Das kristallene Medaillon (Teil 25)

Die Geschwister hatten es tatsächlich geschafft! Sie konnten den Körper mit der Kraft ihres Geistes, endlich de-materialisieren! Ihr ganzes Sein, war auf einen Punkt im einstigen Juwelenreich fixiert. Ihre Seele strebte mit aller Kraft auf jenes Ziel zu. Auf einmal, öffnete sich vor den Geschwistern wieder der Kanal. Ein Strudel, aus wild kreisenden Farben. Mit einem unheimlichen Sog, wurden sie davon angezogen. In ihren Köpfen drehte sich alles. Ein starker Druck lastete auf ihnen und unbarmherzig, wurden sie weitergerissen. Sie schrien, denn sie spürten diesen Sog nun auch körperlich. Alles drehte sich um sie. In ihren Schläfen pochte es und es war, als ob sie zu einem winzig kleinen Etwas zusammengepresst würden. Ihr irdischer Leib, welcher nun mit ihrem Geist verschmolzen war, wurde hinüber in die andere Welt gezogen und sie verloren für kurze Zeit das Bewusstsein. Als sie erwachten, fanden sie sich wieder im düsteren Land des ehemaligen Juwelenreiches. Doch diesmal hatten sie sich einen etwas einsameren Fleck ausgesucht, der irgendwie an eine weit ausgedehnte Kraterlandschaft, erinnerte. Dunkle Felsbrocken lagen herum und ganz weit, weit in der Ferne, erkannten sie verschwommen die Silhouetten, der Grauen Stadt und des schwarzen Tempels. Sofort, tasteten sie nach einem nahe gelegenen Felsen und tatsächlich... sie konnten ihn greifen! ihr Körper, hatte sich der neuen Sphäre angepasst!! Ein unbändiges Glück, erfasste sie. „Wir haben es geschafft!“ riefen sie „Wir haben es geschafft!“

 „Das habt ihr sehr gut gemacht,“ erklang eine glockenhelle Stimme, hinter ihnen. Isobia stand  wieder in ihrer materieller Gestalt vor ihnen. Sie trug jetzt eine rosafarbene Robe, deren Brustteil mit einem himbeerfarbenen Rankenmustern verziert war. Ein langer weicher, ebenfalls rosafarbener Gürtel, mit einer himbeerroten Schnalle, betonte ihre schlanke Taille und seine Enden fielen vorne über ihre wohlgeformten Beine. Wenn sie ging, wurden die Beine durch die offene Falte in der Robe, etwas freigelegt. Sie trug keine Schuhe, ihr Gang war schwebend, als ob sie den Boden gar nicht richtig berühren würde. Das lange, blonde Haar, war mit rosa und himbeerfarbenen Bändern verziert. Sie war ein wundervoller Anblick und ein wundersames Strahlen, ging wie immer von ihr aus.

„Ululala wird sich sehr freuen“, sprach sie „Bestimmt hat er sich auch einige Sorgen um euch gemacht. Kehrt gleich zu ihm zurück!“ „Wir danken dir von ganzem Herzen liebe Fee!“ sprach Pia. „Wenn du uns nicht geholfen und uns so viel an Wunderbarem gesagt und gezeigt hättest, wären wir vermutlich jetzt noch ohne Erfolg.“ „Macht euch nicht niedriger als ihr seid, ihr hättet es auch ohne mich geschafft!“ „Aber nicht so schnell“, sprach Benjamin „bestimmt nicht so schnell! Wir werden dir das nie vergessen!“ „Ich bin sehr stolz auf euch, meine jungen Freunde. Bestimmt werden wir uns wiedersehen, vielleicht schneller als ihr denkt. Vergesst einfach nicht, was ich euch alles gelehrt habe. Und... wenn es mal gar nicht gleich funktionieren sollte, mit der Weltenwanderung…“ sie lächelte verschmitzt „habt ihr ja etwas Feenstaub von mir bekommen. So nun muss ich aber weiter! Wie ihr wisst, nennt man mich Die Wandernde und das treibt mich immer wieder an andere Orte. Vielleicht denkt ihr ja ab und zu an mich „ Manchmal ist es für eine Wanderfee schwierig, ohne Heim und Familie zu sein. Man fühlt sich oft etwas einsam, doch so ist nun mal meine Berufung. Ich gehe dorthin, wo ich gebraucht werde." Denkt auch stets daran, dass alle Geschöpfe der Teil eines grossen Ganzen sind und das Ziel schlussendlich darin besteht, dass man, die einem bestimmte Aufgabe, gut erfüllt und sich weiterentwickelt. Ich wünsche euch viel Glück und Vertrauen, auf eurem weiteren Weg. Hört nur stets auf euer Herz, dann wird es euch recht führen!“ Mit diesen Worten, war die Fee verschwunden.

