Der Fan (A)

Thomas Sicht:

Ich drückte auf Pause und lächelte. Ich war schon seit Wochen auf ihre Reaktion gespannt. Doch das übertraf meine Erwartungen. Sie starrte immer noch auf den Fernseher, als hätte sie einen Geist gesehen. “Du spielst…”, begann sie. “...in diesem Film mit. Ich weiß”, beendete ich ihren Satz und sie sah fassungslos zu mir. Ich musste bei dem Anblick einfach anfangen zu lachen. Grace hörte auf und wurde rot. Damit sah sie noch süßer aus. Sie sah mich gespannt an, als würde sie eine Erklärung erwarten. Ihre blauen Augen strahlten, eine schwarze Strähne fiel ihr ins Gesicht. Sie war unglaublich hübsch. “Erzähl mir alles!” “Wo soll ich nur anfangen?” Ich ließ Grace absichtlich warten, man merkte ihr an, dass sie vor Neugierde bald platzen würde. “Ich habe vor einem Jahr für den Film vorgesprochen. Ich wurde glücklicherweise für die Rolle als Newt besetzt. In den Monaten, in denen wir gedreht hatten, hatte ich nie Zeit, weshalb wir uns nicht sahen.” Ich spürte dieses Schuldgefühl in mir, welches jeden Tag an mir nagte. Es tat mir immer noch Leid, dass ich mich nie gemeldet hatte. “Und warum hast du dann heute Probe gehabt? Also für was?” Ich sah sie verwirrt an. “Oh, ich hätte es anders ausdrücken sollen. Ich gebe Schauspielunterricht und meine Schüler führen nächste Woche das Stück auf.” Meine Schüler waren gut, ich empfand Stolz, wenn wir probten. Grace war fassungslos. Sie dachte nach und wir schwiegen. “Heißt das jetzt, du bist NOCH berühmter, oder wie?” Die Frage überraschte mich, ich hatte noch nie darüber nachgedacht. “Keine Ahnung. Vielleicht. Ich wurde nicht allzu oft erkannt. Seit der. Premiere schon” “Du hast mich nicht bei der Premiere eingeladen?”, fragte sie mich gespielt sauer und schlug mich mit dem Kissen. “Ich wollte, aber mich hatte schon jemand gefragt.” Verdammt- das wollte ich nicht sagen. Sie sah ziemlich verletzt aus. Ich hätte sie wirklich fragen sollen. Immerhin waren wir seit dem Kindergarten befreundet. “Ich… Es…”, stammelte ich, bekam jedoch keinen anständigen Satz zusammen. “Mit wem warst du dort?”, fragte sie mit einer ruhigen Stimme. “Mit einer Kollegin, die mitgespielt hat.” “Hast du was mit ihr?” Ich musste lachen, so etwas konnten nur Mädchen denken. “Hör auf zu lachen!”, rief sie und schlug mich wieder. “Nein, natürlich nicht! Wir sind nur Freunde. Aber genug mit dem Gerede. Schau dir doch erst Mal den Film an.” Grace schwieg und ich drückte wieder auf Play.

“Oh mein Gott. Du warst fantastisch!”, war ihr erster Kommentar nach dem Ende. Ich spürte, dass ich rot wurde und  lächelte. So etwas von ihr zu hören bedeutete mir viel. “Danke”, war das Einzige, was ich herausbrachte. “Wie hat dir der Film im Ganzen gefallen?” “Er war toll. Einfach grandios! Ich könnte ihn mir gleich nochmal anschauen.” “Dafür haben wir keine Zeit mehr. Es ist schon spät.” Grace sah auf die Uhr und wirkte traurig. “Ich habe noch eine Stunde, dann muss ich fahren. Was machen wir?” Ich schüttelte ratlos den Kopf. “Wollen wir ein Eis essen gehen?” Der gleiche Vorschlag wie vorhin. Ich nickte. “Warum nicht? Dann kannst du mir erzählen, was alles bei dir passiert ist.”, sagte ich und sie sah mich mit einem genervten Blick an. “Hab ich dir schon gesagt.” “Ich meine ausführlicher.” Sie boxte mich wieder.

Wir gingen in den Park in der Nähe des Theaters. Die Sonne schien immer noch, überall, wo man hinsah, standen oder saßen Leute. Kinder, Jugendliche, Mütter mit Kinderwägen. Ich bezahlte das Eis und wir setzten uns auf eine Parkbank. “Ist es hier der werten Lady recht?” Sie fing an zu lachen. Mein Gott, hatte ich ihr Lachen vermisst. Erst jetzt wurde mir klar, dass ich sie mir die ganze Zeit gefehlt hatte. Ob ich ihr auch gefehlt hatte? “Fang an zum Erzählen!” Sie erzählte von ihrer Freundin, die sie mit einem anderen Jungen erwischt hatte, obwohl diese einen Freund hatte. Ihre Literaturprofessorin war furchtbar, wie immer, die Vorlesungen wurden schwieriger. Irgendwann hörte ich ihr nicht mehr zu, sondern sah sie einfach an. Ihre schwarzen Haare waren zu einem Pferdeschwanz gebunden, ihre Augen leuchteten in der Sonne. Sie war schlanker geworden seit dem letzten Mal. Sie war so schön “Du hörst mir gar nicht zu.”
Sie hatte mich aus den Gedanken gerissen. “Tut mir Leid. Nur du hast dich verändert seit wir uns das letzte Mal gesehen haben.” “Zum Beispiel?” “Du bist hübscher geworden. Also noch mehr als vorher. Nicht, dass du nicht schön gewesen wärst. Ich meine…” Was redete ich denn da? Diesmal fing sie an, laut zu lachen und anscheinend konnte sie nicht mehr aufhören. Ihr Lachen steckte an, die Passanten sahen uns komisch an.  Um mein Fettnäpfchen zu überspielen, sagte ich: “Erzähl weiter. Aber nicht nur von der Uni.” Sie fing an, dass ihre Eltern sich immer noch heftig streiten. “Das tut mir Leid.” Grace sah mich dankbar an. “Wie geht es deinen Eltern?”, fragte sie mich. Ich zuckte nur mit den Schultern. Sie waren stolz auf mich, doch das wollte ich ihr nicht sagen. Plötzlich sprach mich ein Mädchen an. “Tut mir Leid, dass ich störe, aber bist du Thomas Brodie-Sangster? Der, der in Maze Runner Newt spielt?” Ich nickte leicht und wurde rot. Grace sah mich erstaunt an. “Oh mein Gott, ich liebe die Bücher und den Film! Kann ich ein Autogramm haben?” Ein Autogramm. Und das vor Grace. Es war mir ein bisschen peinlich, doch ich wollte das fremde Mädchen nicht enttäuschen. “Klar”, sagte ich und unterschrieb. Als das Mädchen weg war, schwiegen wir. Es war unerträglich, doch mir fiel nichts ein, was ich sagen könnte. “”Thomas? Wird das jetzt so weitergehen? Dass dich fremde Mädchen ansprechen?” Ich schwieg weiter. “Tom?” Ich nickte. “Ja, anscheinend. Stört es dich?”, fragte ich und wollte die Antwort gar nicht hören. “Es ist ungewohnt.” Ich verstand sie, immerhin war es für mich auch eine größere Veränderung. “Vielleicht glauben irgendwann mal die Reporter, dass wir zusammen sind! Dann bist du genauso berühmt wie ich”, neckte ich sie. Wir brachen beide in Gelächter aus. “Du Idiot", sagte sie leise. 

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