Das Fest

Von da an ging es dem kleinen Drachen jeden Tag besser. Er ass die Beeren, welche ihm die Amsel getreulich jeden Morgen brachte und freute sich über die Haselnüsse des Eichhörnchens. Der Sonnenstrahl wärmte ihn während der Nacht, denn er schlief immer noch unter dem Baum am Rand des Baches.
Das Reh begleitete ihn manchmal zum See, damit er wieder genug trinken oder sich einfach etwas sonnen konnte. Jedesmal kamen die Enten geschwommen und plauderten mit ihm.
Der Osterhase hoppelte oft zu ihm und dann machten sie zusammen lange Spaziergänge durch den Wald. Er erklärte ihm, wie die Tiere lebten und wie sie aufeinander Acht gaben. Nach einer Weile stellte er ihm auch seine Familie vor.
Die Amsel zeigte ihm die vielen verschiedenen Beeren und wie man sie am besten pflückte. Allerdings war sich Balthasar sicher, es nie so geschickt anstellen zu können wie sie.
Das Eichhörnchen unterrichtete ihn in der Wissenschaft der Nüsse. Er lernte nebst Haseln auch Walnussbäume und Buchen kennen.
Er selber entdeckte eines Tages Pilze. Sie schmeckten ihm allerdings nicht besonders. Der Sonnenstrahl hatte dann die Idee, sie mit etwas Feuer und Rauch schmackhaft zu machen. Balthasar war begeistert!
Als der kleine Drache stark genug war, kam der Fuchs und zeigte ihm eine andere Höhle, welche nicht so schwierig zu erreichen war. Das Reh half ihm, sie mit Moos und Gras auszupolstern. Balthasar freute sich riesig, wieder ein richtiges Zuhause zu haben.
Immer mit dabei war der Sonnenstrahl. Die beiden waren unzertrennliche Freunde geworden. Sie lachten oft und natürlich fiel dem kleinen Drachen immer noch allerlei Schabernack ein.

An einem wunderschönen Sommerabend feierten sie dann alle zusammen auf der grossen Waldlichtung ein Fest. Die Eule hatte alle Tiere des Waldes dazu eingeladen.
Und sie kamen alle: Das Eichhörnchen, das Reh, die Enten, der Fuchs, die Amsel, der Osterhase und natürlich der kleine Drache und der Sonnenstrahl. Die meisten hatten ihre Familien und Freunde mitgebracht, ein fröhliches Treiben herrschte. Baltasar durfte in der Mitte der versammelten Tiere ein Feuer anzünden. "Huuuh! Haaah!" Gut gelaunt sassen sie alle fröhlich darum herum, assen, erzählten und lachten.
Als sich das Fest dem Ende zuneigte, bat die Eule alle, still zu sein und zuzuhören.
"Kleiner Drache," richtete sie dann das Wort an Balthasar, "wir haben dieses Fest heute Abend vor allem für dich gefeiert. Wir freuen uns sehr, dass du bei uns bist. Du hast dich sehr verändert. Niemand von uns braucht heute mehr Angst vor dir zu haben. Wir alle können uns wieder sorglos im Wald bewegen. Vielen von uns bist du zum Freund geworden. Ich habe gehört, dass du sogar mit den Kindern des Osterhasen Fangen spielst!" Ein Raunen ging durch die Reihen der versammelten Tiere. "Auch hast du gelernt, nicht mehr dauernd Feuer und Rauch zu speien, obwohl du doch ein Drache bist."
Das stimmte. Balthasar fiel es zwar oft schwer, sich beherrschen, aber er hatte gemerkt, dass er seine Freunde erschreckte, wenn er laut herumbrüllte und dabei Feuer und Rauch aus seinem Maul aufstieg.
 
"Wir Tiere haben miteinander gesprochen und beschlossen, dir ein Geschenk zu machen," fuhr die Eule fort. "Da du ja ein richtiger Drache bist und einfach ab und zu Feuer und Rauch speien musst, schenken wir dir den Hügel hinter dem Wald. Er gehört nur dir und dort kannst du tun und lassen, was du willst! Der Fuchs wird dir morgen den Weg dorthin zeigen."
Alle Tiere klatschten laut.

Der kleine Drache bekam grosse Augen und musste sich Mühe geben, vor Freude nicht "Huuuh! Haaah!" zu rufen, denn sonst hätte er ja seine Freunde gleich wieder erschreckt mit Feuer und Rauch. So sass er zuerst einen Moment lang nur still da, um sich etwas zu beruhigen.
Dann stand er auf. "Liebe Tiere des Waldes. Als ich hier auf dieser Waldlichtung geschlüpft bin, war ich - nun ja, noch sehr ungezogen. Ihr habt mich aber trotzdem in eure Familie aufgenommen. Ihr habt dafür gesorgt, dass ich zu essen bekam, als ich noch nicht wusste, wie es mir selber suchen. Ihr habt mich gepflegt, als ich krank und verletzt war. Ihr habt mir gezeigt, wie ich mir mein Essen suchen kann. Ihr seid meine Freunde geworden. Der erste, der mich lehrte, was Freundschaft heisst, war der Sonnenstrahl. Ich - ich - möchte euch allen danken."
Balthasar war ganz ausser Atem vor Aufregung. Er hatte ja noch nie eine Rede gehalten.
Alle Tiere begannen nun zu jubeln, zu singen und zu klatschen.
Sie feierten bis spät in die Nacht.

"Weisst du was, Sonnenstrahl?" fragte der kleine Drache seinen Freund, als er sich nach dem Fest müde, aber glücklich auf sein Moosbett kuschelte.
"Was denn?" gähnte der Sonnenstrahl.
"Es ist so schön, ein Drache zu sein! Ein Drache mit einem eigenen Hügel und vielen Freunden!"



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beta
Fairy Dust

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