Der längste Tag

Mein ursprüngliches Erstaunen darüber, irgendwie auf einem anderen Planeten oder gar in einer fremden Dimension gelandet zu sein, weicht rasch der sehr ernüchternden Erkenntnis, dass es auf dieser Welt nichts für mich gibt.

Es gibt keinen Weg um Hilfe zu rufen, keinen erkennbaren Weg nach Hause, nichts zu essen und - obwohl ich von Wasser umgeben bin - nichts zu trinken.

Das Wasser ist so salzig und ungenießbar wie es die Meere auf der Erde sind.

Dennoch kann ich in Anbetracht der unendlichen Möglichkeiten des Universums schon fast dankbar sein, dass es überhaupt Wasser ist, und kein Gift, flüssiges Blei oder gar Säure. Auch dass die Luft atembar, die Temperatur angenehm mild-warm, und der Ozean seicht genug ist, um drin stehen zu können... all diese Punkte sind keine Selbstverständlichkeit, und definitiv als großes Plus zu verzeichnen.

Meinen unverbesserlichen Optimismus jedoch beiseite geschoben, stehen meine Überlebenschancen in dieser ganzen Situation etwa bei Null.

Nach einer gründlichen Suche habe ich in meinem näheren Umkreis nichts gefunden, das ich irgendwie aus meiner Welt mitgebracht haben könnte. Keine Kleidung, kein Handy, keine Schlüssel, keine Handtasche voll billiger Müsliriegel und Energy Drinks... ja nicht einmal meinen getreuen Flachmann.

Da es hier für mich nichts gibt, stapfe ich los und wate durchs knietiefe Wasser, immer auf den Horizont zu, in der verzweifelten Hoffnung, irgendwo auf irgendwas zu stoßen, das mir hilft von hier wegzukommen, oder zumindest zu überleben.

Die Stunden vergehen. Zumindest glaube ich, dass sie das tun - keine Ahnung in welchem Tempo sich diese sonderbare Welt um ihre Sonnen dreht, und in welche Richtung sie ziehen sollten...

Mit der Zeit werden meine Beine müde, mein Magen knurrt und ich habe erbärmlichen Durst. Mit jedem Schritt, den in Richtung des niemals näherkommenden Horizonts zumache, wächst die nagende Gewissheit, an diesem Ort meinen Tod zu finden.

Ungeachtet dessen, ob ich an Wiedergeburt, ein Jenseits oder generell ein Leben nach dem Tod glaube, stelle ich mir kurz dir Frage, ob meine Seele überhaupt an den richtigen Ort zurückfinden wird, sollte ich auf einer fremden Welt sterben.

Die beiden Sonnen gehen in verschiedenen Himmelsrichtungen unter, und ein schaurig außerweltliches Dämmerlicht legt sich von beiden Seiten übers Meer. Dann wird es Nacht, und eine tiefe, mond- und sternenlose Dunkelheit bricht über mich herein.

Ich setze mich ins Wasser und lasse alle Hoffnung ziehen. Müde, hungrig und vor allem durstig, stütze ich den Kopf auf die Knie, und schlafe schließlich ein.

Comments

  • Author Portrait

    Gruselig...

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Fairy Dust

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