Jeder hat irgendwann einmal Angst verspürt. Angst oder Furcht vor etwas, was unbekannt ist. Dieses Empfinden ist evolutionär, soll den Menschen warnen und Vorsicht walten lassen. Wer Furcht empfindet, bewegt sich langsamer und braucht mehr Zeit eine Situation entsprechend einzuschätzen. Ich persönlich kenne niemanden, der sich nicht vor irgend etwas fürchtet oder gar ekelt. Sei es nun vor einem dunklen staubigen Keller in dem fast kein Licht vorhanden ist, oder besser noch die Glühbirne unregelmäßig flackert. Oder ein plötzlich tropfender Wasserhahn der beharrlich immer nur einen einzelnen Tropfen Wasser fallen lässt, der klatschend hallend in das inzwischen halb gefüllte Becken fällt. Es gibt zahlreiche Beispiele für Unbehagen, die einem wahrlich eine Gänsehaut verschaffen, die kalten Schweiß auf der Stirn und auf dem Rücken entfachen. Manche Situation lässt sich auf einfache Art enträtseln, so dass man mit einem wohligen und erlösenden Glücksgefühl aus der Situation wieder heraus kommt. Doch es gibt auch solche Beispiele deren Begleiter der Tod ist. Situationen, aus denen einfach kein Entkommen ist. Oftmals versteht man nur die Anzeichen nicht oder will sie nicht wahr haben, die einen darauf hinweisen besser einen anderen Weg zu gehen. Besser eben nicht all zu neugierig zu sein und die Dinge so zu belassen wie sie sind. Für mich persönlich kann ich sagen das ich kaum Angst verspüre. Es ist eher eine Mischung aus Faszination und Schrecken, die mich dennoch weiter forschen lässt bis ich zu einem Ergebnis komme welches mich nüchtern auf den Boden der Tatsachen zurück holt. Fragen Sie sich einmal selbst, was ist es wovor Sie sich fürchten oder ekeln. Können Sie genau benennen worin der Grusel, eine gewisse Form von Horrorvorstellungen besteht ? In der nun folgenden Geschichte möchte ich Ihnen ein Beispiel liefern in dem eine der elementarsten Ängste, Horror- und Wahnvorstellungen eine ganz besondere Rolle spielt. Wer weis, vielleicht können gerade Sie diese Furcht nachempfinden.


Ein langer, sehr langer und anstrengende Arbeitstag im Leben von Melwin neigt sich dem Ende und läutet zu dem das wohlverdiente Wochenende ein. Es ist Freitag. Schon auf der Heimfahrt von der Arbeit regnete es in Strömen. Die Scheibenwischanlage seines Scoda Octavia leistet auf der höchsten Stufe Schwerstarbeit um die Wassermassen beseitigen zu können. Links und rechts der Frontscheibe spritzt das Wasser nur so im Hohen Bogen vom Fahrzeug während der Fahrt weg. Und wäre unglücklicherweise gerade ein Passant am Straßenrand gewesen, er hätte eine deutliche Portion des kühlen Nass über sich ergehen lassen müssen. Blitze durchzogen den tief dunkelgrauen Himmel und malten eine ganz besonders beklemmende und gespenstische Stimmung. Die Schatten in den Straßen, zwischen den Häusern und Bäumen schienen zu tanzen und sorgten für ungewohntes Leben auf Fußwegen, in Gärten und Gassen. Die Straßen waren voller sich langsam fortbewegender Stahlkolosse, deren Glanz durch die nasse Umgebung auf Grund des schwer fallenden Regens ganz hervorragend reflektieren und somit die Autofahrt von Melwin nicht gerade erleichtern, ganz im Gegenteil. Er musste sich sehr auf den Straßenverkehr konzentrieren um nicht ungewollt einen Unfall wortwörtlich in die Wege leiten zu wollen. Große Regentropfen prasselten auf das Dach seines Fahrzeugs und dabei krachte es so laut, als würde einer mit Trommelschlägen auf das Auto eindreschen. Immer und immer wider schossen grelle weiß blaue Blitze vom Himmel und erhellten die Gegend für einen kurzen Augenblick wie in einer Discothek, in der jede menge Stroboskope zum Einsatz kommen. Die Luft war schwanger von Schwefel, Erde und Wasser. Sorgte allerdings auch für eine gewisse Klarheit. Der natürliche Luftfilter funktionierte ganz außerordentlich. Das Grollen und den Donner hörte er kaum. Dafür war das prasseln des Regens zu hämmernd und laut. Er brauchte gut eine Stunde um durch den dichten und zähen Straßenverkehr nach Hause zukommen. Dreimal die Woche ging er in ein recht günstiges Fitnesscenter, denn er wollte körperlich ein wenig fitter sein. So auch heute.Von zu Haus nahm er seine bereits gepackte Sporttasche und machte sich auf zum Sport. Sehr spät am Abend, es war schon fast 22:00 Uhr, kam er wieder zurück körperlich und geistig ausgepowered und völlig erledigt. Nun war endlich Wochenende, endlich die Beine hoch legen, noch ein bisschen Fernsehen und dann in aller Ruhe den Tag bei einem guten Glas Wasser ausklingen lassen.

