Das kristallene Medaillon (Teil 16)

Ululala verstand die Ängste und Zweifel die offensichtlich an den Jugendlichen zu nagen begannen. Es war wirklich eine sehr schwierige Aufgabe das Medaillon zu finden. Doch das war ja noch nicht mal alles. Es fiel ihm schwer den beiden so viel zuzumuten. Trotzdem wusste er, dass genau diese Kinder es schaffen konnten.

Die Menschen hatten so viel vergessen. Die meisten hatten keinerlei Träume mehr, waren ohne Glauben, ohne Vertrauen in ein höheres Gesetz der Ordnung. Schon von klein auf, lernten die Erdlinge, ihre Träume und ihren Glauben abzulegen. In diesen beiden jedoch schlummerte dieser Glaube noch, das spürte er. Und doch waren sie von diesem Weltbild, welches ihnen schon durch die Muttermilch übertragen worden war, geprägt. Er Ululala, musste versuchen die Tür die den Zweien den Zugang zu ihrer inneren Kraft versperrte, zu öffnen.

Würde er das schaffen?

 

„Du wirkst ebenfalls sehr nachdenklich?“ meinte Pia an den Magier gewandt. „Ja. Das bin ich auch. Ich verstehe sehr gut wie euch zu Mute sein muss und es fällt mir schwer euch noch mehr aufzubürden. Es ist nur...“ seine Augen wurden feucht „ihr seid wirklich unsere einzige Hoffnung. Bevor ihr euch auf die Suche nach dem Medaillon machen könnt, müsste ihr zuerst Malek besiegen...“ Tiefe Trauer sprach aus seinen Worten und die Geschwister hatten immer mehr das Gefühl, als gäbe es eine seltsame Verbindung zwischen den beiden doch so verschiedenen Magiern. Es war ähnlich wie zwischen Lumniuz und Ululala. Eine Vermutung nahm in ihnen Gestalt an, doch sie schwiegen erst mal darüber.

„Malek wird euch weiterhin versuchen aufzuhalten. Er sieht in euch eine grosse Gefahr, denn ihr könntet seine Pläne durchkreuzen.“ „Was aber sind seine Pläne?“ So genau weiss das niemand, jedenfalls plant er etwas Unheilvolles. Ihr müsst wissen, es hat schon viele Zeichen gegeben, die darauf hindeuten, dass eine Wandlung der Welten unmittelbar bevorsteht. Wie aber diese Wandlung aussehen wird, weiss keiner, ausser dem Schöpfer so genau. Auch das Böse- der Herr der Finsternis ahnt wohl nur etwas. Malek soll ihm...wie seine andern Diener, dabei behilfliche sein, seine Macht zu vergrössern und vor allem zu erhalten.“ Wieder fielen Schatten über Ululalas Gesicht, doch er machte eine Handbewegung als wolle er sie verscheuchen und meinte dann mit fester Stimme: „Jedenfalls beherrscht Malek die Sphärenwanderung nur sehr beschränkt, jetzt da er sich dem Bösen verschrieb sowieso...“ Die Geschwister horchten auf. „War Malek denn nicht immer böse?“ Ululala seufzte schwer. „Na gut, ich will es euch erzählen!“ Ich...kenne Malek sehr gut. Er...war einst ein Schüler von mir." „Wirklich?!" riefen die Geschwister erschüttert. „Ja." „ Aber wie kommt es, dass er sich so vom Guten abkehren konnte?" „Ich kann es mir auch nicht erklären. Er war einst ein sehr guter, liebenswürdiger Junge. Irgendwas muss ihn verändert haben.

All das liegt noch im Dunkeln...“ Er setzte sich auf einen Stuhl und schien auf einmal sehr alt auszusehen. „Ich kann und will Malek deshalb noch nicht aufgeben. Ich... habe die Hoffnung, dass er sich erneut dem Guten zuwendet. Doch im ganzen Omniversum gibt es nur etwas, dass dies möglicherweise schaffen kann. Es ist das Feuer der ewig göttlichen Liebe.“ „Was ist das?“ „Es ist ein ganz besonderes Feuer, dass weder brennt, noch verbrennt. Es soll von den höchsten Himmeln stammen und verwandelt alle die es berühren, oder auch nur ansehen, auf wundersame Weise. Es ist pure, göttliche Energie. Nichts ist ihm gleich.

„Wo aber befindet sich dieses Feuer?" fragte Benjamin. „Das kann ich euch nicht sagen. Doch die Sphärenreise wird euch helfen es zu finden. Wenn ihr das Feuer gefunden habt, müsst ihr euch damit Malek entgegenstellen und dafür sorgen, dass er mit selbigem berührt wird. Dann wird sein Herz, wenn noch ein kleines Körnchen Güte in ihm schlummert, entweder neu von Liebe erfüllt, so dass er sich wieder dem Guten zuwendet. Oder aber..., er wird dadurch für immer vernichtet.