Ululala starrte immer noch auf den Fleck wo sich gerade noch die Körper der Geschwister befunden hatten. Er machte sich wirklich etwas Sorgen, aber er versuchte sich selbst immer wieder zu beruhigen. Bestimmt würde alles glatt gehen. Er musste einfach vertrauen. Er betete immer weiter und wich nicht von seinem Platze. Als…auf einmal die Luft um ihn herum erneut vibrierte und dann…. standen die Turner Kinder wieder unversehrt vor ihm! Ihre Gesichter strahlten, sie waren wieder ein Stück gereift, das sah er sofort. Seine eigene Freude war unbeschreiblich. Er lief auf die beiden zu und tastete sie ungläubig ab. „Alles noch dran!“ lächelte Benjamin und dann schloss er den Magier in die Arme. Auch Pia umarmte Ululala und dieser merke wie Tränen der Freude und Erleichterung, in seine aquamarinblauen Augen stiegen. „Ihr habt es geschafft, ihr habt es tatsächlich geschafft! Ich bin so stolz auf euch, ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie.“


Das Volk des Waldes

Als der Morgen graute, legten sich die Geschwister erst mal schlafen. Sie waren doch ziemlich erschöpft. Das lange verharren ihres Körpers am selben Ort, hatte seine Spuren hinterlassen und auch ihr Geist war irgendwie ermüdet.

Ululala liess sie so lange ausruhen, wie sie wollten. Die Weltenwanderung war gelernt, auch er hatte nicht versagt. Nun würde er die Geschwister aber bald wieder in die Welt entlassen müssen, ohne dass er ihnen weiter beistehen konnte. Sie mussten ihren Weg nun alleine finden. Es war ihre Entscheidung was sie als Nächstes tun wollten. Sie wussten zumindest, dass sie sich Malek bald stellen mussten, aber wie das genau vonstatten gehen würde, lag noch im Verborgenen. Es fiel dem alten Magier sehr schwer, sie einfach so ziehen zu lassen. Doch er würde ihnen noch ein Geschenk machen, das ihnen hilfreich sein würde. Er ging langsam zu einem Gestell in der Zauberkammer. Dort lag ein blaufunkelnder Kristall. Als er ihn in die Hand nahm, leuchtete dieser kurz auf, als ob er den Magier willkommen heissen würde. „Es wird Zeit, dass du den Besitzer wechselst“, sprach er leise. „Es gibt zwei, die deine Hilfe besser gebrauchen können, als ich. Sie sind von enormer Bedeutung für das ganze Omniversum. Achte gut auf sie!“ Der Stein leuchtete wie als Antwort ein weiteres Mal auf und der Magier stecke ihn in ein grünes Samtsäckchen, dann liess er ihn in seine Tasche gleiten und verliess die Zauberkammer.

Als Pia und Benjamin aufwachten, stand die Sonne schon hoch am Himmel. Es musste Nachmittag sein. Sie fühlten sich nun wieder erholt und kleideten sich frisch ein. Man hatte beiden naturweisse Hemden, mit bauschigen Ärmeln zur Verfügung gestellt, darüber trug Benjamin einen dunkelblauen, Pia einen türkisfarbenen, mit Stickereien verzierten, Wams und dazu passende, gerade geschnittene Lederhosen. Als sie fertig waren, packten sie mit gemischten Gefühlen eine Tasche mit den nötigen Habseligkeiten. Bald mussten sie aufbrechen. Diesmal waren sie allein auf sich gestellt. Die beiden hatten eine Menge gelernt. Ihnen war Einblick in wunderbare, gewaltige Dinge gewährt worden. All das war so unfassbar, so unwirklich, dass sie manchmal glaubten zu träumen. Doch ein Traum, konnte gar keinen solchen Eindruck hinterlassen. Die Jugendlichen, waren dadurch zu anderen Menschen geworden, denn nun wussten sie so viele Dinge, die jenseits ihres Verstandes lagen. Sie waren der ganzen Schöpfung dadurch näher gekommen und trotz ihrer Trauer über den kommenden Aufbruch, erfüllte sie eine tiefe, innere Ruhe und Zufriedenheit, die sich vorher nicht gekannt hatten.  

