Das Land des dunklen Mondes (4)

„Von was sollten wir uns denn fürchten?“ fragte Aellia erstaunt. „Drohen irgendwelche Gefahren?“ „Keine Gefahr im herkömmlichen Sinn, “ erklärte die Hohepriesterin „aber eine Gefahr die schleichend kommt und möglicherweise unsere Ausrottung zur Folge haben könnte.“ Die junge Novizin erschrak zutiefst, doch sie sagte nichts dazu. Kelana fuhr fort: „Du hast sicher schon davon gehört, dass uns langsam die Masculinas ausgehen. Es wurden einfach zu wenige geboren die letzten Jahre und es fehlen die potenziellen Sexualpartner für all unsere Mitschwestern, welche die die rituelle Empfängnis schon sehr bald zelebrieren werden. Es besteht langsam die Gefahr der Inzucht, was unser Volk schwächen und krank machen würde. Wir haben uns die letzten Jahre genauestens damit befasst und so manche Berechnungen angestellt, und wir erkannten, dass wir bald ausgerottet sein werden, wenn das so weiter geht. Wir brauchen dringend neue Masculinas! Doch… in unserer Welt gibt es kein Volk, das dem unseren gleicht. Wir haben dich und noch ein paar andere dazu ausersehen, die Welten nach uns ähnlichen Völkern abzusuchen.“ Die Königin fuhr fort:  „Die Drakonier sagten uns, dass es diese gäbe, aber weit von hier entfernt. Es gehört zu deiner Mission, sie zu finden und Nachforschungen über sie anzustellen. Wir müssen alles über sie wissen. Wenn nötig, werden wir unseren Fortbestand mit Gewalt sichern! Wir werden weitere Masculinas hierher schaffen, ob sie nun wollen, oder nicht. Zwar ist unser reines Blut dann nicht mehr gewährleistet. Doch wir überleben und das ist es, was zählt.“ Als Aellia das hörte machte sich ein seltsames Gefühl in ihrer Magengegend breit. Irgendetwas beunruhigte sie, doch sie konnte nicht deuten was. Fast dieselbe Unruhe hatte sie bereits empfunden, als sie sich entschloss Lilithia in der Einsamkeit zu begrüssen, um ihre Kraft auf besondere Weise in sich aufzunehmen. „Das wird keine einfache Mission“, sprach sie, „warum habt ihr ausgerechnet mich dafür auserwählt? Ich habe kein besonderes Geschick in solchen Dingen, denn ich habe mich noch nie für andere Völker interessiert und mich demzufolge auch nicht mit ihnen befasst.“ „Ich glaube, dass du das Potenzial dazu hast“, sprach Kelana „ausserdem ist deine Liebe und das Vertrauen zur Göttin besonders stark und du besitzt ein aussergewöhnliches, magisches Potenzial. Ich werde dich noch einigen zusätzlichen Ausbildungen unterziehen und dir einiges an Wissen mit auf den Weg geben, damit du für alles gewappnet bist. Wenn du deine Aufgabe gut erfüllst, wirst du das rote Band erhalten und dann vielleicht schon bald das Schwarze.“ „Ihr ehrt mich wirklich sehr mit eurem Vertrauen Mutter und ihr auch meine Königin, aber ich zweifle nach wie vor daran, dass ich dafür die Richtige bin.“

„Du wirst gehen!“ sprach die Königin, mit einer Stimme die keinen Widerspruch duldete und die Hohepriesterin nickte zustimmend. „Eine andere Priesterin wird dich begleiten, es ist Irisa. Dann stellen wir euch noch zwei unserer besten Kriegerinnen als Leibgarde, zur Seite. Die Drakonier haben sich bereit erklärt, euch mit dem Luftschiff in die andere Welt zu bringen, wo ihr eure Nachforschungen beginnen werdet. Ihr sollt dort noch gar nichts unternehmen, einfach nur Informationen sammeln, dann leiten wir die nötigen Schritte schon ein.“ „Nun gut, “ sprach Aellia „wenn ihr das so ausdrücklich wünscht, werde ich selbstverständlich gehen. Immerhin geht es ja um den Fortbestand unserer Art.“ „Damit hast du wohl recht,“ meinte die Hohepriesterin nun. „ Zieh dich jetzt zurück! Wir beginnen Morgen Nacht mit der Spezial-Ausbildung. In zwei Wochen geht es dann los. Die Göttin sei mit dir!“ „Und mit euch“, sprach Aellia.

Ihre Stimme klang gefasst, aber in ihrem Inneren tobte ein Sturm. Ihre Art war ernsthaft vom Aussterben bedroht und das erschütterte sie zutiefst...

 

Comments

  • Author Portrait

    Ich bin begeistert davon, wie du deine Heldin charakterisierst. Dass sie nicht sofort begeistert ja schreit, sondern ernsthafte Zweifel äußert, sich am Ende aber den Befehlen ihrer Herrin beugt, macht aus ihr eine so viel interessantere Figur als man sonst in solchen Geschichten antrifft!

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