Der Kampfstoff

James Weaver - Etwa ein Jahr vor der Krebsdiagnose

»Ich gehe nur schnell ins Archiv und suche das Dokument!«, sage ich auf halbem Weg die Kellertreppe hinunter. Wie üblich laufe ich fast schon und nehme gleich zwei Stufen auf einmal. Mal wieder stelle ich fest, dass mir das Übereifrige an mir nicht so ganz gefällt. Dennoch war es wahrscheinlich genau dieser Umstand - mein außerordentliches Pflichtbewusstsein - der mir diese Laborstelle verschafft hat. Blind taste ich nach dem Lichtschalter des Archivs bis ich ihn finde. Flackernd gehen die Leuchtstoffröhren des riesigen Raums an und offenbaren mir auf ein Neues eine Welt aus Papierbergen, die ich wohl niemals leiden können werde. »Na das kann ja heiter werden«, murmle ich genervt und mache mich gleich auf die Suche nach dem richtigen Regal, um das Dokument zu finden. »Wie heißt der Kampfstoff nochmal? AX-121...?«, überlege ich und ärgere mich darüber, dass ich ausnahmsweise meine Notizen nicht mitgenommen habe.

Wenige Minuten später halte ich - deutlich früher als erwartet - den dazugehörigen Aktenordner in der Hand. Mein Gedächtnis lässt mich immerhin nicht im Stich: »Kampfstoff höchster Effizienz- und Geheimhaltungsstufe« steht auf dem Deckblatt und klingt in meinen Ohren fast wie ein absurder Werbeslogan. Interessiert schlage ich den Überblick der wichtigsten Eigenschaften nach und bin überrascht, was unser heutiger Spätzugang so alles draufhat: »Verätzt in Phase eins die Atemwege durch Gasmaskenfilter hindurch und zwingt durch Herbeiführung des Erbrechens das Ziel zum Abnehmen der Maske. Mithilfe des dazugehörigen Gegenmittels - KX-121 - können Personen gezielt immunisiert werden, wodurch ein Eigenbeschuss...«, lese ich gerade in der Akte, als mich eine gewaltige Explosion aus dem Alltag herausreißt und in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Die Erschütterung war ganz in der Nähe! Mist! Mist! Mist!, denke ich und haste mit dem Ordner unter dem Arm die Kellertreppe hinauf.

Zunächst lausche ich angespannt, bevor ich den Labortrakt betrete und bin überrascht, dass ich keinerlei Geräusche vernehme. Plötzlich zerreißt ein trockenes Stakkato die Stille - Pop-pop-pop. Schüsse!, denke ich entsetzt und komme mir hilflos vor, angesichts der Tatsache, dass ich lediglich mit einem Ordner bewaffnet bin. Sofort lege ich diesen auf den Boden und überlege fieberhaft, was ich tun soll. Mit einem Zischen springt zu allem Überfluss auch noch die Sprinkleranlage an. Binnen Sekunden bin ich klatschnass und friere von dem eiskalten Wasser. Als wäre es an einem Dezember-Abend nicht ohnehin schon kalt genug!, denke ich verärgert und wünsche den Angreifern, dass es ihnen wenigstens nicht besser geht als mir. Die Gewehrsalven erklingen erneut und scheinen nun deutlich näher. Fünf... Sechs... zähle ich die abgegebenen Feuergarben in Gedanken mit. Okay, Schritt eins: Lage analysieren. Schritt zwei: Hilfe anfordern. Schritt drei: Maßnahmen ergreifen, gehe ich gedanklich das Handbuch für den Verteidigungsfall durch, Als erstes sollte ich herausfinden, mit wem und mit wievielen ich es zu tun habe! Gott sei Dank ist die Sicherheitsunterweisung erst ein paar Wochen her!

