Das drei Tafel-Problem


Tea und ich waren eine Stunde damit beschäftigt das Chaos unseres Freundes zu beseitigen. Bedenken, dass wir eine innere Ordnung seiner Gedanken dadurch zerstören, wurden immer wieder von einer gewissen zutiefst aufgebrachten Studentin zerstreut. "Soll er es noch mal zusammen suchen, ist mir egal, ich wohne hier und will gefälligst ein ordentliches Wohnzimmer!"

 

Gegen Abend saßen Tea und ich in der nun wieder hergerichteten Bibliothek und verspeisten soeben unser Abendessen. Vielleicht war es der Geruch der Pizzen oder der abgeflaute Zuckerpegel, welcher Stephen in den Türrahmen lockte.

"Abend.", grüßte er und Tea erwiderte eisig:

"Abend."

"Du bist immer noch sauer?"
"Nein Sherlock satt."

"Du bist immer noch sauer."

"Ja verdammt!"

"Tut mir leid."

"Du wirst es eh wieder tun."

"Tut mir wieder und wieder leid."

"Könnten wir bitte den Abend in sachlicherem Ton weiterführen?", klingte ich mich in den aufkeimenden Streit ein.

"Wenn es denn sein muss.", erwiderten beide Synchron.

Stephen verließ den Türrahmen und setzte sich in seinen Lehnensessel. Das Kaminfeuer knisterte, als Stephen seine Erzählung begann. In wenigen Worten berichtete er von den Ereignissen des Morgens und präsentierte uns den rosanen Brief, der Grund für seinen Zuckerbedarf war.


Mein lieber Herr Kiel,

Ich beglückwünsche Sie zu Ihrer beeindruckenden Lösung des Goldsteinthalbachfalles.

Doch muss ich Sie im Bezug einer Äußerung tadeln. Sie sagten es gewiss im Nebensatz, doch unterschätzen Sie damit die Kreativität und Raffinesse der ehrlichen Kriminellen.

 

Sie hören gewiss von mir,

Gez.  --------------   

 

"Mir scheint du wirst gelesen.", beendete Stephen seine Ausführung trocken, an mich gerichtet. "Nun hier seht ihr, es ist ein neuer Fall und ich kann nicht an ihm weiter arbeiten, weil mir weitere Ansatzpunkte fehlen. So versuchte ich alles um weiterzukommen, bis ich einsah, dass es sich um ein 3-Tafelproblem handelt und ich den Fall erst mal ruhen lassen muss."

"Wie tragisch. Wann geht es weiter?", erwiderte Tea immer noch sauer.

"Wenn meine Berechnungen stimmen, nicht vor Juli.", pausierte Stephen und setzte fort: "Bis dahin wird mir wohl eine regelmäßige Zuckerlösung von sieben Prozent das gewisse Maß an Zerstreuung liefern."

Das war der Moment für Tea aufzustehen, in den ersten Stock zu gehen, ihre Tasche zu ergreifen und unter festem Zuschlagen der Haustür die Bäckerstraße 21B zu verlassen. Stephen ließ all das wortlos geschehen und bedeutete mir sie nicht aufzuhalten.

"Musste das sein?", fuhr ich Stephen an.

"Keine Sorge, diese Differenz ist bei uns fast schon ein Ritual. Tea wird in einer Woche wieder hier sein und dann ist ihr Ärger schon lange verraucht."

Bevor ich meine Missbilligung erwidern konnte, stellte Stephen fest:
"Mir scheint im Übrigen, dass ihre Abwesenheit dir nicht ungelegen kommt. Du willst mit mir über eine andere Sache unter vier Augen sprechen."

"Ja."

"Nun?"

"Ich habe jemanden getroffen, den ich nicht kenne."

"Der dir Geld angeboten hat um Informationen über mich zu sammeln."

"Ja."

"Hast du es angenommen."

"Nein?"

"Schade, wir hätten Tea was zur Aufmunterung schenken können."

Die Art und Weise, wie er mein vormittägliches Erlebnis betrachtete, nahm der Situation die Schärfe.

"Stephen wer war das?"

"Einer der gefährlichsten Männer Hessens und nicht minder lästig. Aber das ist kein Grund mich mit ihm jetzt auseinander zu setzen.", wiegelte Stephen das Thema, mit einer gelangweilten Handbewegung, endgültig ab. "Ich sehe das Tea nur die Hälfte ihrer Pizza gegessen hat, wäre ja Schade die andere Hälfte verkommen zu lassen." Kaum gesagt machte sich der Detektiv über die Reste her.

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