So brachen die Geschwister also am achten Tag, nach ihrer Ankunft im herrlich funkelnden Kristallreich, wieder auf. Diesmal ohne einen Helfer an ihrer Seite. Lumniuz liess sie nicht gerne so ganz alleine von dannen ziehen, doch Ululala hatte ihm erklärt, dass dies im Augenblick nicht anders ging. Die Jugendlichen mussten lernen, sich allein zurecht zu finden, sie mussten lernen selbst Entscheidungen zu treffen und sich weiter von ihrem Herz leiten lassen, ohne an dessen Kraft zu zweifeln. Der Abschied aber fiel schwer. Alle hatten einander die letzten Tage gegenseitig sehr ins Herz geschlossen. Ululala, Nofrete Hungoloz und Lumniuz begleiteten die Geschwister noch bis hinunter, zum blau schillernden Eingangstor, des Schlosskomplexes. Die Sonne schien wie meistens, von einem makellosen, blauen Himmel. Pia und Benjamin blickten sich wehmütig um, als wollten sie den herrlichen, überirdischen Glanz dieses Ortes nochmals ganz in ihr innerstes Bewusstsein aufnehmen. Das regenbogenfarbene Licht spiegelte sich in bunten Streifen auf ihren, nun von neuer Weisheit geprägten, Gesichtern. 

Hungoloz, welcher heute ein olivgrünes Gewand trug, schaute Pia atemlos an. Das wundersame Licht, liess sie in besonderer Schönheit erstrahlen. Es reflektierte in ihren tiefblauen Augen, wie schillernde Funken. Ihr goldenes Haar, wurde leicht vom lauen Wind bewegt und ihr liebevolles Lächeln, mit dem sie sich nun von Lumniuz und den andren verabschiedete, schlug ihn völlig in seinen Bann. Als sie sich nun im zuwandte, um sich auch von ihm herzlich zu verabschieden, senkte er irgendwie beschämt den Blick. Er wollte nicht, dass sie seine Gefühle erriet, denn ihre Wege würden sich nun sowieso für immer trennen. So fiel der Abschied einiges kühler aus, als Hungoloz es eigentlich beabsichtigt hatte. Er wicht irgendwie vor Pia zurück, als sie ihn zum Abschied, wie die andren umarmen wollte und im selben Moment merkte er, wie sich Traurigkeit über ihr schönes Gesicht breitete, als er ihr nur seine Hand reichte. Etwas linkisch überreichte er ihr dann einen Beutel, welcher sein Abschiedsgeschenk an sie war. Er stotterte unbeholfen: „Ich hatte irgendwie das Gefühl, ihr solltet es bekommen. Es ist etwas ganz besonderes, auch…wenn es euch auf den ersten Blick bescheiden vorkommen mag. Es…ist ein Zapfen, von einem ganz besonderen Baum, welcher sehr von meinem Volk- den Waldelfen verehrt wird. Es ist die Goldene Tanne…“ Pia fasste in den Beutel und zog einen goldenen Tannzapfen hervor. Er schien einen Moment lang im gleissenden Sonnenlicht aufzuleuchten und das Mädchen schaute fasziniert darauf. 

