Das kristallene Medaillon (Teil 23)

Gerade wollten die Turner Kinder diesen entsetzlichen Ort verlassen, als sich Schritte näherten. Obwohl sie unsichtbar waren, duckten sich die Geschwister ,hinter eine der breiten Säulen. Die Tür wurde aufgestossen und ein Mann mit tiefschwarzem Mantel trat ein. Er erinnerte irgendwie an einen ägyptischen Pharao, mit seinen halblangen, glatten schwarzen Haaren und den mandelförmigen, dunkelbraunen Augen. Er war hochgewachsen, schlank und trug einen goldenen, ägyptischen Kopfschmuck. Seine finstere Ausstrahlung ging den Geschwistern durch und durch, denn sie waren noch viel empfindsamer, ohne Körper. War es doch ein Fehler gewesen hierher zu kommen? „Und wie soll es jetzt weitergehen?“ fragte Benjamin. „Also ich werde meinen Körper bestimmt nicht an diesen Ort holen. Ich weiss eigentlich überhaupt nicht, wie das gehen soll…“ „Warte, was tut er da gerade?!“ unterbrach ihn Pia.

Vor dem Altar kniete der Priester nun nieder. Die Kinder beobachteten, was weiter geschah. Mit Schrecken stellten sie fest, dass sich der Boden, zwischen dem Altar und Skarion plötzlich öffnete! Feuer und Schwefel, umhüllten den Priester  nun und...auf einmal, sahen die Geschwister zwei rot-funkelnde Augen und ein Maul mit spitzen Zähnen. Eine furchterregende Stimme ertönte: " Was rufst du mich?" Skarion verbeugte sich, bis seine Stirn, den Boden berührte und erwiderte: " Grosser Herrscher, ich musste einfach mit dir sprechen. Bist du zufrieden mit deinem Diener?" " Ja ich bin zufrieden, denn du dienst mir gut und trachtest genauso nach Chaos und Macht, wie ich. Aber das ist sicher nicht alles, weshalb du mich rufst?“ „Nein…nein, stotterte Skarion. Es… gibt Probleme und ich brauche mehr Unterstützung.“ „Ich verstehe… die Rebellen unter Galmachos. Wirst du mit ihnen nicht fertig?“ „Ich habe alles versucht, aber sie lassen sich durch nichts mehr einschüchtern. Ich habe schon so viele von ihnen in die Kerker gesperrt, sie der Folter ausgesetzt, aber… nichts fruchtet mehr und es werden täglich mehr. Ich muss diesen Widerstand, mit aller Macht niederschlagen. Ich bitte dich mir zu helfen. 

Ausserdem habe ich eine beunruhigende Geschichte von Malek gehört. Es soll da zwei Menschenkinder geben, welche besondere Fähigkeiten besitzen. Er meinte, sie könnten uns stürzen. Scheinbar macht auch unter den Aufständischen die Geschichte, über irgendwelche Erlöser die Runde, welche sie noch mehr anstachelt. Malek sucht nach diesen Kindern, aber er findet sie nirgends. Sie werden ständig beschützt und vor ihm versteckt.“ Der Herr der Finsternis schnaubte. „Ja, ich weiss, ich habe Malek den Auftrag gegeben, die beiden zu finden und zu töten.“ „Dann sind sie also wirklich so eine ernste Gefahr?“ „Ja, wenn sie siegreich sind, dann werden wir unsere Macht verlieren, wir werden möglicherweise sogar den Kampf, um das ganze Omniversum verlieren.“ „Aber…das muss man doch verhindern!“ „Malek und ich arbeiten daran. Kümmere du dich darum, dass die Leute der Grauen Stadt und deren Umland, dir endlich gehorchen, dann wird unsere Macht weiter gestärkt. Wenn sie sich nicht fügen, dann töte sie einfach, oder töte ihre Familien, was immer nötig ist! Ich stelle dir mehr Männer zur Verfügung und stärke auch deine Kräfte.“ 

Kaum hatte er das gesagt, zuckten auf einmal grelle Blitze um Skarion. Dieser schrie auf, als sie ihn schmerzhaft durchdrangen, doch er fühlte dabei auch, dass er zunehmend an Kraft gewann. Die Geschwister duckten sich bei diesem Spektakel ängstlich, auch wenn sie nur Geister waren. Schliesslich stand Skarion aufrecht da und stiess einen triumphierenden Schrei aus. Seine Augen, hatten einen irren Glanz bekommen.  „Ich bin unbesiegbar! Niemand kann mich bezwingen!“ „Du bist jetzt in der Tat sehr mächtig“, sprach der Herr des Bösen. „Aber vergiss nie, dass ich dir all das gegeben habe!“ „Das werde ich niemals vergessen, danke Meister.“ 

„Nun noch deine neue Eskorte!“ Der Schwefel, wurde nun auf einmal undurchdringlich und erfüllte den ganzen Tempel. Pia und Benjamin beobachteten, mit Schrecken, wie Duzende, schwarz gepanzerte Kolosse, aus dem Nebel traten. Es war ein furchteinflössendes Schauspiel, wie sie sich um Skarion versammelten, einer schweigenden, dunklen Mauer gleich. „Nimm diese und siege!“ brüllte der Herr der Finsternis, dann verschwand er, so schnell wie er gekommen war. Der Priester sah triumphierend in die Runde. Die Panzerriesen standen vollkommen reglos, wie Standbilder.  „Was steht ihr da noch rum?" rief Skarion herrisch "Auf eure Posten!“ In diesem Augenblick kam Leben in die düsteren Gesellen. Es war, als ob sie genau auf diesen Befehl gewartet hätten. Den Jugendlichen wurde mit erschreckender Deutlichkeit bewusst, dass diese Kreaturen eigentlich kein wirkliches Eigenleben besassen. Sie wurden einfach von einem dämonischen Willen angetrieben und erhielten stets neu Befehle. 

