Nach und nach häufte sich die Last, die ich täglich in meinem Innerem tragen musste, bis sie sich magischerweise in Luft auflöste. Alle betrüblichen Ereignisse, die mich zu meiner Entscheidung gedrängt hatten, waren wie vom Erdboden verschluckt. Denn als die plagende Last verschwand, nahm sie alles mit sich, sodass in mir nur noch absolute Leere herrschte. Ein einziger Gedanke liess mich Erlösung fühlen. Aus dieser grausamen Welt entschwinden zu können und das einzige Opfer, das gebracht werden musste, war, meinen zarten Körper dem Irdischem zu hinterlassen, sodass ich endlich in das vollkommene Paradies fliegen konnte. Sogar das Risiko, in Vergessenheit zu geraten, nahm ich in Kauf, nur um  wieder das Gefühl des Glückes verspüren zu dürfen. Doch dieser Traum war reine Einbildung und als ich wieder aus dem Traumland mit einem Wecker gerissen wurde, nahm der Teufelskreis seinen gewohnten Lauf. Wieder stachen ihre Worte wie Messer  in mich ein und liessen mich dort still und ohne Aussicht auf Rettung verbluten. Erneut befand ich mich im Meer, welches aus meinen eigenen Tränen bestand. Weit und breit befand sich keine Menschenseele, sodass ich ungestört weinen konnte, was für mich das Fenster meiner Seele, durch welches ich Luft holen konnte, symbolisierte. Unfähig mich zu bewegen, stieg das Wasser an und liess mich langsam ertrinken. Ich schrie, doch niemand schien es hören zu wollen. Meine Hilferufe waren dem gleichem Schicksal wie mir entsetzt, dem Untergang. Dem Meer aus Tränen gelang es schlussendlich meine Erscheinung zu überdecken und ich verspürte keinen Zwang mehr mich dagegen zu wehren. Ich hatte meine aussichtslose Situation anerkannt und war bereit zu gehen. Der Abschied fiel mir schwer, doch das Bleiben erschien mir noch unerträglicher. Ich rettete mein Leben, indem ich es beendete. Jetzt blicke ich zurück und bin befreit worden. Ich fand  das Glück und hoffte darauf, dass mein nächstes Leben lebenswerter zu sein vermochte.

Comments

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    Ich möchte mich den andren anschliessen! Wenn dich solche Gedanken umtreiben, ist es völlig legitim sich Hilfe zu holen und auch mal ein Antidepressivum zu nehmen. Es gibt heute sehr gute Sachen. Ich rede da aus eigener Erfahrung. Bitte warte nicht zu lange! Geschrieben aber sehr schön, darum ein Like von mir trotz der tieftraurigen Thematik!

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    Liebe zoe! Deinen gut geschriebenen Text empfinde ich als Hilferuf. Du schreibst im Klappentext, es handle sich dabei um deine suizidalen Gedanken. Hier auf Belletristica - wo auch ich dich herzlich willkommen heiße - unterstützen wir uns zwar respekt- und liebevoll, das wirst du bestimmt noch merken. Aber professionelle Hilfe können wir nicht bieten. Auch ich möchte dir, wie Seegraf, ans Herz legen, dir Unterstützung zu holen. Von Herzen alles Gute dir!

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    Ein tieftrauriger Text, der mich, so gut er auch geschrieben sein mag, mit Sorge erfüllt. Sollte er autobiografisch sein und du tatsächlich solche Gedanken hegen, so wirst du zwar hier auf Belle, wo ich dich willkommen heiße, liebe Menschen finden, die immer ein offenes Ohr für Menschen in Not haben. Trotzdem würde ich dir in diesem Fall ans Herz legen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen! Für den Text an sich kriegst du ein Daumen oben von mir, ich wünsche mir aber, dass du meine Worte ernst nimmst...

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