Dabog der Verlassene- Wanderer zwischen den Welten (Teil 18)

Gwydyon stand vor sich hinbrütend, auf dem oberen Balkon des Gasthauses, von wo aus man den Überblick über das ganze Dorf und den kleinen Hafen hatte. Als er dann jedoch Dabog den Steg entlang gehen sah, wurden die düsteren Gedanken des Blutelfen auf seltsame Weise abgelenkt. Als er den Untoten beobachtete, welcher sich nun irgendwie immer weniger wie ein Untoter bewegte, berührte ihn das seltsam. Der einstige Menschenkrieger schien sehr betrübt, das verriet seine Haltung und er schaute auch immer wieder Richtung Gasthaus, zu jenem Fenster, hinter welchem Balduraya ihr Zimmer hatte. Und dann durchzuckte den Blutelfen ein seltsamer Gedanke: Konnte es möglicherweise sein, dass…? Nein, das war doch nicht möglich! Doch dann sah er vor seinem inneren Auge seine Schwester, welche Dabog seit einiger Zeit immer mit dieser seltsamen Trauer in den Augen anschaute. „Nein! Das ist doch alles Blödsinn!“ tadelte er sich selbst. „Das wäre zu entsetzlich, zu abnormal! Oder?“ Neinnein, er wollte darüber gar nicht erst nachdenken! Es widerte ihn an, wenn er diesen Verlassenen nur in seiner Nähe hatte und Balduraya erging es sicher ähnlich. Diese Dabog war keiner mehr, dem die Frauen zu Füssen lagen, im Gegensatz zu ihm, Gwydyon. Er kriegte beinahe alle Frauen rum. Ein bitterer Schmerz zog in sein Herz. Ja, wirklich nur beinahe alle Frauen. Tyrande wollte schon mal nichts von ihm wissen, obwohl sie die Einzige war, die er jemals richtig geliebt hatte. Stattdessen war er auf diese… Sukkubus reingefallen! Er war der letzte, welcher das Recht hatte, sich den andern überlegen zu fühlen. Er war trauriger gescheitert, als so mancher. Dabog war ja auch irgendwie kein normaler Verlassener. Er besass ein Spektrum an Gefühlen, dass Gwydyon bisher bei den Untoten vergebens gesucht hatte. Dabog war mehr wert, als er selbst und eigentlich hatte er das Glück mehr verdient, als Gwydyon. Ja, auch Balduraya hatte das Glück verdient! Sie hätte niemals mit ihm kommen sollen. Er wollte sie in diese Sache nicht reinziehen. Sie verdiente was Besseres. Und… an diesem Abend, fällte Gwydyon einen denkwürdigen Entschluss: Er würde sich allein auf die Suche nach der verhassten Sukkubus machen und sich ihr allein stellen. So konnte er verhindern, dass Dabog und Balduraya seinem Versagen auch noch zum Opfer fielen. Er musste das alleine regeln, auch wenn es ihm schon ziemliche Angst machte, denn er vermutete, dass sich diese irgendwo bei einigen sehr mächtigen Dämonenfürsten aufhielt.

 

Dabog stellte fest, dass der Blutelf sie von dem Balkon des Hauptgebäudes beobachtete und auch Balduraya hatte er geglaubt hinter einem der Fensterlücken flüchtig entdeckt zu haben. Er staunte als Gwydyon sich plötzlich abrupt abwandte, als hätte er einen Entschluss gefasst und dann nicht mehr auftauchte. Irgendwas war da im Gange! Dabogs Kriegerinstinkt sagte ihm das. So machte er sich augenscheinlich ruhig auf den Rückweg und beschloss den Blutelfen von nun an besonders im Auge zu behalten. Er schlenderte etwas bei der Koppel herum, die sich nahe dem Gebäude befanden, worin die Blutelfen ihr Nachtquartier hatten. Er selbst brauchte keinen Schlaf, ein weiterer Nebeneffekt seines Untoten- Körpers. In den Koppeln waren verschiedenste Tiere untergebracht, man konnte auch Reittiere mieten. Dabog wechselte ein paar Worte mit dem Zwingermeister und informierte ihn, dass er vermutlich noch diese Nacht ein Pferd brauchte. Dann schlenderte er noch etwas in der Nähe umher. Es wurde dunkler und dunkler, doch seine Augen waren für die Dunkelheit ausgerüstet, wie bei allen Untoten. So sah er auch, als Gwydyon, kurz nach Sonnenuntergang und immer wieder unruhig um sich blickend, das Gasthaus verliess. Er schien ganz so, als wolle er auf eigene Faust weiterziehen. Was ihn zu diesem Wahnsinn bewog, war Dabog nicht ganz klar, denn bei den Untoten wurden nur rationale Entscheidungen getroffen und das hatte wohl oder übel Einfluss auf Dabogs Denken. Sein Kopf war nun erstaunlich klar und wurde immer klarer, allerdings bewegten ihn auch ganz menschliche Empfindungen, als er den Blutelfen aus der Deckung heraus beobachtete. Dieser wirkte ziemlich bekümmert, wenn nicht zu sagen verzweifelt. Gwydyon sprach mit dem Zwingermeister und mietete einen rosa-violetten Falkenschreiter, einen straussenähnlichen Vogel mit wunderschönem, weichem Gefieder. Die Blutelfen kannten sich mit diesen Tieren am besten aus. Dabog wartete noch einen Moment, dann bestieg er den dunklen Rappen, welcher schon bereitstand und folgte Gwydyon in sicherem Abstand. Eigentlich war es ziemlich verrückt, das ziemlich lebensfeindliche Desolace alleine zu durchqueren. Gwydyon musste wirklich ziemlich verzweifelt sein, wenn er das wagte.      