Sie schwebten hinter den Kolossen her, die sich nun systematisch aufteilten. Einige nahmen beim schwarzen Tempel Aufstellung, andere zogen Richtung Stadt… Weiteres wollten die Geschwister lieber nicht sehen. Sie wollten nur noch zurück in ihren Körper. Ululala, der neben ihnen gewacht hatte, öffnete sofort seine Augen, als sie zurückkehrten. Als er die schreck verzehrten Gesichter selbiger sah, fragte er: „Was ist denn geschehen? Hat euch die von Skarion verwüstete Welt, so zugesetzt.“ „Ja, das kann man wohl sagen, diese armen Menschen dort!“ rief Benjamin. „Wir müssen ihnen unbedingt helfen! Der Priester…er ist mit dem Herrn der Finsternis im Bunde! Wir…haben dessen Augen gesehen. Er hat mit Skarion gesprochen und ihm eine grosse, dämonische Eskorte zur Verfügung gestellte, um irgendeinen Widerstand von Rebellen, unter einem Mann namens Galmachos niederzuschlagen. Sie… haben auch von uns gesprochen. Der Herr der Finsternis sagte, dass wenn wir siegreich sind, wir ihn und all seinen Diener stürzen könnten, das sie dann die Macht über das ganze Omniversum endgültig verlieren würden.“ „Da seht ihr‘s!“ rief der Magier mit leuchtenden Augen. "Ihr sei die Auserwählten! Darum ist es jetzt umso wichtiger, dass ihr die Weltenwanderung lernt und Malek zuerst besiegt.“ „Aber diese Leute dort in der Grauen Stadt, sie brauchen unserer Hilfe!“ rief Benjamin ungestüm. „Wir müssen sie retten!“ „Das, muss jetzt leider warten, mein Junge“, sprach Ululala ernst. „Waas! Wir können doch nicht zulassen, dass diese Dämonen alle abschlachten!“ „Das wird nicht geschehen. Galmachos und seinen Anhänger wissen um die Gefahren. Ihr dürft jetzt nichts überstürzen, erst müsst ihr Malek entgegentreten!“ Benjamin wurde ärgerlich. „Ich sehe nicht ein, warum wir nicht erst den Rebellen in der Grauen Stadt helfen sollten, wenigstens müssen wir sie warnen.“ „Die Rebellen haben bestimmt ihre Mittel und Wege, sich auf dem Laufenden zu halten. Wir können nicht einfach überall wild eingreifen, denn damit könnten wir die Geschichte gravierend verändern. Solltet ihr zu früh ums Leben kommen, was gut möglich ist, in Skarions Welt, dann werdet ihr Malek nie entgegentreten können. Doch er ist eine wichtige Schlüsselfigur. Er ist ein besonders fähiger, mächtiger Zauberer, der in der Gunst des Herrn der Finsternis besonders hoch steht. Wird seine Macht geschwächt, wird auch die Macht vieler anderer geschwächt, welche ihm wiederum unterstellt sind. So z.B. auch Skarion. Wenn ihr Skarion zu Fall bringen wollt, müsst ihr erst Malek zu Fall bringen, dann wird alles viel einfacher für euch sein. Solltet ihr ihn sogar auf eure Seite ziehen können, dann ist das noch viel besser, dann wird er euch wichtige Informationen geben können und euch beistehen. Vielleicht kann er euch sogar einen Tipp geben, wo ihr mit der Suche nach dem Medaillon beginnen könnt „Woher aber willst du wissen, das dies der richtige Weg ist?“ fragte Benjamin, „vielleicht müssen wir doch erst den Leuten in Skarions Welt helfen, warum sonst hätten wir dorthin reisen sollen und das alles erleben und sehen?“ „Weil euch so vor Augen geführt worden ist, wie das Omniversum leiden wird, wenn das Böse endgültig die Überhand gewinnt.“ „Ich weiss, dass es euer Auftrag ist, Malek zuerst zu besiegen, ich habe auch nicht in alles Einblick, aber man sagte mir, dass dies unerlässlich ist, für euren kommenden Erfolg. Ihr sagtet mir doch, dass ihr mir vertraut. Tut ihr das noch?“ Er schaute die Geschwister mit seinen klaren, tiefblauen Augen an und es lag Aufrichtigkeit und tiefe Überzeugung darin. Benjamin senkte den Blick. „Ja“, sprach er „Wir vertrauen dir und werden  deine Anweisungen befolgen.“ „Das ist sehr gut!“ freute sich Ululala „Es liegen wirklich noch viel mehr Schicksale in euren Händen, als ihr es euch jemals vorstellen könnt. Darum ruht euch jetzt etwas aus und dann machen wir weiter!“

 

Comments

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    Trefflich, wie du diese unheimliche Begegnung im Tempel beschreibst!

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