Das 2. Geschenk: Von Missverständnissen und unerwarteten Komplimenten

Entsetzt starrte Hermine auf den Manga in ihren Händen. Während sie gestern noch der Auffassung gewesen war, dass ihr Wichtelpartner kein Interesse daran hatte, sich Gedanken um ein gutes Geschenk zu machen, war sie nun überzeugt, dass er ihr echte Abneigung entgegen brachte. Als Muggelgeborene kannte sie natürlich "Manga Love Story", den berüchtigten Manga, in welchem angeblich hilfreiche Tipps für das eigene Sexleben vermittelt wurden - Aufklärung mit Bildmaterial. Mit hochrotem Kopf schmiss sie das Buch auf den Tisch, was ihr fragende Blicke ihrer Freunde einbrachte.

"Ich habe echt richtig Pech bei dieser Sache", nörgelte sie, "schaut euch mal an, was ich heute wieder Großartiges bekommen habe!"

Neugierig griff Ginny nach dem Manga - und brach in schallendes Gelächter aus, ehe sie es an ihren Bruder weiter reichte: "Sogar ich kenne den, obwohl ich kein Muggel bin!"

Als sie jedoch Hermines betrübten Blick bemerkte, wurde sie wieder ernst: "Tut mir leid, dass ich gelacht habe. Für dich ist es vermutlich nicht so lustig, blöde Geschenke zu bekommen."

"Wenn es einfach nur langweilig oder lieblos wäre, hätte ich ja kein Problem damit", kommentierte Hermine genervt, "aber das gestern und das hier deuten doch recht deutlich darauf hin, dass jemand mich absichtlich ärgern will. Erst die Anspielung auf meine Haare, jetzt ... die Andeutung, ich hätte von ... von sowas keine Ahnung."

"Komm schon, Hermine", sagte Ron und schlug ihr aufmunternd auf die Schulter, "du weißt doch genau, dass viele dich um deine Intelligenz beneiden. Ist doch klar, dass die dann auf so einem Weg versuchen, dich zu beleidigen. Steh drüber."

Hermine bedachte Ron mit einem dankbaren Lächeln, dann wandte sie den Kopf, um einen Blick auf Draco Malfoy zu werfen, der gerade sein Geschenk auspackte.

"Mensch, Draco, das ist ja richtig schön! Was ist das?", quietschte Pansy begeistert, als sie das kleine, silberne Ding sah. Draco selbst schaute kurz verblüfft, ehe er antwortete: "Ein silberner Federhalter. Das hätte ich nicht erwartet, nachdem das Geschenk gestern so langweilig ausgefallen war."

"War ja klar, dass du mal wieder den Jackpot gezogen hast", meinte Blaise ärgerlich, "ich krieg hier jeden Tag nur eine Packung Süßigkeiten und du wirst mit schönen und praktischen Dingen überschüttet."

"Mh, ja, wirkt so, als würde ich von einem echten Slytherin beschenkt", stimmte Draco ihm zu, "nur komisch, dass keiner auf meine Frage reagiert hat am Montag."

"Vielleicht eine heimliche Verehrerin?", schlug Theodore Nott vor, "Kann ja durchaus sein, dass hier jemand auf dich steht, das aber nicht sagen will, weil du Pansy hast ..."

"Und das ist auch gut so!", betonte diese mit süßlichem, aber bestimmtem Tonfall, "Draco gehört mir!"

Allgemeines Gelächter ertönte vom Tisch der Slytherins und Hermine drehte sich wieder um. Sie hatte zwar nicht hören können, was geredet wurde, doch der erfreute und selbstgefällige Gesichtsausdruck von Malfoy war Beweis genug dafür, dass ihr Geschenk gut angekommen war.

oOoOoOo

"Was möchtest du trinken? Ich zahle heute ..."

Hermine schaute Ron lächelnd an - sie wusste, wie knapp er immer bei Kasse war, umso mehr bedeutete es ihr, dass er bei ihrem ersten Date derjenige war, der zahlen wollte. Nervös, aber auch voller Zuversicht blätterte Hermine durch die üppige Teekarte, ehe sie sich für einen schlichten, unaromatisierten grünen Tee entschied. Dann legte sie die Karte beiseite und schaute Ron erwartungsvoll an.

