"Purzel, gib mir bitte mal die blaue Farbe."
"Ich brauche einen neuen Pinsel!"
"Aua, Flöckchen, du hast mich gestoßen. Papa, Flöckchen hat mich gestoßen."
"Hat jemand das Gelb gesehen?"
"Mach dich nicht so breit, Hoppel, andere brauchen auch Platz!"
"Papa, sag Flöckchen, daß sie mich nicht immer stoßen soll."
"Mein Ei ist fertig, wo soll ich das hin tun?"
"Meins ist auch fertig, ist es nicht schön geworden? Kuck mal, Papa, ist es nicht schön?"
"Papa!"
"Papa!"
"Papa!"
"Ruhe jetzt, zum Donnerwetter. Bei dem Krach kann doch kein Hase  vernünftig arbeiten!"

Ja, bei Osterhasens ist heute viel los. Kein Wunder, die Uhr steht ja schon auf dreiviertel vor Ostern. Die ganze Familie Osterhase ist fleißig am Ostereierbemalen. Die kleinen Osterhasen pinseln, daß es eine Freude ist. Ihre Bäckchen sind vor Arbeitseifer schon ganz rot - und gelb - und blau - und grün - und lila - ach nein, das ist nur Farbe. Aber fleißig sind sie trotzdem, nur ein bißchen zu lebhaft, findet Papa Osterhase. Da muß er dann schon mal ein bißchen lauter werden, damit die kleine Rasselbande sich wieder auf die Arbeit konzentriert. Schließlich müssen noch drei Körbe voller Eier bemalt werden, und die Zeit ist knapp.

Sagte ich vorhin: die ganze Familie? Nun, das stimmt nicht so ganz. Mama Osterhase malt nicht mit, die steht in der Küche und kocht einen leckeren Möhreneintopf. Und der Jüngste der Osterhasenfamilie, der kleine Schnuppi, darf auch nicht mitmachen. Dafür ist er noch zu klein, findet Papa Osterhase. Vielleicht im nächsten Jahr...
Schnuppi gefällt das gar nicht. Er möchte doch auch so gerne helfen, er möchte auch ein richtiger Osterhase sein! Aber er darf höchstens mal die Pinsel auswaschen. Gerade jetzt zieht er Papa Osterhase am Kittel.
"Papa, ich möchte auch malen. Ich kann das bestimmt schon. Bitte, lass es mich einmal versuchen."
Aber Papa Osterhase schüttelt den Kopf.
"Nein, Schnuppi, ich hab dir doch schon hundertmal gesagt, daß du noch zu klein bist. Wir versuchen es nächstes Jahr, versprochen."
Schnuppi lässt traurig die Schlappohren hängen und hoppelt in die hinterste Ecke des Gartens. Da, unter dem großen Rhododendron, ist sein kleines Geheimversteck. Immer, wenn er traurig ist, kommt er hierher. In letzter Zeit ist er hier sehr oft...

Am nächsten Tag ist Ostern. Die Osterhasenfamilie ist ganz früh aufgestanden und packt gerade die letzten Ostereier in die Körbe. Dann nimmt jeder seine Kiepe auf den Rücken. Mama Osterhase verabschiedet sich von den anderen.
"Dass ihr mir ja anständig seid, hört ihr?! Tut brav, was Papa euch sagt und seid nicht so wild, damit ihr keine Eier verliert. Und nun auf Wiedersehen! Wenn ihr zurückkommt, gibt es ein leckeres Möhrenragout."
Mmmmm, da läuft den kleinen Osterhasen schon jetzt das Wasser im Mund zusammen.
Papa Osterhase reibt noch kurz seine Nase an der von Mama Osterhase, dann  ruft er:
"So, und jetzt angetreten zum Ostereierverteilen. Eins und zwei und eins und zwei!"
Da hoppeln sie alle dahin, um für die Kinder Ostereier zu verstecken.
Aber wo ist Schnuppi?
Der sitzt schon wieder unter dem Rhododendron.