Es ist meine grosse Hoffnung, dass das Feuer der ewig, göttlichen Liebe ihn wieder umwandeln kann, denn er lag mir einst sehr am Herzen. Trotzdem… ich muss auch damit rechnen, dass das Böse in ihm schon zu stark ist. Wenn ich nur daran denke, was Malek schon alles angerichtet hat. Überall, wo er heute hinkommt, gibt es nur Tod und Zerstörung. Die Welten die er bisher unterjocht hat, bestehen nur noch aus Schutt und Asche, wo wenig bis gar kein Leben mehr möglich ist und wenn dann nur unter grossen Qualen. Nofretes einstige Heimatwelt wird heute von einem Verbündeten von Malek- dem schwarzen Priester Skarion regiert. Er ist ein schrecklicher Herrscher. Sein pyramidenförmiger Palast überragt eine Graue Stadt, die Leute dort haben sehr unter ihm zu leiden, Skarion saugt sie aus bis zum letzten Blutstropfen. Malek, der eigentliche Herrscher dieser Welt, lässt den Priester einfach gewähren. Er selbst aber lebt allein auf seinem schwarzen Schloss, das auf einem hohen, fast unzugänglichen Berg liegt. Harpyien, große, geierähnliche Vögel, schwarz wie die Nacht, umkreisen die Zinnen des Palastes. Wenigstens quält Malek andere Geschöpfe nicht so, wie es Skarion tut, doch er schmiedet sonst stets böse Ränke. Die Schwarzen Druiden hat er ja auch geschickt um euch zu töten. Dies ist im Augenblick sein einziges Trachten. Ihr...müsst eine Gefahr für den Herrn der Finsternis sein, eine grössere, als wir alle vielleicht ahnen. Vielleicht, wird euch das heilige Feuer ja etwas mehr offenbaren. Dieses müsst ihr zuallererst finden. Doch seid auf der Hut! Die Bösen werden auch nicht schlafen. Ihr seid stets in Gefahr, wenn ihr dieses mein Reich, wieder verlasst.“    

 

Während die Turner Kinder und Ululala sich in der Zauberkammer befanden, kniete der böse Zauberer Malek ebenfalls in einer dunklen Kammer und rief: „Oh mein Gebieter, der die Räume der Unterwelt beherrscht, bitte zeige dich mir! Ich brauche deinen Rat!" Plötzlich öffnete sich der Boden zu Maleks Füssen. Feuer und Schwefel stiegen empor und umhüllten ihn. Ein fürchterlicher Gestank, breitete sich aus und dann... sah der Magier durch den schwarzen Dunst plötzlich ein Paar dreieckige, rotglühende Augen, die ihn böse anstarrten. „Warum rufst du mich Zauberer?!" donnerte eine tiefe, unheimliche Stimme. Malek warf sich zu Boden und sprach: „Hab Erbarmen mit mir, oh Herrscher, aber ich habe die zwei Jugendlichen noch nicht erwischen können." „Versager!" brüllte die Stimme. „Weisst du nicht, was die beiden anrichten können?" „Doch, ich weiss es, aber was soll ich tun? Meine Diener haben versagt. Ich habe einen Fluch über die Geschwister ausgesprochen, aber wie es aussieht, leben sie noch immer. Wir können sie nicht überallhin verfolgen, sollten sie die Sphärenwanderung wirklich vervollkommnen, wie die Prophezeiungen es sagen. Würdest du meine Macht in dieser Hinsicht vergrößern, würde das Vieles leichter machen," Der Böse schnaubte: „Bedauerlicherweise..., kann ich das nicht." „Aber du bist doch so mächtig?" „Ja. ich bin mächtig! Oder zweifelst du etwa daran?" „Oh nein Herr, ich würde es nie wagen an deiner Macht zu zweifeln." „ Das ist auch besser für dich, denn du weisst, dass ich dich auf der Stelle vernichten könnte. Ich habe dir all das ermöglicht, was du hast. Ich war es, der dein Herz so verwandelte, dass du praktisch unbesiegbar geworden bist." „J...ja, „ stotterte Malek

„vergib mir Meister!" „Noch einmal will ich über deine Unverschämtheit hinwegsehen. Ich hoffe du wirst mich nicht noch einmal enttäuschen." „Nein bestimmt nicht, oh Gebieter! Ich finde die Turner Kinder ganz bestimmt und dann...werde ich dir ihre toten Leiber zum Geschenk machen.“ Der Herr der Finsternis lachte dröhnend: „Lieber wäre mir noch, du würdest mir ihre Seelen zum Geschenk machen. Doch das andere reicht auch.“ „Ich bin dein ergebenster Diener mein Gebieter,“ sprach Malek und verbeugte sich erneut. „Das hoffe ich...für dich... Vergiss niemals, dass du mein Geschöpf bist Malek!" „Ja, ich weiss das." „Hoffentlich! Wenn du die Kinder tötest, wirst du von mir reichlich belohnt werden. Ich werde dir noch einige Diener mehr zur Seite stellen, damit Pia und Benjamin endlich vernichtet werden können." „Danke Meister. Diesmal mache ich meine Sache bestimmt gut. Ich schwöre es“, beteuerte Malek. Der Herr der Finsternis erwiderte nichts mehr darauf und das rote Augenpaar verschwand wieder.

Der Zauberer wartete einen Augenblick gespannt, bis er auf einmal lautes Brüllen, Fauchen und Zischen vernahm. Dem Abgrund vor ihm, entstiegen zwei Duzend furchteinflößende Gestalten. Sie hatten behaarte Körper und schreckliche Köpfe mit Hörnern. Manche besassen Füsse, wie jene von Ziegenböcken. Ihre langen Schwänze peitschten den Boden. Sie hatten Schlangenzungen, rotglühende Augen und die verschiedensten, grausamen Waffen, die sie mit triumphierenden Schreien über ihren Köpfen schwangen. Malek schaute sie an. Er fand diese Kreaturen einerseits ekelerregend, doch andererseits war er auch sehr zufrieden. Mit diesen Monstren, würde er die Geschwister bestimmt zur Strecke bringen.

Eine der wüsten Gestalten trat nun vor und sprach mit tiefer Stimme: „Hier sind wir Herr. Erteile uns deine Befehle!"

 


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