Dieser wartete ab, bis die Bedienung die Bestellung aufgenommen und sie wieder alleine gelassen hatte, dann beugte er sich mit leicht roten Wangen vor und legte eine Hand auf Hermines Hand. Kurz noch musterte er die pinke Inneneinrichtung des Pärchen-Cafés, dann fasste er sich ein Herz.

"Das, was ich dir zu sagen habe, könnte ich niemals vor Harry erzählen ... deswegen wollte ich heute unbedingt alleine mit dir sein. Er würde mich vermutlich auslachen ...", fing er vorsichtig an, "ich weiß nicht, ob du es inzwischen bemerkt hast ... du bist ja relativ schnell bei solchen Sachen und verstehst da auch mehr von als wir ... ich konnte es vermutlich vor dir nicht verheimlichen ..."

Verwirrt brach Ron ab. Hermine spürte, wie schwer es ihm fiel, seine Gefühle zu äußern, und so entschied sie, dass sie den ersten Schritt machen würde: "Du musst nicht so nervös sein, Ron. Ich erwidere deine Gefühle."

Gerade wollte sie ihr wärmstes Lächeln aufsetzen, um ihm Mut zu machen, da bemerkte sie seinen überraschten und entsetzten Blick. Sofort wurde sie misstrauisch und schlug sich innerlich dafür, dass sie etwas gesagt hatte.

"Du ... heißt das, du ... magst mich?", stotterte Ron verblüfft. Sein Kopf war inzwischen bis zu den Ohrenspitzen hochrot angelaufen, doch Hermine merkte, dass andere Gefühle als vorher dafür verantwortlich waren. Angespannt erwiderte sie: "Ja. Und ich dachte, wir sind hier auf einem Date. Wo du mich fragen willst, ob wir ausgehen wollen."

"Oh Gott ...", kam es nur von ihm und er sackte erschlagen in sich zusammen. Auch Hermine ließ sich tief in ihren Sessel sinken und entzog ihm ihre Hand. Diese Reaktion sprach Bände. Offensichtlich war das nicht der Plan gewesen, sie hatte alles falsch verstanden, hatte einseitig etwas angenommen, was gar nicht da war. Auch in ihrem Gesicht zeichnete sich langsam eine heftige Röte ab. Das Schweigen zwischen den beiden Freunden dehnte sich aus, erdrückte sie beinah, bis es Hermine schließlich zu dumm wurde und sie kalt fragte: "Warum wolltest du dann heute alleine mit mir in ein Pärchen-Café?"

Sie sah, dass Ron schluckte und sich offensichtlich unwohl in seiner Haut fühlte, doch sie war nicht bereit, Mitleid mit ihm zu haben.

"Ich möchte, dass du mir hilfst, Geschenke für Lavender zu finden. Ich ... ich bin in sie verliebt, Hermine. Sie weiß das nicht und ich will nicht, dass Harry es erfährt, ehe ich Erfolg hatte ..."

"Lavender?", war alles, was Hermine hervorbrachte. Natürlich. Das hübsche, blonde Mädchen, das mit ihren großen Rehaugen immer so naiv aus der Wäsche schaute, als sei alles, was aus dem Mund eines Mannes kam, eine nie zuvor gehörte Weisheit. Lavender trug gerne Schmuck, schminkte sich und war von Natur aus schon sehr attraktiv. Was sollte sie, Hermine Granger, dagegen schon tun? Zornig ballte sie unter dem Tisch ihre Fäuste, doch sie konnte nicht verhindern, dass Ron ihren Stimmungsumschwung bemerkte.

"Wenn ... wenn es dir nicht passt, dann müssen wir auch nicht über sie reden!", sagte er hoffnungsvoll, "Ist vermutlich nicht so gut, wenn ich dann mit dir ... weil du ja anscheinend in mich ..."

"Weißt du was, Ronald?", unterbrach Hermine ihn ungeduldig, "Vergiss einfach, was ich gesagt habe. Ich habe keine Ahnung, was Mädchen wie Lavender mögen, aber Madam Puddifoot wird dir sicher weiter helfen können! Und das nächste Mal, wenn du ein Mädchen um Hilfe bittest, denk mal drüber nach, wie es wirkt, sie im Geheimen zu einem Treffen in dem Café von Hogsmeade einzuladen, das bekannt dafür ist, dass man ausschließlich mit seinem Date hingeht! Dann ersparst du dir weitere Peinlichkeiten."