 

Schon ziemlich bald lag Schattenflucht ein Stück hinter den beiden Reitern und das Land wurde immer karger. Wo vorhin in der Umgebung von Schattenflucht noch grünes Gras den Boden wie ein weicher Teppich bedeckte, war nun nur noch Sand und Stein. Da es keinerlei Pflanzen gab, welche etwas Kühle spendeten, spürte man hier noch immer die flirrend heisse Luft, die über dem trockenen Boden lag. Zwar kühlte es jetzt langsam ab, aber Dabog konnte sich vorstellen, dass es hier unter Tags sehr heiss wurde, auch wenn ihm als Untoter, das wenig ausmachte. Er hielt nach dem Blutelfen Ausschau, welcher in leichtem Trab dahinritt. Die Schwanzfedern seines schönen Reittiers, wippten dabei hin und her und seine langen Beine bewegten sich sicher und kraftvoll vorwärts. Diese Falkenschreiter konnten ziemlich schnell sein, wenn sie liefen, obwohl sie nur zwei Beine besassen. Doch Gwydyon rechnete scheinbar nicht damit verfolgt zu werden. Darum beeilte er sich auch nicht sonderlich. Er schaute dennoch immer wieder um sich. Es war eine gefährliche Gegend hier. Die Zentaurenstämme waren sehr aggressiv und kämpferisch, sie bekämpften einander auch gegenseitig bis aufs Blut. Er wollte diesen wilden Gesellen nicht unbedingt über den Weg laufen. Dabog konnte ihm deshalb gut folgen. Ausserdem schützte die Dunkelheit den Untoten. Sie ritten an schmutzig braunen Tümpeln vorbei, welche hier überall lagen. Da und dort erkannte Dabog in der Ferne runde Zeltbauten, welche die Heimstatt der Zentauren waren. Stets auf Patrouillen selbiger achtend, ritt er den schmalen, trockenen Pfad entlang, den man hier angelegt hatte. Eigentlich war es Wahnsinn so nahe an den Zentaurendörfern vorbei zu reisen. Doch Gwydyon schien ein ganz besonderes Ziel zu haben. Er bewegte sich stetig auf einen hohen, silbernweissen Steinturm zu, welcher hinter der naheliegenden, bräunlichweissen Hügelkette aufragte. Er wirkte irgendwie wie ein alter Nachtelfenturm. Einst war Desolace ein blühender Landstrich gewesen, von den Nachtelfen bewohnt, doch dann bei der Teilung der Welt, wurde alles zerstört. Nur noch Ruinen zeugten deshalb noch von der einst blühenden Zivilisation. Die Zentauren hatten dann das Land mehr und mehr erobert und nun war sogar die Brennende Legion hierhergekommen und nutzte die noch übrig gebliebene Ley Energie (Magische Energie), unter den einstigen Elfenstädten, um Portale in den Nether zu öffnen und weitere Dämonen nach Azeroth zu holen. Dabog, oder vielmehr sein Untoten- Ich, hatte mal etwas davon gehört und so langsam glaubte er zu verstehen wohin Gwydyon wollte. Vermutlich wollte er zum Zirkel des Mannorc, einem Ort, welcher von einem mächtigen Verdammnisfürst namens Azrethoc regiert wurde. Wahrscheinlich, hielt sich die Sukkubus Vilevere irgendwo dort auf. Ja… so musste es sein! Der Zirkel lag gleich hinter dem Hügelzug, es war gar nicht mehr so weit, das hatte er beim Hinflug gesehen.

 

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