Mit vor Anspannung zitternden Händen öffne ich vorsichtig die Tür zum Laborkomplex. Der längliche Raum ist leer und komplett nass vom Platzregen der Sprinkleranlage. Zielgerichtet gehe ich auf das Telefon zu und versuche eine Verbindung zur Zentrale herzustellen, doch die Leitung ist tot. Scheinbar haben bereits alle Geräte durch das Wasser Schaden genommen, wie ich beim Blick durch den Raum feststelle. Bevor ich den Raum durch die Tür am anderen Ende verlasse, sehe ich mich in aller Eile nach einer potenziellen Waffe um und muss fast lachen vor Verzweiflung. Wenn ich nicht wie ein Idiot mit einem Mikroskop um mich schlagen möchte, sehe ich mich genötigt, das längenverstellbare Rohr unseres Staubsaugers dafür zu missbrauchen.

Mit dem voll ausgefahrenen Staubsaugerrohr in der einen und einem Brieföffner in der anderen Hand blicke ich vorsichtig durch das Sichtfenster der Tür vor mir. Angesichts der folgenden Szene lasse ich vor Schreck fast die Sachen fallen: Fünf bis an die Zähne bewaffnete Angreifer in schwarzer Kampfmontur richten ihre Maschinenpistolen auf drei meiner Kollegen. Auf Knien um ihr Leben zu betteln und in die Mündungen der Waffen zu starren, ist das Letzte was diese tun, bevor drei Salven ihr Dasein beenden. Ich zucke vom Lärm der Schüsse zusammen. Tränen laufen mir die Wangen herunter. Wie angewurzelt stehe ich da und blicke von den Angreifern zu den Leichen und zurück. »Sichert die anderen Räume!«, befiehlt der offensichtliche Anführer und zeigt auf die Tür vor mir. Sofort gehe ich in Deckung und weiche - hoffentlich - gerade noch so seinem Blick aus. Keuchend renne ich um mein Leben und sprinte durch den Raum zurück zur Tür aus der ich gekommen bin. Ich reiße sie auf und hechte im gleichen Moment hindurch, in der die Angreifer das Feuer eröffnen. Die dicke Metalltür schließt sich Gott sei dank von selbst und erhält sogleich einige heftige Dellen von den Einschüssen, die auf der anderen Seite einschlagen.

Aus einem mir unerfindlichen Grund lasse ich meine »Bewaffnung« fallen und greife nach dem durchnässten Ordner auf dem Boden, bevor ich weiterlaufe. Ich wundere mich selbst über meine Entscheidung, doch zum Nachdenken habe ich nun keine Zeit mehr und sprinte mit dem Ordner unter dem Arm weiter in Richtung Hauptflur. Über diesen habe ich die Möglichkeit, überall hinzukommen und hoffe, dass er von keinem gesichert wird. Als ich die mittlere Kreuzung erreiche, öffnet einer der Angreifer eine Tür am Ende des Ganges und zwingt mich, in den Raum direkt neben mir auszuweichen. Verdammt! Ich sitze in der Falle!, denke ich beim Anblick des kleinen Hausmeisterraums, in dem ich stehe. Hoffentlich hat er mich nicht gesehen!, bete ich keuchend und versuche angestrengt zu lauschen. Obwohl mein rasender, lauter Herzschlag im Trommelfell hämmert, höre ich genau die langsamen Schritte des Mannes auf die Tür zu. »Und schalte endlich diese beschissenen Wassersprinkler ab!«, schreit jemand aus der Ferne. »Ja, ja, bin ja schon dran«, antwortet der Mann, der mir bedrohlich nahe kommt.

