Das kristallene Medaillon (42)

Auf einmal jedoch spürten sie Wassertropfen auf ihrem Gesicht. Erschrocken fuhren sie hoch. In diesem Augenblick sahen sie eine Menge junge Mädchen, welche kicherten und auseinanderstoben. Sie waren zart und wunderschön. Ihre Haut hatte einen bläulichen Schimmer. Die Augen leuchteten in intensivem grün- blau und ihre langen Haare waren türkisfarben, oder hellblau, geschmückt mit herrlichen Muscheln und See Sternen. Ihre Gewänder sahen aus wie Schleier, waren jedoch undurchsichtig und glänzten wie Perlmutt.

Erneut konnten Benjamin und Pia nur staunen, über so viel Anmut und Schönheit. «Wer seid ihr?» fragte Pia. Die Mädchen kamen wieder näher und eines von ihnen erwiderte: Wir sind Undinen und gehören zu den Wassergeistern. Wir kommen manchmal an Land, um zu spielen. Wir wurden auf euren Besuch vorbereitet.» «Dann könnt ihr uns bestimmt sagen, wo sich das Unterwasserschloss, mit den goldenen Zinnen, befindet.» «Aber natürlich gleich da draussen.» Eine der Undinen, deutete mit dem Arm hinaus auf das offene Meer.

«Könnt ihr uns dorthin führen?» fragte Benjamin. «Aber natürlich! Wir wissen nur nicht, ob das geht. Das Wasser ist nicht euer Element. Ihr braucht Sauerstoff.» «Wir haben diese Beeren hier,» erwiderte Benjamin und zeigte diese den Undinen. Diese betrachteten sie interessiert, dann sagte die eine: «Das sind Beeren, die nur in den tiefsten Tiefen des Meeres wachsen. Woher habt ihr sie?» «Ein Zauberer namens Malek gab sie uns. Eine Nixe hatte sie ihm einst geschenkt.» Die Undinen lächelten wohlwollend, als sie das hörten und eine von ihnen sprach: «Nixen und Wassermänner sind sehr weise und voller Güte. Wir sind ihnen sehr ergeben. Euer Freund der Zauberer hat eine grosse Ehre erfahren, als die Nixe ihm diese Beeren schenkte. Ihr könnt durch sie ein Naturgesetz umgehen. Doch sagt uns, was sucht ihr genau hier? Warum wollt ihr zum Schloss?»

Die Geschwister erzählten den Undinen, was sie hierhergetrieben hatte. Diese hörten voller Mitgefühl zu. «Das mit den Verbannten ist eine sehr traurige Geschichte,» sprachen sie dann. «Wir helfen euch gerne so gut wir können, denn wir wissen, dass ihr eine sehr wichtige Aufgabe habt.» «Was genau ist eigentlich eure Aufgabe?» wollte Pia wissen. «Wir sorgen für die Geschöpfe des Meeres, für den Wechsel der Gezeiten. Wir helfen den Wasserpflanzen beim Wachsen und halten das Meer, zusammen mit den Nixen, Wassermännern, Nymphen und Wasserfeen in Bewegung und am Leben. Ihr findet uns überall wo es Wasser gibt. Auch in Seen, Flüssen und Tümpeln. Hier geben uns vorwiegend die Nixen und Wassermänner die Anweisungen und wir führen sie aus. Doch auch Sie stehen in Kontakt mit einem höher entwickelten Wesen, dem König der Wasser. Dieser wiederum ist einem sehr hohen Geistwesen unterstellt: Dem Elementarfürsten des Wassers. Dieser steht seinerseits stets in Kontakt mit dem grossen Schöpfergeist.

