Das kristallene Medaillon (Teil 26)

Die Luft war noch kühl und frisch und überall zwitscherten Vögel in den Büschen und Bäumen. Grillen und Heupferde zirpten in der saftiggrünen Wiese. Benjamin staunte wie fruchbar dieses Land doch war, obwohl es hier eigentlich sehr wenig regnete. Alles schien von einer besonderen Magie erfüllt. Sie pulsierte durch alles hindurch, wenn man sich auf sie einstimmte, fühlte man wie sie auch Körper und Seele durchdrang. Es schien hier ein ewiger Frühling zu herrschen, überall blühte und gedeihte es, ein süsser Blütenduft erfüllte alles um sie herum. Pia dachte nicht viel nach, sie genoss einfach den Moment, all die Schönheit und der Frieden um sie herum. Alles war erfüllt von Leben. Man hatte das Gefühl, jeder Stein, jede Pflanze sei mit einem Geist beseelt. Dieses Gefühl war hier im Kristallreich noch viel intensiver, als in ihrer Heimatwelt.

Schliesslich stieg die Sonne höher und es wurde langsam heisser. Sie kamen zu einem kleinen Waldstreifen, der inmitten von noch grünen Ährenfeldern und weiten Wiesen lag.            

Die Strahlen der Sonne fielen durch die Äste der Bäume und warfen helle Lichtflecken auf den Boden. Die Jugendlichen, beschlossen eine kurze Pause einzulegen und den Beutel mit den restlichen Geschenken auszupacken. So setzen sie sich unter eine mächtige Linde. Sie lehnten sich an deren rauen Stamm und blickten verträumt hinauf in das grüne Blätterdach. Sanft fuhr der Wind hindurch und das Laub raschelte leise. Irgendwie fühlten sich Pia und Benjamin sicher und geborgen unter diesem mächtigen Baum. Der Junge, zog den Beutel mit den Geschenken hervor und öffnete ihn voller Spannung. Die Geschenke waren liebevoll in verschiedenfarbiges Papier eingewickelt. Benjamin nahm das erste Geschenk in die Hand und tastete es etwas ab. Es fühlte sich hart und eckig an. Er wickelte es aus und ein wunderschöner, blauschimmernder Kristall erschien.  „Der ist von Ululala!" rief Benjamin „ schau! er hat noch etwas dazu geschrieben." „ Lies vor!" forderte ihn Pia auf. Als erstes stand da ein Gedicht:

Dieser Kristall, soll immer Glück euch bringen, euch helfen mit dem Bösen zu ringen. In ihm wird mein Herz stets bei euch sein. So seid ihr niemals ganz allein. Dann noch ein paar weitere Zeilen: Meine lieben Kinder. Die Zeit mit euch war eine der schönsten meines Lebens. Ihr habt mein Dasein wahrlich wieder lebenswert gemacht. Ihr seid es, die mir neue Hoffnung geben, nach der langen Zeit der Trauer und der Schuldgefühle. Ich bin siche, ihr werdet eure Aufgabe zum Wohle der ganzen Schöpfung erfüllen und es kann nie schaden, wenn man dabei etwas Unterstützung hat. Da ich euch nicht selbst unterstützen kann, schenke ich euch diesen wundersamen Kristall. Ihm wohnt eine ganz besondere Kraft inne, welche sich euch im richtigen Moment offenbaren wird. Achtet gut auf ihn und haltet ihn stets in Ehren!

Alles Liebe

Euer Ululala

„Er ist wunderschön!" schwärmte Pia und nahm den Kristall liebevoll in die Hand. „Er stammt bestimmt von den Kristallbergen." „Ich glaube auch“, bestätigte Benjamin. „Wir müssen ihn wirklich in Ehren halten." Das Mädchen nickte, dann fragte sie: „Was hat es sonst noch?" Benjamin, steckte seine Hand erneut in den Beutel und brachte ein verschlossenes Glas mit grünlichbrauner Erde hervor. Dies war von Lumniuz. Auch hierzu standen zuerst ein Gedicht und dann noch ein paar persönliche Worte. Benjamin las vor:

Voll grosser Heilkraft ist diese Erde, sie euch zum reichen Segen werde. Heilen kann sie manche Wunden und mein Herz bleibt durch sie, mit euch verbunden.

