Der Lösungsvorschlag

Michael fuhr zu Berties Wohnung, da der um diese Zeit noch nicht im Büro sein würde. Er hatte frische Brötchen besorgt, um mit ihm zu frühstücken.  Er rief ihn an, als er vorm Haus stand. "Ja Michl, hast du koa Uhr nicht? Es is ja fast mitten in der Nacht...Boahh!" - "Guten Morgen , mein Freund! Ich hab frische Semmerl mit! Reicht das als Entschuldigung?" - "Es machts zumindest net bleder... Na kumm halt nei!" Michael lief die zwei Stockwerke zu Fuß hinauf. Bertl öffnete mit zerzaustem Haar, gähnend die Tür. "Servus! I mach uns an Kaffee. Der Geruch von die Semmerl macht fei richtig Appetit, Michi! Haben sich die Gauner schon gmeldet bei dir?" - "Noch nicht. Aber es wäre mir lieber, das hinter mir zu haben, Bertie." Sie gingen in die kleine Wohnküche und Bertl hantierte an der Kaffeemaschine herum. Als der Kaffee fertig war, stellte er  zwei Haferl auf den Tisch. Dazu eine Flasche mit Kaffeesahne und eine Zuckerdose mit zwei Löffeln. "Ah wart a mal, A Bissl a Marmelad hab i auch noch und a Butter." Michael liebte diese zwanglose Art, mit Bertl zu speisen. Früher hatten sie oft Schnitzel um die Wette gefuttert. Der Verlierer bezahlte die Zeche. Gottlob waren sie aus diesem Alter schon heraus. 
"Bertl, ich habe mich entschieden, deinem Rat zu folgen. Silvia und Tommy bedeuten mir sehr viel und eine intakte Familie ist mehr wert als alle Patente zusammen. Ich bin ja kein armer Mann und ich muss auch an Horst denken. Ich muss mich auch um seine Obliegenheiten kümmern, denn sein Gesundheitszustand ist nicht gerade vielversprechend. Ich bin es meinem Mentor schuldig, für ihn da zu sein, wenn es ihm schlechter geht. Es tut mir in der Seele weh, mein Lebenswerk zurückzustellen, aber wenn Tommy oder Silvia etwas passieren würde... das könnt ich mir nie verzeihen!" Bertl, der gerade seine zweite Semmelhälfte mit Butter bestrich, sah auf. "Also des muass ja a bsonders guate Katz sein, die Silvia da! Du bist ja verliebt wie a Schulbub! Aber umso besser, weil sonst wärs eh schwierig deinen Montar-Dickschädel von seinem Vorhaben abzubringen." Michaels Handy schlug an.
"Montar?" - "Guten Morgen Herr Montar! Mir wurde berichtet, sie befänden sich bereits in Gesellschaft ihres Anwalts?" - "Allerdings! Auch wenn ich es nicht besonders mag, beschattet zu werden!" - "Herr Montar, ich sage es ihnen ohne Umschweife! Ein besonders ungeduldiger Kollege aus dem Konsortium, hat bereits ein Dossier über sie an unseren "Finalen Ratgeber" hinausgegeben. Sie befinden sich in akuter Lebensgefahr! Das passiert normalerweise erst, wenn sich ein uneinsichtiger Kandidat endgültig weigert, zu kooperieren. Da aber die missglückte Finanzgeschichte bereits mehr als doppelt so viel Geld verschlungen hat, als wir ihnen für ihre Kooperation geboten hätten, ist dieser Herr ein wenig übers Ziel geschossen..." - "Sie sind auf Lautsprecher und mein Anwalt hört mit, nur zu ihrer Information. Und was soll das nun heißen, was sie mir da erzählen? Ich habe sie nicht darum gebeten, auf meinen Konten herum zu spielen und wenn sie zu hoch gepokert haben, ist das ihre Sache! Mein Anwalt hat meine "Einkünfte" natürlich versteuert, um mich vor Strafverfolgung zu schützen, weshalb sie jetzt auch nicht mehr verfügbar sind. Ihr Problem!" - "Ein vorzüglicher Schachzug, übrigens, Herr Anwalt! Sie sollten sich überlegen, ob sie nicht für uns arbeiten wollen. Kluge Köpfe wie sie können wir immer brauchen..." - "Ich bin zur Zeit ausreichend beschäftigt, danke sehr. Aber ich kann ihnen versichern, dass Herr Montar davon Abstand nimmt, in den nächsten fünf Jahren ein Patent für die bewusste Entwicklung einzureichen und er denkt darüber nach, nach Rücksprache mit ihnen einen Kompromiss einzugehen der eine gemeinschaftlich geplante Markteinführung ermöglichen würde. Vorraussetzung dafür, ist eine sofortige Beendigung der herrschenden Bedrohung durch das Konsortium, beziehungsweise deren gedungenen "Problemlösern". Ich nehme an sie verstehen, was ich damit sagen will." - "Hier haben wir nun ein kleines Problem! Ich persönlich bin geneigt, ihren Lösungsweg einzuschlagen, und werde ihn dem Konsortium wärmstens empfehlen. Wie ich Herrn Montar gestern bereits sagte,  bin ich nur der Sprecher, nicht der Vorstand des Konsortiums.  Dass sie sich das Geld gekonnt unter den Nagel gerissen haben, ist auch nach meiner Ansicht das Pech unserer Schlaumeier. Das tatsächliche Problem ist die Rücknahme des Auftrags an den Security, der damit beauftragt wurde, das Problem zu lösen. Ich kann ihnen im Moment nur zusichern, dass ihre Freundin und deren Sohn, so wie alle anderen ihnen nahestehenden Personen in keiner Weise durch uns bedroht sind. Sie persönlich, Herr Montar, werden zwangsläufig weiterhin beschattet, allerdings um sie zu schützen, bis der Auftrag als zurückgenommen bestätigt wurde und das Konsortium ihrem Lösungsvorschlag zugestimmt hat. Ihr Schatten, den sie nicht wahrnehmen werden, hat auch die Kompetenz, den besagten Herren zurückzupfeifen. Mehr kann ich im Moment nicht für sie tun! Ich persönlich, wünsche ihnen das Beste. Ich melde mich wieder mit dem Entscheid des Konsortiums, meine Herren. Entschuldigen sie bitte, wenn ihr Kaffee nun kalt geworden ist...

Comments

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    O.o. es geht schon los! :-(

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    Hallo Seegraf, ich habe alle Kapitel gelesen und finde sie sehr spannend. Ich freue mich schon auf die nächsten Kapitel. Bertl gefällt mir sehr gut.Ich finde den Dialekt sehr lustig.Mach weiter so. LG Mari Lu

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Fairy Dust

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