Der Fall

 Mit der Schwerkraft ist das so eine Sache. Wenn man nur ein paar Meter fällt, wie bei diesen billigen Türmen auf einem Rummel, dann fühlt es sich an als würde einem der Schädel weggepustet werden.

Doch dieser Sprung ins Schwarze ist komplett anders.

Klar, am Anfang ist diese Gefühl der Angst gemischt mit Freude da, aber schon nach wenigen Herzschlägen bemerkt man es gar nicht mehr.

Und so fiel ich, ohne eine Art von Gefühlen. Ich versuchte mich so zu drehen, dass ich im Schneidersitz viel und entspannte mich. Langsam lichtete sich der dicke weiße Neben und man erkannte die kahlen, grauen, glatten Wände des Schachtes. Der tosende Wind, der mit bis jetzt um die Ohren gesaust war, lies nach und es wurde still. Unter mir spürte ich einen Winderstand und ich fiel langsamer. Meiner Kleider legten sich wieder an und wusste das es gleich zu Ende sein würde mit diesem ruhigen dahinfallen.

Als ich nach unten blickte sah ich den blanken Holzboden auf mich zukommen und streckte mich. Leichtfüßig, wie bei einem Sprung von der Bordsteinkante, landete ich auf dem Grund. Die Dielen unter mir gaben ein widerspenstiges Ächzen von sich.

Um mich herum war es stockduster, so finster das man nicht mal seine eigene Hand sehen würde wenn sie nur 2 Zentmeter von dem eigenen Gesicht entfernt wäre.

Ein eisiger Wind rauschte an mir vorbei. Er wehte mir die zerzausten braunen Haare aus dem Gesicht, die mir lang und wellig über die Schultern fielen, wenn sie den mal gebürstet waren. Ich spürte eindeutig das ich hier nicht alleine war. Irgendwer oder Irgendwas befand sich ebenfalls am Übergang. Das ist wirklich merkwürdig, denn normalerweiße vermeiden es die Lebewesen hier, an diesen Ort zu kommen, aus Angst das sie in die Hölle da oben hinaufgesogen werden könnten.

Ein leises kichern rechts neben mir erregte meine Aufmerksamkeit. Wieder wehte eine kalte Brise um mich herum. Aber nicht so stark wie beim ersten Mal. Es fühlte sich so an, als würde deine beste Freundin vor die sitzen und dir ins Gesicht pusten, nur um dich kirre zu machen.  Die Brise trug einen frischen Duft von Lavendel mit sich.

Ich fing an zu grinsen. Diesen Geruch würde ich überall wieder erkennen. Wieder hörte ich ein leises kichern, doch diesmal links von mir. Dann hörte ich schnell auf mich zukommende Schritte und machte einen Schritt vorwärts, genau in dem Moment als das was die Schritte verursachte gegen mich gelaufen wäre. Es rauschte nur knapp an mir vorbei und gegen die Wand auf der anderen Seite, die nur 2 Meter entfernt gewesen war. Ein lautes Uff halte die hohle Steinröhre hinauf und erzeugte einen Hall. Kurz darauf lachte jemand neben mir lauthals auf. Im selben Moment gingen die Lampen an den Wänden an, die etwa 4 Meter über unseren Köpfen hingen.

Vor mir saß ein Junge, etwa 18 mit schwarzem zerzausten Haaren, die er offenbar noch nicht gekämmt hatte. Die vermutlich noch nie einen Kamm gesehen hatten.

Er lachte weiter versuchte sich aufzurappeln, doch durch das Lachen zitterten seine Beine so sehr, dass er wieder an der Wand hinab rutschte und sitzen blieb. Aus seinen blauen Augen rannen Tränen, die ihm wie kleine Bäche die Wangen runter liefen.

"Jetzt komm mal wieder runter Wes!" Hinter mir sprach eine weitere Person mit einem missbilligendem Unterton. Doch Wes lachte einfach weiter, bis es zu einem leisen glucksen wurde und er sich endlich dazu imstande füllte sich aufzurichten.

Ich wandte meinen Blick auf den Sprecher hinter mir. Wieder war es ein Junge und etwa genauso alt wie Wes. Doch er hatte Hellbraunes Haar, das zwar auch nicht gekämmt aussah, aber weitaus gepflegter. Er stand lässig gegen den Bogen gelehnt, der der einzige Ausgang aus dem runden Raum war, und funkelte Wes mit seinen grüngrauen Augen an. Dieser war inzwischen neben mich getreten.

"Ganz ruhig Dustin! Kein Grund gleich zu einem grummeligen alten Greis zu mutieren!" Wes ließ sich offenbar mit nicht aus der Ruhe bringen, oder vielmehr die gute Laune verderben.  

"Schön! Wenn ihr dann euren Spaß gehabt habt, dann können wie ja, nur vielleicht gehen. Ich bin nämlich nicht scharf darauf hier zu versauern!" Obwohl ich nichts witziges gesagt hatte fing Wes wieder an zu glucksen. Dustin hingegen schenkte mir nur ein grinsen.  

"Na dann... auf zum Schloss!" Wes seine Stimme war voller Übermut und manchmal fragte ich mich wie alt er eigentlich wirklich war. Wir stapften einen langen Tunnel entlang. Dustin bevorzugte es offenbar, wie immer alleine voran zu gehen und Wes hüpfte dezent neben mir her und pfiff irgendeine Melodie. "Weißt du was dein Vater von mir wollte? Er benutzt doch sonst nie das Telefon was ich ihm gegeben hatte." Ich hielt meine Stimme mit Absicht leiser, damit nicht auf einmal Dustin hier mit auftauchte und seine blöden Kommentare von sich gab. "Öhm... Ne keinen Schimmer sorry!" Er lächelte mich schuldbewusste an. Ich wusste das er mich anlog, war aber auch zu faul in seinem Kopf nachzuschauen. Bestimmt hatte er einen guten Grund es zu verschweigen und im Übrigen vermeide ich es die Gedanken von Freunden zu lesen. "Mexwell sollte es ruhig öfter benutzen. Das Telefon meine ich! Ich habe es ja nicht umsonst entwickelt, damit ihr mich kontaktieren könnt. Schließlich gibt es bei euch ja keinen Strom und deshalb auch keine Technik." Wes sah mich entgeistert an. Na klar, er versteht mal wieder kein Wort. War ihm auch nicht zu verdenken, schließlich passte er nie auf, wenn sein Vater ihm etwas versuchte mitzuteilen. "Nix, schon gut, träum ruhig weiter!" meinte ich schelmisch.

Von vorne war ein lautes Rufen zu hören. "Hey Lissa, beweg deinen Knackarsch mal schneller nach Hiervorne!" Dustin, natürlich. "Und was ist mit mir? Soll ich stehenbleiben oder was?" Wes schien verärgert. "Du läufst Lissa doch eh immer hinterher wie so nen Wackeldackel. Aber von mir aus kannst du auch da bleiben!" Dustins Stimme halte mit einem frechen Unterton durch den Tunnel. "`Key..." murmelte ich und verdrehte die Augen. Von Wes war nur noch ein "Mhmpf" zu hören.

 

Comments

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    Ich habe mir jetzt endlich mal etwas Zeit nehmen können die Teile durchzulesen und was mir aufgefallen ist: Dein Stil hat sich innerst kürzester Zeit sehr verbessert und du beschreibst alles sehr schön! 5/5

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    ich mag es, wie du den sprung beschreibst. und auch sonst wieder ein tolles kapitel! weiter so :)

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    Yay, Mexwell hat es in's Buch geschafft! :D

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