Starr vor Schreck fällt mir ein, dass ich genau in dem Raum bin, in dem sich der Schalter befindet. Die Schritte kommen näher. Ich hole aus und schlage auf den roten Not-Aus-Schalter unter dem Schild mit der Aufschrift »Sprinkleranlage«. Sofort hört das Wasser auf, aus der Decke zu strömen. »Ahh, endlich!«, sagt der Mann unmittelbar vor dem Hausmeisterraum und macht - zumindest dem nassen Quietschen seiner Schuhe nach zu urteilen - auf der Ferse kehrt. »Wir haben alle, bis auf den einen Forschungsheini!«, höre ich eine Stimme aus dem Funkgerät des Mannes vor der Tür, »Und ich habe das Deckblatt der Akte gefunden! Es liegt vor dem Archiv!«. - »Der Kerl kann nicht weit sein! Macht ihn kalt wenn ihr ihn seht, aber sucht in erster Linie nach diesem Mittel, verstanden?«, ertönt die eiskalte Stimme des Anführers aus dem Funkgerät. »Verstanden!«, bestätigen nacheinander vier verschiedene Personen - den Mann vor der Tür eingerechnet. Sofort setzt sich dieser in Bewegung und entfernt sich mit eiligem Schritt vom Hausmeisterraum.

Wenn ich nicht schon kreideweiß wäre, wäre ich es spätestens jetzt. Alle anderen außer mir sind tot und ich habe... Absolut. Keine. Chance, denke ich entsetzt. Der einzige Vorteil, den ich habe, ist dass ich mich hier auskenne und weiß, wo alles ist, gehe ich in Gedanken die Möglichkeiten durch, Aber das bringt mir wohl auch nichts angesichts der vielen Waffen, die hier im Spiel sind. Resigniert lasse ich mich mit dem Rücken an der Wand hinter mir heruntergleiten. Mein Blick fällt auf den Ordner in meinen Händen und ich schüttel nur den Kopf. Knapp zehn Tote nur wegen eines einzigen Kampfstoffes, der heute Abend noch zur Untersuchung hier vorrätig ist, fahre ich in Gedanken fort und werde wütend, Mike, Jennifer, Rusty... Nein! Das lasse ich nicht auf mir sitzen! Und wenn es das Letzte ist, was ich tue - Aber ich werde nicht zulassen, dass diese Leute das bekommen, weshalb sie hier sind!

Enschlossen stehe ich auf und stoße mich von der Wand ab. Mit einem letzten Blick in den nun auf dem Boden liegenden Ordner, rücke ich meine Brille zurecht, greife nach einem herumliegenden Brecheisen und verlasse den Raum. Schleichen macht angesichts der riesigen Pfützen keinen Sinn mehr, also versuche ich es auch gar nicht erst und renne stattdessen direkt auf das Ende des Korridors zu, aus deren Richtung die Explosion kam. Bereits der Blick durch das geborstene Sichtfenster der Tür lässt erahnen, welches Schadensausmaß die Bombe gehabt haben muss. Der zweite Blick durch die Tür offenbart mir, dass niemand mehr darin ist, also betrete ich den komplett verwüsteten Raum. Kein Stein ist noch auf dem anderen und wo einst die Außenwand war, ist mittlerweile ein klaffendes Loch. Prinzipiell steht meiner Flucht im Schutze der Dunkelheit eigentlich nichts mehr im Wege, doch der Zorn in mir ist größer als alles andere, was ich jemals gefühlt habe. Selbst größer als die panische Angst, die ich gerade eben noch hatte. Nein, ich will Rache!, beschließe ich nun endgültig, packe das Brecheisen noch etwas fester und blicke mich um, ob ich etwas Brauchbares in dem Raum finden kann. Als ich mich zum Gehen wende, fällt mir heißbrühend etwas ein. Ein diabolischer Plan, der mich grinsen lässt, wie ein Geisteskranker und renne fast schon todesmutig durch die Räume und suche binnen Minuten alle möglichen Gegenstände, die ich dafür gebrauchen kann zusammen.