Wie jeden Abend kurz vor dem zu Bett gehen machte er seine kleine Runde und kontrollierte Fenster und Türen, ob sie auch wirklich verschlossen waren. Denn der Gedanke das er vergaß eine Tür oder ein Fenster zu schließen und nachts plötzlich ein wildfremder Mensch an seinem Bette Stand, brachte ihn schier um den Verstand vor Angst. Doch auch an diesem Abend war alles in Ordnung. Und so ging er ins Bad um sich für die kommende Nacht vorzubereiten. Hoffentlich konnte er auch gut schlafen. Denn es war angehender Vollmond und in solchen Nächten hatte er stets große Schwierigkeiten einschlafen zu können. Kaputt war er jedenfalls genug und müde auch. Es sollte also reichen um der Gespenstischen Kraft des Mondes zu trotzen. Melwin drehte den Wasserhahn auf so dass kaltes Wasser fließend aus dem Hahn schoss. Das wohlige Geräusch reißenden Wassers hatte eine beruhigende Wirkung auf ihn. Was zur Folge hatte das er sich nur noch mehr auf sein wohlverdientes Bett freute. Wie er so im Bad am Waschbecken steht, in den Spiegel blickt der von zwei schwachen Leuchten links und rechts umsäumt ist und sich sein Gesicht vor Müdigkeit reibt, wird er auf einen kleinen dunklen Fleck aufmerksam, der am Spiegel zu kleben scheint. Als wäre es nichts, wischt er diesen Fleck am Spiegel mit der linken Hand weg. Unbehelligt reibt er sich erneut sein Gesicht und erfrischt sich mit einer Ladung Wasser die er sich ins Gesicht wirft, denn er ist ganz schön abgeschlafft. Und als er abermals über den Spiegel blickt erkennt er, das er den Fleck wohl nicht getroffen haben kann. Denn er ist noch immer da. Ein kleiner dunkler störender Fleck mitten im Spiegel. Und er störte ihn. Nun nahm er einen einzigen Finger zur Hilfe und rieb an der Stelle des Spiegels an dem er den Fleck sah. Nichts, es passierte einfach nichts außer das seine Haut, die auf der Glasoberfläche entlang rieb anfing zu quietschen. Mit dem Kopf beugte er sich näher dem Spiegel entgegen um besser erkennen zu können, was das für ein verdammter Fleck ist, der sich nicht vertreiben ließ. Mit leicht zugekniffenen Augen starrte er auf diesen Punkt, fixierte ihn und nahm seine Finger weg damit er besser sehen konnte. Er war nur noch zwei Zentimeter vom Spiegel entfernt. Seine Augen weiteten sich nachdem er längere Zeit darauf gestarrt hatte, denn dieser Fleck schien sich nun ganz langsam zu bewegen. Lange hat es gedauert bis Melwin begriff das nicht der Spiegel einen Fleck hatte den es zu entfernen galt, sondern das es sich dabei lediglich um die Spiegelung eines Etwases von der gegenüberliegenden Seite handelte. Blitzschnell drehte sich Melwin um, blickt an die Stelle an der dieser dunkle sich langsam bewegende Fleck sein musste und ging langsam darauf zu. Es war totenstill im Haus, lediglich das klatschen seiner Füße auf den kalten Fliesen war zu hören neben dem rauschenden Strom kühlen und erfrischenden Wassers im Waschbecken. Als er begann zu begreifen was es sein musste, was sich an seiner Wand fort bewegte, bildeten sich Schweißperlen auf seiner Stirn und sein Herz fing an zurasen. Der Puls schnellte in die Höhe, er bekam