Mit Tränen in den Augen verließ Hermine das Café, ohne Ron oder der verwirrten Bedienung, die gerade ihren Tee brachte, einen weiteren Blick zu schenken. Der Tag hatte schlecht angefangen und er war noch miserabler weiter gegangen. Sie sehnte sich nach einem offenen Ohr, einer guten Freundin, die ihr zuhörte und Trost spendete. Kurz entschlossen wandte sie ihre Schritte in Richtung Avalon in der Hoffnung, dort einige Minuten ungestört mit Cathrin reden zu können.

oOoOoOo

Seufzend ließ Hermine sich auf den Stuhl sinken, den Cathrin ihr angeboten hatte. Als die Ladenbesitzerin das verheulte Gesicht ihrer jüngeren Freundin gesehen hatte, hatte sie diese sofort in den durch einen Vorhang abgetrennten Raum hinter der Theke geführt, um ihre Sorgen anzuhören. Nachdem Hermine in kurzen Worten das Gespräch mit Ron geschildert hatte, fühlte sie sich bereits ein wenig besser – insbesondere, da die Frau vor ihr für sie wütend wurde.

„Der Junge ist taktlos wie eh und je!“, empörte Cathrin sich, „Weißt du noch, wie ich dich kennen gelernt habe letztes Jahr? Das war am Tag nach dem Ball, da bist du hier hereingeschneit und meintest, du wolltest schöne Sachen kaufen, um einem gewissen Jungen besser zu gefallen. Damals wie heute benimmt sich dein Ron wie ein Trottel!“

„Ich weiß ja“, meinte Hermine verzweifelt, „am schlimmsten ist, dass ich dachte, seit dem letzten Jahr meine Gefühle für ihn überwunden zu haben, aber als er mich gestern zu dem … Treffen einlud, ist alles wieder hochgekommen. Und jetzt habe ich wieder das Gefühl, mich total lächerlich gemacht zu haben.“

„Nein, Hermine, so darfst du nicht denken!“, widersprach Cathrin vehement, „Ron ist derjenige, der sich lächerlich macht! Nach allem, was ich gesehen habe, ist er mindestens genauso verliebt in dich wie du in ihn!“

„Aber er sieht es nicht!“, entgegnete Hermine genervt, „Es scheint beinah, als wolle er mich nicht so sehen! Ich weiß, dass ich nicht hübsch bin, dass ich keine Schminke nutze und nicht jeden Morgen an meinen Haaren rummache. Ich bin nicht wie Lavender, in deren Gegenwart sich jeder Junge überlegen fühlt, weil sie absichtlich süß und wehrlos erscheinen will! Ich kann so nicht sein!“

„Das ist doch auch nicht schlimm!“

„Aber alle Jungs tun so, als wäre es vollkommen unmöglich, sich in mich zu verlieben. Nicht nur Ron, auch Malfoy … und der Blödmann, der mich beschenken muss!“, klagte sie verzweifelt. Rasch erzählte sie von dem miserablen Geschenk, das sie erhalten hatte, und dem ebenso furchtbaren Zusammentreffen mit Malfoy am Tag zuvor. Mitfühlend drückte Cathrin ihre Hand. Die ältere Frau wusste, wie schwer es für junge Mädchen war, die klüger als die meisten Altersgenossen waren. Solche Frauen wirkten auf die meisten Männer nicht anziehend, insbesondere Jungs in Hermines Alter kamen nicht damit klar, wenn eine Frau intelligent und stark wirkte. Sie wollten angebetet werden und den Starken markieren, was Mädchen wie Hermine nicht zuließen. Dafür würde sie später einen erwachsenen Mann finden, der ihr mehr geben würde, als all die oberflächlichen Trottel jemals den oberflächlichen Mädchen geben konnten. Nur dass das im Moment Hermine vermutlich nicht weiter half.