Erst, als er die anderen nicht mehr hören kann, hoppelt er langsam zum großen Arbeitstisch. Da stehen sie noch, die Farben und die Pinsel. Sehnsüchtig schaut Schnuppi sie an. Dabei achtet er nicht darauf, wo er hin hoppelt und - pardauz- liegt er auf der Nase. Worüber ist er denn da gestolpert?
Das ist ja ein Ei. Das ist bestimmt aus einem der Körbe gefallen. Au weia, jetzt bekommt ein Kind kein Osterei! Und angemalt ist es auch noch nicht.
Hmmmm.... Schnuppi schaut zwischen dem Ei und dem Tisch hin und her und denkt nach.
"Euch werd ich`s zeigen, jawoll!", murmelt er dann, nimmt das Ei und klettert auf den großen Tisch.
Und dann legt er los. Die Pinsel sind zwar noch ein bißchen groß für seine kleinen Pfoten, aber es klappt trotzdem schon ganz gut. Als das Ei fertig ist, betrachtet Schnuppi es stolz. Schön ist es geworden.  Er hat alle Farben benutzt. Wie ein Regenbogen sieht das Ei aus, findet Schnuppi. So, jetzt muß er es aber auch ausliefern. Schnuppi schaut kurz zum Haus. Merkt Mama auch nichts? Nein, die steht schon wieder am Herd und kocht das Möhrenragout. Na dann, nix wie los!

Im Menschendorf angekommen, schaut Schnuppi vorsichtig in die Gärten. Überall suchen die Kinder nach Ostereiern. Diese Freude, wenn sie eines gefunden haben!  Aber nirgends scheint ein Ei zu fehlen.
Als Schnuppi fast am Ende des Dorfes angelangt ist, hört er plötzlich ein leises Weinen. Da, im  Garten des letzten Hauses, eigentlich ist es mehr eine kleine Holzhütte, weint ein kleines Mädchen. Die Fabrizia ist es. Schnuppi kennt sie schon, denn im Winter ist sie oft in den Wald gekommen und hat jedesmal ein bißchen Heu und einige Äpfel und Möhren für die hungernden Tiere hingelegt. Aber warum weint sie heute? Vorsichtig, damit niemand ihn sieht, hoppelt Schnuppi näher heran.
"Mama, warum war denn der Osterhase nicht bei mir? War ich denn nicht brav?", hört er sie schluchzen.
Aha, für die Fabrizia ist also das Ei. Schnuppi freut sich, denn jetzt kann er ihr auch mal etwas Gutes tun. Ganz, ganz leise schleicht Schnuppi sich in den Garten. Er achtet darauf, daß er immer schön versteckt bleibt, denn auch die liebe Fabrizia darf den Osterhasen nicht sehen!

Hmmm... Schnuppi dreht den Kopf hin und her. Wo wäre denn das beste Versteck? Da sieht er plötzlich... na klar!
Als er das Ei versteckt hat, bleibt Schnuppi noch eine Weile im Garten. Er möchte sehen, ob Fabrizia es auch findet. Gerade jetzt nimmt ihre Mama  sie bei der Hand und sagt:
"Sei nicht traurig, der Osterhase hat dich bestimmt nicht vergessen. Komm, wir suchen gemeinsam."
Die beiden gehen durch den Garten. Und als sie den großen Rhododendron erreicht haben. lässt Fabrizia plötzlich die Hand ihrer Mama los und hebt jubelnd etwas auf.
"Mama, schau nur, so ein schönes Osterei. Das ist bestimmt das Schönste auf der ganzen Welt."
Schnuppi hört das und ist sehr, sehr glücklich. Er bleibt noch in seinem Versteck, bis Fabrizia und ihre Mama  wieder ins Haus gegangen sind, dann verlässt er den Garten. Aber was ist das?

Dort, im hohen Gras am Bach sitzt seine Familie und wartet auf ihn. Sie haben alles gesehen und gehört. Schnuppi hoppelt zu ihnen.
"Ihr habt ein Ei vergessen. Aber ich hab es gemerkt und hab es ganz alleine angemalt und ausgeliefert. Was sagt ihr nun?!"
Papa Osterhase sagt erstmal gar nichts. Er nimmt Schnuppi in den Arm und gibt ihm einen Kuss. Dann streicht er ihm über die Schlappohren.
"Das hast du ganz toll gemacht, mein kleiner Osterhase. Ich bin sehr stolz auf dich. Es tut mir leid, daß ich dir nicht erlaubt habe, uns zu helfen."
"Ist schon gut, Papa. Huuuaaaah, jetzt bin ich aber müde. Osterhase sein ist ganz schön anstrengend. Aber schön ist es trotzdem."
"Das stimmt", nickt Papa Osterhase und nimmt Schnuppi auf den Arm. Schnuppi kuschelt sich an seine Schulter. Im Halbschlaf hört er Hoppel noch fragen:
"Du, Schnuppi, zeigst du uns, wie man so schöne Regenbogeneier macht?"
"Klar", murmelt Schnuppi, "aber erst nächstes Jahr!" Dann ist er eingeschlafen und träumt von Fabrizia und von Regenbögen.

                             Frohe Ostern, kleiner Schnuppi!

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  • Author Portrait

    Süß... :-)

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