Atemnot und suchte schnell und mehr stolpernd als gehend das Weite. Fest schloss er die Badezimmertür hinter sich und hielt die Klinke fest in der Hand als wolle er sicherstellen das niemand von innen her diese herunter drücken und somit die Türe öffnen konnte. "Eine Spinne, eine verdammte Spinne." brachte er keuchend heraus. Er ging in die Wohnstube zurück, schaltete den Fernseher an und setzte sich in den großen alten Ohrensessel, in dem er stets seine Entspannung genoss. Im Fernsehen lief einer dieser sehr alten Schinken in schwarz weiß. Was das für ein Film ist und wie er hieß wusste er nicht. Das was dort gerade lief war für ihn mehr und minder nichtssagend und so schaute er einfach hin um sich zu beruhigen. Der ganze Körper suchte Entspannung und sackte in dem Ohrensessel förmlich zusammen. Langsam normalisierte sich sein Puls, das Herz fand wieder seinen eigenen Rhythmus und Melwin atmete wieder ruhig und gelassen ein und aus. Es war alles gut. Aus einer Flasche schenkte er sich ein Glas Wasser ein. Überall im Haus hatte er eine gefüllte Flasche mit Wasser und dazu ein Glas stehen, um jederzeit einen Schluck dieses herrlichen Nass zu sich zunehmen. Den Fernseher hatte er etwas lauter gestellt. Die Hintergrundmusik des Films erinnerte an etwas psychedelisches, an etwas wie die berühmteste Szene aus dem Film "Psycho". Als er gerade noch zu einem weiteren Schluck ansetzte und in Richtung des Fernsehers blickte während diese grausame Musik im Hintergrund eine sehr beklemmende Stimmung erzeugte, fand ein schneller Bildwechsel statt und er wurde von sechs oder waren es gar acht großen, riesigen Augen die von einer starken Behaarung umrandet waren und dadurch noch fürchterlicher wirkten eiskalt und völlig emotionslos angestarrt. Das vorderste Augenpaar war um einiges größer als die anderen. Sie waren tief dunkel, fast schon schwarz. Umrandet wurden sie von silbergrauen langen starren Haaren die schon fast wie Borsten wirkten. Keine Regung, kein Zwinkern war in Ihnen zu erkennen. Lediglich ein kleiner Lichtkegel spiegelte sich in Ihnen. Dieser Moment schien eine Ewigkeit anzudauern. Melwin, erneut starr vor schreckt, versteifte sich in seinem Sessel und sein ganzer Körper streckte sich zu einem Brett. Sein Gesicht verzerrte sich als würde er irrsinnige Schmerzen verspüren. Seine Finger krampften und brachten das Glas aus dem er gerade trinken wollte zum bersten. Glasscherben flogen durch den Raum und rissen kleinere Furchen in seine Hand. Blut tropfte aus seiner verletzten Hand, lief seinen Arm hinab und versackte in seinem Ohrensessel. Lediglich ein dunkelroter feuchter Fleck verriet, das es hier ein kleines Unglück gegeben haben musste. Das Bild im Fernseher wechselte erneut und der Abspann des Films begann gefolgt von den täglichen Nachrichten. Sofort begann sein Körper damit, sich wieder zu entspannen. Von Schweiß überströmt wischte er sich mit einem Hemdärmel sein Gesicht und schlurfte in die Küche um sich um seine Wunde an der Hand zu kümmern, sie ordentlich zu versorgen. Auf dem Weg dorthin viel so mancher kleiner Tropfen Blut auf den Boden, was