Das kristallene Medaillon (Teil 39)

Alles wird neu!/ Maleks Geschichte

Als der Tag anbrach, und die ersten Sonnenstrahlen durch die Fenster fielen, erwachte Malek. Er öffnete die Augen und blinzelte. Für ihn war dieser Morgen der Beginn eines neuen Lebens. Wie lange schon, hatte er die Sonne nicht mehr so strahlend gesehen. Er trat zum Fenster und blickte über sein Land, das nun wieder herrlich und blühend unter ihm lag. Tief atmete der Zauberer durch. Er empfand Ruhe und Frieden. Sein Dasein als Diener der Finsternis, erschien ihm noch immer wie ein böser Traum, aus dem er gerade erwacht war. Wie hatte er es nur so lange in der Dunkelheit ausgehalten? Was hatte ihn dazu gebracht, die Finsternis der Herrlichkeit des Lichts und der Liebe vorzuziehen? Er setzte sich auf einen Sessel und schaute in den blauen Himmel, als ob er dort die Antwort finden würde. Er musste sich einfach erinnern! Er musste herausfinden, warum er so geworden war. Er schloss die Augen und versuchte die Erinnerungen aus seinem Unterbewusstsein heraufzuholen, doch es gelang ihm einfach nicht. Noch war sein Gedächtnis unvollständig und voller Lücken. Schliesslich gab er es auf. Er zog sich an und stutzte seinen Bart, dann verliess er sein Schlafgemach.

Die Geschwister waren auch schon auf. Als sie den Zauberer sahen, waren sie sehr überrascht. Wie sehr hatte sich Malek doch verändert! Er trug nun ein rotes Gewand, mit goldenen Stickereien. Der Spitzbart war gestutzt und seine Augen blickten Pia und Benjamin freundlich an. Maleks Gesicht hatte alle Härte und Kantigkeit verloren. Vor ihnen stand ein liebenswürdiger, glücklicher Mann. „Na, habt ihr gut geschlafen Kinder?" fragte er. „Ja...äh sehr gut," stotterte Benjamin „und du?" Malek schwieg einen Moment, dann erwiderte er: „Naja, im Grossen und Ganzen schon. Ich bin ein neuer Mensch geworden." „Ich bin so glücklich, darüber," sprach Pia. „Ich auch," gab der Magier zurück und legte dem Mädchen freundschaftlich die Hand auf die Schulter. „Nun kommt aber, wir wollen frühstücken!"

Das taten sie dann auch und bald darauf, sassen alle drei friedlich zusammen und genossen das reichhaltige Morgenmahl. Schliesslich fragte Benjamin an Malek gewandt: „Wirst du uns nun bei unsere Mission, das Medaillon und die Verbannten zu finden helfen?" Der Zauberer nickte zustimmend. „Natürlich! Denn schliesslich bin ich es ja gewesen, der den Hofstaat von... Wie war nochmals der Name?" „Nofrete," antwortete Pia. Bei diesem Namen zuckte Malek zusammen. „W...wie heisst sie?"  „Nofrete," wiederholte Benjamin. Der Magier war auf einmal kreidebleich geworden. Die Geschwister fürchteten fast, er würde in Ohnmacht fallen. „Was ist denn mit dir los?" fragten sie und eilten zu Malek hin um ihn, wenn es nötig wurde, zu stützen. Dieser erhob sich wie in Trance und ging zum Balkongeländer, der Schlossterasse, während er den Namen der Prinzessin immer wieder vor sich hin murmelte. Die Kinder waren ernsthaft besorgt und gingen ihm hinterher. Malek stützte seine Ellenbogen auf das Geländer und verbarg das Gesicht, während er flüsterte: „ Bei meiner Seele, was habe ich getan? Was habe ich Nofrete angetan?" Benjamin und Pia war es unbehaglich zu Mute, was war nur mit dem Zauberer los? „Sag uns doch bitte was dich bedrückt,“ bat Pia und legte die Hand auf Maleks Rücken. Dieser nahm nun endlich seine Hände vom Gesicht und sah die Geschwister an. Er war in Tränen aufgelöst. Die beiden waren zutiefst erschüttert über den Schmerz, der plötzlich in seinen Augen lag. Der Zauberer begann jetzt langsam zu sprechen: „Nun kann ich mich auf einmal wieder erinnern. Ich weiss wie ich in solche Verderbnis geraten bin.“ Pia und Benjamin blickten ihn erwartungsvoll an und Malek fuhr weiter.

„Damals, als ich vor vielen Jahren bei Ululala gelernt habe, sind er und ich oft bei Nofrete auf Besuch gewesen. Sie war damals noch ganz jung und blühend wie eine Rose. Ich habe sie aus tiefstem Herzen geliebt und verehrt und sie erwiderte diese Gefühle. Sie war jedoch eine Königstochter und bereits einem anderen Mann versprochen. Eines Tages gestand sie mir, dass sie diesen in Kürze heiraten werde. Für mich brach eine Welt zusammen. Immer hatte ich gehofft, Nofrete nach meiner Lehrzeit, selbst heiraten zu können. Nun war dieser Traum plötzlich wie eine Seifenblase zerplatzt. Ich fühlte mich von Nofrete betrogen und ausgenutzt. Zuerst empfand ich tiefe Trauer und Schmerz, doch mit der Zeit, verwandelten sich diese Gefühle in Wut.

Kurz, nachdem ich Ululala verlassen hatte, kam der Herr der Finsternis zu mir. Zuerst erkannte ich ihn natürlich nicht, denn er hatte die Gestalt eines alten, gebrechlichen Mannes angenommen. Er sagte, dass er mir helfen wolle, all meinen Schmerz zu vergessen. Dieser Gedanke erschien mir damals sehr verführerisch, denn ich trauerte Nofrete immer noch nach und andererseits verachtete ich sie, für das was sie mir angetan hatte. „Wenn du dir von mir helfen lässt, wird der Sieg dein sein und du wirst alles tun können was du willst,“ sagte der Böse. „Ausserdem wirst du Nofrete zurückerobern können.“ Diese Worte, trafen genau meinen Schwachpunkt. Ich wollte meine grosse Liebe zurückerobern, koste es was es wolle. So erwiderte ich, verführt von den süssen Worten des Widersachers: „Gut. Ich bitte dich mir zu helfen.“ Der Böse grinste hämisch, doch ich war blind und taub für alles. Der Herr der Finsternis hob nun seine Arme und sprach einige Worte. In diesem Moment fühlte ich einen stechenden Schmerz in meiner Brust und fiel in Ohnmacht. Als ich erwachte, merkte ich, dass etwas mit mir geschehen war. Der Böse hatte mein Herz in einen Stein verwandelt. Auf einmal waren all meine inneren Schmerzen, mein Leid wie weggeblasen. Ich empfand nur noch Wut und Hass. Es war mir, als ob ich plötzlich besondere Kräfte erhalten hätte. Ein verderblicher Zustand, doch damals sah ich das keineswegs so. Ich hatte das Gefühle alles überwinden zu können. Meine Emotionen schmolzen wie Butter in der Sonne. Ein Gefühl der Allmacht überkam mich und ich war vom Gedanken besessen Nofrete zurück zu erobern. Als ich jedoch vor ihr stand, war sie sehr abweisend. Damals verstand ich nicht, warum sie sich so verhielt. Ihre Reaktion, entfesselte in mir einen unbändigen Zorn. Ich sprach einen Fluch aus...

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