Jener ist es, der allem das Leben gibt. Sein Odem fliesst in allem. Es gibt keine wirkliche Trennung, zwischen Ihm, den verschiedenen Welten und den darin beheimateten Wesen. Wir sind alle miteinander verbunden und jeder hat seinen ganz besonderen Platz.» Pia sprach nachdenklich: «Die Menschen sind oft sehr verschlossen, wenn es um Wesen geht, die anders sind als sie. Auf der Erde gibt es kaum Einheit. Und viele glauben auch an keinen Schöpfergeist. Es gibt so viele Vorurteile, so viel Hass und viele haben sich ganz in den Täuschungen des Irdischen verloren…» «Dabei hättet ihr Menschen doch so viel grössere Fähigkeiten!» sagte eine der Undinen. «Besonders euch haftet etwas ganz Besonderes an.» «Und doch sind wir oft so voller Zweifel,» sprach Benjamin. «Ihr habt keinen Grund zu zweifeln. Lernt Vertrauen und alles wird sich euch zur richtigen Zeit offenbaren!» Diese Worte berührten die Geschwister tief im Herzen. Sie waren so einfach und doch so voller Kraft. Sie bewunderten die Undinen für ihre Hingabe. Ihnen selbst fehlte es oft noch an dieser Hingabe.

«Wenn ihr wollt, werden wir euch nun zum Schloss bringen!» sprachen die Wassergeister. «Ja das wäre sehr nett!» Die Undinen gingen auf das Ufer zu und sprangen anmutig ins Wasser. Die Geschwister schluckten zur Sicherheit nochmals eine der Beeren und folgten Ihnen dann langsam. Als sie ihren Kopf unter Wasser tauchen, bildet sich vor ihrem Gesicht eine Art Luftblase. Sie konnten nun tatsächlich ohne Probleme unter Wasser atmen und sehen. Erstaunt blickten sie sich um. Es war eine wunderschöne Welt, hier unter dem Meeresspiegel. Noch um ein Vielfaches schöner, als auf der Erde. Überall hatte es bunte Korallen, Fische und wunderschöne Pflanzen, welche den Geschwistern in ihrer Vielfalt und Farbenpracht teilweise vollends unbekannt waren. Der Grund, bestand auch hier aus rosafarbenem Sand, über den goldene Lichtwellen tanzten.

Bald erblickten sie, nicht sehr weit entfernt, das Schloss mit den goldenen Zinnen. Es war ein wundervoller Anblick! Überall hat es Türmchen, Erker und grosse Fensterbögen mit Schnörkeln verziert. Rundherum lag ein Art Park, mit hohen, baumähnlichen Wasserpflanzen und verschiedenfarbigen Seeanemonen. Alles warum umsäumt mit einer Mauer aus Muscheln und Korallen.

Die Kinder konnten sich kaum satt sehen. Die Undine sprachen feierlich: «Dies ist das Schloss des grossen Königs Nikso. Er herrscht über das ganze Zuckermeerreich!

«Zuckermeerreich?» fragten die Kinder. «Ja es gibt verschiedene Meeresreiche. Ein Stück entfernt von hier, gibt es noch das sogenannte Silbermeerreich, mit der wir in gutem Kontakt stehen. Es gibt noch mehr solche Reiche, die wir aber noch nie besuchten.» «Das klingt alles sehr interessant! Und Nikso ist also euer König?» «Ja, ein sehr gütiger König ausserdem. Er behandelt alle Meereswesen mit viel Liebe und Respekt. Nofretes Mutter, hätte es schlechter treffen können.» «Ach ja! Wir müssten baldmöglichst auf die Suche nach ihr gehen!» rief Benjamin. «Vielen Dank für eure Hilfe». «Wir haben das gerne getan. Denn wir wissen, es dient einer höheren Sache! Nun lebt denn wohl und viel Glück!» Mit diesen Worten verschmolzen die Undinen mit dem Wasser und waren einfach verschwunden!

Pia und Benjamin, schauten sich noch einen Moment lang erstaunt um und dann machten sie sich auf die Suche nach dem grün- blauen Fisch, mit dem orangefarbenen Schwanz.

Noch immer war es für Sie ein eigenartiges und zugleich sehr aufregendes Gefühl, unter Wasser atmen und sehen zu können. Es gab so schöne Dinge hier und dann diese absolute Schwerelosigkeit! Einfach herrlich! Sie machten die wildesten Kapriolen, schwammen mit den Fischen um die Wette und fühlten sich frei und federleicht.