Und dann auch noch ein paar persönliche Worte: „Liebe Pia, lieber Benjamin. Es fällt mir wahrlich schwer, euch einfach so ganz alleine ziehen zu lassen. Ich hätte euch gerne auch weiter unterstützt, aber leider ist uns ein anderer Weg bestimmt. Ululala sagte mir jedoch, dass wir uns eines Tags wiedersehen werden. Darauf hoffe und vertraue ich. Da ihr sicher viele Schlachten schlagen müsst, bis wieder Frieden ins Omniversum eingekehrt ist, wollte ich euch diese besondere Heilerde schenken. Sie stammt aus den irdenen Tiefen meiner Heimat und mein Volk, gebraucht sie sehr oft um jedwelche Wunden zu heilen. Ihre Wirkung ist wahrlich sehr eindrucksvoll. So wünsche ich euch alles Glück dieser und aller anderen Welten.

Alle Liebe

Lumniuz“

Die Geschwister, waren gerührt. Was für gute Freunde, hatten sie doch in Ululala und Lumniuz gefunden!

Da ist aber noch ein Geschenk von Nofrete!“ rief Pia und wickelte, das in grünschimmerndes Papier eingewickelte, Geschenk aus. Ein blausamtenes Säckchen kam zum Vorschein und darin befand sich… „Das ist ja Nofretes Collier mit dem tropfenförmigen Smaragd!“ meinte Pia erstaunt.“ „Es liegt auch ein Brief dabei!“ Benjamin faltete das Papier auseinander und las vor:

„Liebe Pia, lieber Benjamin

Auch ich möchte es nicht versäumen, euch ein ganz besonderes Geschenk zu machen. Dieses Collier bedeutet mir sehr viel und ich habe es bis zum heutigen Tage immer getragen. Nun aber ist es an der Zeit, dass ich es weitergebe und zwar an dich, meine liebe Pia. Ich glaube, dass du die beste Trägerin für diese Kette bist. Einst bekam ich sie von einem Mann, den ich sehr geliebt habe. Doch dieser Mann, hat sich von uns allen abgewandt und es wird Zeit, dass ich mich von ihm löse. Der Mann…von dem ich rede ist…Malek.“ Die Geschwister zuckten beide zusammen, als sie diese Worte vernahmen. „Lies weiter!“ rief Pia aufgeregt. Benjamin fuhr fort: „Ja, ihr habt richtig gelesen, Malek war einst mein Geliebter. Wir wollten sogar heiraten, doch dann ist alles schiefgelaufen und… er hat sich dem Herrn der Finsternis verschrieben. Wenn ihr Malek eines Tages entgegentretet hoffe ich, dass, wenn er das Collier an Pia sieht, er sich vielleicht an die schönen Zeiten mit mir zurück erinnert und so vielleicht besser wieder vom Bösen lassen kann. Ich wünsche Euch alles erdenklich Gute und möge der Schöpfer stets über euch wachen.

In Liebe

Nofrete

Ziemlich erschrocken sahen sich die Geschwister an. „Das ist also ein Geschenk von Malek an Nofrete gewesen?“ sprach Pia nachdenklich. „Aber…ich weiss nicht, ob ich das wirklich tragen will. Ist irgendwie ein seltsames Gefühl, eine Kette von einem so bösen Mann zu tragen.“ „Er war wohl früher tatsächlich nicht böse,“ erwiderte Benjamin. „Sonst wäre er niemals der Geliebte von Nofrete gewesen. Was hat ihn nur dazu gebracht, so vom richtigen Wege abzukommen?“ „Ich… weiss es auch nicht. Diese Geschichte hätte uns Nofrete auch gleich erzählen können!“ „Vielleicht hat es sie zu sehr geschmerzt, darüber zu reden. Dass sie uns diese Geschichte überhaupt anvertraut hat und… auch dieses Collier.“ Der Junge nahm den Schmuck in die Hand und drehte ihn nachdenklich hin und her. Der grosse Smaragd leuchtete, in einem Sonnenstrahl, der durch das Blätterdach der Bäume fiel, ganz plötzlich magisch auf. Es war ein wundersames Licht, dass von ihm ausging. Wie ein klarer, tiefgrüner Bergsee. Benjamin schloss instinktiv die Augen und fühlte sich in den Edelstein hinein. „Er hat…eine sehr schöne Energie,“ sprach er leise. „Man merkt nichts von Boshaftigkeit. Als er Nofrete geschenkt wurde, muss grosse Liebe dabei gewesen sein. Ich verstehe nur nicht, wie jemand, der fähig ist so viel Liebe zu empfinden, auch fähig ist so böse zu werden.“

 

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