Das kristallene Medaillon (Teil 7)

Nach einiger Weile verschwand das magische Licht der Elfenstadt und es wurde ziemlich finster um sie. Alles war nun wieder vollkommen still und die drei Freunde wagten kaum zu sprechen, so sehr schlug sie die Atmosphäre dieses unterirdischen Gewölbes, in ihren Bann. Irgendwie fürchteten sich die Kinder gar nicht. Im Gegenteil, sie fühlten sich richtig geborgen in dieser Ruhe und Dunkelheit. Sie lauschten auf das leise Plätschern des Wassers und auf das Geräusch der herabfallenden Wassertropfen. Und so erschraken sie fast etwas als Lumniuz plötzlich zu sprechen begann: „Man kann auch lernen die Dunkelheit zu lieben. Ich weiss dass ihr Menschen oft Angst vor ihr habt. Warum eigentlich?"

„Vielleicht weil wir dann nichts sehen und deshalb nicht wissen, was sich um uns herum abspielt," erwiderte Benjamin. „Wir haben vielleicht Angst, etwas Böses könnte auf uns lauern und wir können uns nicht dagegen wehren, weil wir es zu spät wahrnehmen." „ In gewisser Weise verstehe ich das," antwortete Lumniuz „die Finsternis hilft guten, wie auch bösen Wesen, unerkannt zu bleiben Doch der Bezug zu ihr kann sich verändern, sobald man sie nicht mehr als etwas Negatives wertet. Sie ist Teil der Schöpfung, wie das Licht und der Tag." „Ja," gab Pia zurück „du hast bestimmt recht. Die Dunkelheit hat auch ihre schönen Seiten. Sie gibt uns Ruhe und Frieden, lässt uns etwas Abstand nehmen von der Hektik der Welt." „Ich liebe sie," antwortete Lumniuz. „Dein Volk lebt ja auch unter der Erde," sprach Benjamin. „Die Menschen fühlen sich an der Sonne geborgener und doch beginne ich dich immer besser zu verstehen Lumniuz. Alles hat seine guten Seiten." „Ja, du sprichst weise," antwortete der Erdgnom. „Alles hat seine guten Seiten... man muss sie einfach sehen lernen...“

Während die drei Reisenden sich arglos von dem kleinen, schmalen Boot, den nun etwas breiter gewordenen Fluss, entlang treiben liessen, braute sich an einem andren Ort etwas Unheilvolles zusammen.

Der schwarzgekleidete Magier Malek stand auf der höchsten Zinne seines dunklen Schlosses. Der Wind, der wie ein Pesthauch über die verödete Landschaft fegte, blähte seinen Mantel wie die Flügel einer Fledermaus auf. Malek war ein hochgewachsener, eher hagerer Mann, mit schmalem Gesicht und einem Spitzbart. Seine Haare waren halblang und braun und in seinen Augen lag ein unheilvoller Glanz. Er war zornig, sehr zornig. Die Schwarzen Druiden hatten jämmerlich versagt. Wie feige Hunde, hatten sie sich von den Naturgeistern in die Flucht schlagen lassen... „Nun gut... diese Naturgeister können schon sehr zähe Gegner sein...,“ räumte eine leise Stimme tief in seinem Innern ein. „Doch sie hätten die Turner Kinder schon vorher schnappen müssen!“ begehrte eine viel lautere, innere Stimme auf, welche den kurzen Funken von Verständnis, sogleich wieder verglühen liess. Malek schlug mit der Hand auf das geschwärzte Marmorgeländer des Turmes. Über ihm kreisten grosse, schwarze Vögel. Mit glühenden Augen, ledernen Flügel und spitzen Schnäbeln. Das Schloss stand auf einem hohen Berg, der nur durch einen schmalen Pfad zugänglich war. Das Land war verkohlt und voller Ruinen.

Einst hatte sich Malek hierher zurückgezogen, nachdem er die Macht über das Reich der hundert Juwelen an sich gerissen hatte. Jenes Land, war wie dieses hier einst fruchtbar und wunderschön gewesen. Malek aber fühlte sich in dieser Ödnis wohler. Die Zeiten, als alles noch voller Freude, Licht und Leben gewesen war, schien ihm endlos weit entfernt. So... wie ein Traum, der in ihm oft ganz zwiespältige Gefühle hervorrief. Irgendwie gab es zwei Stimmen in ihm. Die eine war die Stimme der Dunkelheit. Manchmal gab es aber auch diese andere, leisere Stimme.

Irgendwo... in den tiefsten Tiefen seines Seins. Doch er nahm sie gar nicht richtig wahr. Denn die der Dunkelheit überwog und sie gab ihm ein Gefühl von Allmacht und Grösse, das frei war von Schmerz, Leid und...vor allem…Liebe.

„Diese Turner Kinder könnten für mich noch zu einem echten Problem werden,“ dachte er bei sich und das Dunkle in ihm schrie danach sie zu vernichten. „Verflucht sollt ihr sein!!“ schrie er in das Heulen des Windes hinaus. „Verflucht sollt ihr sein! Wo immer ihr euch auch befindet.“ Er hob seine Arme und murmelte einen Zauberspruch...

„Jetzt sollten wir nochmal eine Fackel entzünden,“ sprach Lumniuz zu den Geschwistern. „Wir kommen jetzt wieder in eine besonders schöne Grotte. Sie ist voll mit besonderen Tropfsteinen.“

Die Fackel entflammte und voller Staunen blickten die Pia und Benjamin hinauf zur Decke. Diese war über und über mit schmalen Tropfsteinen geschmückt. Sie erinnerten irgendwie an Eiszapfen, die aber aus milchigweissem, glatten Material bestanden.

Auch rechts und links am Boden befanden sich solche Gebilde.

„Das ist wunderschön,“ flüsterte Pia. „Ja. Wollen wir hier mal eine kleine Rast machen?“ fragte Lumniuz. „Haben wir denn Zeit?“ „Ja. Noch ein wenig. Habt ihr vielleicht Hunger?“ „Allerdings!“ „Na gut.“ Lumniuz lehnte sich aus dem Boot und warf den daran befestigten Strick um einen der breiteren Stalaktiten.

Behände sprang er aufs Trockene und war dann auch den Geschwistern beim Aussteigen behilflich. Gemütlich setzten sie sich hin und assen etwas von ihrem Proviant. Dabei ahnten sie nicht, was sie noch erwarten würde...

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