Das Lied beginnt: "Die Stunde vor acht"

"Dies ist eine Geschichte in sechs Strophen - was auch immer das bedeuten mag!"
Die Autorin

Akrobat

Die Stunde vor acht:
So lang wie die Nacht
Dann auf zu den uralten Taten
Und einer im Saal
Wird dich jedesmal
Verachten
Verleugnen
Verraten

Die Lichter gehen an
Ein einsamer Mann
Jongliert mit tausend Blicken
Sie werden's nie lernen:
Dein Griff nach den Sternen
Ist ein Griff nach Trapezen und Stricken.

aus "Akrobat" von Heinz Rudolf Kunze



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Die Geschichte des Patrice Renard ist eine Geschichte der Einsamkeit. Es ist die Geschichte eines Erfolges, der seinesgleichen suchte und kein Gegenüber fand. Es ist die Geschichte vom Verlust einer Emotion, die Renard niemals wirklich besaß.
Die Geschichte des Akrobaten Patrice Renard beginnt und endet in jener blauen Stunde, die jeden Artisten vor und nach dem Auftritt tagtäglich wieder aufs Neue ereilt.
In jener letzten, einsamen blauen Stunde saß Patrice allein in seinem Mobil Home in Vancouver und ließ die vergangenen drei Jahre mit all ihren Bildern und Erinnerungen an seinem inneren Auge vorbeiziehen.

Alles begann in Paris. Paris, jene Stadt, in der er aufgewachsen war und die er liebte wie seine Heimat.
Paris, die für ihn ein Leben bereithielt, das er sich bunter und abwechslungsreicher nicht hätte vorstellen können. Die Gedanken des Artisten schweiften zurück.
Als kleiner Junge war Renard aus einem Dorf in den Ardennen in die große Hauptstadt gekommen, hatte später hier die Schule abgeschlossen und ein Sportstudium aufgenommen.
Damals, als alles begann, lebte er schon seit ein paar Jahren zusammen mit seinen Freunden in einer Wohngemeinschaft in Montmartre.
An den Abenden verdiente er sich regelmäßig ein paar France mit akrobatischen Straßenshows dazu. Zwei Feuerspucker, ein paar wechselnde Musiker und die drei Akrobaten seiner WG.
Die Leute mochten ihre Darbietungen, gönnten ihnen gern ein halbes Stündchen Aufmerksamkeit und ein wenig Kleingeld.
Für Renard reichte dieser Zuverdienst neben dem Stipendium aus, um ihm ein sorgloses Leben zu garantieren und er hatte geglaubt, damit bis zum Ende seines Studiums weiter machen zu können.
Doch dann war eines Abends jener Ausländer erschienen, der ihn aufmerksam beobachtet und viel mehr Geld in den Hut geworfen hatte, als es am Fuß der Sacre Coeur üblich war.
Das Geld war es auch, das Renard erst auf das fremde Gesicht aufmerksam werden ließ.
Schon am folgenden Abend sah er den Mann erneut und dieses Mal bat ihn der Fremde nach der Show um ein Gespräch, ja er lud ihn zu einem späten Abendessen in eines der Straßenbistros ein.
Der Mann, der sich als Brian Connelly vorstellte, trat an diesem Abend mit einem Angebot an Renard heran, das jener nicht ablehnen konnte.
Er bot ihm einen Platz in seiner Show, vorausgesetzt, Patrice würde sich im Training und in den ersten Proben bewähren.
Er hatte damals nicht gezögert und wenn er vor sich ganz ehrlich war, würde er auch heute noch jenes Angebot nicht ausschlagen.

Comments

  • Author Portrait

    Interessante Perspektive. Spannender Einstieg. Du fessel zum Weiterlesen. Zur Perspektive. Du stellst hier ein Leben dar, wie es der Öffentlichkeit entging, und wie es sich kaum recherchieren lässt - ich konnte ihn selbst nicht miterleben und hab mich nur flüchtig mit der Person beschäftigt. Wie gesagt super Idee. Super Lesefesseln. Ich bin gespannt auf mehr.

  • Author Portrait

    Du stellst uns hier ein ganz anderes Leben vor. Ich habe nur eine vage Erinnerung an diesen Künstler und bin deshalb gespannt auf die Fortsetzung!

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