»Hände hoch!«, brüllt mich einer der Angreifer von hinten an und ich lasse vor Schreck meine Waffe fallen. Klirrend prallt diese auf dem Boden auf und lässt mich ebenso im Stich, wie mein eben noch vorhandener Wagemut. Instinktiv hebe ich die Hände so hoch ich kann und drehe mich langsam um. »Bitte... Nicht schießen...«, flehe ich mit zitternder Stimme und gehe auf die Knie. - »Warum sollte ich Dich am Leben lassen?«, fragt der Mann mit unverhohlenem Spott und blickt mich herausfordernd an. - »Weil ich weiß, wo das AX-121 ist, das ihr sucht?«, frage ich hoffnungsvoll. - »Als würden wir das nicht alleine finden«, erwidert er grinsend und hebt schon seine Maschinenpistole. »Es ist in einem Tresor!«, schreie ich hektisch und schließe vor Panik schon die Augen. Eine halbe Ewigkeit knie ich dort mit geschlossenen Augen und warte auf den Knall, der mich ins Jenseits befördern würde. »Boss, ich habe den Kerl! Er sagt, das Ziel liegt in einem Tresor!«, spricht der Angreifer ins Funkgerät und ich öffne meine Augen langsam wieder. Die Mündung seines Gewehrs zeigt immer noch schussbereit auf meinen Kopf, doch ich kann den Blick nicht abwenden. »Bring ihn zu mir!«, ertönt es aus dem Funkgerät und ich atme auf. Vielleicht komme ich doch noch lebend hier heraus, denke ich und erhebe mich langsam. Sofort stürmt der Mann auf mich zu und schlägt mir ohne Vorwarnung mitten ins Gesicht.

Mein Kopf wird von dem Volltreffer zurückgeworfen und ich blicke ihn entsetzt an. »Nur ein Vorgeschmack dafür, was Dir blüht, falls du irgendwelche Mätzchen machst!«, erklärt dieser grinsend und schubst mich in Richtung Tür. Benommen, mit blutender Nase und der Mündung im Rücken gehe ich voran, während er mich ins Obergeschoss lotst. Gehorsam mache ich einen Schritt nach dem anderen und betrete den Hauptlaborraum, wo mich die anderen Vier erwarten. Der Anführer zückt sein Messer, was mich ängstlich zusammenzucken lässt. »Weißt du«, fängt er an zu reden und seine eiskalte Stimme lässt mich noch mehr schaudern als meine nasse Kleidung, »Eigentlich verhandeln wir nicht mit Geiseln, wie Du bestimmt schon mitbekommen hast. Genaugenommen machen wir überhaupt keine Gefangenen, aber da wir uns eine Menge Arbeit ersparen können, wenn du kooperierst...«.

Er macht eine theatralisch lange Pause und ich nicke daher nur. »Ahh, ich sehe schon, wir verstehen uns! Dann brauche ich dich also nicht zu filettieren? Na dann: Wo ist der Tresor?«, fragt er mich. - »In der Annahme!«, sage ich mit nasaler Stimme, da ich Nasenbluten habe und deute mit dem Kopf in Richtung der Treppe. Misstrauisch schauen die fünf Mörder von der Tür zu mir. »Du gehst vor!«, sagt der Anführer, woraufhin ich erneut herumgeschubst werde. Wenn ich nicht vor Angst fast sterben und mit Waffengewalt bedroht werden würde, wäre ich jetzt endgültig vor Wut explodiert. Doch ich gehorche und gehe voran ins Erdgeschoss. Wie angekündigt befindet sich im besagten Raum ein Tresor, der in die Wand eingelassen ist. Zielstrebig geht der Anführer darauf zu und erkennt sofort das Problem: Ein Zahlencode ist notwendig, um ihn zu öffnen. »Kennst du den Code?!«, fragt er mich genervt und ich nicke gehorsam. - »Ja, aber wer sagt mir, dass ihr mich laufen lasst, wenn ich ihn euch gebe?«, frage ich vorsichtig und bete innerlich, dass wenigstens ihnen eine gute Antwort auf diese Frage einfällt. - »Tja, da wirst du uns wohl vertrauen müssen!«, verspottet mich derjenige, der mich vorhin geschlagen hat und ich wünsche ihm augenblicklich den Tod.