er jedoch gar nicht mitbekam. Dort wo die Tropfen seines Blutes auf den Boden vielen, huschten kleine Schatten schnell und erregt vorüber. Verweilten einen kleinen Moment und suchten dann wieder den Schutz der Dunkelheit. Wie er so abermals am Waschbecken stand und seine Wunde versorgte war ihm, als würde eine ganz seichte, kaum spürbare Erschütterung durch sein Haus gehen. Er war sich nicht sicher ob es wirklich an dem war, das das Haus stöhnte und ächzte oder er einer Sinnestäuschung auf Grund der für Ihn dramatischen Ereignisse an diesem Abend erlag. Nachdem seine Hand nun gut gesäubert und verbunden war, ging er wieder in die Stube, zurück in seinen Ohrensessel und zapte durch die Fernsehprogramme in der Hoffnung eine seichte und freundliche Unterhaltung zum Abschluss des so anstrengenden Tages finden zu können und um auf andere Gedanken zu kommen. Als er seinen rechten Arm nun auf die Lehne des Sessels fallen lies und dieser direkt auf dem nassen von Blut getränkten Fleck traf, war da noch was anderes. Ein Knubbel, etwas erhöhtes, etwas was seines Erachtens vorher nicht da war und auch nicht hingehörte. Ungeachtet schleuderte er es mit einer schnellen unkontrollierten Handbewegung einfach fort und wendete sich wieder dem Fernsehprogramm zu.

Dieses kleine Etwas, was Melwin von der Armlehne seines Sessels fort schleuderte flog quer durch den Raum, prallte gegen eine Wand, viel zu Boden und blieb dort mit zappelnden und gekrümmten Beinchen liegen. Eine dieser im Raum verteilten Glasscherben des zerborstenen Glases, welches Melwin durch seine krampfende Hand zerstört hat, hat sich durch den Leib der kleinen Kreatur gebohrt und stach wie ein leuchtender Mast auf der oberen Seite heraus. An dieser Scherbe, diesem Glassplitter haftete nun das Blut dieser Kreatur und ran ganz langsam herab. Ein zweimal zuckte da noch ein Beinchen und dann gingen die Lichter aus. Nichts rührte sich mehr. Es war gut, das Melwin nicht genauer hingesehen hat, was da so an seiner Armlehne gelutscht und gesogen hatte. Blut, schien eine beliebte Nahrungsquellen für dieses Etwas zu sein. Denn aus den Ritzen am Boden, die direkt an die Wand mündeten, aus kleinen Löchern erstreckten sich lange dünne Beine, an denen ein dickerer Körper hing und krabbelten mit seichten aber hörbaren Getrippel auf den leblosen Körper zu, der eines Ihresgleichen war. Es waren einige dieser Kreaturen die den Weg aus der Finsternis wagten und es hörte sich an als würde man eine Dose voller Stecknadeln umdrehen und die Nadeln auf den Boden fallen lassen. Mit ungeheurer direkter Brutalität gingen die Artgenossen zu werke und zerteilten diesen Leichnam. Sie schienen sich zu streiten, denn jeder wollte etwas ab haben. Und so war sehr schnell nichts weiter von der Kreatur übrig geblieben als dieser Glassplitter mit den Resten des Blutes auf dem sich diese Kreatur rücklings aufgespießt hatte. Melwin registrierte diese Geräusche nur am Rande, rieb sich am Ohr als hätte er sich verhört und schenkte diesen Geräuschen keinen weitere Bedeutung. Das dies ein fataler Irrtum war würde er später noch feststellen.

