Das kristallene Medaillon (Teil 37)

Nun lief alles in Sekundenschnelle ab. Pia flog über die Schlange. Diese wollte noch nach ihr stossen, aber das Mädchen, hatte bereits die heilige Feuerkugel gegen Malek geschleudert! Als diese den Zauberer berührte, leuchtet helles Licht auf. Malek wurde zu Boden geschleudert! Ein stechender Schmerz durchdrang seine Brust und es war, als ob sein steinernes Herz, in tausend Stücke zerbersten würde. Er brüllte vor Pein und verlor das Bewusstsein. In diesem Augenblick, verschwand auch die Schlange. Pia liess sich keuchend zu Boden fallen. Sie hatte es geschafft! Als sie sich etwas erholt hatte, kroch sie zu ihrem Bruder, welcher stöhnend am Boden lag. Entsetzt sah sie die klaffende Wunde in seiner Brust. „Benjamin!" schluchzte sie und schlang die Arme um ihn. Der Junge schaute sie mit glasigem Blick an und flüsterte: „Wir haben es geschafft nicht wahr?" „Ja," sprach Pia unter Tränen „ aber unser Auftrag ist noch nicht erfüllt. Du musst wieder gesund werden!" „Ich weiss nicht, ob das noch möglich ist. Ich fühle mich so schwach und...mir ist so kalt." Das Mädchen hielt Benjamins Hand. Sie fühlte sich an wie Eis. „Du musst kämpfen! Du darfst nicht sterben!" schrie sie.

Während Benjamin mit dem Tode rang, kam Malek wieder zu sich. Erstaunt blickte er sich um. Wo war er? Es kam ihm vor, als ob er aus einem bösen Traum erwachen würde. Sein Herz schlug weich in seiner Brust. Es war, als ob es vor Kurzem noch viel härter und schwerer geschlagen hätte. Malek hatte auf einmal ein Gefühl der Ruhe und des Friedens in sich. Ein Gefühl, dass er schon glaubte verloren zu haben. Auf einmal erfüllte ihn die düstere Umgebung, in der er sich befand mit Unbehagen. All diese Totenköpfe und Dämonenfratzen..., was hatte er hier bloss zu schaffen? Langsam kehrten seine Erinnerungen zurück und Entsetzen packte ihn, bei den Bildern, die aus seinem Gedächtnis emporstiegen. Was hatte er getan? Welche Verderbnis hatte er über seine Mitgeschöpfe gebracht? Was war mit ihm geschehen, dass er so schreckliche Dinge anrichten konnte? Er versuchte sich zu erinnern, doch im Augenblick war alles noch so verschwommen. Nun, da das Feuer der ewig, göttlichen Liebe, sein Herz erweicht hatte und das winzige Körnchen Güte in Malek neu aufgekeimt war, fühlte er sich als ob er neu geboren worden wäre. Trotzdem wusste der Zauberer, dass er alles daransetzen musste, um die Ursache seiner bösen Taten zu ergründen. Zuerst jedoch hatte er noch eine Aufgabe. Er blickte zu Benjamin und Pia herüber. Das Mädchen weinte immer noch bitterlich und umschlang ihren, nun fast leblosen Bruder, mit den Armen.