»Okay, ich mache den Tresor auf und ihr versprecht, dass ihr mich gehen lasst, wenn ihr habt, was ich wollt. Deal?«, frage ich und hoffe, dass ich nicht zu ängstlich klinge, um überhaupt noch ernst genommen zu werden. - »Alles klar! Deal!«, antwortet der Anführer, »Und jetzt den Code!«. Resigniert gebe ich die Zahlenkombination ein, die Tür öffnet sich einen Spalt weit und ich entferne mich langsam von dem Safe. »Moment!«, ruft der Anführer als sich einer der Männer gierig dem Tresor nähert, »Du machst ihn auf, hatten wir gesagt! Öffne ihn und tritt sofort ein paar Meter zurück!«. Zögerlich gehe ich auf den Safe zu und öffne ihn ganz. In giftigem Grün leuchten die Glasbehälter den Männern entgegen. Vermutlich erwartete er eine Art Sprengfalle oder so, denke ich und bin gerade froh, dass ich nicht auf diese Idee gekommen bin, Aber woher hätte ich auch Sprengstoff nehmen sollen? Sofort befiehlt der Anführer: »Los! Testen!« und einer der Männer setzt sich zielgerichtet in Bewegung, packt eine Injektionspistole aus, steckt einen der Zylinder hinein und kommt damit auf mich zu. Entsetzt weiche ich nach hinten aus, werde jedoch direkt von zwei Männern festgehalten. Panisch schreie ich aus ganzem Leib »NEIN! Ihr habt es versprochen!«, doch der Mann schießt mir sofort eine volle Injektion in den Arm.

Die Leute die mich festhalten, legen mir Handschellen an und setzen mich auf einen Stuhl. »Na, noch einen letzten Wunsch?«, fragt mich derjenige, der mir die Nase gebrochen hat, gehässig. »Wäre eine letzte Zigarette zu viel verlangt?«, frage ich also verbittert. - »Wie lange wird es dauern bis das Gift wirkt?«, fragt der Anführer an seinen Spezialisten gewandt. - »Da mir die Unterlagen nicht vorliegen, weiß ich es nicht. Aber ich schätze maximal fünf Minuten«, antwortet derjenige, der mir die Injektion verpasst hat und ich nicke resigniert. »Na gut, dann gebt ihm eine«, befiehlt der Anführer und sogleich reagiert einer der Männer. Ich bekomme eine Zigarette in den Mund gesteckt, die er anzündet und huste mir augenblicklich die Seele aus dem Leib. Sofort fangen die Fünf an zu lachen. »Du bist Nichtraucher?!«, prustet der Gehässige drauf los, »Was willst du denn mit einer Zigarette?«. Wie als Antwort springt in diesem Moment die Sprinkler-Anlage wieder an und ich spucke angewidert die Zigarette aus.

»Euren Tod verursachen!«, antworte ich feixend und ernte dafür noch mehr Gelächter. Als die Fünf sich beruhigt haben, sagt der Anführer nur spottend: »Es braucht schon mehr als nur ein bisschen Zigarettenrauch und eine Erkältung durch das Wasser, um uns umzubringen!« und wendet sich zum Gehen ab. - »Das habe ich mir auch gedacht, als ich die Sprinkleranlage wieder scharf gestellt habe und habe deshalb ein wenig AX-121 in den Wasserbehälter getan«. Plötzlich greifen sich die Fünf etwa zeitgleich an die Brust und beginnen zu erbrechen. »Phase eins: Erbrechen, um eventuelle Gasmasken zu entfernen«, zähle ich sachlich auf. Entsetzt starren die Angreifer mich an, als sie aufhören können sich zu übergeben. Sie heben schon die Gewehre, um auf mich zu schießen. »Phase zwei: Sofortige Lähmung«, fahre ich fort und sehe ihnen zu, wie sie gerade noch rechtzeitig in ihren Bewegungen erstarren und anschließend umfallen. Mit offenen Augen liegen sie nun am Boden und können nur noch auf mich schauen. »Phase drei: Äußerst schmerzhafter Nerventod... Frohes Sterben übrigens schonmal«, sage ich und höre endlich die Sirenen der Militärpolizei und -Feuerwehr herannähern.