Melwin vielen die Augen bereits zu, er war hundemüde. Auf der Uhr die an der Wand hing und die so zeitlos vor sich hin tickt, zeigen die Zeiger bereits an, das es 01:45 Uhr in der Nacht ist. Von daher beschloss er sich ins Bett zu begeben. An die Vorfälle des Abends dachte er schon gar nicht mehr und freute sich nur darauf sich endlich in sein Bett zu kuscheln und den Schlaf der Gerechten und sündlosen zu schlafen. Melwin ging erneut ins Bad, zog seinen Pyjama an, wusch sich, putzte die Zähne und schlurfte mit nur halb geöffneten Augen in sein Schlafzimmer. Er hatte nur eine kleine Lampe an seinem Bett angeschaltet damit er ungefähr den richtigen Weg fand. Hätte er jedoch die Große Deckenlampe angeschaltet, hätte er wahrscheinlich gesehen das er nicht allein im Raume wahr. Viele tausende winzig kleiner Augen starrten unablässig auf Melwin, ja verfolgten seine Bewegungen. Endlich im Bette liegend zog er sich seine Bettdeck bis an die Schultern hoch wobei sein einer Arm auf der Decke liegend zum Stillstand kam. Sehr schnell schlief er ein und war ruhig und still. Melwin versank in tiefe dunkle Träume, wurde zunehmend unruhiger und sein Atem wurde flacher, schneller und unregelmäßiger. Es musste ein Alptraum sein den er gerade träumte. Kleine Schweißperlen zeigten sich auf seiner Stirn die schließlich zu einem kleinen Rinnsal wurden, sein Gesicht hinab liefen und das Kopfkissen durchnässten. Seine Beine strampelten in unregelmäßigen Abständen, er warf sich von links auf rechtes und von rechts auf links. Und das alles während er schlief und träumte. In seinem Schlafzimmer tat sich derweil etwas merkwürdiges. Es war ein zunächst sehr leises Trippeln zu hören was stetig lauter wurde und näher kam. Der Raum schien sich zu bewegen, ja fast schon lebendig zu sein. Wie eine wabernde Masse die sich gleichmäßig pulsierend bewegte, als würde das Haus, das Zimmer in dem Melwin lag und schlief atmen. Irgendwann, war es soweit. Jeder der Alpträume hat, wacht irgendwann einfach auf, weil ein Punkt erreicht ist, in dem der schlafende und ruhende Geist die Notbremse ziehen und seine Hülle in Bewegung setzt. So auch bei Melwin. Voller Schrecken und Angstgefühl wachte er auf, lag gerade auf dem Rücken und konzentrierte sich auf seine Atmung. Es war kühl und feucht im Raum und so bildeten sich kleine Atemwolken die aus seinem Mund kamen und gute 10 Zentimeter in die Luft stoben. Das Kondenswasser rieselte als kleiner feiner Nieselregen wieder auf sein Gesicht herab, so dass er in kürzester Zeit klitschnass auch im Gesicht war. Es roch nach feuchter Erde im Raum, schon fast modrig. Seine Linke Hand tastete nach dem Lichtschalter seiner kleinen Nachttischlampe. Patschte auf dem Nachttisch ziellos herum bis sie endlich den Schalter fanden. Ein Klickgeräusch bestätigte das Einschalten der Lampe gefolgt von einem nicht sehr hellen und eher dumpfen Lichtschein der dafür sorgte, das sich Melwin zumindest seine nähere Umgebung ein wenig besehen konnte. Seine Hand blieb auf dem Lichtschalter liegen. Melwin blickte zur Decke und versuchte sich zu beruhigen. Irgend etwas kitzelte ihn an der Hand die auf dem Lichtschalter lag. Nur ganz leicht, fast schon zärtlich. Er brauchte einen Moment um das überhaupt zu bemerkten und schnippte ungeachtet mit einem Finger dorthin wo diese Empfindung stattfand. Für einen kurzen Moment war Ruhe. Dann jedoch erneut, ein kleines winziges kitzeln fast so, als würde man eines dieser großen Blätter berühren die lange weiche Härchen haben und deren Oberfläche eher rau sind. Noch einmal, diesmal aber kräftiger, schnippten seine Finger und trafen das, was kurz daraufhin im Dunkel