„Der einzige Junge, der auch nur annähernd so denkt wie ich, ist Blaise Zabini!“, durchbrach Hermines leise Stimme schließlich die Stille. Interessiert horchte Cathrin auf: „Den kenne ich gar nicht – ist das einer aus Gryffindor?“

„Nein, leider nicht“, erklärte Hermine, „er ist Slytherin und noch dazu der beste Freund von Malfoy. Egal, wie sehr er mich vielleicht mögen würde, das Frettchen wird schon zu verhindern wissen, dass Blaise mir zu nahe kommt.“

„Wenn er ebenso intelligent ist wie du, wird er sich sicher nicht von einem Freund seine anderen Freunde diktieren lassen.“

Ehe Hermine darauf etwas antworten konnte, bedeutete die Türglocke, dass Cathrin Kundschaft hatte. Mit einem entschuldigenden Blick trat sie durch den Vorhang an die Theke, um den jungen Mann zu beobachten, der ihr Geschäft betreten hatte. Die blonden Haare kamen ihr nur zu vertraut vor und einem Impuls nachgebend folgte sie ihm in den hinteren Teil des Geschäftes zum günstigeren Schmuck.

„Kann ich Ihnen helfen?“, fragte sie so höflich wie möglich, um den jungen Mann zum Umdrehen zu motivieren. Tatsächlich wandte er sich ihr zu, so dass Cathrin ihren Verdacht bestätigt sah – vor ihr stand Draco Malfoy.

„Ich suche ein Geschenk“, kam die kurz angebundene Antwort. Mit hochgezogenen Augenbrauen betrachtete Cathrin einen unsagbar hässlichen Ring, den er in der Hand hielt. Sie wusste, dass solche absurden Sachen sich bei sehr jungen Mädchen gut verkauften, deswegen führte sie diese, aber selbst hätte sie so etwas nie getragen.

„Wenn Sie für eine Gleichaltrige etwas suchen, rate ich Ihnen von diesem Ring eher ab.“

Ein genervter Ausdruck erschien in Malfoys Gesicht, doch er legte den Ring tatsächlich wieder auf den Tisch zurück – nur um eine noch hässlichere, pinke Haarschleife zu greifen.

„Und die hier? Würde die einem dummen Gryffindor-Mädchen gefallen?“, fragte er zynisch grinsend. Cathrin schluckte – ganz offensichtlich hatte dieser junge Mann nicht vor, seinem Wichtelpartner eine Freude zu bereiten.

„Nunja, das Pink ist schon recht extrem und die Federn stehen vermutlich auch nicht jeder …“

„Ja, das dachte ich mir“, erwiderte er noch breiter grinsend, „aber wenn ich recht darüber nachdenke, ist es sehr passend! Heute gab es eine Haarspülung, morgen gibt es eine Haarschleife! Das ist doch so gut durchdacht und rücksichtsvoll von mir, meinen Sie nicht?“

Cathrin sog scharf die Luft ein – eine Haarspülung am Vortag? Das war genau das Geschenk, welches Hermine erhalten hatte. Konnte der Zufall wirklich so weit gehen, dass diese beiden Jugendlichen sich gegenseitig beschenken mussten? Arme Hermine.

Da er keine weitere Reaktion erhielt, schlenderte Malfoy fröhlich pfeifend wieder nach vorne zur Theke, wartete darauf, dass Cathrin ebenfalls kam, und ließ sich das Geschenk noch in neutrales Papier einpacken. Den zornigen Blick, den sie ihm hinterherwarf, bemerkte er nicht mehr. Seufzend trat sie wieder durch den Vorhang zu Hermine zurück, fest entschlossen, ihr nicht von der Entdeckung zu erzählen.

oOoOoOo

Mit knurrendem Magen wanderte Hermine durch Hogsmeade. Sie hatte zum Mittag vor Nervosität nicht viel gegessen und bei Madam Puddifoot war sie auch nicht dazu gekommen, so dass sich nun ihr Körper sehr lautstark meldete. Sie war unsicher, ob sie bereits zum Schloss zurückkehren sollte, um dort in der Küche ein paar Kekse und einen heißen Tee zu nehmen, oder lieber im Drei Besen einkehren wollte. Unzufrieden mit sich selbst entschied sie sich schließlich für letzteres – sie wollte Ron so schnell nicht über den Weg laufen, so lächerlich sie das auch fand, und im Schloss war ein Treffen wahrscheinlicher als im Dorf.