»Ach ja: Und danke für die Injektion des Gegenmittels - Das wäre zwar nicht notwendig gewesen, aber doppelt hält ja bekanntlich besser!«, spotte ich nun. Lachend sitze ich nun auf meinem Stuhl und warte, bis ich wenige Minuten später von meinen Handschellen befreit werde. »Sie haben hier wirklich erstklassige Arbeit geleistet! Als Laborassistent ein Fünf-Mann-Spezialkommando auszuschalten - Nicht schlecht! Jemanden mit Ihren Qualifikationen könnten wir gut gebrauchen, Mister Weaver«, kommentiert ein wichtig aussehender Mann im grauen Anzug. - »Danke, Sir! Sehr gerne!«, antworte ich und wende mich locker salutierend zum Gehen ab. Als ich mich noch kurz zu meinen Peinigern herunterbeuge, stelle ich fest, dass diese die Augen fest geschlossen halten. »Ach ja: Phase drei war übrigens gelogen - Die Lähmung ist permanent bis zur Verabreichung des Gegenmittels. Viel Spaß im Kriegsgefängnis und ein schönes Leben noch!«, sage ich genüsslich, verlasse zufrieden das Gebäude durch das Loch in der Wand und trete hinaus in die tiefe Nacht.

Comments

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    Der Bogen der Spannung wirkt äusserst glaubhaft - du hältst ihn bis zum Schluss aufrecht. Entgangen ist mir offenbar das Hantieren an der Sprinkleranlage... Die Ueberraschung war auf meiner Seite dafür aber umso grösser! Nicht ganz klar wurde mir, wer der Ich-Erzähler ist, trotz Namensgebung. Dass der Prota so handelt, wie er eben handelt, ist mir nach dem Vorgefallenen klar, er sagt es ja selbst: Er will seine Kollegen und Kolleginnen rächen. Ein kleines Detail noch: Er sucht sich alle möglichen Gegenstände zusammen, lässt dann aber vor Schreck seine Waffe fallen - da wird nicht ganz klar, was jetzt Sache ist.

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    Auf geht's in die zweite Runde! REVIEW ENTHÄLT SPOILER! Auch dieses Kapitel gefällt mir sehr gut. Spannend geschrieben, auch die Actionszenen sind dir wirklich gelungen. Das bildet auch eine schöne Abwechslung zu dem anfänglichen sehr melancholischem Kapitel. Und der Plottwist... Herrlich, habe ich überhaupt nicht kommen sehen! Wobei ich etwas gezweifelt habe, dass es für das Löschwasser einen extra Container gibt in den man etwas reinschütten kann. Nach einiger Recherche hab ich was dazugelernt. Der Charakter den du beschreibst wirkt sehr selbstbewusst. Außerdem hast du direkt sein Pflichtbewusstsein als einen Charakterzug hervorgehoben. Da habe ich es nachvollziehen können, dass er die Bösewichte unbedingt aufhalten wollte, auch wenn ich es dumm fand. Allerdings, das diabolische Grinsen? Und zum Schluss der offene Sadismus? Das hat mich sehr überrascht und verwirrt. Es hat nicht so ganz in das Charakterbild, welches ich mir vom Protagonisten gemacht habe, gepasst. Aber da bieten mir bis jetzt die Kurzgeschichten zu wenig Informationen, das richtig beurteilen zu können. Alles in allem trotzdem wieder ein gelungenes Kapitel!

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    Wow die geschichte gefällt mir besser als die erste. Nur hättest du ruhig noch mehr deteils einbauen können und etwas dass since c fiction deutlicher macht. Der prota hat mir gefallen und auch die überraschung am ende ist dir gut gelungen

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    Gruselig! Spannend erzählt, ich fieberte mit dem Erzähler mit!

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    Du schreibst wirklich gut. Gefällt mir sehr!

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