Es dauerte dann auch gar nicht lange, bis sie Nofretes Mutter fanden. Diese schwamm gemächlich in der Nähe des Schlosses herum und hatte ich ihnen Ihre Rückseite zugedreht. Sie folgten ihr und Benjamin rief: «Bist du Ismala, Königin des Landes der hundert Juwelen und Mutter der Prinzessin Nofretete? Der Fisch dreht es sich um und sah die Kinder mit grossen, erstaunten Glupschaugen an. Ja, die bin ich, aber woher um alles in der Welt, wisst ihr das?» «Malek hat uns geholfen dich zu finden.» «Malek! Schande über ihn! Er hat mich und meine Liebsten, ins Verderben gestürzt! Nur seinetwegen muss ich hier mein Leben als Fisch fristen. Verschwindet und lasst mich in Frieden!» «Aber wir sind doch da, um dir zu helfen!» «Von Malek kommt nichts Gutes! Müsst ihr mich noch mehr leiden lassen, indem ihr euch auch noch über mich lustig macht?» «Aber das wollen wir doch gar nicht!» beteuerte Benjamin «bitte höre uns an, wir werden es dir erklären!» Der Fisch liess einen Seufzer hören und wartete ab. Die Geschwister berichteten nun alles, was sich zugetragen hatte. Als sie geendet hatten, schien Ismala etwas milder gestimmt zu sein. «Meine Tochter hat euch also um Hilfe gebeten?» «Ja!» «Und Ululala hat euch tatsächlich in die Sphärenwanderung eingeführt?» «Genau und nun sind wir da, um dir durch Maleks Trank, deine ursprüngliche Gestalt wiederzugeben.» «Ich weiss noch nicht, ob ich diesen Trank nehmen werde. Wer weiss, ob Malek nicht doch Theater spielt.» «Ganz bestimmt, tut er das nicht! Durch das Feuer der ewig göttlichen Liebe, wurde er von den Einflüssen des Herrn der Finsternis geheilt,» beteuerte Pia.  

Die Königin musterte die Kinder nochmals prüfend und sprach dann: «Zuerst aber, muss ich mich von der Königsfamilie dieses Schlosses, verabschieden! Vor allem von der Prinzessin. Sie war immer sehr gut zu mir und ich war ihr eine treue Spielgefährtin. Ohne ihren Beistand und auch den Beistand ihrer Eltern, hätte ich wohl nicht die Kraft aufgebracht, mein jetziges Dasein zu meistern.» «Ist es sehr schlimm ein Fisch zu sein?» fragte Pia mitfühlend. «Nun, wenn es nur das wäre, wäre es ja noch zu ertragen, doch schlimmer ist der Gedanke, nie wieder in seine Heimatswelt zurückkehren zu können. Ausserdem hat man furchtbare Sehnsucht nach seinen Lieben und der Gedanke sie nie wieder zu sehen, ist der schlimmste Schmerz überhaupt.» Die Geschwister fühlten grosses Mitleid mit der armen Königin. «Dieser Schmerz wird schon bald ein Ende finden!» tröstete sie Pia. «Bald wirst du wieder die Alte sein und du wirst auch wieder zu deinen Lieben zurückkehren können. Wir sind auf einem guten Weg das Medaillon der vier Gewalten an uns zu bringen und dann werden wir alle in ihre Heimat zurückbringen.» «Ach Kinder, das alles wäre viel zu schön, um wahr zu sein!» «Es wird wahr werden!» sprach Benjamin und er war selbst erstaunt, über seine eigene Selbstsicherheit. «Wenn ihr euer Wort haltet, werden wir euch reich belohnen und unsere Dankbarkeit wird euch bis in alle Ewigkeit sicher sein. Für Malek gilt dasselbe wenn sein Trank wirklich hilft.» «Das wird er!» «Das hoffe ich. Dann werde ich jetzt also mal zur Meeresprinzessin gehen und mich von ihr und ihren Eltern verabschieden. Kommt mit mir!» Die Geschwister folgten Ismala etwas zögernd. Diese schwamm direkt auf das grosse Eingangs- Portal des Schlosses zu. Dort hielt ein muskulöser Mann, der einen silbernen Fischschwanz besass, mit einem Dreizack Wache. Die Geschwister schauten ihn beeindruckt an. Dieser Wassermann sah genauso aus wie sie es aus den, ihnen bekannten Märchen, kannten. Als der Wächter Ismala erblickte, nickte er wohlwollend und liest die drei ohne weiteres passieren.


 


 

 

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