Maleks Herz wurde bei diesem Anblick zusammengezogen und das erste Mal, seit langem, empfand er wieder jene Gefühle, die sich Mitleid und Reue nannten. Er erhob sich und trat vorsichtig näher an die Geschwister heran. „Bitte, lass mich das mal ansehen!" sprach er und seine Stimme erschien ihm plötzlich fremd. Pia zuckte zusammen und hob ihr verweintes Gesicht. Wieder verspürte Malek tiefes Mitleid. Das Mädchen sah den Zauberer an. Erstaunen, Zorn und auch Furcht, spiegelte sich in seinen Augen. Es wirbelte herum, packte das Schwert und hielt es Malek an die Kehle. „Komm uns nicht zu nahe!" schrie es fast hysterisch. Malek wich zurück und hob beschwichtigend die Hände. „Bitte tu mir nichts, ich möchte doch nur helfen!" „Helfen?!" kreischte Pia „Siehst du nicht was du getan hast?" „Ich weiss, dass ich Schlimmes angerichtet habe," erwiderte Malek. „Bitte vergib mir!" Seine Stimme klang nun fast flehend, doch Pia blieb misstrauisch. „Das ist doch nur ein weiterer deiner miesen Tricks!" zischte sie. „Nein, ich schwöre, dass ich es ehrlich meine. Ich habe mich verändert, seit mich das Feuer der ewig, göttlichen Liebe berührt hat. Ich selbst bin zutiefst entsetzt und voll Verzweiflung, über das was ich getan habe, doch ich habe im Moment keine Erklärung dafür. Ich will das, was ich deinem Bruder angetan habe, wieder gut machen. Ich kann ihn heilen. Glaub mir!" „Du wirst ihn vernichten!" schrie Pia. „Nein, nein, bestimmt nicht! Wenn ich ihn nicht heile, wird er sterben." „Nein. Er wird leben! Ich weiss es!" „Nicht mehr lange. Siehst du nicht, wie das Leben bereits aus seinem Körper weicht? Lass mich ihm helfen, ich flehe dich an! Wie soll ich sonst je von meiner Schuld loskommen?" Pia schaute den Zauberer erstaunt an. Verzweiflung spiegelte sich in dessen Gesicht. Erst jetzt sah das Mädchen, dass die Härte und Kälte in Maleks Augen verschwunden war. Sie blickten jetzt warm und sanft. Auch seine Gesichtszüge schienen weniger kantig, als zuvor. Auf einmal musste das Mädchen an seinen Vater denken. Malek, musste etwa das gleiche Alter wie er haben. Plötzlich empfand sie so etwas wie Sympathie für diesen Mann, der nun so hilflos vor ihr stand. Sie senkte das Schwert und sprach: „Na gut, ich will dir glauben. Hilf meinem Bruder, wenn du kannst!" Malek atmete erleichtert auf und er antwortete dankbar: „ Ich werde ihn retten, glaub mir." Mit diesen Worten, beugte er sich zu Benjamin herunter und legte seine Hände auf dessen Wunde. Er erflehte im Geiste die Vergebung und die Hilfe des grossen Lichtes. Dann sprach er in einer fremden Sprache einen Zauberspruch und konzentrierte sich ganz auf die Heilung des Jungen. In diesem Augenblick empfand der Benjamin eine wohlige Wärme, welche von seiner Verletzung her, ausströmte. Die schrecklichen Schmerzen und die Kälte in seinem Körper, klangen ab und er fühlte deutlich, wie neue Lebenskraft ihn durchfloss. Es war, als ob irgendjemand ihm von seiner Energie schenken und so die Heilung herbeiführen würde.

Pia indessen sah, fassungslos vor Erstaunen, wie das zerschundene Gewebe unter Maleks Händen immer mehr zusammenwuchs. Die Wunde schloss sich mehr und mehr. Malek nahm all seine Kräfte zusammen, Schweiss glänzte auf seiner Stirn. Er merkte, dass er in letzte Zeit viel zu viel Energie für böse Taten verschwendet hatte und deshalb geschwächt war. Früher hatte er Wunden, ohne grosse Anstrengung, heilen können, doch diesmal, war es viel schwieriger. Er war es ja schliesslich selbst gewesen, der diesem Jungen diese schlimme Verletzung zugefügt hatte. Maleks Versuch Benjamin zu heilen, war also zugleich auch ein Kampf gegen sich selbst und dieser Kampf, erforderte viel mehr Energie, als alles andere. Einmal hatte Malek diesen Kampf verloren, doch diesmal war er fest entschlossen, ihn zu gewinnen.

Er konzentrierte sich nochmals mit aller Kraft auf die Wunde und darauf diese zu heilen und tatsächlich! Das Gewebe wuchs wieder zusammen und eine neue Haut bildete sich. Am Ende war nichts mehr von Benjamins tiefer Verletzung zu sehen. „Geschafft!" jubelte Pia. Der Junge öffnete erstaunt die Augen und blickte in Maleks Gesicht, welches noch von der Anstrengung gezeichnet war. „Du... hast mich gerettet?" fragte er ungläubig „aber... wie ist das möglich?" „Das Feuer der ewig, göttlichen Liebe hat meinen Verstand wieder geklärt," erwiderte der Magier. „Ich bin ein neues Geschöpf geworden." „Dann ist also alles wahr, was uns die Sonnenfee gesagt hat," murmelte der Junge. „Ja, es ist alles wahr!" rief Pia. „Das Feuer hat grosse Macht. Malek ist wieder gut geworden! Ich bin ja so glücklich!" Mit diesen Worten fielen sie und ihr Bruder sich in die Arme. Eine wichtige Hürde war wieder genommen!

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  • Author Portrait

    Ein sehr berührendes Kapitel! Ich wünschte mir mehr so mutige Kinder, die es mit den Maleks dieser Welt aufnehmen!

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