Das Boot

Nachdem wir die Aufnahme auf Youtube geladen hatten, konnten wir davon ausgehen dass Viktor es bald erfahren würde. Selina gab zu bedenken, dass ihn das noch zorniger werden ließe, aber uns war beiden klar, dass er sowieso kein anderes Ziel kannte, als uns zu töten. Der Zorn aber, ist kein guter Berater. Er läßt einen Fehler begehn, die man sonst niemals machen würde. Egal was: Wir würden alle Register ziehen, die uns auch nur den kleinsten Vorteil verschaffen konnten. "Ich seh mal nach, ob ich noch ein Frühstück zusammenbringe mit den paar Sachen von gestern." Da  hatte ich nichts dagegen, denn ich war wirklich schon wieder hungrig. "Wir werden ins Dorf fahren müssen, Kleines. Das tu ich zwar höchst ungern, aber auf Dauer kommen wir nicht umhin, was einzukaufen." - "Wie du das sagst: Kleines..." lächelte sie. Sie wippte auf die Zehen, hauchte mir einen Kuß auf die Lippen und ging zum Kühlschrank. Es schien ihr zu gefallen, dass ich sie so nannte. "Das darfst nur du! Weißt du das?" - "Das will ich aber auch hoffen!"

Grundsätzlich war davon auszugehn, dass Viktor unseren Aufenthaltsort (noch) nicht kannte und zur Zeit auch keine Möglichkeit hatte an diese Information zu kommen. Beim bevorstehenden Einkauf, mußten wir also darauf achten, bar zu bezahlen und keinesfalls unsere Daten irgend-wie oder -wo zu hinterlassen. Für den eingetretenen Fall einer Notsituation hatte ich zur Kommunikation die "sichere" Internetverbindung und konnte im Ort auch noch ein oder zwei Prepaid-Handys besorgen. Wir hatten im Normalfall also noch für einige Tage eine sichere Bleibe in meinem Landhäuschen. Das Boot im Bootshaus hatte zwar eine Kajüte mit Stehhöhe und Schlafkojen und war im Sommer auch bedingt dazu geeignet, mal ein Wochenende darauf zu verbringen, zur jetzigen Jahreszeit aber, wäre es wohl sehr ungemütlich gewesen. Als mögliches Fluchtvehikel aber, war es nicht zu unterschätzen und ich nahm mir vor, nach dem Einkauf  eine Notration Proviant dort zu verstauen und seine Auslaufbereitschaft zu checken. "Was überlegst du, Michael?" - "Wie wir  weiter verfahren, mein Engel. Mir gefällt es gar nicht, mich von hier fort zu bewegen, aber es wird sich nicht vermeiden lassen." - "Aber du nimmst mich doch mit...?" - "Ich lass dich nicht aus den Augen Selina! Denk an die Fünf-Meter-Regel! Ich würde mir nie verzeihen, wenn dir was passiert." - "Es ist ein gutes Gefühl, zu wissen, dass du auf mich aufpasst." - "Selina, kannst du mit Booten umgehen?" - "Es ist zwar lange her, aber früher war ich oft mit Papa segeln." Ihr Blick wurde sehr traurig. "Das gehört wohl zu den schönsten Erinnerungen an ihn. Damals war auch meine Mutter noch am Leben." Ich küsste sie auf die Stirn. "Tut mir leid mein Engel! Wir wissen noch sehr wenig voneinander. Aber das wird sich bald ändern. Komm mit! Ich möchte dir was zeigen." Eine kurze Treppe, wie ein Halbstock führte ins Bootshaus.  Eine kleine Motoryacht, ungefähr 8 Meter lang, mit schlankem Rumpf  und kleiner  Kajüte unter dem Steuerstand hing da etwa einen Meter über dem Wasserspiegel in den Hebegurten.  Die Besonderheit an dem Boot war, dass ich dessen Antrieb selbst entwickelt und gebaut hatte. Ein dickes Ladekabel war am Heck eingesteckt. "Wenn wir vom Einkaufen zurück sind,   lassen wir sie ins Wasser und machen sie auslaufbereit. Nur für den Fall." - "Sie? Wie heißt das Boot?"- "Selina. - Jetzt hab ich endlich einen Namen dafür..."                                                                 

Comments

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    Sehr schön geschrieben.

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    oh wie süß :)

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