Demaskierung

Es waren junge Leute, ein Mann, eine Frau. Seine Gesichtszüge kamen mir nicht wirklich bekannt vor, ebensowenig die Frau, die vielleicht ein, zwei Jahre jünger, so gerade mal zwanzig Jahre war. Selinas Griff an meinem Oberarm lockerte sich. Sie sah mich an, wendete den Blick aber sofort wieder zu den beiden. Vielleicht hatte sie erwartet, dass ich wieder die Zügel in die Hand nehme, aber ich stand wie angewurzelt da und sagte gar nichts. Max ließ die beiden durchsuchen und ebenso ihr Fahrzeug. "Und ihnen hat man heute schon einen Audi gestohlen?" fragte er lässig. "Ich will einen Anwalt!" sagte das Mädchen. "Den brauchst du noch lange nicht!" antwortete Max. "Ich bin nicht mehr bei der Polizei, Mädchen. An die übergeben wir euch, wenn ihr uns alles gesagt habt!" - "Wir sagen gar nichts!" meinte der junge Mann. "Du kannst dich natürlich bei deiner Ergreifung gewehrt haben... dabei kann man sich schon mal ein Kiefer brechen!" - "Max!" Ich wollte Max bremsen, doch Selina würgte schon wieder meinen Arm... "Ich habe nichts gegen Privatdetektive, wenn sie gute Arbeit leisten. Aber dein Vater, Mädchen, hat so viele illegale Dinge gedreht: Geldeintreibungen und so weiter. Er hat viele Kiefer gebrochen. Findest du nicht, dass es an der Zeit wäre, ihm das an seiner Tochter zurück zu geben? Wenn er heute Vormittag nicht gekniffen hätte, dann hätte er jetzt dein Problem. Zwei halbe Kinder loszuschicken. Das sieht ihm ähnlich, diesem Arschloch. Abhauen, wenn es brenzlig wird und die eigene Tochter losschicken, das Schwein!" - "Was hätten sie denn getan? Er braucht seine Lizenz!" Der Junge schüttelte den Kopf: "Halt die Fresse, du dummes Luder! Merkst du nicht, dass du alles verrätst?"
Ich spürte, wie Selinas Griff etwas Lockerer wurde. Sie stand auch nicht mehr so reserviert bei mir. Sie wirkte fast, als ob es ihr leid täte, wie sie in den letzten Minuten agiert hatte. "Und was sagst du?" fragte sie mich leise. "Ach, hab ich denn auch was zu sagen?" fragte ich beleidigt. "Ich hab dir schonmal gesagt, du bist zu gut für diese Welt!" zischte sie und sah mich dabei nicht mehr so streng an, wie vorhin. Mein Blick allerdings, schien sie zu erschrecken...
Ich hielt mich nun völlig raus und ließ Max seine Show abziehen. Ich wusste, dass er sich nichts zu Schulden kommen lassen würde. Er wusste genau, wie weit er gehn konnte und er kannte den Detektiven offenbar, welcher sich mit seltsamen Aufträgen über Wasser hielt. Und verraten hatten sie ihn praktisch auch schon. Die Frage war, wie kamen wir an den Auftraggeber? Ich hatte Max, von dem ich nicht wusste, dass er samt Selina bereits auf dem Weg gewesen war, gesagt, dass das Tor offengestanden hatte, obwohl ich es bei der Abfahrt geschlossen hatte. "Max, Georg sollte sich hinlegen und sein Bein hochlagern. Glaubst du das Palais ist sicher?" - Gib uns ein paar Minuten. Die Herrschaften hier werden uns begleiten. Ich habe noch ein paar Fragen!"
Max ließ die beiden in den Fond ihres Wagens setzen und fuhr den Mercedes zum Palais, einer seiner Leute saß dabei, einer fuhr Max' Fahrzeug und Selina stieg in den Fond des Rover zu Maria. Ich setzte etwas zurück und gab den Weg frei, um dann als letztes Fahrzeug in unser Grundstück einzufahren.  "Michael, hör mir bitte zu..." - "Später!" sagte ich lapidar.

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