Ihr Ärger über den kühlen Abschied, für den sich Hungoloz nun am liebsten mehrfach geohrfeigt hätte, schien sogleich verflogen und sie lächelte den Waldelfen an. „Das ist aber wirklich ein sehr schönes Geschenk. Dieser Zapfen stammt also von einer heiligen, goldenen Tanne?“ „Ja…sie hat ihn mir einst anvertraut, aber…ich glaube irgendwie einfach, er ist bei euch besser aufgehoben. Es sind sogar noch Samen drin, siehst du?“ Seine Hemmungen legten sich nun ein wenig und er trat etwas näher zu Pia heran, um es ihr zu zeigen. „Vielleicht findet ihr einen besonderen Ort, wo…ihr sie einpflanzen wollt.“ Benjamin welcher nun ebenfalls den Hals reckte und den golden schimmernden Zapfen begutachtete, nickte. „Wenn du uns dieses besondere Geschenk anvertraust, werden wir bestimmt einen schönen Platz für die Samen finden.“ Hungoloz lächelte nun ebenfalls sein strahlendes Lächeln, das Pia so an ihm mochte und seine goldenen Augen blitzen dabei auf, ähnlich wie es vorhin der goldene Zapfen getan hatte. „Das…würde mich sehr glücklich machen, denn die Goldene Tanne, ist uns wirklich sehr heilig. Sie ist sehr weise und hat meinem Volk schon viele wunderbare Dinge verkündet. Vielleicht seht ihr sie sogar selbst mal und könnt ihren Rat in Anspruch nehmen. Sie befindet sich in meinem Heimatwald. Dort im Osten.“ Er zeigte in die genannte Richtung. Hinter den weiten Feldern und Wiesen, des Kristallreiches, erblickten Pia und Benjamin eine grosse, dunkelgrüne Ebene. Das musste der Wald sein. Er war ziemlich weit weg. Sie wussten aber noch nicht, welche Richtung sie einschlagen wollten. 

So nickten sie einfach und meinten: „Ja, wir werden sehen, wenn es sein muss, dann werden wir diese wundersame Tanne auch finden.“ Ululala mischte sich ins Gespräch und sagte ernst: „Ja, es ist tatsächlich so. Nur jener findet die goldenen Tanne, welchem es auch bestimmt ist.“ Den beiden Jugendlichen, kam die Geschichte mir dieser Tanne sehr mystisch vor und sie konnten sich noch nichts so wirklich unter ihr vorstellen. Doch sie steckten den Zapfen erstmal ein und Pia umarmte nun Hungoloz nochmals. Benjamin tat dasselbe, klopfte dem jungen Elfen dabei jedoch noch auf den Rücken. Es war eine kameradschaftliche Umarmung unter jungen Männern. 

Auch Nofrete trat nun vor und verabschiedete sich herzlich von den Kindern. Dabei sprach sie: „Ich möchte euch nochmals von ganzem Herzen für eure Fürsorge danken, welche ihr mir als Kaninchen habt zukommen lassen. Ich bin so froh, bin ich nun bei Ululala. Ich habe sonst gar niemanden mehr auf der Welt. Meine Eltern und unser ganzer einstiger Hofstaat, ist verschwunden seit Malek…“ Sie stockte und hielt die Tränen zurück „über unser Reich herfiel.“ Pia hatte irgendwie auf einmal das seltsame Gefühl, dass Nofrete nicht nur wegen ihrer Familie trauerte, sondern dass da noch mehr war. Es schien beinahe, als verbinde die Prinzessin und Malek mehr, als diese zuzugeben wagte. Doch sie würde es schon erzählen, wenn es ihr Wunsch war, darum fragte Pia auch nicht weiter nach. Sie nickte nur mitfühlend und meinte: „Bestimmt werden wir deine Eltern wiederfinden und Malek werden wir besiegen.“ Nofrete nickte zurück, aber irgendwie gequält. „Ja…bestimmt…wird sich alles zum Guten wenden, jetzt…da wir euch gefunden haben. So lebt denn wohl und alles erdenklich Gute!“ „Ja, alles Gute!“ spachen auch die adern herzlich. Und Ululala meinte noch: „Hier drinn in diese Beutel, haben wir auch noch ein paar andere Geschenke, die wir euch geben wollen. Ihr dürft sie aber erst später aufmachen.“ Die Geschwister nickten und bedankten sich vielmals. Und dann…machten sie sich auf den Weg, einem noch unbekannten Ziel entgegen…

Comments

  • Author Portrait

    Wie schön, haben sie das Dematerialisieren gelernt! Es hört sich aber ziemlich anspruchsvoll an, mit all diesen Strudeln... ;-) // Daß der Abschied schwer fällt, ist verständlich, die Jugendlichen haben hier eine Art Initiation erlebt. Ich bin gespannt, wie es weitergeht!

beta
Fairy Dust

Navigation

Languages

Social Media