verschwand und durch die Wucht des Schnippens fort geschleudert wurde. Nur ein kleiner Dumpfer Aufprall zeugte davon, das da irgendwas im Wege war. Etwas Ruhe kehrte ein. Melwin lag völlig entspannt in seinem Bett und seine Augen vielen ihm auch schon wieder zu, als ihn ein stechender und beißender Schmerz seiner Hand abrupt wieder ins Leben führte. Ein lauter Aufschrei ließ ihn sich aufrecht in sein Bett setzen. Er zog seine Hand zu sich heran und begann den Schmerzpunkt mit der anderen Hand zu reiben. Mit großen Augen betrachte er sich die Stelle, die so schrecklich brannte und aus der Blut tropfte. Es waren zwei mittelgroße Einstiche, zwei richtig tiefe Löcher im Handrücken, die ihn irgendwas in seine Hand geschlagen hatte. Blut lief über seinen Handrücken. Während er sich seine Wunde so besah und ableckte, vernahm er diese merkwürdigen Geräusche um ihn herum. Es war eine Mischung aus klackern, fast so wie das trippeln vieler kleiner harter Beinchen die auf Holz stießen und ein quietschen, was so ähnlich klang wie ein sehr hohes Kreischen oder schreien was nur in großen Massen Gehör fand. Der Holzboden knackte und knirschte lautstark demonstrierend als müsste es eine unmenschlich schwere Last tragen. Melwin blickte sich um. Versuchte der Ursache dieser Geräusche auf die Spur zu kommen. Neben diesem Getrippel ertönten nun auch laute kräftigere Stöße als würde jemand mit einem großen Schweren Gegenstand auf dem Boden unter ihm schlagen. Ein nachfolgendes Rascheln verstärkte diesen Eindruck wobei das Haus unter diesen Erschütterungen ein Eigenleben entwickelte und etwas sachte wankte. Mit den Beinen voran verließ Melwin das Bett, ging ein paar Schritte und stand nun aufrecht mitten im Raum. Das Trippeln war noch immer zu hören. Blut troff weiterhin aus seiner Wunde, und viel zu Boden. Irgendetwas stürzte sich sofort auf diese Blutflecken und verschwand so schnell, wie es erschienen war. Fast wie in Trance stand er da, kam sich wie in einem lebendig wirkenden Alptraum vor. Ein schmatzen und Schlürfen von kleinen Lebewesen war zu vernehmen, gar nicht weit von ihm entfernt. Er konnte nicht ganz aus machen woher und was es war. Etwas zog an seiner Pyjamahose. Zumindest wurde sie von selbst etwas schwerer und er ertappte sich dabei das er sie immer mal wieder ein Stückchen weiter hoch zog. Sie krabbelten langsam und geschmeidig bereits an seiner Kleidung herauf. Melwin bekam das nicht so richtig mit und richtete nur immer wieder den Sitz seiner Pyjamahose. Dabei vielen einige dieser krabbelnden Kreaturen immer wieder herunter. Die Geräusche wurden inzwischen so laut das sie einem Meeresrauschen gleich kamen und Melwin stand noch immer sehr ruhig, eher neben sich stehend mitten in seinem Schlafzimmer. Blickte langsam von seiner verwundeten Hand auf, die er sich noch immer rieb. Und als er den Kopf in Richtung Decke streckte, kam ihm ein dunkler Fleck wie ein schwarzer Schatten entgegen. Als dieser schnell größer wurde erschrak er zu tiefst. Denn er blickte in ein Gesicht mit acht Augen, wobei zwei davon deutlich größer waren als die anderen und mit silbergrauen borstenartigen Haaren umsäumt waren. Ganz nah und keine zwei Zentimeter von seinem Gesicht entfernt, blickte Melwin in diese eiskalten toten leblosen Augen, in denen sich lediglich der fahle Schein seiner Nachttischlampe spiegelte. Der Schrecken war so groß, das es in seinem Körper zu einem regelrechten Totalausfall kam und sämtliche Muskeln ihre Kraft verloren. Sein Körper viel in sich zusammen wie ein Handtuch was man nach dem duschen fallen lässt und blieb so auf dem Boden liegen, wobei er noch im Fall seine Nachttischlampe