Das Interview

Bertl und Gerd erschienen beide Pünktlich um 19:00 Uhr. Beide hatten Blumen für die Gastgeberin mit und ich müsste lügen, gäbe ich nicht zu, dass es mir gefiel, um diese Frau beneidet zu werden. Selina wusste genau, wie sie auf die Herren der Schöpfung wirkte und sie machte sich einen Spaß daraus die beiden Charmeure ein Wenig gegeneinander antreten zu lassen. Wir speisten vorzüglich und kamen danach ziemlich schnell zur Sache. Es dauerte bis lange nach Mitternacht, bis wir eine Richtlinie hatten. Gerd würde sich mit einem ihm bekannten Redakteur des Lokalfernsehens verabreden und mich im Beisein eines Filmteams interviewen. Ich konnte dabei alles zu Sprache bringen, was bisher nie wirklich an die Öffentlichkeit gekommen war. Gerd würde mich so befragen, dass ich die Gelegenheit hatte, alles zu erzählen und eventuell falsch kolportiertes zu berichtigen. Es ginge zu weit, das gesamte Interview hier wiederzugeben, doch möchte ich nicht darauf verzichten, die wichtigsten Passagen zu erwähnen.
"Meine Damen und Herren, mein Name ist Gerd Wintersteller, ich bin Chefredakteur des Tagblatts und habe heute die Gelegenheit einen Mann zu befragen, der seit einigen Tagen für Schlagzeilen sorgt. Wie ihnen sicher bekannt sein wird, hatte Herr Montar neulich eine Auseinandersetzung mit Staatsanwalt Fischer, welchen er als unfähig und untätig bezeichnet hat und  zu dessen Suspendierung er öffentlich aufrief. Dies hat in der Öffentlichkeit zu wilden Spekulationen geführt. Herr Montar hat sich bereit erklärt, uns die Zusammenhänge nahe zu bringen, welche zu dieser Situation geführt haben. Herr Montar, was hat zu den Anschuldigungen geführt die sie gegen den Staatsanwalt ausgesprochen haben." - "Auf mich wurde vor sechs Jahren ein Auftragskiller angesetzt, der mich lebensgefährlich verletzt hat. Es brauchte über ein Jahr, bis ich wieder arbeitsfähig war. Ich hatte große Verluste weil ich meine Verträge nicht einhalten konnte. Ich habe damals nur sehr knapp überlebt, aber ich konnte die beiden Täter bei der Polizei benennen. Die Polizei hatte folgerichtig nach dem Mordversuch Ermittlungen angestrengt, welche in weiterer Folge von Herrn Fischer eingestellt und deren Ergebnisse unter Verschluss genommen wurden. Der Haupttäter Viktor Lejbosz war von einer starken Lobby beauftragt worden, mich zu töten, weil ich eine neue kostengünstige Form zur Gewinnung und Speicherung von elektrischer Energie entwickelt hatte und diese patentieren lassen und vermarkten wollte. Aufgrund der kontraproduktiven Haltung von Herrn Fischer, wurden die beiden in der Öffentlichkeit als Securityleute höchsten Ranges bekannten Täter niemals Dingfest gemacht und konnten weiterhin seelenruhig weitermorden." Herr Montar, ist ihnen klar, dass dies unglaubliche Anschuldigungen sind, die sie hier öffentlich aussprechen. "Es ist mir völlig klar, dass sich meine Schilderung wie ein Groschenroman anhört. Tatsache ist, das ich jede meiner Aussagen, diesen Fall betreffend, beweisen kann. Ich fordere daher die Staatsanwaltschaft, beziehungsweise den Innenminister dazu auf, diesbezüglich eine Untersuchung einzuleiten. Ich sagte bereits, dass ich mich als steuerzahlender mündiger Staatsbürger dazu berechtigt fühle, mein Recht einzufordern. Der Dienstrang von Herrn Fischer ist für mich ebenso unerheblich wie der von Hauptkommissar Walther, welcher durch sein skandalöses Versagen in den letzten Tagen den Tod mehrerer Menschen zu verantworten hat und von seinen unfähigen Vorgesetzten ebenfalls noch nicht aus dem Verkehr gezogen wurde. Diese Leute haben nicht nur versagt, sie haben in sträflicher Weise ihre Pflicht verletzt." 
In weiterer Folge erzählte ich von Martin Bücker, Selinas Flucht zu mir, Walthers Versuch, meinen Transport zu verhindern, Die Befehlsaufhebung die zur Flucht Viktors führte, seinen Hubschraubereinsatz, der erneut zur Flucht Viktors führte, Praktisch alles was bei dem Gespräch mit Fischer offengeblieben war. Ich erwähnte, das Schmeisser mir mit seinem Entscheid für den er gerügt worden war, das Leben gerettet hatte und dass ich nach einem Streifschuss von Josef Brandmayr mit vollem Körpereinsatz vorbildlich gedeckt worden war. Es sei an der Zeit, die Guten Polizisten, welche wir zweifellos haben, ans Ruder zu lassen und die eingebildeten Versager zur Verantwortung zu ziehen.
"Man stelle sich vor, dass Viktor allein zehn Morde in der vergangenen Woche verübt hat und mich neuerlich schwer verletzt hat. Alles beweisbar. und was passiert, als ein verantwortungsbewusster Oberkommissar nach einem weiteren Streifschuss unseren Personenschutz auf sechs Polizisten erhöht? Man erklärt ihm das Walther in allem korrekt gehandelt hat! Er selbst wird gerügt und der Personenschutz wird aufgehoben! Nachdem man diesen Mörder x-mal in dillettantischer Weise laufen ließ und dadurch ein weiteres Attentat auf mich ermöglicht wurde, streicht man den Personenschutz, der Selina Bücker und mir ein Überleben erleichtern sollte. Und nun frage ich den Herrn Oberstaatsanwalt oder einen unserer Minister, warum hier nicht gehandelt wird. Mir ist schon klar, dass es nicht lustig ist wenn ich ihre Schmutzwäsche in der Öffentlichkeit wasche. Aber was soll ein Bürger tun, wenn seine Belange einfach nicht interessieren. Vor zwei Tagen, forderte ich eine Untersuchung meines Falles. Doch in der Staatsanwaltschaft ist man sich zu schön um mich wenigstens anzurufen! In meinem Gespräch mit Herrn Fischer erwähnte ich es bereits: Hätte er Viktor Lejbosz und Dimitri Janko damals einer Bestrafung zugeführt, hätte ich drei Schussverletzungen weniger, wenigstens zehn Mordopfer wären noch gesund und munter und den Sachschaden an meinen Liegenschaften und meinem Porsche hätte es nie gegeben. Martin Bücker könnte weiterhin Krebspatienten heilen! Ich hatte den Verantwortlichen die Täter präsentiert! Man blieb untätig und ließ zu, dass diese Killer weiter mordeten. Ich fordere sie hiermit auf, endlich zu reagieren! Und ich fordere hiermit in aller Öffentlichkeit Polizeischutz für Selina Bücker und meine Wenigkeit samt Personal! Ich danke für ihre Aufmerksamkeit!"

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