" Schluchzte sie und auch ich weinte, angesichts der Erleichterung, meine Göttin unversehrt in den Armen zu halten...

Comments

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    oh mein gott o.o

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    Super toll geschrieben. Ich bewundere mit welch einem Fachwissen du deine Szenen so detailliert beschreibst!!!!!

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    Wow! Extrem spannend!!

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