umstieß und ebenfalls zu Boden riss. Mit leicht überstrecktem Kopf, offenem Mund aus dem lediglich ein Röcheln zu hören war und weiten angsterfüllten, von Entsetzen geplagten und gepeinigten aufgerissenen Augen lag er da am Boden. Sein ganzer Leib zuckte in kleinen kurzen abrupten Schüben und zeugten davon, das noch etwas Leben in ihm steckte. Seine Haut hat sämtliche Farbpikmente verloren, war leichenblass und knochentrocken. Seine Haare standen vom ganzen Körper weit ab, als wäre ihm bitter kalt und er müsste erfrieren. Der Duft von frischer nasser modrigen Erde kam ihm nun deutlich intensiver vor. Sein Blick richtige sich Hilfe suchend auf das kleine schwache Licht seiner am Boden liegenden Nachttischlampe. Er sah sie näher kommen. Viele dieser kleinen Kreaturen näherten sich ihm langsam. Sie traten aus dem Dunkel in den fahlen Schein der Nachttischlampe und kamen auf Melwin zu. Was er hörte war nur noch das Getrippel vieler tausend kleiner harten Beinchen die auf seinem Holzboden Marschierten. Das Holz ächzte unter der schweren Last bis es schließlich nachgab und zerbrach. Ein riesiges Loch entstand an der Stelle an der Melwin eben noch Lag. Er selbst viel gefühlt ins bodenlose, durch gigantische Spinnweben und Netze hindurch, die sich im Keller im Laufe von Jahren gebildet haben mussten. Staubwolken folgten seinem Fall und ergaben eine undurchdringliche Nebelwand, für nur einen kurzen Augenblick. Melwin war völlig außerstande sich zu rühren, sich in irgendeiner Form zu bewegen und knallte mit harten Schlägen auf den Boden im Keller, wobei so mancher seiner Knochen lautstark protestierend zerbracht. Eine Etage tiefer, wo es noch dunkler war als in seinem Schlafzimmer blieb er liegen und blickte nach oben. Einzig seine Nachttischlampe hing an dem Kabel ein Stück weit am Abgrund herunter und leuchtete ihn voller Hohn sanft schaukelnd an. Der Staub legte sich so langsam und gab einen klarer werdenden Blick in das Kellergewölbe frei. Überall waren dicke Netze und Spinnweben, sie durchzogen den gesamten Keller und waberten seicht im Wind. "Ein Licht am Ende des Tunnels..." waren seine letzten Gedanken als er sah, das sich eine schwarze Welle an kleinen Kreaturen wie bei einem Monsun über den Abgrund in seine Richtung ergoss. Ein zwei große harte dumpfe Schläge hörte er unweit seines Kopfes noch sich in den kalten Boden schlagen, als sich auch schon ein riesiger Kopf in der Größe eines Elefantenschädels über sein Gesicht schob. Acht verdammt große Augen voller Grauen. Acht Augen die ihn eiskalt und leblos anstarrten, ihm das Leben förmlich aus seinem regungslosen Körper sogen, starrten ihn unbarmherzig und unablässig an. Acht Augen, in denen sich lediglich ein winziger weißer Kegel des Lichtes der herab hängenden und flackernden Nachttischlampe spiegelte und sonst keinerlei Regung zeigten. Umsäumt von silbergrauen borstenartigen langen Haaren. Der Geruch von kalter nasser Erde nahm den ganzen Raum ein. Melwin tat seine letzten Atemzüge als ein Tropfen des klebrigen Geifers dieser Kreatur fast wie in Zeitlupe fallend von seinen gigantischen spitzen und im Schein der Nachttischlampe glänzenden Beißwerkzeugen direkt in seinen vor Angst erstarrten und weit geöffneten Mund troff. Woran er schließlich erstickte. Seine Augen weiteten sich noch ein zweimal pulsierend im Todeskampf bevor sie sich beruhigten, starr und ebenso leblos offen blieben. Die letzten Zuckungen verstummten nach dem das Leben diesen Körper verlassen hatte und sich die schwarze Woge an kleinen Kreaturen über ihn hungrig und voller Euphorie ergoss.


Comments

beta
Fairy Dust

Navigation

Languages

Social Media