Das Versprechen

Es klopfte an der Tür und Alex trat ein.
„Entschuldigen Sie, darf ich herein kommen?“, fragte er sanft.
„Natürlich, setze dich mein Kind.“, meinte die ältere Dame. Sie lag in einem der üblichen Krankenhausbetten. Eine Infusion ging in ihre linke Hand.
Ein anderes Gerät piepte kontinuierlich.
„Du bist der Schüler, von dem meine Enkelin geredet hat?“, fragte Sie.
„Ich glaube schon.“
„Schön dich kennen zu lernen, mein Kind.“
„Die Freude liegt ganz meinerseits. Geht es Ihnen besser?“
„Ja, du hast mir das Leben geschenkt.“
„Ich habe getan was ich konnte. Und das war doch selbstverständlich.“
„Nein, weißt du, heute ist sowas nicht mehr selbstverständlich. Aber ist nicht gerade der Rhetorikwettbewerb, von dem mir meine Enkelin erzählt hat?“
„Ja, die Jury dürfte gerade die Gewinner verlesen.“, meinte Alex mit einem Blick auf die Uhr. Er hatte sich einen Stuhl an ihr Bett geholt und sich zu ihr gesetzt.
„Und das lässt du jetzt ausfallen?“
„Ja. Ich halte von den Siegern nie was."
„Und wenn du doch gewonnen hast? Sie meinte du könntest wirklich gut reden.“
„Da habe ich vorgesorgt. Das war alles kurzfristig geplant. Schließlich habe ich mehr davon, wenn ich mit Ihnen noch mal rede. Hier kann ich frei sein. Keiner schaut mir auf den Mund, ich muss nicht politisch korrekt sein. Deshalb schreibe ich auch Geschichten.1“
„Schön. Es freut mich wirklich, dass du dein Leben genießt. Genauso wie meine Enkelin.“, meinte die Frau. Sie strahlte von dem einen Ohr zum anderen.
„Sie ist sehr lieb und äußerst hübsch.“
„Ich mag sie auch.“
„Bitte kümmere dich um sie, wenn es ihr schlecht geht. Dir vertraue ich. Du warst so gut zu mir.“
„Das werde ich machen. Ich kümmere mich um sie. Habe immer ein Auge auf sie.“
„Weißt du, demnächst hat sie Schwimmunterricht in der Schule, und sie kann kaum Schwimmen.“
„Ich werde aufpassen. Machen Sie sich keine Sorgen.“
Ein Pfleger kam herein.
„Ey, junger Mann, die Besuchszeit ist schon lange um. Was machst du hier.“, meinte er grob.
„Bitte entschuldigen Sie, das habe ich nicht gewusst.“, meinte er höflich, aber nicht unterwürfig.
„Es war nett Sie kennen zu lernen. Ich bin hier wohl nicht erwünscht.“, verabschiedete er sich von der Frau, „Und ich werde auf sie aufpassen.“
Er stellte den Stuhl zurück und wollte gehen, doch der Pfleger versperrte die Tür.
 „Ne, ne. So geht das hier nicht. Du kommst jetzt zum Stationsleiter.“, meinte er und packte Alex am feste am Oberarm, doch dieser zog ihn blitzschnell weg und meinte warnend: „Bitte nicht anfassen!“ Dann gingen sie den Gang entlang zur Stationsleitung.

1Hier ist eine kleine Andeutung auf Alex Ansichten zu gesagten und geschriebenen. Man kann in Geschichten die Hauptfiguren das sprechen lassen, was man ausdrücken möchte, auch wenn man selber sich davon distanzieren kann. Außerdem kann man hier auch in der Hauptfigur den Autor erkennen.

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