Ein kurzes Zittern lief durch Hermines Körper, als sie durch die Tür in den warmen Gastraum trat – erst jetzt bemerkte sie, wie sehr sie draußen gefroren hatte. Es konnte wirklich nicht mehr lange bis zum ersten Schnee dauern, die Luft roch schon danach. Ein kurzer Blick durch den Raum zeigte ihr, dass Malfoy mit seinen Freunden ebenfalls anwesend war. In der Hoffnung, dass sie noch nicht bemerkt worden war, schritt sie schnell nach vorne an die Bar und nahm dort auf einem der Hocker Platz.

„Was kann ich für dich tun, Liebes?“, fragte Rosmerta mit ihrer typischen, überschwänglichen Art.

„Einen heißen Tee und Apfelstrudel, bitte.“

Kurz kniff die Wirtin die Augen zusammen, dann erwiderte sie: „Darjeeling, wie gestern, ja?“

Etwas überrascht, dass Rosmerta sich an ihren Besuch vom Vortag erinnerte, nickte Hermine. Während sie auf ihre Bestellung wartete, registrierte sie überrascht, dass Blaise seine Freunde verlassen hatte, und auf sie zusteuerte. Unsicher, was sie davon halten sollte, nickte sie ihm schüchtern zu.

„Hey, Granger“, sagte Blaise, während er sich auf dem Hocker neben ihr sinken ließ, „mal wieder alleine unterwegs?“

Sofort verfinsterte sich ihre Miene – warum mussten alle sie damit aufziehen? Entsprechend genervt gab sie zurück: „Ist es so schlimm, dass ich mal alleine bin?“

„Nein, nein“, erwiderte Blaise und hob abwehrend die Hände, „nur ungewohnt. Sonst sieht man dich ja nur mit Potter und Weasley zusammen. Warum die plötzliche Trennung?“

Misstrauisch schaute Hermine den Jungen vor sich an, doch da sie keine Häme in seinem Gesicht erkennen konnte, zuckte sie schließlich mit den Schultern und erklärte: „Ich möchte gerne alleine Geschenke für die Wichtel-Sache kaufen. Ich will nicht, dass sie wissen, wen ich beschenke … und entsprechend bin ich öfter mal alleine hier. Und außerdem …“

Hermine stockte kurz, doch ehe sie eine bewusste Entscheidung treffen konnte, sprudelten die Worte aus ihr heraus: „Außerdem ist Ron ein totales Arschloch und Harry wird von Ginny abgelenkt. Da kann ich nicht mal was dran ändern, dass ich alleine bin.“

Entsetzt darüber, gerade zugegeben zu haben, dass es sie zu einem gewissen Grad wurmte, alleine unterwegs zu sein, verstummte sie. Was hatte dieser Slytherin nur an sich, dass sie vor ihm ihre Gedanken offen aussprach? In der Erwartung, nun den üblichen Spott zu ernten, schaute sie auf den Boden. Doch zu ihrer erneuten Überraschung spürte sie nur eine warme Hand, die sich auf ihr Knie legte.

„Die zwei sind nicht ganz richtig im Kopf, dass sie dich aus den Augen lassen“, flüsterte Blaise leise, aber bestimmt, „du solltest  nicht zu viel auf die Freundschaft von zwei Kerlen geben, die nicht erkennen, welchen Schatz sie vor sich haben.“

Verblüfft schaute Hermine ihr Gegenüber an. Sie konnte nicht einordnen, wie sie diese Worte zu verstehen hatte, aber ehe sie fragen konnte, hatte Blaise seine Hand bereits wieder zurückgezogen und war aufgestanden. Mit pochendem Herzen sah Hermine dem dunklen Slytherin nach. Sie konnte nicht verhindern, dass ein kleines Lächeln sich auf ihr Gesicht stahl: Mit nur einem Satz hatte dieser junge Mann es geschafft, all ihre düsteren Gedanken zu vertreiben und ihr das Gefühl zu geben, auch etwas wert zu sein. Versunken in Reflexion darüber, was seine Worte wohl noch implizieren mochten, bemerkte Hermine so nicht einmal, dass Madam Rosmerta Kuchen und Tee vor ihr abstellte.

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