Das Gefühl

Ein kleines Wesen, nicht größer als ein Stuhlbein, huschte in dem verschneiten Nadelwald von Busch zu Busch. Das kleine Wesen versuchte sich zu verstecken, was aufgrund seiner auffallenden Fellfarbe jedoch unmöglich war. Es hatte einen hageren, kleinen Körper, an dem dünne, knochige Gliedmaße hingen. Auf dem Körper saß ein großer, ovaler Kopf mit großen, mandelförmigen und pechschwarzen Augen. An den Seiten des Kopfes hingen zwei große, trichterförmige Ohren. Aus seinem Rücken wuchsen kleine, fledermausartige Flügel. Die Erscheinung des Wesens entsprach, durch und durch, der eines Wichtels, jedoch unterschied es sich in seiner Fellfarbe. Das samtige Fell des Wesens war in einem rot gefärbt, wie es sonst nur ein Rubin besitzt. Das Fell der anderen Wichtel war jedoch Türkis.
Das kleine Wesen streifte schon seit Jahren durch die Wildnis, da es, als es ein Kind war, von den anderen Wichteln ausgestoßen wurde. Aufgrund seiner Fellfarbe, dachten die Wichtel aus seinem alten Rudel, dass es böse wäre. Die Tatsache, dass das Wesen die Sprache der Menschen beherrschte, und nicht die animalischen Laute der Wichtel, verschlimmerte die Situation, weswegen sie es im Wald aussetzten.
Heute jedoch war das Wesen in Aufruhr, nicht, weil es Angst hatte oder weil es von einem Raubtier verfolgt wurde. Es war in Aufruhr, wegen einem Gefühl. Dieses Gefühl verspürte es seit einer geraumen Zeit. Es war das Gefühl irgendwo gebraucht zu werden. Dieses Gefühl zog es seitdem immer in die gleiche Richtung, jedoch wusste das Wesen nicht, was sein Ziel war. Das Wesen schaute sich um, es hatte die Orientierung komplett verloren. Das Wesen entschied sich auf einen Baum zu klettern um sich einen Überblick zu verschaffen. Fast lautlos schwang es sich von Ast zu Ast bis es endlich die schneebedeckte Spitze der Baumkrone erreichte.
Das Wesen schaute sich um, doch es half nichts. Vor sich sah es nur ein unendlich wirkendes Meer aus verschneiten Fichten, Tannen und Lärchen. Kein einziger Orientierungspunkt war aufzufinden.
Das Wesen seufzte und sprang von der Baumkrone ab. Es glitt mit seinen kleinen Fledermausflügeln über den Boden bis es sicher im Schnee landete.
Nach einiger Zeit wurde es dunkel und das Wesen beschloss sich einen Unterschlupf zu suchen.
Es fand eine Höhle, als es gerade anfing zuschneien. Am Höhleneingang kauerte es sich zusammen und schaute rauf zum Himmel.
Wann nur? Wann würde es ein Ziel erreichen? Das Wesen hatte den kompletten Bezug zur Zeit verloren. Es wusste nicht ob es erst seit Wochen unterwegs war oder ob seine Reise jetzt schon Monate zählte.
Das Wesen senkte den Kopf. ‚Was ist, wenn es alles nur ein Hirngespinst ist oder, gar schlimmer noch, eine Falle. Dies sind die Gedanken, die dem Wesen jeden Abend durch den Kopf gehen.
Es schloss die Augen. Morgen würde es erwachen und weiter nach seinem Ziel suchen - so wie jeden Morgen.

Comments

  • Author Portrait

    Ist eigentlich ganz gut geschrieben ich habe nur eine Kleinigkeit zu bemängeln. Versuch bitte auch alternative Satzanfänge zu wählen statt in jedem zweiten "Das Wesen" zu nennen. "Der Wichtel" oder einen Namen für diesen zu erfinden wäre vielleicht eine Alternative ;-)

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Fairy Dust

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