Das Geständnis


Benebelt von den Schmerzmitteln erfasste ich doch in etwa, was Selina eben von sich gegeben hatte. Sie zitterte. „Wie meinst du das? Sagtest du eben Silvie? Selina, sag mir bitte was los ist! Warum weißt du, wie ich sie nannte?“ Selina konnte mir plötzlich nicht mehr in die Augen seh‘n. „Selina, Liebes! Was verschweigst du mir?“

Verlegen drehte sie ihren Oberkörper wieder zu mir. „Ich weiß, ich hätte es dir längst sagen müssen. Oh Michael, du bist noch nicht stark genug! Du hättest noch soviel Ruhe gebraucht!“ – „Selina, willst du mir etwas sagen?“ Sie war nicht wieder zu erkennen. Wo war ihre Selbstsicherheit, ihre Stärke hingekommen. „Michael, sag mir bitte, dass du mich liebst! Ich hab einen Fehler gemacht. Ich hätte es dir sagen müssen und ich war eigentlich schon dabei, aber dann hast du geredet und ich hab dich angeschaut und dann hast du von ihr gesprochen so liebevoll…, ich konnte es dir nicht sagen. Ich hoffe, du wirst mir irgendwann verzeihen können. Michael ich liebe dich so sehr, bitte sag mir, dass du mir verzeihen kannst…!“ _ „Willst du mir nicht mal erklären um was es jetzt wirklich geht?“ Selina schien wahnsinnige Angst zu haben, mich zu verlieren. „Also gut, Kleines ich weiß zwar nicht, warum du eine Bestätigung brauchst, aber bitte: Ich liebe dich Selina! Und zwar in einem Ausmaß, von dem ich nicht geglaubt hätte, dass ich dazu noch einmal im Stande wäre. Du hast mich sehr glücklich gemacht in den letzten Stunden. Ich war zu solch einem Gefühl nicht mehr fähig, aber du hast mich gelehrt wieder zu lieben! Also müsstest du schon etwas sehr Schlimmes getan haben, dass ich es nicht verzeihen könnte.“ Sie nahm offenbar allen Mut zusammen. „Ich habe mich vor diesem Moment gefürchtet! Ich bin nicht feige, Michael, aber du glaubst nicht wie sehr ich ihn gefürchtet hab! Und ich wusste dass er kommen wird.

 Als ich zu dir kam, wusste ich, dass du einen Mordauftrag überlebt hattest. Aber ich wusste nicht, wie schrecklich du damals gelitten hast und wie knapp du überlebt hast. Es tut mir leid, dass du es erst jetzt, und durch mich erfährst: Silvia starb vor anderthalb Jahren. Sie hatte Brustkrebs. Als sie zu uns kam, war es schon zu spät, um sie heilen zu können. Sie war meine Patientin und wurde in der Zeit, die sie bei uns verbrachte, eine Freundin. Sie erkannte die Gefahr, die meinem Vater durch die Pharmaindustrie drohte und sie sagte es mir. So erfuhr ich von Eurer Liebe und von dir, der es überlebt hat, auf der Auftragsliste der Killer zu stehen. Es war die Liebe zu ihrem Sohn, die sie dazu bewog Eure Beziehung zu beenden. Aber sie hatte nicht die Kraft, es dir ins Gesicht zu sagen. Sie wusste, es würde ihr nicht gelingen, wenn du bei Sinnen bist, also schlich sie sich aus deinem Leben, noch bevor du aus dem Tiefschlaf geweckt wurdest. Sie hat es für Tommy getan, aber so löblich sie auch als Mutter gehandelt hatte, so unrühmlich hatte sie sich von dir getrennt. Sie hat es bitter bereut! Sie sagte mir, sie wäre nie mehr glücklich gewesen, ohne dich und ich weiß dass sie dich bis zu ihrem Tod geliebt hat.“ Selina schien auf eine Zwischenfrage zu warten, aber ich hatte genug damit zu tun, ihre Worte zu verarbeiten. "Als dann kürzlich mein Vater „verunglückte“ und ich zu recherchieren begann, wurden Viktor und Dimitri auf mich aufmerksam. Ich entsann mich der Warnung durch Silvia und suchte dich auf. Also war es eigentlich Silvie, die mich indirekt zu dir geführt hat. Blauäugig wie ich war, kam ich mit dem Taxi. Als ich dir dann im Seehaus erklären wollte, wie ich auf dich gekommen war, erzähltest du mir deine Geschichte und als die Sprache auf Silvia kam und du so liebevoll von ihr sprachst - Man spürte förmlich, was sie dir bedeutet hatte – da verliebte ich mich vollends in dich.“ - „Aha! Vollends?“ Sie sah mich von der Seite her mit feuchten Augen an. „Ja!... Passiert war‘s ja schon, als du mich in die Garage gezerrt hast…! Ich konnte es dir nicht sagen! Ich konnte es einfach nicht!“    

Ihr Blick hätte einen Gletscher schmelzen lassen können. „Kannst du mir verzeihen?“  In meinem Kopf drehte sich alles. Ich ließ mich zurückfallen in die Kissen. Das war ein Bisschen viel auf einmal gewesen. Silvie tot? Was war dann mit Tommy? Ich war nicht fähig irgendwas zu sagen. In meinem Gehirn ratterten die Räder. Selinas Mundwinkel zitterten, sie trat ein, zwei Schritte zurück, Tränen traten in ihre Augen… „Ach komm her, du dummes Ding! Du hast doch nichts falsch gemacht!“ So gut es eben ging in meinem Krankenbett nahm ich sie in den Arm. „Es gibt nichts zu verzeih‘n mein Engel! Ich liebe dich doch!" Es musste sie sehr belastet haben, denn sie schluchzte heftig in meinen Armen und ich spürte dass nun die ganze Anspannung der vergangenen Tage von ihr abfiel. „Du bist unbeschreiblich, mein Engel. Zart wie ein Spatz, aber stark wie eine Löwin! Ich wär ein schöner Idiot, wenn ich jetzt den Beleidigten spielte…“

Ich küsste ihr die Tränen weg. „Was ist mit dem Jungen, weißt du das?“ Selina, hatte sich ein Wenig  beruhigt. „Er ist bei seiner Großmutter. Ich habe noch Kontakt zu den beiden. Weißt du, ich dachte, jetzt wo wir doch zusammen sind, könnten wir uns doch zusammen… wenn du das möchtest… Ich unterstütze die beiden seit Silvias Tod mit Geld aus der Stiftung meines Vaters. Wenn ihr beide das wollt,... meine ich, dann könnten wir doch zusammen… dafür sorgen… dass aus Tommy was wird.“ – „Du bist wirklich einmalig, Kleines! Natürlich möchte ich Tom sehn. Aber erst, wenn wir es geschafft haben die Gefahr abzuwenden. Das bin ich Silvie schuldig und dem Jungen.“ Sie nickte glücklich.

 „Selina, weißt du vielleicht, warum Schwester Ines vorhin sagte: "Ihre Frau… also Frau Dr…“ Da hatte ich sie wieder voll erwischt. Knallrot im Gesicht sah sie zur Seite. „Das ist mir nicht bekannt! Völlig unerklärlich!“ Log sie. Ich nahm ihr Gesicht in beide Hände: „Süß bist du, wenn du verlegen bist.“ grinste ich und küsste sie leidenschaftlich. „Kennst du das Lied: Du bist das Schönste was mir je passiert ist...?"                                       

 

 

 

 

 

 

 

 

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